♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

Montag, 4. März 2013

Besprochen: DAVID BOWIE - "THE NEXT DAY"

 Totgeglaubte leben nun mal länger:  
Wie aus dem Nichts entsteigt David Bowie nach einem Jahrzehnt seinem musikalischen Scheingrab, und schenkt uns sein erstes mustergültiges Meisterwerk seit mehr als 30 Jahren!

Manch einer wird es womöglich für ein wenig vermessen halten, eine derartige Aussage zu treffen, aber die gegeben Umstände lassen einem fast keine andere Wahl, als es zu einem nahezu historischen musikalischen Moment zu erklären - der jedoch mit dem eigentlichen Endergebnis zunächst gar nicht mal unbedingt etwas zu tun hat denn schon die alleinige Tatsache, dass mit "The Next Day" dieser Tage das erste Album von David Bowie seit 10 Jahren erscheint, ist eine waschechte Sensation für sich - natürlich zusätzlich genährt durch die Erwartung, dass hier eigentlich schon gar nichts mehr zu erwarten war. Zuallererst vor allem im Sinne der Produktivität: 10 Jahre gingen ins Land, in denen man keine neuen Klänge von David Bowie mehr zu hören bekam, was auch sein mittlerweile gehobenes Alter und damit einhergehende gesundheitliche Probleme der letzten Jahre zu erklären schien. Ein wenig Zweifel hatte manch einer womöglich auch im Sinne der Qualtität: so sei vorweg festzuhalten, dass Bowie ohne Frage einen der (oder vielleicht sogar DEN) größten und wichtigsten Musiker der letzten mehr als 40 Jahre darstellt - ebenso muss man aber auch erwähnen, dass sich sein künstlerischer Einfluss seit Beginn der 80er Jahre doch deutlich verflüchtigt hat. In jener Dekade begann sein musikalischer Abstieg, der in den frühen 90ern mit seiner kurzweiligen Nebenband Tin Machine den ultimativen kreativen Tiefpunkt erreichte. Doch das ließ der Herr nicht allzu lange auf sich sitzen, und erarbeitete sich im Verlaufe der restlichen 90er Jahre seinen Ruf als Größe im Pop Stück für Stück zurück - ehe er sich in der frühen 00ern nach ein paar durchweg gelungenen und geschmackvollen Platten vorerst verabschiedete. Immer wieder hatte man sich seitdem gefragt, ob wohl je noch etwas neues von ihm kommen würde....und mit einer Träne im Auge hat man sich mit jedem Jahr, das ohne neue Erkenntnisse verstrich, immer mehr an den Gedanken gewöhnt, dass die Musikwelt wohl in Zukunft ohne einen seiner letzten noch lebenden Legenden wird auskommen müssen. Doch dann, an seinem 66. Geburtstag vor nur wenigen Wochen, ließ Bowie mit einem Mal die Bombe platzen - noch einen Tag zuvor hätte man es für undenkbar gehalten, dass man nur wenige Wochen später eine brandneue Platte des Briten in den Händen halten würde. Selbst für einen weitaus großzügigeren Zeitraum hätte man wohl nur wenige realistische Hoffnungen eingeräumt. Und dieser Umstand sollte auch erklären, warum diese Rezension selbst für meine Verhältnisse vergleichsweise lang ausfallen wird.


