♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

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Freitag, 28. September 2012

Besprochen: GRIZZLY BEAR - "SHIELDS"

Überraschungen bieten Grizzly Bear auf ihrem neuen Album nur wenige - dafür aber wieder einmal brillanten Folk-Pop in Tüten!

Wenn Grizzly Bear in den vergangenen Jahren für etwas bekannt waren, dann war dies hinreißender Folk-Pop mit langem Haltbarkeitsdatum. Wer das nicht bereits bei ihrem 2006er Zweitwerk "Yellow House" merkte, der kapierte den Witz wohl spätestens mit ihrem letzten Album "Veckatimest" - und nicht nur weil es den unsterblichen Hit "Two Weeks" mit an Bord hatte, der recht massenwirksam auch bereits bei der Sitcom "How I Met Your Mother" zum Einsatz kam. Wer an der Band bislang dennoch  vorbei geschlittert ist, der hat nun mit ihrem 4. Album die Gelegenheit, sich in das Brooklyner Quartett zu verknallen. Und dazu hat der Hörer auch hier wieder allen Grund. Zwar bleiben auf "Shields" die großen  Überraschungen nahezu gänzlich aus, aber dennoch kann die Band immer wieder mit einem trumpfen: großen Melodien, verpackt in zeitlos schönen Folk-Pop. Ein perfektes Beispiel dafür ist der Albumopener "Sleeping Ute" (♪♫♪), der ja bereits in den letzten Monaten durch die Landen geisterte, und als großartige, psychedelisch veranlagte Folkrock-Perle auftrumpfen konnte. Den Hang zu scheinbar formvollendetem Folk-Pop macht auch der folgende Song deutlich, der auf den Namen "Speak In Rounds" (♪♫♪) hört - ein fabelhafter und getragener Song, der mit einer enorm zeitlosen Ausstrahlung gesegnet ist. Und jetzt heißt es: anschnallen! Denn mit "Yet Again" gibt es dann den wohl stärksten Song der neuen Platte, der sich wie eine strahlende Kathedrale hoch hinauf in den Folk-Himmel bohrt. 



Mit "Gun-Shy" (♪♫♪) segelt die Band vor dem inneren Auge in einen melancholisch-schönen Sonnenuntergang, während sanfte Synthesizer am Horizont tanzen. Und "Half Gate" (♪♫♪), das vergleichsweise sanft und verträumt beginnt, schwingt sich zur erhabenen Hymne empor. "Shields" ist ein Album geworden, das es einem anfangs vielleicht nicht immer allzu leicht macht. Das soll die letztendlich oft phänomenalen Qualitäten des Albums nicht herunter spielen - es ist nur vielmehr so, dass hier bei genauem Hinhören wahrlich wunderschöne Schätze zu finden sind, die sich gemeinschaftlich dem Hörer als ein herausragendes Album ergießen. Doch es braucht schon zu Beginn viel Zuwendung - im falschen Moment ein wenig unaufmerksam, und plötzlich rauschen viele Songs nahezu unbemerkt ein einem vorüber. Doch es wäre zu schade, all das zu verpassen, was die Band hier anzubieten hat. Was beim beiläufigen Hören unterging, eröffnet einem bei genauerer Betrachtung ungeahnte Schönheiten. Mit jedem Mal schälen sich mehr Highlights heraus, bis die Lieblingssongs sich mit jedem Genuss abwechseln. Wer neu im Kosmos von Grizzly Bear ist, den wird "Shields" wohl ohne Wenn und Aber sofort liebevoll unter die klatschen. Ausgerechnet Kenner und Liebhaber der Band, müssen hier wohl hingegen manchmal ein wenig aufmerksamer hinhören. Und das macht man als solcher wohl nur allzu gerne - denn wenn sich das nicht bei einer Band wie Grizzly Bear lohnt, bei welcher dann?


