♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

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Mittwoch, 5. September 2012

Besprochen: THE XX - "COEXIST"


Nach dem legendären Debüt, entwickeln sich The xx zu ihrer nächsten Evolutionsstufe - und haben damit das wohl beste 2. Album geschaffen, das ihnen möglich war.

Wir erinnern uns noch gut an das Jahr 2009, als plötzlich wie aus heiterem Himmel eine junge britische Band mit dem schlichten, aber einprägsamen Namen The xx daher kam, und uns mit "xx" ein Debütalbum in die Ohren goss, das man so schnell nicht mehr vergessen sollte. Ein fragiles, beim ersten Hören beinah fast unscheinbares Indiepop-Werk, das jedoch in seiner Unaufgeregtheit Mauern einreißen konnte: unterkühlter, aber gleichzeitig unmittelbar zu Herzen gehender, sich perfekt ergänzender männlich-weiblicher Gesang von Sängerin/Gitarristin Romy Madley Croft und Sänger/Bassist Oliver Sim, im Einklang mit sphärisch im Raum schwebenden Chris-Isaac-Gitarren, und alles zusammen gehalten von den begabten Händen des Band-Masterminds Jamie Smith. So zauberten sie ein Meisterwerk, das noch weit über seine Zeit hinaus strahlen, und ohne Zweifel als Klassiker unserer Zeit in der Musikgeschichte Wurzeln schlagen wird. Der Hype war perfekt, und das auch vollkommen zurecht. Hier drang eine erhabene Zeitlosigkeit aus allen Ritzen, wie man es in derartiger Bedeutsamkeit nur selten zu hören bekommt. Doch wer so ein essentielles Meisterstück gleich als Debüt vorlegt, für den kann dies sowohl Segen als auch Fluch sein. Mit "xx" hat die Band aus London die Messlatten derart hoch gelegt, dass man bei dem Nachfolger zurecht von einem "schwierigen 2. Album" sprechen kann. Denn irgend jemand könnte wohl immer etwas zu meckern haben. Zeigen sie etwa eine deutliche Weiterentwicklung, werden so manche Fans mit Tränen in den Augen, ihre Hoffnungen auf ein "xx 2.0" zu Grabe tragen. Bleiben sie dem Sound des Erstlings allerdings allzu treu, werden nicht wenige ihnen vorwerfen, auf der Stelle zu treten. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass es selbst bei hervorragender  Qualität der Songs, dem direkten Vergleich mit dem epischen Debüt einfach nicht standhalten könnte. Nachdem sich aber das Solo-Schaffen des bandeigenen Soundtüftlers Jamie Smith alias Jamie xx, in der Zeit nach dem Band-Debüt deutlich in elektronischere Sphären verschob (wunderbar nach zu hören in seiner letztjährigen Single "Far Nearer/Beat For", oder dem ebenfalls 2011er Remix-Album "We're New Here" für Gil-Scott Heron), wurden Vermutungen über einen entsprechenden Wandel auch im Klangkosmos der Band greifbar. Was die Band daraus gemacht hat, davon kann sich nun jeder auf ihrem neuen Album "Coexist" selbst überzeugen, das dieser Tage in den Läden steht. Die erste Single "Angels", gab bereits vor einigen Wochen einen wahrhaft wunderbaren Ausblick auf das neue Werk - hätte allerdings auch problemlos auf dem Erstling eine gute Figur gemacht.

The xx - Angels from F L on Vimeo.