Allerdings will ich auch den Befürchtungen manch eines Lesers an dieser Stelle gleich den Wind aus den Segeln nehmen: all das hat nicht zu bedeuten, dass dieses Album schon aufgrund seiner Begleitumstände hier bedingungslos abgefeiert werden wird. Nein, selbst mir als bekennendem Liebhaber Bowie's ist so etwas zu wenig, um von einem guten Album zu sprechen. Am Ende entscheidet allein die Qualität - und auch wenn selbige sich auf seinen letzten Alben (gegenüber seinen Arbeiten der 80er und frühen 90er Jahre) wieder deutlich gesteigert hatte, so konnte sie dennoch nie wieder an die seiner großen und schillernden Tage der 70er und frühen 80er anknüpfen. Vor allem sein 2002er Album "Heathen" stach zuletzt sehr positiv hervor....auch wenn man immer wieder gewillt war und ist, selbiges als ein "Alterswerk" zu betrachten - was vermutlich einer gewissen Milde zu verdanken war, die seine letzten Platten unterschwellig, aber dennoch sehr deutlich ausstrahlten. Doch wer nun zum ersten Mal "The Next Day" auflegt, der wird sein grünes Wunder erleben! Als hätte David Bowie in den vergangenen Jahren eine radikale Verjüngungskur vorgenommen, legt er hier wieder eine Leidenschaft und einen kreativen Sturm und Drang an den Tag, wie man es so schon sehr lange von ihm nicht mehr gehört hat. Äußerst positiv aufhorchen ließen ja die bereits 2 vorab vorgestellten Singles. Zuallererst war da die wunderbare und melancholische Ballade "Where Are We Now?" (siehe oben), die er zusammen mit der Albumankündigung an seinem Geburtstag veröffentlichte - und zwar so überraschend, dass die Tastaturen von Musikjournalisten und Bloggern in Rekordzeit heiß liefen. Und vor nur wenigen Tagen schob Bowie auch sogleich die zweite Single "The Stars (Are Out Tonight)" hinterher - hier legt Bowie plötzlich wieder mehr Tempo auf's Parkett, spricht sich aber von einer restlichen Melancholie dennoch nicht frei...und kredenzt uns in seiner Gesamtheit einen seiner mit Abstand besten Song seit.....langer, langer Zeit! 



Und am liebsten möchte man auf die Knie fallen, und ihm unaufhörlich für sein neues Werk danken: denn auch das komplette Album kann das Versprechen mit Leichtigkeit einlösen, das er uns mit diesen 2 Songs gegeben hat. So etwas inspiriertes, und in nur jeder erdenklich positiven Weise an seine großen Tage von einst gemahnendes wie dies, hat wohl auf einer Platte David Bowie's zu meinen Lebzeiten noch nicht stattgefunden - fast zumindest....aber als sein letztes echtes Meisterwerk "Scary Monsters (and Super Creeps)" im September 1980 erschien, war ich dann doch erst einen Monat alt. 
Warum "The Next Day" das erste Album seiner Sorte seit mehr als 3 Dekaden ist, erklärt sich allein schon beim ersten Hören: so viel Energie und songschreiberische Raffinesse hatte man nahezu nicht mehr für möglich zu gehalten...es schien ganz so, als seien diese guten alten Zeiten schon längst vorbei, und der ungestüme, kreative Bowie schon längst einer älteren, zwar nicht schlechten, aber gediegeneren und "harmloseren" Version gewichen. Doch dieser Tage scheint ein zweiter Frühling für die Helden von gestern gekommen zu sein: nachdem im vergangenen Jahr etwa Neil Young  mit "Psychedelic Pill" einen erneuten Meilenstein vorlegte, und auch Bob Dylan mit einem weiteren Alterswerk hohe Anerkennung fand, so ist nun die Zeit für David Bowie gekommen. Und wie sie gekommen ist: denn hier findet er auf ganzer Linie zu seinen alten Stärken zurück, die er doch schon so lange nicht mehr zu mobilisieren imstande war. Das er für das Artwork des neues Albums dann quasi das Cover seines '77er Jahrhundert-Werks "Heroes" recycelte, erscheint in diesem Kontext fast schon logisch. Denn der komplette Sound, mit dem er nun wieder in die Musikwelt zurück kehrt, klingt so von seinen Werken der 70er beseelt, wie es nur die Originale einst zustande brachten (nur die eleketronischen Elemente á la Kraftwerk werden hier ausgespart, die ja etwa auch "Heroes" prägten). Schon der Opener und Titelsong  "The Next Day" (♪♫♪) fördert diese Gewissheit zutage - in Gestalt eines beherzten Glamrock-Ohrfängers, der wie eine verschollene Song-Delikatesse seiner einstigen Sturm & Drang-Phase anmutet. "Love Is Lost" (♫♪) kommt mit einer eindringlichen und ster-melancholischen Grundstimmung, im Hintergrund schrammelnden Gitarrenakkorden und einprägsamer Orgelbegleitung daher, während das grandiose "Valentine's Day" (♪♫♪) einem vor lauter Erinnerungen an Perlen wie "Ziggy Stardust" Gänsehaut über den Körper, und Freudentränen in die Augen treibt. "If You Can't See Me" (♫♪) gerät zum energetischen Hit, der auf Anhieb in die Schaltkreise sickert, "Dancing Out In Space" (♪♫♪) kommt als potentieller Hit/Klassiker mit einprägsamer Gitarren-Hookline des Weges, "How Does The Grass Grow" (♪♫♪) macht einem als weiterer nahezu perfekter Beitrag den Mund wässerig, der zudem voll und ganz den Geist seiner Glanzzeiten herauf beschwört, und der einnehmende und schlichtweg großartige Rocker "(You Will) Set The World On Fire" (♪♫♪), könnte ohne Zweifel und zurecht zu einem weiteren Meilenstein im Œuvre des Künstlers mutieren.

