Nach einer kleinen Pause gibt's nun mal wieder eines meiner Mixtapes. Denn es haben sich in letzter Zeit so einige Songs angesammelt, die nicht ungehört bleiben dürfen. Ein paar davon werden sicherlich auch auf breites Interesse stoßen. Aber nun will ich nicht lange rumeiern, sondern lege gleiche los. Enjoy!
1. BJÖRK - "CRYSTALLINE" (2011)
In den Jahren nach ihrem letzten Werk "Volta", war es recht still um Björk. Viele ersehnten sich ein neues Album, wo doch das eben benannte zwar gut, aber für Björk's Verhältnisse doch ein wenig konturlos anmutete. Nun meldet sich unsere Lieblings-Popelfe zurück. In wenigen Wochen erscheint ihr neues Album "Biophilia", das zum Teil auf einem iPad entstand und als das erste "App-Album" der Geschichte angepriesen wird. Die erste Single ist bereits im Umlauf: "Crystalline" offenbart sich als grandioser Elektro-Art-Pop, der stark an ihre Vespertine-Phase erinnert - bis es am Ende genial von wild um sich wirbelnden Elektrobeats sabotiert wird. Und so hört man Björk zumindest auf dem ersten Vorboten zum neuen Werk, wieder ganz in alter Form.
♪♫♪ LISTEN HERE! ♪♫♪
2. TODDLA T feat. Shola Ama & J2K - "TAKE IT BACK" (2011)
Über den Namen Toddla T sind sicherlich noch nicht viele dort draußen gestolpert. Hinter diesem Künstlernamen verbirgt sich der britische DJ, Remixer, Produzent und Komponist Thomas Mackenzie Bell, dessen 2009 erschienenes Debütalbum "Skanky Skanky" in seiner Heimat sehr positive Beachtung fand. Nun steht sein zweites Album "Watch Me Dance" in den Starlöchern, doch vorab gibts schonmal die erste Single, für die er niemand anderes als die in den 90ern populäre Soul-Pop-Sängerin Shola Ama ("You Might Need Somebody", 1997) reanimiert. Und zusammen legen sie mit "Take It Back" einen auf schick 90s-typischem Synthie-Piano und triphopigen Beats basierenden Ohrwurm vor, der das Zeug zum Sommer-Hit 2011 hat. Das sollte man nicht verpasst haben.
♪♫♪ LISTEN HERE! ♪♫♪
3. THE PUSHER - "BLINDED BY THE DARK" (2011)
Viel gibts noch nicht zu erfahren über das junge schwedische Quartett The Pusher. Nur das es mal wieder einen Beleg für das Hitgespür der Schweden liefert. So gibt es bislang nur ihre Debütsingle "Blinded By The Dark" zu bestaunen, aber die hat es in Sachen POP faustdick hinter den Ohren. Ein hymnisch melodischer, von einem ansteckend funky Gitarrenriff unterlegter potentieller Hit, der skandinavische Kollegen wie Sunrise Avenue noch dümmer aussehen lässt, als sie es eh schon sind.
♪♫♪ LISTEN HERE! ♪♫♪
4. ACTIVE CHILD - "PLAYING HOUSE" (2011)
Den Namen Active Child sollte man sich merken. Im August erscheint das Debüt der britischen Band, die mehr mit Hurts gemeinsam haben, als sie voneinander unterscheidet. Und doch sind sie anders. Zwar pflegen auch sie eine Vorliebe für von Synthies geschwängerten und 80s-informierten Pop - aber etwa auf der neuen Single "Playing House" mischen sie dem eine unüberhörbare, aber unaufdringliche RnB-Ästhetik bei. Gepaart mit glasklaren Synthesizern, Vocoder-Gesängen und einer fabelhaften Melodie, zeigt der Song deutliche Hitambitionen. Muss man gehört haben.
♪♫♪ LISTEN HERE! ♪♫♪
5. BON IVER - "BETH/REST" (2011)
Manch einer kennt den amerikanischen Folkmusiker Bon Iver noch von seinem 2008er Debütalbum "For Emma, Forever Ago", dass seinerzeit Lobeschöre von weltweiten Kritikern aufjubeln ließ. Zurecht. Andere wiederum kennen ihn vielleicht von Kanye West's letztjährigen Meisterwerk "My Beautiful Dark Twisted Fantasy", wo er an mehreren Songs mitwirkte. Ob ihn diese Erfahrung mutiger gemacht hat - man weiß es nicht! Man weiß nur, dass er hier mit "Beth/Rest", welches auf seinem grandiosen neuen Zweitwerk "Bon Iver" zu finden ist, eine derart begnadete und wunderschöne 80s-Ballade nachliefert, dass es einem nur so unter die Haut geht. Vollkommen unerwartet, aber dennoch eine kleine Offenbarung, die sicherlich seine Spuren in meinen Songs des Jahres hinterlassen wird.