Also doch ein "xx 2.0"? Definitiv nicht. Viel eher schlägt der Song eine Brücke zwischen den beiden Alben, und gestaltet so als Album-Opener einen fließenden Übergang. Dem folgt auch sogleich die 2. Single "Chained": eine wunderbare Indiepop-Perle, wie sie wohl nur von The xx kommen kann - und in welche sie nun zarte, aber durchaus präsente Elektro-Beats  rieseln lassen. Auch auf Albumlänge wird keine radikale Neuerfindung zelebriert - aber das ist auch gut so. Die Weiterentwicklung die hier hörbar ist, funktioniert nach denselben Regeln wie auch ihre Musik: minimalistisch, aber ungemein intensiv. Sie besinnen sich auf "Coexist" also erneut auf ihre Stärken, und versuchen niemandem etwas zu beweisen - sondern bewegen sich auf ganz natürliche Weise zu ihrer nächsten Evolutionsstufe. Und dies gelingt ihnen vortrefflich, beachtet man die songgewordenen  Kostbarkeiten, welche das restliche Album schmücken. "Fiction" führt nach dem wunderbaren Einstieg in sphärische und melancholische Klangweiten, in der Sänger Oliver Sim für wahre Gänsehaut-Momente sorgt. Eine Meisterleistung stellt das grandiose "Reunion" dar: eine zeitlose und atmosphärische Indiepop-Perle, in der sie ihren ureigenen Sound mit Steel-Drums garnieren, ehe sich ein pochender, fast schon clubbiger Beat heraus schält, der einen aber eher in wohlig nachdenkliche Trance versetzt, statt auf die Tanzfläche zu locken. Auch das himmlische "Sunset" wird von einem nahezu stampfenden Beat geprägt, der einen hervorragenden und stimmigen Kontrast zu dieser schwebenden und emotionalen Ballade liefert. Im fantastischen und melancholischen "Missing", schenken sie uns wieder eine Melodie, die ohne Umwege seinen Weg direkt in Herz und Seele des Hörers findet, und zudem eine äußerst minimalistische, aber dennoch faszinierende Produktion zu bieten hat. Und auch "Unfold" ist wieder so ein Song, der Liebhabern der Band wahre Freudentränen in die Augen treiben wird. Allerdings wird es zunehmend schwerer in adäquate Worte zu fassen, was die Musik von The xx ausmacht - und was sie auf "Coexist" erneut grandios umsetzen. Wer es einmal selbst erlebt hat, der wird es wohl nicht mehr vergessen. Und in diesem Sinne machen sie auch "Coexist" zu etwas unvergesslichem - und zu dem wohl besten zweiten Album, das ihnen hätte gelingen können. 





HIER HÖRT IHR DAS KOMPLETTE ALBUM IM STREAM!!!!

Montag, 3. September 2012

Besprochen: THE VACCINES - "COME OF AGE"

Nach ihrem famosen Debüt im letzten Jahr, ist The Vaccines nun ein durchaus würdiger Nachfolger entglitten.

Das letztjährige Debüt "What Did You Expect From The Vaccines?" der englischen Indierock-Band The Vaccines, war eine Perle seines Jahrganges, das all seine Pracht aus seiner "konsevativen" Machart schöpfte. Sie boten uns hier unverschnörkelten, direkten, und klassichen Indie-Rock, die großen Experimente blieben aus - aber eben nicht die großen Melodien. Man erinnert sich noch zu gut an Prachtexemplare wie das mitreißende "If You Wanna", den Britpop-Klassiker "A Lack of Understanding", den melodischen und herrlich eckigen und kantigen Hit "Blow It Up", den unwiderstehlichen Ohrwurm "Post Break-Up Sex", oder die unsterblich großartige Hymne "All in White". Kaum 1½ sind diese Meisterstücke nun her, schiebt die Band auch gleich ihr Zweitwerk "Come of Age" nach. Und damit versuchen sie nun, dem nahezu übermächtigen Debüt einen würdigen Nachfolger entgegen zu setzen. Die erste Single "No Hope" (♪♫♪) konnte man dann sogleich im Vorwege als solide neue Nummer bezeichnen, die mit einer schmissigen Melodie des Weges kam. Und auch die neue und zweite Single "Teenage Icon" - welche schon seit einigen Wochen bekannt ist - kann sich mit ähnlichen Attributen schmücken, hat aber noch etwas mehr Zeug zum Indie-Hit. Und doch fiel einem schon hier auf, dass sie die hohe Qualität ihrer bisherigen Singles nicht ganz halten konnten.