Donnerstag, 27. September 2012

Besprochen: JESSIE WARE - "DEVOTION"

The Groove Is In Her Heart: Jessie Ware schließt mit ihrem Debüt die Lücke zwischen Adele, Sade und SBTRKT - und legt damit ein massives Fundament für eine große Zukunft.

Man muss sich ja immer wieder fragen, ob in England irgend etwas besonderes im Trinkwasser ist, spuckt das Vereinte Königreich doch immer wieder neue fesselnde Künstler aus, die weit mehr schaffen, als reine Musik für den Moment. Vielmehr rieseln in diesem Land seit den Beatles scheinbar unaufhörlich neue Musiker aus allen Ritzen, die das Zeug für mehr haben. Wesentlich mehr. Dieser Trend bleibt auch in der Gegenwart unverändert, und bedient dabei nahezu alle Stilrichtungen. Eine neue Sensation aus Great Britain vereint verschiedene Stile, und stellt dabei eine Art Missing Link, irgendwo zwischen Adele, SBTRKT  und Sade dar: von Jessie Ware ist die Rede, einer jungen Singer/Songwriterin, die nun mit "Devotion" ihr Debütalbum vorlegt. Es ist eine leidenschaftliche, eine verträumte, eine eindringliche und sinnliche Platte geworden - und eine großartige noch dazu. Doch das dies für manche keine allzu große Überraschung darstellte, erklären bereits die 3 vorab veröffentlichten Singles. Zuerst einmal war da "Running" (♪♫♪), die erste Single des Albums, die Anfang diesen Jahres erschien - und als getragene und doch groovige, sanft elektronisch gefärbte R&B-Perle verzauberte, welche schon die sinnliche Ausstrahlung von Sade zitierte, die uns in ihrer Musik noch öfter begegnen wird. Danach folgte "110%" (♪♫♪), ein wunderbares und auf atmosphärischer Elektronik schwebendes Pop-Kunststück,  welches bereits fleißig durch die Blogosphäre gepeitscht wurde. Wem bis hierher noch nicht der Schalter rausflog, bei dem wird dies mit Sicherheit die 3. und aktuelle Single "Wildest Moments" besorgt haben: eine grandiose und einnehmende Ballade, die zentimeterdicke Gänsehaut herauf beschwört, und  die erhabene Größe eines zukünftigen Klassikers besitzt.



Spätestens von hier an konnte man nicht mehr genug bekommen von der 26jährigen Britin - und diesen Hunger stillt sie nun mit ihrem Debütalbum "Devotion", das einen aber gleichzeitig nach immer mehr betteln lässt. Wie aus einem Guss, und dennoch so facettenreich klingt das, was sie uns hier gezaubert hat. Auf "Still Love Me" (♪♫♪) vereint sie warmen und groovigen Soul mit minimalistischer und hypnotischer Elektronik, der Titelsong (und Album-Opener) "Devotion" (♪♫♪) gibt ein erotisches und gleichzeitig romantisch warmes Highlight zum besten, die kommende Single "Night Light" (♪♫♪) offenbart einen fabelhaft in Szene gesetzten und leidenschaftlichen Pop-Hit, und mit "Taking The Water" setzt sie dann noch eine gefühlvolle und erhabene, vom Synthpop geküsste Hymne oben drauf. Jessie Ware hat mit ihrem Debüt eines dieser seltenen Alben vollbracht, das nicht einfach nur ein weiteres neues Album, eines weiteren Newcomers darstellt. Das hier ist mehr - "Devotion" ist so etwas wie eine sinnliche Revolution, ein zärtlicher Epos, und ein massives Fundament für eine große Zukunft.



Dienstag, 25. September 2012

Besprochen: PLAN B - "ILL MANORS"

Auf seinem neuen Album kehrt Plan B dem Soul verstärkt den Rücken, und umso deutlicher zu seinen Rap-Wurzeln zurück - und bleibt dabei genauso unverzichtbar.