Zwar gilt auch hier (wie bei den meisten Platten seiner Art), dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile - aber dann doch auch nicht so wahnsinnig viel mehr. Nahezu ausschließlich großartige Songs hat David Bowie auf seinem Comeback-Album versammelt, die auch soundtechnisch so frisch, mitreißend, inspiriert und authentisch, ja sogar fast schon "jugendlich" daher kommen, dass einem im Grunde gar nichts anderes übrig bleibt, als "The Next Day" mit der Höchstwertung zu adeln. Denn Fakt ist: auch wenn keine so vergleichsweise lange Pause existiert hätte, man würde dies als ebenso erstaunlich und durch und durch großartig empfinden, wie es auch nun der Fall ist. Denn am Ende zählt nun mal das, was hinten raus kommt. Und in diesem Fall ist das nichts geringeres als ganz große Kunst, ein Meisterstreich höchster Güte. Und wenn in diesem Jahr nichts spannenderes oder besseres mehr passiert, ist "The Next Day" schon jetzt ein heißer Anwärter auf die Platte des Jahres.



Donnerstag, 28. Februar 2013

Besprochen: DIDO - "GIRL WHO GOT AWAY"

 Nach einer gefühlten Ewigkeit ist Dido wieder zurück - und hat uns endlich wieder ein wirklich  fabelhaftes Album mitgebracht.

Knapp 5 Jahre ist es nun schon wieder her, dass die britische Künstlerin Dido ihr letztes Album veröffentlichte - was allerdings keine große Überraschung ist, hat sich die Dame doch von Anfang an einen ähnlichen Veröffentlichungsrhythmus angewöhnt. Doch diesmal wirkte die Wartezeit noch ein wenig länger - was wohl der Tatsache geschuldet ist, dass ihr besagtes letztes Album nicht so der große Wurf war. Nun gut: "Safe Trip Home" war durchaus ein schönes Album....im Sinne von "schön" eben....nett anzuhören, das eine oder andere Highlight war auch auszumachen...aber in seiner Gesamtheit wirkte die Platte dann doch so verschlafen, so ruhig und unaufgeregt, dass sie schnell wieder aus der Wahrnehmung verschwand - wenn man sie denn einst überhaupt wahrnahm. Und seitdem war wie gewohnt vor allem Stille um Dido. Bis dann vor wenigen Monaten definitiv klar war: es wird ein neues Album kommen! Das nun 4. Album der berühmten Schwester von Faithless-Mastermind Rollo Armstrong, steht auch dieser Tage endlich in den Läden und Download-Stores dieser Welt. "Girl Who Got Away" hat Dido selbiges getauft - und der erste Ausblick darauf machte schon große Hoffnungen: die Promo-Single "Let Us Move On" (♪♫♪), ein großartiges, von fabelhaft triphopigen Beats unterlegtes Stück Pop, das von einem famosen Rap-Part des neuen HipHop-Wunderkindes Kendrick Lamar begleitet wird. Mit anderen Worten: ein Volltreffer! Die erste offizielle Single des neuen Albums ist allerdings ein anderer Song - eben jener, der auch in das nun fertige neue Album einführt: die wunderbar sanfte und zärtlich-schöne Ballade "No Freedom"! Wer sich beim ersten Hören vielleicht ein wenig in die Stimmung des letzten Albums versetzt fühlt, bei dem wird sich die Leadsingle nach spätestens ein paar Durchläufen zu dem heraus schälen, was sie nun mal ist: ein ganz und gar wunderbarer Song!