Aber dieser oberflächliche Eindruck, wirkt sich keineswegs auf das gesamte Album aus. Man muss sagen, dass ihnen auch hier mal wieder die Melodien nicht ausgehen. Das zeigen sie etwa deutlich bei "All in Vain", einer wahrhaft tollen Britpop-Perle, die Oasis wohl gerne eingefallen wäre. Auch das atmosphärische "Ghost Town" macht eine gute Figur, und schafft es gar auf seine ganz eigene rockige Weise, eine ähnliche Ausstrahlung zu erzeugen, wie der Namensvetter von The Specials aus dem Jahr 1981...auch wenn es sich weder um ein Cover, noch um dieselbe Musikrichtung handelt. Versteht ihr nicht? Macht nichts. Wenden wir uns lieber dem darauf folgenden "Aftershave Ocean" zu, das sich durchaus als künftige Single empfehlen könnte. Oder dem vor lässiger Coolness nur so platzenden "I Wish I Was a Girl" - ganz zu schweigen vom famosen "Lonely World", dass erneut Oasis Konkurrenz machen könnte, und dem Album einen würdigen Schlusspunkt setzt. Am Ende bleibt zwar dennoch festzustellen, dass "Come of Age" natürlich nicht ganz die Klasse seines großen Bruders anknüpfen kann, aber doch haben The Vaccines hier ein wirklich gelungenen Nachfolger gebastelt, der sich wahrlich nicht verstecken muss.





Hier könnt ihr das komplette Album im Stream hören!

Besprochen: ARIEL PINK'S HAUNTED GRAFFITI - "MATURE THEMES"

 Ariel Pink steigert sich auf dem offiziellen 2. Album seiner Band, in einen monumentalen Psychedelic-Pop-Rausch, den man miterlebt haben muss!

Es gibt in der heutigen Musikwelt leider nur noch sehr wenige, die man reinen Gewissen echte "Künstler" nennen darf. Zu diesen wenigen glücklichen, die sich solch einen Titel verdient haben, zählt ohne Frage Ariel Pink - einigen sicherlich besser bekannt mit seiner Band Ariel Pink's Haunted Graffiti. Doch allzu vielen dürfte auch das kein Begriff sein. Ein Umstand, der zu gleichen Teilen verständlich als auch schändlich ist: Ariel Pink's Musik hat sich schon immer deutlich von den Normen gängiger zeitgenössischer Vorstellungen von Pop-Musik abgehoben. Zu freaky und kunstfertig ist sein musikalisches Wirken, als das er die Radios erobern könnte. Und doch ist seine Kunst auch zu essentiell, und schlicht und ergreifend zu wunderbar, um von der Masse ignoriert zu werden. Das beweist der Musiker aus Los Angeles auch auf dem neuen Album seiner Band - bei dem schwer zu sagen ist, das wievielte es denn nun tatsächlich ist: Seit 2002 veröffentlichte der Musiker über mehrere Jahre hinweg die "Ariel Pink's Haunted Graffiti"-Reihe, die  in recht verwirrender Reihenfolge erschien (Teil 8 erschien 2003, Teil 1 erst 2007). Doch das letzte Album "Before Today" (2010) war das erste vollwertige Album der BAND Ariel Pink's Haunted Graffiti. Und dem folgte nun das definitive Zweitwerk "Mature Themes"! Und was dies für ein Schmuckstück ist, muss man erst einmal verdauen. Hier hat er mit seiner Band ein buntes und bewusstseinserweiterndes Psych-Pop-Kaleidoskop erschaffen, das ebenso verwirrt wie verzaubert. Schon angefangen mit dem fantastischen Opener "Kinski Assassin" (♪♫♪), das an die psychedelisch poppigen Seiten der 70er erinnert, und in einige Momenten auch nicht allzu weit von David Bowie entfernt ist. Mit dem kurzen, aber famosen und äußert kreativ Szene gesetzten "Is This The Best Spot?" (♪♫♪), macht er hingegen eine tiefe Verneigung von dem Synth-Pop der frühen 80er Jahre. Der Titelsong "Mature Themes" (♪♫♪) outet sich dann als gänzlich wunderbare Pop-Perle, die auch wieder stärker in den 70ern verwurzelt ist, aber mit einer ausgesprochenen Zeitlosigkeit prahlen kann. Und mit dem melodisch einnehmenden und warmen "Only In My Dreams", verpasst er uns ein grandioses Pschedelic-Pop-Meisterstück, das so auch in den 60ern entstanden sein könnte.

Ariel Pink's Haunted Graffiti - Only In My Dreams from AcetoacetilCoA on Vimeo.