Was war doch "The Defamation of Strickland Banks", das 2. und bislang letzte Album von Plan B aus dem Jahr 2009, für eine Sensation. Der von seinem Debüt "Who Needs Action When You Got Words" eher im spröden "weißen" HipHop-Stil à la Eminem bekannte Engländer, warf die alten Gewohnheiten über Bord, und sich selbst ganz dem Neo-Soul in die Arme, der ihm so wunderbar zu Gesicht stand, dass man sich in dieses Konzept-Album, welches das fiktive Schicksal eines unschuldig wegen Mordes verurteilten und inhaftierten Mannes erzählt,  einfach verlieben MUSSTE. Aber eingefleischte Fans der Vorgängers, könnten nun in ihren Erwartungen vielleicht ein wenig enttäuscht werden: denn ließ das offene Ende seines letzten Werkes auf eine Fortsetzung von Stil und Story schließen, kehrt Ben Drew alias Plan B auf seinem neuen Album "Ill Manors" zu seinen Rap-Wurzeln zurück. Doch das Album ist noch viel mehr. Es wird als eine Art "HipHop-Musical für das 21. Jahrhundert" beschrieben, das auch den Soundtrack des gleichnamigen Filmes darstellt, zu dem der Künstler nicht nur das Drehbuch schrieb, sondern auch gleich selber Regie führte. Ein gewaltiges Gesamtkunstwerk also, dessen akustische Hälfte schon durchweg zu überzeugen und begeistern weiß. Denn wenn sie zumindest keine vollständige Abneigung gegenüber diversen Spielarten des HipHop haben, wird hier nicht einmal den eingefleischten Fans der letzten Platte ein Grund zur Enttäuschung geboten. Denn trotz seiner Rückkehr zum HipHop zeigt sich Plan B hier von einer enorm kreativen Seite - und auch die Melodiösität kommt nie zu kurz. Die erste Single und Titelnummer "Ill Manors" zeugt bereits davon, bei der sich vor allem deutschsprachige Hörer verwundert die Ohren reiben werden. Denn, ja: es basiert in der Tat auf einem Sample aus "Alles neu" von Peter Fox, der aber seinerseits bereits die 7. Sinfonie von Shostakovich zitierte.
Plan B - ill Manors. from Rokkit on Vimeo.

Und was auf seinem neuen Meisterstreich sonst noch so auf uns wartet, hält die Spannungskurve - ähnlich wie bei dem erfolgreichen Vorläufer - konstant hoch.  So zeigt er auf "I Am The Narrator" (♪♫♪) wie atmosphärisch und authentisch HipHop sein kann, was er daraufhin im noch melodischeren "Drug Dealer" (♪♫♪) erneut unter Beweis stellt. "Playing With Fire" (♪♫♪), das in den Versen auf einsamen Akustikgitarren balanciert, und im Refrain zu seiner vollen und hymnischen Größe empor steigt, birgt enorme Hitqualitäten, und wird bereits als kommende (dritte) Single gehandelt. Bis dahin ergötzen wir uns aber noch an der aktuellen und zweiten Single "Deepest Shame" (♪♫♪), einem großartigen Song-Meisterwerk, das wieder verstärkt auf Soul-Elemente setzt - und einen schier aus den Schuhen fegt. "Lost My Way" (♪♫♪) zeigt sich ordentlich aufgedreht, aber mindestens ebenso facettenreich und enorm spannend. "Great Day For a Murder" (♪♫♪) ist ein weiteres Highlight der Platte, das spröde Raps, Rock-Elemente und einen höchst melodischen Refrain, zu einem todsicheren Hit vereint. Und im famosen "Falling Down" (♪♫♪) kommen ein düsteres Piano und atmosphärische Gitarrenakkorde zum Einsatz, ehe es von TripHop-Beats, dunklen Synthies und sich in immer weitere Höhen schraubendem Gesang erobert wird. Und so hat Plan B - trotz der überdimensionalen Erwartungen nach dem fantastischen Vorgänger - wieder einmal alles richtig gemacht.