Aber: die erste Single setzt keine Maßstäbe für die restliche Platte, die wieder einmal zu weiten Teilen mit ihrem Bruder Rollo als Produzent entstand. Hier driftet sie durch verschiedenste Klangwelten, und verzettelt sich nicht mehr wie zuletzt in ausschließlich gemächlichen Balladen, die am Ende dann doch alle irgendwie ziemlich gleich klangen. Ruhige Momente gibt es hier ohne Frage auch - und diese haben hier durchweg ihre Berechtigung. So kann man etwa den Titelsong "Girl Who Got Away" (♪♫) als ganz wunderbare, warme, und schick produzierte Elektro-Pop-Ballade umschreiben, die sich sehen resp. hören lassen kann. Oder "Happy New Year" (♪♫♪), welches natürlich keine Cover-Version des Abba-Schlagers ist - das wäre nahezu eine Beleidigung, für diese wunderschöne und melancholisch-gefühlvolle Perle. Und natürlich das famose und nachdenkliche, tief melancholische "The Day Before We Went To War" (♪♫♪), an dessen Songwriting auch Brian Eno beteiligt war. Doch auch Ausflüge über TripHop bis hin zu Elektro und Dance unternimmt sie immer wieder.  Mit "Blackbird" (♪♫♪) gibt sie einen potentiellen Hit zum Besten, der sich als famos melodischer, getragener und einnehmender Dance-Pop zu erkennen gibt. Und ebenfalls äußerst Single-tauglich kommt auch "End of Night" (♪♫♪) daher - diesmal in Form eines herrlichen und 80s-informierten Synthpop-Ohrwurms.

Letzten Endes kann "Girl Who Got Away" natürlich trotz all seiner Vorzüge nicht mit ihrem grandiosen '99er Debüt "No Angel" mithalten - und dennoch macht es eine mindestens so gute Figur wie ihr Zweitwerk "Life For Rent"....oder gar eine noch bessere: "Girl Who Got Away" vermittelt ein geschlosseneres Album-Feeling, während ihr zweites Album mehr wie eine Best-of anmutete. Doch auch jenseits aller Vergleiche lässt sich ohne Zweifel feststellen, dass Dido mal wieder ein hervorragendes Album gelungen ist, das über den etwas scharchigen Vorgänger locker hinweg tröstet.

 

Freitag, 15. Februar 2013

Besprochen: A$AP ROCKY - "LONG. LIVE. A$AP"

A$AP Rocky tritt mit einem gelungenen Debüt an, um tatkräftig bei der Rettung des US-Mainstream-HipHop zu helfen - und seine Chancen stehen gut.