Und das waren nur die ersten 4 Songs! Im weiteren Verlauf schüttelt er noch so manch wundervolle Obskuritäten aus dem Ärmel, zu denen etwa auch das  auf wunderbare Weise verstörende "Schnitzel Boogie" (♪♫♪) zählt. Und auch das famose, atmosphärisch bedrogte "Driftwood" (♪♫♪) zeigt sich von seiner besten (und bekifftesten) Seite. Mit "Symphony of Nymph" (♪♫♪) erschafft er eine psychedelisch versponnene, und von sphärischen Orgelklängen dominierte New-Wave-Hymne, ehe er uns in Form von "Pink Slime" (♪♫♪) einen charismatisch melodischen und unwiderstehlich in die Hirnwindungen drängenden Synthpop-Ohrwurm angedeihen lässt. Mit "Live It Up" (♪♫♪) gibt es dann nichts geringeres als traumhaften und süchtig machenden Synthpop zum niederknien, während er mit dem amtosphärischen "Nostradamus & Me" einen schwebenden Space-Trip unternimmt. Das die erste Single "Baby" (♪♫♪), welche das Album abschließt, ziemlich dicht am Original von Donnie & Joe Emerson aus dem Jahr 1979 dran ist, macht aber mal gar nichts - zum einen weil dem Song in der neuen Version  noch etwas mehr dreckiger Soul innewohnt, aber zum anderen von genügend herausragendem Songmaterial angeführt wird, um "Mature Themes" zum einem erstklassigen Album mutieren zu lassen, das man auf keinen Fall verpasst haben sollte. Und man möge mir Ariel Pink's gesamten Backkatalog links und rechts um die Ohren hauen, wenn das neue Album keine Rolle in den Jahresbestenlisten 2012 spielen wird - obwohl die Schläge dann wohl eher jene verdient haben dürften, bei denen dieses Meisterstück keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.



Sonntag, 2. September 2012

Besprochen: MAX HERRE - "HALLO WELT!"

Auf seinem dritten Soloalbum findet der einstige Freundeskreis-Frontmann zu alten Stärken zurück - und bringt eine fette Riege von Gaststars mit.

Max Herre hat sich ja schon in der Vergangenheit in der deutschen Musik verdient gemacht. Mit seiner Truppe Freundeskreis und Songs wie "A-N-N-A", "Leg Dein Ohr auf die Schiene der Geschichte" oder "Esperanto", sorgte er für so manche Sternstunde im deutschen HipHop. Freundeskreis sind schon länger Geschichte, und auch mit dem Soloschaffen von Max Herre wurde man nicht immer so warm - oder übersah selbige einfach. Das sollte und wird sich mit dem neuen und dritten Soloalbum "Hallo Welt!" mit ziemlicher Sicherheit ändern. Denn nachdem Herre sich auf seinen beiden  vorangegangenen Soloalben stark dem Pop angenähert hatte, kehrt er mit seinem neuesten Streich mit voller Leidenschaft zum Rap zurück - allerdings mit demselben fabelhaften Pop-Appeal, den man so oder so ähnlich auch von seinem Freundeskreis kennt. Zudem hat er hier ein paar illustre Gast-Musiker mit am Start, was schon die Vorab-Single "Wolke 7" andeutete. Zwar gehöre ich nicht zu den glühenden Verehren von Pillip Poisel, der hier den Refrain besorgt, aber er macht seiner Arbeit hier dennoch hervorragend. Und so wird auch der Song zu einem echten Highlight und einer verdienten Single. 


Und auch sonst hat sich Max Herre mal mit mehr, und mal mit weniger Fremdhilfe, eine ganze Menge einfallen lassen. Gleich zu Beginn legt er etwa gemeinsam mit Patrice und Fetsum, und dem Song "Aufruhr (Freedom Time)" los, das zu weiten Teilen auf die Aufstände und Revolutionen während des "arabischen Frühlings" zurück geht.  Im melancholisch getragenen und schön oldschooligen "Solang", beschäftigt er sich mit der Vergänglichkeit des menschlichen Daseins, während das berührende und tieftraurige "Berlin - Tel Aviv" im Duett mit Sophie Hunger, das Schicksal einer jüdischen Familie unter der Herrschaft der Nazis erzählt. "Fühlt sich an wie fliegen", auf dem er von Cro und Clueso begleitet wird, gibt einen lässigen und funky Ohrwurm ab, und auf dem enorm hitverdächtigen und souligen "Vida" ist gar der amerikanische Soulsänger Aloe Blacc mit dabei. Interessant ist auch, was er hier an Zitaten einbaut: in "So wundervoll", auf dem erneut Aloe Blacc zu Gast ist, bedient er sich an Billy Preston's "You Are So Beautiful", in "Einstürzen Neubauen" huldigt er zusammen mit Sammy Deluxe dem Klassiker "Macht kaputt, was euch kaputt macht" von Ton Steine Scherben (während man die Verneigung vor Einstürzende Neubauten wohl nicht weiter erwähnen muss), und "Nicht vorbei (Bis es vorbei ist)" empfiehlt sich als deutsche Interpretation von Lenny Kravitz' "It Ain't Over 'til It's Over". Einziger Kritikpunkt ist hier vielleicht die ziemlich lange Spieldauer, die sich auf insgesamt 17 Songs verteilt. 3 oder 4 Songs weniger (so wie etwa der wirklich misslungene Closer "Yvonne") hätten "Hallo Welt!" noch runder und schlüssiger klingen lassen - aber das fällt dennoch nicht stark genug ins Gewicht, um die Freude am neuen Album zu trüben