 

Montag, 24. September 2012

Besprochen: MUSE - "THE 2ND LAW"

Auch auf Album No.6 sitzen bei Muse wieder einmal Pomp und Pathos verdammt locker. Nur die guten Songs dazu, sind ihnen leider nicht eingefallen.

Muse stellen mich von Album zu Album vor mehr Schwierigkeiten. Bis zu ihrem 3. Album "Absolution" im Jahr 2003, lief noch alles glatt, aber mit dem 2006er Album "Black Holes & Revelations" war es dann schon etwas schwieriger. Anfangs konnte das Album zwar durchaus überzeugen, aber der Zahn der Zeit ließ nicht viel übrig von dem Album, bis auf gepflegte Langeweile mit 1 oder 2 memorablen Perlen. Und ihr letztes Album "The Resistance" war dann ein noch größerer Reinfall, von dem bei mir rein gar nichts hängen geblieben ist - bis auf das Wissen um dessen enormen Erfolg, der im Vergleich dazu aber höchst ironisch wirkte. Der Wirbel, der nun im Vorfeld bereits um ihr neues Album "The 2nd Law" gemacht wurde, machte einen schon zu Anbeginn skeptisch - die vorab veröffentlichte Musik daraus, aber mindestens ebenso. Man nehme etwa "Survival" - quasi erste Single des neuen Albums und zudem der offizielle Song der oylmpischen Spiele diesen Sommer in London. Also mächtig wichtig und so - und sehr wichtig scheint sich die Band auch in dem Song selbst zu fühlen. Doch wer nicht Queen ist, der sollte auch nicht versuchen so zu klingen - denn sonst kommt eben so ein bis weit über die Schmerzgrenze hinaus zugekleisterter Klumpen aus Glam-Rock dabei heraus, wie hier wunderbar zu hören ist:  


Und auch die zweite Single "Madness" (♪♫♪) kam als recht schnarchige Angelegenheit des Weges, die zumindest zum Ende hin ein wenig Fahrt aufnimmt - was den Song selbst aber auch nicht wesentlich interessanter macht. Doch die Singles sagen oft nur wenig über ihre zugehörigen Alben aus. Bei "The 2nd Law" fällt auf, dass die Band deutlich versucht, in den verschiedensten Richtungen zu experimentieren, was einen deutlich positiven Effekt haben könnte. Wenn man seine Songs dann allerdings immer mit allem verfügbaren Pomp und Pathos voll stopft, wirkt das ganze am Ende dann doch ziemlich aufgesetzt. Und das ist wohl auch das Problem, welches das neue Album von Muse hat. Schon zum Auftakt begrüßt uns die Band etwa via "Supremacy" mit einem Kitschbrocken, der klingt wie ein überambitionierter und verunglückter 007-Song. "Panic Station" weckt dann zeitweilig den Verdacht, als würde die Band sich auf recht unbeholfene Weise, am eh ziemlich uninteressanten Bowie der 80er Jahre versuchen. "Follow Me" macht Anfangs gar keine schlechte Figur, ehe sie die Nummer mit stressigen Techno-Attacken á la Skrillex, übertrieben donnernden Gitarren-Gewittern, und letztendlich etwas zu klebrigen Synthies, mit voller Wucht gegen die Wand fahren. Und beim (instrumentalen) Titel-Zweiteiler "The 2nd Law" wird es dann ganz gefährlich: bei der ersten Hälfte "Unsustainable" (♪♫♪), sieht man wieder einmal James Bond vorm inneren Auge seine Posen schmeißen, nur das es sich so anhört, als hätte Skrillex das ganze am Ende nochmal durch seine ADHS-Techno-Maschinerie laufen lassen. Und die zweite Hälfte "Isolated System" (♪♫♪), schiebt dann eine eher ruhige Kugel - nicht unschön, aber eben auch nicht wirklich essentiell. Ein paar seltene Momente zum aufatmen gibt es hier aber dennoch: das zurückgenommene und von Pathos fast gänzlich befreite "Save Me", kann sich durchaus sehen lassen, und ohne seine übertriebenen Hard-Rock-Riffs, wäre auch "Liquid State" nicht von schlechten Eltern. Fans werden natürlich wieder feiern, als wäre "The 2nd Law" das größte Album der Welt. Sollen sie - mich hingegen lässt die Band ein weiteres Mal ziemlich kalt. Und man kann nicht behaupten, dass ich etwas anderes erwartet hätte.