♪♫♪ LISTEN HERE! ♪♫♪
6. COLDPLAY - "MAJOR MINUS" (2011)
Die neue Single "Every Teardrop Is A Waterfall" von Coldplay ist ja dieser Tage in aller Ohren. Anfangs noch etwas beliebig wirkend, setzt der Song sich allerdings mit jedem Hördurchlauf permanenter in den Gehörgängen fest, bis es sich dann nach einer Weile fast unbemerkt in die Hirnwindungen geschlichen hat. Trotz all seiner Vorzüge, so ist das als B-Seite auf der Single resp. EP erschienene "Major Minus" sogar noch besser: Eine erdige, melodische und fast wieder "indie" klingende Perle, die ein wenig nach U2 klingt - allerdings in gut! Eine sehr erfreuliche Entwicklung, die sich hoffentlich auch auf das für den Herbst veranschlagte neue Album auswirkt.
♪♫♪ LISTEN HERE! ♪♫♪
7. BAD MEETS EVIL feat. BRUNO MARS - "LIGHTERS" (2011)
Nachdem mit Eminem in den letzten Jahren irgendwie nichts mehr los war, konnte er sich seit seinem letzten Album erstaunlich gut rehabilitieren. Und war seitdem in diversen hervorragenden Produktionen zu hören. Das jüngste davon ist nun das Projekt Bad Meets Evil - eine Kollaboration mit dem Rapper Royce da 5'9", das 1999 seine Anfänge nahm und nun wiederbelebt wurde. Und sie haben zumindest schonmal einen handfesten HIT im Gepäck: Das großartige "Lighters", welches niemand geringeres als der von einer wunderbaren Stimme gesegnete Bruno Mars mit selbiger veredelt. Es wäre quasi eine Frechheit, wenn dies kein Hit würde.
♪♫♪ LISTEN HERE! ♪♫♪
8. JUSTICE - "CIVILIZATION" (2011)
Justice, die beiden genialen Elektro-Tüftler aus Frankreich, sind ja bereits längst über ihr Genre hinaus auf zahlreiche offene Ohren gestoßen. In diesem Jahr steht nach ihrem glorreichen Debüt "†" im Jahr 2007, nun ihr noch unbetiteltes zweites Album an. Und die erste Single daraus ist bereits ein Kracher: "Civilization" vereint typische elektrorockende Justice-Elemente (quasi eine Weitentwicklung von Daft Punk, als sie noch gut waren), mit einem catchy Pop-Appeal, den hier eindeutig der Gesangspart des britischen Sängers Ali Love beisteuert. Ein gnadenlos zwingender Hit - der zudem mit einem wahrhaft epischen Video versehen wurde. Sollte man gesehen und gehört haben!
♪♫♪ LISTEN HERE! ♪♫♪
9. JAI PAUL - "BTSTU" (2011)
Der BBC hat schon einen verdammt guten Riecher bei vielversprechenden Newcomern. So hatten sie ja bekanntlich schon lange vor den normal sterblichen Namen wie Hurts, Ellie Goulding, Adele oder James Blake auf dem Plan. Und so fand auch der britische Künstler Jai Paul seinen Weg in ihre "Sound of 2011"-Liste. Kein Wunder: Hat der junge Mann zwar vor wenigen Wochen erst seine Debütsingle "BTSTU" veröffentlicht, aber die hat es schon gehörig in sich. Ein herrlich melodischer, mit Kopfstimme gesungener und von fabelhaft ungeraden Beats und schräger Elektronik gegeißelter Kracher, irgendwo zwischen Soul, Pop und Electronica von vergleichsweise björk'scher Futuristik. In einer besseren Welt wäre dies ein Megahit!