Sonntag, 26. August 2012

Besprochen: CHERYL COLE - "A MILLION LIGHTS"

Nach einem gar nicht so unspannenden Start, outet sich Cheryl Cole spätestens mit ihrem neuen Album als eher drittklassiges Pop-Sternchen. Der nächste bitte....

Ach Cheryl Cole gibt es also auch noch. Ihr Debtüalbum "3 Words" vor 3 Jahren war ja wirklich gar nicht mal so übel, wohingegen ihr zweites Album "Messy Little Raindrops" im Jahr 2010 - wie ich unlängst feststellen musste - vollständig an mir vorüber ging. Und nun gibt es gar schon ihr 3. Studioalbum "A Million Lights", welchem wir uns an dieser Stelle widmen wollen - welches mir aber auch nur durch Zufall bekannt wurde. Ein Wunder ist das allerdings nicht, kann man doch auch nicht unbedingt behaupten, dass es bislang eine Single hervor gebracht hätte, die als Zugpferd für dessen Popularität hätte dienen können. Die von Calvin Harris komponierte und produzierte erste Single "Call My Name" etwa, war nun auch nicht mehr als ein ziemlich unspannender Standard, den der mittlerweile bis zum Erbrechen herum gereichte britische DJ und Produzent, wohl noch irgendwo in seinen Schubladen gefunden hat. 


Bei der zweiten Single "Under The sun" (♪♫♪) wirds dann sogar noch schlimmer, und kann sich nur noch als enorm langweilige und ziemlich einfallslose Sommer-Pop-Nummer schlagen, die wohl auch in Zukunft keine größere Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird. Aber: vielleicht kann sie ja auf Albumlänge noch was raus reißen? Betrachtet man die Credits von "A Million Lights" ahnt man allerdings zunächst böses: nicht nur das Miss Cole nun nicht gerade als zuverlässig hiterprobtes Pop-Sternchen bekannt ist, wurde auf ihrem dritten Album tatsächlich JEDER einzelne Song von einem anderen Produzenten bearbeitet, was den Verdacht entschieden nährt, dass es sich hier ausschließlich um eine Zusammenfassung verschiedener Songs handelt. Das diese dabei vielleicht wenigstens ansatzweise homogen klingen, liegt dann wohl eher an der Tatsache, dass ihr alle beteiligten hier den derzeit vorherrschenden Dance-Pop-Stil über stülpen - was allerdings zu keinerlei Offenbarungen führt. Sicherlich mag es schlechteres geben, als das von will.i.am in Szene gesetzte "Craziest Things" (♪♫♪), aber das der Black-Eyed-Peas-Mann ihr auch bei dem dritten Album in Folge mit einem Beitrag die Stange hält, mag wohl weniger an der Tatsache liegen, dass er sie für eine wirklich talentierte Musikerin hält, sondern viel mehr an ihren optischen Reizen. Tja....und sonst so? Der Titeltrack "A Million Lights" (♪♫♪) ist eine hörbare Ballade, von der aber auch nicht viel hängen bleibt. "Love Killer" (♪♫♪) ist netter Dance-Pop ohne viel Wiedererkennungswert, "Ghetto Baby" (♪♫♪) verabschiedet sich in vollkommen gleichgültige und melodiebefreite Pop-Abgründe, und bei "Sexy Den a Mutha" (♪♫♪) macht schon der Songtitel deutlich, dass es hier ganz schön gruselig wird. Ein winziger Lichtblick ist dann wohl "Mechanics of the Heart" (♪♫♪) - was aber nicht daran liegt, dass es ein besonders gelungener (wenn aber auch nicht allzu mieser) Song wäre, sondern eher weil es trotz der Mitarbeit von Taio Cruz noch durchaus hörbar ist. Doch wir wissen: auch ein paar zarte Silberstreifchen am Horizont machen noch lange kein gelungenes Album. Aber um "A Million Lights" tatsächlich gut zu finden, ist wohl gar nicht allzu viel nötig: nur ein mittelschweres Desinteresse an wirklich guter Musik. Und davon soll es ja mehr Menschen geben, als einem lieb ist.