Sonntag, 23. September 2012

Besprochen: MIKA - "THE ORIGIN OF LOVE"

Mika läuft zu seiner persönlichen Höchstform auf, und zeigt sich auf Album No.3 so gut wie nie zuvor!

Wer den Verfasser dieser Zeilen ein wenig näher kennt, der weiß, dass der britische Sänger Mika nie zu seinen ausgesprochenen Favoriten zählte - um es besonders nett auszudrücken. Sein Debüt "Life In Cartoon Motion" (2007) war so etwas wie gnadenlos überzuckerter Bubblegum- Pop, der zwar kurzzeitig bespaßen konnte, einem aber sehr bald gehörig auf den Zeiger ging. Und der Nachfolger "The Boy Who Knew Too Much" (2009) konnte mich dann nur mit seiner Vorabsingle "We Are Golden" hinterm Ofen hervor locken - der Rest war dann eher ein Fall für die Tonne. Seitdem war es ruhiger um dem Herren, der nun aber mit seinem 3. Studioalbum  "The Origin Of Love" zurück kehrt. Eingeläutet wurde es gleich von 2 Songs. Zum einen war da die erste Single "Elle Me Dit" (♪♫♪), die ausschließlich für den französischsprachigen Markt gedacht ist - und auf der internationalen Version in seiner englischen Fassung "Emily" (♪♫♪) enthalten ist. Trotzdem ein gar nicht so übler Dance-Pop-Ohrfänger, der in der englischen Version schon ein wenig mehr gewinnt. Zum anderen war da die erste Single für den Rest der Welt: "Celebrate" nennt sich das gute Stück - wobei "gut" leicht übertrieben ist, und besser mit dem Wort "nett" umschrieben werden kann. Hoffnungen, dass sein neues Album besser werden könnte als seine bisherigen musikalischen Ergüsse, weckt dies freilich nicht unbedingt.

MIKA - Celebrate ft. Pharrell from Celestine on Vimeo.

Auch wenn mir diese Erkenntnis schon beinah bitter aufstößt: mit "The Origin of Love" ist Mika sein bislang mit Abstand bestes Album gelungen. Aber auch hier muss man differenzieren: solche schnarchigen Beiträge wie "Lola" (♪♫♪), welches ausgerechnet die nächst Single werden soll, können einem keine Begeisterungsstürme entlocken. Eine eigentümliche Wahl, könnte das Album doch weitaus famosere Singles abwerfen. Und damit kommen wir zu den starken Momenten des Albums, die häufiger vorkommen als erwartert. So etwa der unaufgeregte, aber fabelhaft gelungene Opener und Titelsong "The Origin of Love" (♪♫♪), oder der  mitreißende Dance-Pop-Kracher "Stardust" (♪♫♪): ein eindringlicher und melodisch tanzbarer Floorfiller, der trotz des unvermeidlichen Benni Benassi auf dem Produzenten-Stuhl, einen wirklich starken Hit abgeben könnte. "Underwater" (♪♫♪) offenbart uns eine getragene und melancholisch verträumte Pop-Perle, die sich vor allem im Refrain zu ihrer vollen Pracht entfaltet. "Overrated" (♪♫♪) stürmt erneut den Dancefloor, und macht dort eine so ausgesprochen gute Figur, dass es sogar seine Standard-Synthie-Beschallung aufwertet. Die warme, von Streichern untermalte Synthpop-Ballade "Make You Happy" (♪♫♪), weckt Erinnerungen an die Pet Shop Boys, "Kids" (♪♫♪) bezirzt als warmer und sanfter Ohrwurm,  und "Heroes" (♪♫♪) verdingt sich als wunderschöne und schwebende Ballade, die  vom ersten Mal an verzaubert. 
Tja - wer hätte für möglich gehalten, dass Mika mich tatsächlich noch mal eines Tages überzeugen würde. Und dazu braucht es eigentlich gar nicht viel: nur gute Musik. Und davon hat er auf "The Origin Of Love" einiges zu bieten. 