♪♫♪ LISTEN HERE! ♪♫♪
10. THAO & MIRAH - "LOVE IS A BATTLEFIELD" (2011)
Coverversionen sind ja häufig eine heikle Sache - vor allem wenn man sich mit einem großen und bekannten resp. beliebten Hit anlegt. Das ist schon öfters grandios nach hinten losgegangen. Die Liste der Negativbeispiele ist sehr lang. Die guten unter ihnen muss man dagegen beinah suchen. Umso schöner, wenn man ab und an mal über sie stolpert. Wie im Fall von Thao & Mirah - zwei amerikanische Musikerinnen, die sich für ein gemeinsames Album in diesem Jahr zusammen taten. Darüber hinaus entstand auch diese Coverversion zum 1983er Hit "Love Is A Battlefield" von Pat Benatar. Und wie sie hier daraus eine mit ordentlich Percussions angereicherte Perle machen, die nah am Klangkosmos von The XX entlang schwebt, lassen sie das Original doch mächtig als aussehen. Anhören und verlieben.
♪♫♪ LISTEN HERE! ♪♫♪
Bon Iver ist mit seinem zweiten Album in der nächsten Evolutionsstufe angekommen - und hat dabei ein kleines Meisterwerk kreiert!
Manch einem klingt vielleicht noch "For Emma, Forver Ago", das vor 3 Jahre erschienene Debüt von Bon Iver, in den Ohren. Wer es einmal gehört hat, der hat sich auf Anhieb verknallt in diese filigranen, melancholischen, aber unendlich tiefen Folk-Perlen, die jedermanns weichen Kern zielgenau treffen. Auch die im Jahr darauf erschienene "Blood Bank"-EP sollte dem in kaum etwas nachstehen.Zuletzt erkundete der Herr aus aus den Wäldern von Wisconsin allerdings ganz anderen musikalischen Landschaften: So half er bei mehreren Stücken von Kanye West's letztjährigen Meisterwerk "My Beautiful Dark Twisted Fantasy" aus. Eine vollkommen neue Welt für Bon Iver, in die er sich jedoch grandios einfügte. Diese Erfahrung - so unterstelle ich ihm jetzt mal - scheint ihn experimentierfreudiger gemacht zu haben. Liebhaber der Debüts müssen sich jetzt aber nicht vor einem radikalen Stilwandel fürchten. Noch immer schlägt sein Herz für den Folk der melancholischen Sorte. Doch er reichert seine Kompositionen zunehmend mit deutlich mehr musikalischen Bezügen an, als es noch zuletzt von ihm zu hören war. Da wären die sanften Marschtrommeln und eindringlich grandiosen Gitarrenparts, im einführenden und bezaubernden "Perth" (♪♫♪). Das darauf folgende "Minnesota, WI" verführt mit einer herrlichen Melodie, welche von Streichern, sanft gezupften Gitarren, schwebendem Saxophon und Synthesizern zusammen gehalten wird. "Hinnom, TX" wird von schwerelosen Synthies getragen und offenbart sich als wundersame, aber gänzlich herausragende Mischung aus Folk und RnB. "Calgary" (♪♫♪) behauptet sich als warme und einnehmende Perle, die unbemerkt unter die Haut geht. Und beim Finale macht er mit "Beth/Rest" (♪♫♪) nicht mal vor einer stark 80s-infizierten Pop-Ballade halt...die er gewohnt grandios in Szene setzt.
Man könnte die Wirkung, die sich innerhalb dieser knapp 40 Minuten entfaltet, am besten mit den Wort "Liebe auf den ersten Blick" umschreiben. Nahezu jeder Ton sitzt bei "Bon Iver" an der richtigen Stelle - und es zeigt eine mehr als gelungene und herzlich willkommene künstlerische Weiterentwicklung, die für den spannendsten und verführerischsten Folk-Moment der laufenden Saison sorgt. Da müssen sich sogar die mighty Fleet Foxes hinten anstellen.
And The Gods Made Love: Das letzte Album des Jimi Hendrix sollte sein künstlerischer Höhepunkt werden - und ein unsterbliches musikalisches Vermächtnis.