Wann immer ich von Leuten gefragt werde, ob ich HipHop höre, gibt es eine in der Regel typiche Antwort: "Nur den guten." Was in meiner Übersetzung soviel heißt wie: ich stelle bestimmte Ansprüche an für mich guten HipHop, die solche räudigen Mainstream-Ausgeburten wie etwa 50 Cent weit verfehlen. Auf der Seite der Guten stehen dann Leute wie Kanye West, beizeiten Jay-Z, oder gar zuletzt hinzugekommen: Kendrick Lamar, der Ende letzten Jahres für sein Debütalbum einigen verdienten Lob einfuhr. Auf ein ähnliches Podest wie zuletzt Lamar, wird nun auch der relative Newcomer A$AP Rocky mit seinem Debütalbum "Long. Live. A$AP" gestellt, welches seinem 2011er Mixtape "Live. Love. A$AP" folgt. Nun, dieser Vergleich ist natürlich hier leicht gezogen, zumal Lamar auch auf der zweiten Single "Fuckin' Problems" mit von der Partie war. Wobei auch Drake und 2 Chainz dabei helfen, diesen schlichten, aber wirkungsvollen Hit zu veredeln.

ASAP Rocky - Fuckin' Problem (ft Drake, 2 Chainz, Kendrick Lamar) [Official Video] from BooDiLAND on Vimeo.

Und doch geht dies hier in eine etwas andere Richtung...A$AP Rocky nähert sich duetlich mehr dem zeitgeistigen Mainstream-HipHop an, was auch die zahlreichen musikalischen Gäste verdeutlichen. Und doch macht er seine Sache dabei gar nicht so übel, wie es nun vielleicht zu vermuten wäre. Auf ein Niveau eines 50 Cent begibt er sich Gott sei's gelobt nicht herab, verzichtet aber dennoch nicht auf durch gestylte Beats und Sounds. So geht der Opener und Titelsong als solider HipHop-Track durch, minimalistisch geschmackvoll produziert, und mit einem schwebend-schönen Refrain versehen. Die erste Single "Goldie" (♪♫♪) braucht nicht viel mehr, als authentisch vorgetragene Raps, ein paar schicke Beats und eine einfache und feine, aber einprägsame Hookline, um zu fuktionieren. Als durchweg gelungen ist auch das eher getragene "Hell" (♪♫♪) zu betrachten, in der die wunderbare Santigold für einen beseelten Refrain sorgt. Durch die Zusammenarbeit mit dem ADHS-Techno-Guru Skrillex, könnte man bei "Wild For The Night" (♪♫♪) gar schlimmes befürchten - doch bis auf ein paar schrille Synthie-Attacken, fällt er gar nicht weiter auf. Und "Phoenix" (♪♫♪) ist eines DER Albumhighlights - eine emotionale HipHop-Ballade, von niemand geringerem im Szene gesetzt, als Danger Mouse höchst persönlich. Was wäre wohl möglich gewesen, hätte er die gesamte Platte betreut? 

Vielleicht hätte es ein in sich geschlosseneres Album ergeben. Denn irgendwie will dieses hoch umfeierte Debüt, nicht so ganz in die hohe Liga eines Kendrick Lamar, oder gar eines Fank Ocean (guuut, der ist auch Soul/RnB und nicht HipHop, aber trotzdem) hinein passen. Dafür sucht A$AP Rocky auf "Long. Live. A$AP" zu deutlich die Nähe zu Vorbildern aus dem Mainstream - nur das er vielen von ihnen damit den Rang abläuft. Ein mehr als solides Debüt, das neugierig auf seine Zukunft macht. Denn eines wird hier auf jeden Fall deutlich: A$AP Rocky gehört zu den Guten. 

 

Donnerstag, 14. Februar 2013

Besprochen: FOXYGEN - "WE ARE THE 21st CENTURY AMBASSADORS OF PEACE & MAGIC"

 Mit Album No.2 in nur 6 Monaten, ist Foxygen eines kleines 60s-Psych-Pop-Meisterwerk gelungen, das mit ein klein wenig Zeit durchaus ein großes werden könnte!