Besprochen: MUMFORD & SONS - "BABEL"

Manche nennen es "Stillstand", andere "Beständigkeit" - Mumford & Sons haben es auf ihrem 2. Album ganz einfach zur Kunst gemacht.

Veränderung und Weiterentwicklung ist enorm wichtig - denn ohne sie gibt es keinen Fortschritt, ob in der Gesellschaft, der Wissenschaft oder auch in der Kunst. Doch auch die Beständigkeit ist manchmal durchaus nicht zu verachten - den Beweis dafür treten nun Mumford & Sons an, diese bodenständige und auf ihre eigene sympathische Weise altmodische Folkband aus England. Nachdem sich ihr 2009 erschienenes Debüt "Sigh No More" zum Dauerbrenner entwickelte, und dem Quartett nicht unerheblichen Ruhm einbrachte, bleiben sie seinen hymnischen und einnehmenden Folk-Klängen auch auf ihrem neuen Album "Babel" treu. Es hat sich in der Tat kaum etwas verändert - Marcus Mumford singt sich wieder einmal voller Leidenschaft die Seele aus dem Leib, wir hören dieselben von Banjos und Mandolinen angereicherten Arrangements, und erneut diese erhabenen Melodien, die einem sofort in die Seele kriechen. Zum Auftakt machen sie mit dem Titeltrack "Babel" (♪♫♪), einer eindringlichen Folk-Hymne die unter die Haut geht, deutlich, dass der von ihnen beschrittene Weg genau der richtige ist. Da ist sie wieder, die Magie die einen scohn beim Vorgänger so fesselte. Nachdem sie gleich darauf mit dem mitreißenden Western-Folk-Ohrwurm "Whispers in the Dark" daher galoppieren, sind wir auch schon bei der ersten Single angekommen: der erhebenden Folk-Hymne "I Will Wait" (♪♫♪), die schon in den vergangenen Wochen hungrig auf das neue Werk machte.



Und was danach folgt, ist zwar nichts wirklich neues - aber fast ausnahmslos ganz wunderbares. So wie die traurige und anmutige Ballade "Ghosts That We Knew" (♪♫♪), die einem ohne Umstände das Wasser in die Augen treibt. Mit "Lover of the Light" ist ihnen eine nachdenklich verträumte, und zugleich hell strahlende Perle gelungen, "Hopeless Wanderer" (♪♫♪) erhebt sich zur großartigen, sich stetig steigerndern Hymne, und angefangen als zärtliche Ballade, wächst "Below My Feet" zum emotional fesselnden Folk-Epos heran, das einem keine Ruhe mehr lässt. Ebenso wie das Album - zum Glück, muss man sagen.  Man will bei "Babel" auch einfach gar keine Vergleiche mit dem Debüt anstellen - auch wenn diese durchaus angebracht wären. Nein, man will einfach mit schmelzender Seele diese herrlichen Offenbarungen genießen, welche die Band hier ohne Unterlass auf einen niedergehen lässt. Ein Album das unaufhörlich wächst und wächst - und ohne weiteres zu einem der (Folk-)Highlights des Jahres mutiert. 


Samstag, 22. September 2012

Besprochen: GREEN DAY - "¡UNO!"