 

Freitag, 24. August 2012

Besprochen: ALANIS MORISSETTE - "HAVOC AND BRIGHT LIGHTS"

Auch mit Album No.8 sind von Alanis Morissette leider keine Überraschungen mehr zu erwarten.

Die kanadische Singer/Songwriterin Alanis Morissette kann mittlerweile auch bereits auf eine mehr als 20jährige Karriere zurück blicken. Begann ihre Karriere zwar bereits 1991 mit 2 nur in Kanada veröffentlichten Alben, aber der Durchbruch kam mit ihrem internationalen Debüt "Jagged Little Pill", dass sie 1995 als ihr erstes Album über Madonna's einstiges Label Maverick veröffentlichte. Und dieser Erfolg war berechtigt, ist dieser Klassiker aus der Musikwelt der 90er schlicht nicht mehr weg zu denken. Danach begann eine vielversprechende Karriere, die noch die durchaus geglückten Alben "Supposed Former Infatuation Junkie" (1998) und "Under Rug Swept" (2002) hervor brachte. Und dennoch war immer ein leichter Abwärtstrend zu erkennen, der sich von Album zu Album deutlicher machte. "So-Called Chaos" konnte dann 2004 nicht mehr allzu große Begeisterung wecken, und auch Kritiker schmähten es als ihre kommerziellste Aufnahme. Das letzte Album "Flavors of Entanglement" (2008) ging dann gar bei der Masse recht schnell unter, auch wenn Kritiker sich wohlwollender zeigten, und es wahrhaftig ein kleiner Silberstreifen am Horizont war. Und doch: wenn man genauer darüber nachdenkt, wird einem bewusst, was genau es war, was ihre Platten immer weniger spannend machten. Die Wut, die Verzweiflung und die gewisse künstlerische Unbekümmertheit die noch ihre (internationales) Debüt ausmachte, wurde von Platte zu Platte weniger. Die einst 20jährige war augenscheinlich erwachsen und reifer geworden - etwas was man natürlich niemandem vorwerfen darf. Im Gegenteil. Doch hat sich damit auch die Spannung ihrer Musik minimiert. Nun bringt die Dame dieser Tage ihr neues, und bei  genauer Rechnung 8. Studioalbum heraus: "Havoc And Bright Lights". Seit einigen Wochen/Monaten schwirrt auch bereits die erste Single durch die Medien: "Guardian" heißt diese, mit der das neue Album auch startet. Zwar ein grundsolider Pop-Rock-Song, der auch ohne weiteres gefallen kann und darf. Auch ich erwischte mich schnell beim mitsingen....und doch ähnelt es vermutlich zu sehr ihren früheren Hits um wirklich überzeugend zu sein. 



Doch schafft sie das auf Albumlänge? "Woman Down" versucht sich im von ihr bestens ausgekundschafteten Radio-Pop-Rock, was für schnell mitsingbare Melodie, aber wenig Wiedererkennungswert sorgt. "Empathy" (♪♫♪) ergeht sich an melodischen und leicht verdaulichen Midtempo-Pop, "Lens" rutscht in relativ melodiebefreite und spannungsarme  Bereiche ab, und "Havoc" kann als Ballade wenigstens halbherzig überzeugen. Aber auch sonst bleibt es hier ziemlich gemütlich - zwar versucht sie etwa mit "Celebrity" (♪♫♪) oder "Numb" dem Affen ein wenig Zucker zu geben, was aber auch zu keinen größeren Offenbarungen führt. Alles in allem bleibt "Havoc And Bright Lights" gut bekömmlicher Adult-Orientated-Rock, der wie geschaffen dafür scheint, diverse US-Serien mit ihnen zu bestücken. Einen wirklichen Hit wird es aber nicht abwerfen - soviel ist schon beim ersten Hören des neuen Albums klar. Und zudem macht es auf tragische Weise wieder einmal deutlich, dass von Alanis Morissette wohl keine Überraschungen mehr zu erwarten sind.