Das Foxygen, das amerikanische Duo um Jonathan Rado und Sam France, musikalisch von Anbeginn deutlich von den 60s inspiriert war, kann man noch heute deutlich ihrem fabelhaften Debütalbum "Take The Kids Off Broadway" anhören. Doch nicht nur in dieser Hinsicht scheint jene Dekade einen starken Eindruck auf die beiden Herren gemacht zu haben. Auch der Veröffentlichungs-Rhythmus legt diese Annahme nahe: erschien ihr besagtes Debüt erst im Juli vergangenen Jahres, so schoben sie schon vor wenigen Wochen ihr Zweitwerk nach -nur ein halbes Jahr später! Und das in einer Zeit, in der ein Veröffentlichungs-Rhythmus von 2 - 3 Jahren die Regel ist. So ein rascher Output wie es die beiden jungen Männer hier vormachen, war in den 60ern allerdings gar nicht so selten - und auch ihr 2. Album "We Are The 21st Century Ambassadors Of Peace & Magic", klingt  wie ein aus eben diesem Jahrzehnt geklautes Meisterstück, irgendwo zwischen Blues- und Psychedelic-Rock...mit einer Menge (guter?) Drogen. Wobei: wer sie bislang nur anhand ihrer aktuellen Single "San Francisco" kennt, der könnte mitunter anderes vermuten! Ein herrlicher, leicht süßlicher und verdammt ansteckender 60s-Psychedelic-Pop-Ohrwurm, der oft nahezu blumig und heimelig wirkt - und doch stellt es kein Gegensatz zum Rest des Albums dar. 



Das Duo schnürt uns hier vielmehr ein Bündel aus Ohrwürmern, in denen sie die komplette Bandbreite zwischen hübsch glöckelndem 60s-Pop, und vor bewusstseinserweiternder Substanzen nur so strotzendem Psychedelic-Rock abdecken - dabei bleiben sie aber immer herrlich melodisch...und kriegen einen  immer wieder mit diesen psychedelisch glitzernden und unwiderstehlichen Hits aus einer anderen Zeit. Schon zum Einstieg machen sie uns mit einem stimmungsvollen und beatlesken Ohrwurm wie "In The Darkness" (♪♫♪) den Mund wässerig, um dann im bluesigeren "No Destruction" (♪♫♪) etwas weiter in die Umlaufbahn von The Velvet Underground zu wandern. Als wahrer Kracher erweist sich "On Blue Mountain" (♪♫♪), der auf fabelhafte Weise einen mitreißenden Ohrwurm mit bedrogtem Psychedelic-Rock verbindet. "Shuggle" (♪♫♪), die erste Single der Platte, geht einem als großartiger 60s-Psych-Pop-Ohrfänger aus dem Stand sofort in die Synapsen - und würde heute den Titel Klassiker verdienen, wäre er bereits einst erschienen. Mit "Oh Yeah" (♪♫♪) setzten sie dann sogleich noch einen Hit oben drauf, der mit einem mitreißenden Refrain gesegnet, und zudem gar nicht weit von MGMT entfernt ist. Der Titelsong "We Are The 21st Century Ambassadors of Peace & Magic" (♪♫♪) gibt dann famosen Psychrock zum Besten, der diversen Stil- und Tempowechseln unterworfen ist. Und mit dem atmosphärischen, zwischen düster-melancholisch und unbekümmert heiter verschwimmenden "Oh No 2" (♪♫♪), lassen Foxygen ihr zweites Album ausklingen.

Man kann ohne weiteres behaupten das dem Duo mit "We Are The Ambassadors of Peace & Magic" eine kleines Meisterwerk gelungen ist. Ob nun auch ein großes daraus wird, das wird die Langzeitwirkung entscheiden müssen. Doch über ein Wiedersehen in der Jahresbestenliste 2013 würde ich mich sehr freuen...


 

Sonntag, 10. Februar 2013

Besprochen: NICK CAVE & THE BAD SEEDS - "PUSH THE SKY AWAY"

Spätwerk hin und Altersmilde her: das neue und 15. Album von Nick Cave & The Bad Seeds ist vor allem zeitlos....und nebenbei auch ganz wunderbar!