"¡Uno! ¡Dos! ¡Tré"-Trilogie, Episode 1:
  Auf der Suche nach den alten Stärken ihrer Vergangenheit, müssen sich Green Day erst einmal durch das Mittelmaß kämpfen. Fortsetzung folgt...

Die amerikanische Punk-Pop-Band Green Day scheint auch nicht aus der Mode zu kommen. Schon Mitte der 90er begeisterten sie die einstige Generation von Jugendlichen mit Hits wie "Basket Case" und "When I Come Around", während auch das dazugehörige Album "Dookie" bei selbigen heiß lief. Das es dann ein wenig still um sie geworden war, sollte sich als nicht weiter schlimm heraus stellen - denn wir alle erinnern uns mit Sicherheit noch zu gut daran, als 2004 ihr Album "American Idiot" einschlug wie eine Bombe. Es wurde ein Konzeptwerk, welches das Amerika der einstigen Bush-Ära an den Pranger stellte, und polit- sowie sozialkritisch für einen wahren Flächenbrand sorgte. Mit dem ebenfalls durchaus erfolgreichen "21st Century Breakdown", folgten sie 5 Jahre später dem Rockoper-Konzept des Vorgängers - wirkten im Gegensatz zu diesem aber etwas verkrampfter. Von diesem Abschnitt ihrer Karriere wollte die Band sich auf ihrer neuen Platte lösen - sie wollten zurück finden zu weniger ernsten Themen und Klängen, und zum einfach gestrickten Punk-Pop ihrer frühen Tage zurück kehren. Nachdem die Band beim vergangenen Album Butch Vig, Mastermind der Band Garbage und Produzent des legendären Nirvana-Albums "Nevermind", als Produzent verpflichten, reanimierten sie für die neuen Aufnahmen ihren langjährigen Stammproduzenten Rob Cavallo. Dabei ist dann nicht nur ein neues Album heraus gekommen, sondern gleich drei. Die erste Episode dieser Trilogie trägt den Titel "¡Uno!", welches soeben erschienen ist - bis Januar 2013 folgen dann noch die Alben "¡Dos!" und "¡Tré!". Schon der erste Eindruck vom Auftakt dieses flotten Dreiers macht klar, dass ihnen die Rückkehr zum altbewährten Bandsound in der Tat gelungen ist. Das ist aber weder Grund zu überschwänglicher Freude, noch zur bitteren Enttäuschung. Denn wer die 3 vorab erschienenen Singles kennt, hat schon eine gute Ahnung von dem, was auf der neuen Platte so los ist. Wobei vor allem die 2. Single "Kill The DJ" äußerst positiv auffällt, und als melodischer und famos tanzbarer Punk-Pop-Ohrwurm begeistert.


Hier macht die Spannungskurve des Albums einen kurzen aber deutlichen Ausschlag nach oben, während sie auf dem Rest des Albums mal leicht steigt und mal abfällt....sich im Durchschnitt aber eher im gemäßigten Mittelfeld einpendelt. Was nicht bedeuten soll, dass es hier keine anderen netten Ohrfänger zu finden gäbe. So kann man mit Nummern wie "Stay The Night", "Fell For You" (♪♫♪), "Sweet 16" (♪♫♪) oder der ersten Single "Oh Love" (♪♫♪), im Grunde genommen nicht viel verkehrt machen. Aber auch der Rest fällt ebenso weder allzu positiv, noch ausgesprochen negativ auf: nett zu hören, kein Grund sich zu ärgern, und nichts was zum hastigen weiter zappen veranlasst. 
In seiner Gesamterscheinung ist "¡Uno!" solider und melodischer, einfach aufgebauter Punk-Pop, an den sich in ein paar Jahren aber wohl kaum noch jemand erinnern wird. Doch man sagt ja so schön: Aller guter Dinge sind drei. Und vielleicht findet die Band auf den beiden noch kommenden Episoden den Weg zu ihren alten Stärken zurück, nachdem sie sich zum Auftakt erst einmal durch das Mittelmaß gekämpft haben.