Freitag, 17. August 2012

Besprochen: THE DARKNESS - "HOT CAKES"

Selten war der Glam-Hard-Rock in den letzten Jahren so lächerlich wie bei The Darkness - aber er machte auch selten so viel Spaß.

Ich und The Darkness - das Verhältnis zwischen mir und der Band war schon immer von Leidenschatfs- und Emotionslosigkeit geprägt, waren mir die britischen Glam-Hard-Rocker doch immer eine deutliche Spur zu...sagen wir: lächerlich. Was mich dann auch nicht dazu veranlasste, mir musikalisch freilwillg mehr von ihnen anzutun, als mir bereits schon ungefragt an die Ohren drang. Als sich die Band, die Mitte der 00er doch ziemlich gefragt war, 2006 auflöste,quittierte ich dies dann doch nur mit einem müden Schulterzucken. Nun sind wiederum 6 Jahre vergangen und plötzlich kommen The Darkness zurück, und legen nun dieser Tage ihr Comeback-Album vor. "Hot Cakes" nennt sich selbiges - und da stellt sich doch spontan eine Frage - nein, sie drängt sich vielmehr auf: braucht die Welt 2012 wirklich ein neues Album von The Darkness? Die ersten Zeichen standen aber gar nicht so ungünstig, wie es vielleicht zu erwarten gewesen wäre: Denn der erste Vorbote, der bereits vor einem halben Jahr kam, war schon mal gar nicht so ungeil: "Nothings Gonna Stop Us" - so der Titel der ersten Single - wurde in der Tat ein schmissiges und melodieverliebtes Stück Glam-Rock, dass ziemlich in Beine und Hirn gehen kann...wenn man es denn lässt.


Als nächste Single folgte im Frühjahr dann "Every Inch Of You" (♪♫♪), welches auch als Einsteiger in das neue Album dient - keine schlechte, wenn auch nicht unbedingt die beste Wahl, kommt der Refrain doch ein wenig überdreht daher. Zum Glück und vor allem zu meiner Verwunderung kann man aber sagen, dass die Mehrzahl der Songs auf "Hot Cakes" da gelungener ausfallen, als der Opener es vormacht. Aber trotzdem lassen die Briten es sich nicht nehmen, wieder mit voller Leidenschaft aus dem Glam-Rock-Topf zu schöpfen...was hier aber verdammt Spaß macht. Ob nun das hymnisch-melodische "With a Woman", oder etwa der hübsch glammige und mitreißende Ohrwurm "Keep Me Hanging On", der auch wunderbar als Single funktionieren würde. Auf "Livin' Every Day Blind" gibt es etwas gefühlvollere Klänge, ohne dabei aber auf einen leidenschaftlichen und kraftvollen Refrain zu verzichten, der förmlich nur so nach Wunderkerzen schreit. Die neue Single "Everybody Have a Good Time" (♪♫♪) gibt sich als grundsolider Glam-Rock-Schunkler die Ehre, der hübsch vor sich hin gniedelnde Ohrwurm "She'a Just a Girl, Eddie" legt in Sachen Euphorie noch eine Schippe drauf, "Forbidden Love" bietet einen waschechten Schmachter bin blumig kreischenden Hard-Rock-Gitarren, und das dramatisch angehauchte "Concrete", in der Sänger Justin Hawkins sich ganz seinem berühmten Falsettgesang hingibt, macht eines der größten Highlights der Platte aus. Selbst ihr Cover des unnachahmlich großartigen "Street Spirit (Fade Out)" von Radiohead - welches die Band schon seit geraumer Zeit in ihrem Live-Repertoire hat -  ist gelungen, da sie es mit treibenden Hard-Rock-Gitarren und manisch kreischendem Gesang, auf ihre ganz eigene Weise interpretieren. Zwar zitiert sich die Band hier immer wieder quer durch die Musikgeschichte der 70er Jahre, und man weiß auch nicht, ob man das in 2 oder 3 Jahren immer noch hören möchte - aber im Moment macht "Hot Cakes" durchweg Freude. Und das ist es schließlich, worauf es am Ende ankommt.