Nick Cave zählt ja nun auch schon zu den Altmeistern im Musikbusiness. Immerhin hat er mittlerweile 55 Lebensjahre, knapp 30 Jahre Karriere,  und 14 Studioalben mit seinen Bad Seeds auf dem Buckel - hat dabei aber kaum etwas an musikalischer Bedeutung und Wichtigkeit verloren. 5 Jahre nach dem letzten gemeinsamen Album "Dig, Lazarus, Dig!!!", kommen sie dieser Tage nun mit ihrem 15. Studioalbum daher, welches den Titel "Push The Sky Away" trägt. Und nachdem er und seine Band auf dem letzten Album schon mal dem Affen ordentlich Zucker gaben, ist "Pushing The Sky Away" ein sehr melancholisches Album geworden. Die ruhigen Klänge dominieren das neue Werk, ohne dabei aber der Altersmilde zu verfallen, von der ja in dieser Lebensstation eines Musikers gern immer wieder schwadroniert wird. Nein, die düster-melancholische Grundstimmung die die gesamte neue Platte von Cave und seinen Bad Seeds durchweht, bildet in seiner Summe ein zu beseeltes und schlüssiges Gesamtwerk, als das man es mit solch unnötigen Etiketten bekleben sollte. Als Einstieg in das neue Album dient gleich die erste Single "We No Who U R", die wohl am besten mit dem Wörtchen "göttlich" umschrieben werden kann - zwar gelingt diese Ballade zu dunkel für derart theologische Metaphern, doch wohnt dem Song ein Zauber inne, den er mit nur wenigen Mitteln erzeugt. Ein Song der haften bleibt.



Aber er soll fürwahr nicht der einzige unter den 9 neuen Songs bleiben. So legt Cave mit dem grandios unaufgeregten, und eine fabelhaft diabolische Atmosphäre ausstrahlenden "Waters Gate" ein weiters Glanzstück vor, das keine großen Gesten benötigt, um Gänsehaut zu erzeugen. Der mehr als 6-minütige und stille Epos "Jubilee Street" (♪♫♪), birgt zudem gar Klassiker-Qualitäten - so zeige man mir denjenigen, der nicht schon bei den zarten Gitarrenakkorden am Anfang aufhorcht, oder jenen, den die zeitlose Melodie nicht auf Anhieb gefangen nimmt. Und wenn dann im letzten Drittel unaufdringliche Streicher mit ins Spiel kommen, hat der Song das Herz bereits im sanften Sturm erobert. Dem folgt mit "Mermaids" dann eine songgewordene Delikatesse, die Anfangs samtige, soft psychedelisch anmutende Klänge vermittelt, ehe sich der Song gen Refrain fast unmerklich zu einer ruhigen, aber geradezu betörend schönen Hmyne erhebt. Fast schon dämonische, aber mindestens ebenso so erhabene Klänge entfahren dann dem großartigen "We Real Cool", der dunkle, äußerst famose und ganze 8 Minuten lange "Higgs Boson Blues", ist allein schon wegen der herrlichen Textpassage "Hannah Montana does the African savannah" ein Muss, und mit dem minimalistischen und in den schönsten Grautönen schillernden Titelsong "Push The Sky Away", findet das Album dann schließlich sein Ende.

Ob sich Nick Cave & The Bad Seeds hier weiterentwickelt haben, oder dann doch das Gegenteil der Fall ist (oder womöglich auch keines von beidem), dass bleibt an dieser Stelle ungeklärt - denn in der Tat habe ich bislang nur wenige ihrer Alben zu Ohren bekommen. Was hier aber auch rein gar nichts ausmacht - denn selbst für den eher unbefangenen Hörer eröffnet sich mit "Push The Sky Away" ein hervorragendes und berührendes Album, das uns die noch stets anhaltenden grauen Wintertage ein wenig zu versüßen vermag. Wobei man natürlich auch passend dazu in melancholischer Stimmung versinken kann - aber bei so wunderbarer Musik, lässt man sich doch gern mal ein bisschen runter ziehen, oder!?






Das gesamte Album könnt ihr hier im Stream hören!