Viel ist schon gesagt und geschrieben worden über Jimi Hendrix. Schon zu Lebzeiten als grandioser Musiker und Gitarrist bekannt, verhalf ihm nicht zuletzt sein früher Tod im Alter von gerade einmal 27 Jahren, zur quasi unsterblichen Ikone zu mutieren - zu einem Mythos der bis in die Gegenwart strahlt. Nach all dem Sammelsurium an diversen posthum veröffentlichten Alben mit allerlei unveröffentlichtem Archivmaterial, könnte man beinah vergessen, dass Hendrix zu Lebzeiten nur 3 Studioalben veröffentlichte. Das seinerzeit als Doppel-LP erschienene "Electric Ladyland" (1968) sollte sein letztes werden - und sein mit Abstand herausragendstes. Denn hier offenbarte er sich endgültig als Gott an der Gitarre. Wenn man all der großartigen Gitarrenarbeit auf diesem Meisterwerk lauscht, haut einem das auch heute noch nachhaltig den Schalter raus. Es wurde gewissermaßen ebenso ein künstlerisch Befreiungsschlag - denn wie er hier durch die unterschiedlichsten Stile zappt und sie zu einem so schlüssigen Gesamtwerk vereint, hört man wahrlich nicht alle Tage. Zum Einstieg geht's erstmal ganz gesittet los, wenn er und seine Band alias The Jimi Hendrix Experience, uns mit "Have You Ever Been (To Electric Ladyland)" (♪♫♪) eine leidenschaftlich bluesige Soulballade ins Ohr träufeln. Doch kaum ist der Song im Off verhallt, kommen auch schon die aufheulenden Gitarrenakkorde vom stimmungsvoll nach vorn gehenden "Crosstown Traffic" (♪♫♪) ins Spiel. Und dann wird es Zeit, das der 15-minütige, bewusstseinserweiternde und epische Blues-Jam "Voodoo Chile", die Brühe zum ersten Mal so richtig zum überkochen bringt - und zudem die Basis für seinen hier ebenso vertretenen großartigen Hit und Klassiker "Voodoo Child (Slight Return)" (♪♫♪) bildet. Mit "Little Miss Strange" (♪♫♪) wird einem dann ein feist rock'n'rolliger Ohrwurm feilgeboten, der ein wenig an die frühe bis mittlere Phase der Beatles erinnert. Aber noch mehr gibt es zu entdecken auf diesem (Pardon!) 7-Sterne-Album. So etwa das bluesige "Gypsy Eyes" (♪♫♪), dass von famosen Gitarrenspielereien eingerahmt wird. "Burning Of The Midnight Lamp" (♪♫♪) bietet eine Lehrstunde, wie man auch Soul- und Gospel-Einflüsse, inkl. Mandolinen-Sound in ein Psychedelic-Rock Meisterstück einwebt. "1983...(A Merman I Should Turn To Be)" (♪♫♪) ist nicht weniger als eine grandiose und experimentelle Psychedelic-Rock-Offenbarung, mit einer epischen Spiellänge von über 13 Minuten. Das bluesrockende "Still Rainig, Still Dreaming" (♪♫♪) muss man schon allein wegen seines fantastischen Gitarrenspiels gehört haben. Und mit "All Along The Watchtower" (♪♫♪) lieferte er ein grandioses Cover von Bob Dylan, dass von vielen als die beste Version des Songs angesehen wird - einschließlich von Bob Dylan selbst.
"Electric Ladyland" sollte ein epischer und dynamischer Meilenstein im Rock werden, der unzählige Künstler beeinflusste, den zeitgenössischen Rock in andere Sphären schoss und ihn nachhaltig prägte. Keinen einzigen schwachen Moment kann man hier finden - höchstens die paar Sekunden Stille zwischen den Songs. Kein Wunder das "Electric Ladyland" allgemein als stilprägend und revolutionär, sowie als eines der besten Rockalben aller Zeiten angesehen wird. Wer es verpasst, der ist selber Schuld - denn ihm entgeht ein Stück Musikgeschichte, bei dem man auch nach über 40 Jahren noch ehrfürchtig vor den Boxen kniet und die Genialität dieses Werks bewundert. Eine Platte wie es sie kein zweites Mal gibt. Ganz großes Kino.

Das 5. Album von Limp Bizkit ist der perfekte Soundtrack für jene ewig Gestrigen, die einfach nicht kapieren wollen, dass der Nu-Metal toter als tot ist.
Was soll man noch für große Worte über Limp Bizkit verlieren? Die US-Band verdingt sich nun seit gut 15 Jahren an einer Mischung aus Nu-Metal, Rapcore und Alternative-Rock. In selbiger Zeitspanne hat es Frontmann Fred Durst ebenfalls geschafft, mit allerlei Peinlichkeiten (inkl. einem desaströsen Sex-Video) zur größten Witzfigur im zeitgenössischen Rock zu verkommen. Nachdem sie dann vor 6 Jahren ihr bislang letztes Album "The Unquestionable Truth (Part1)" elegant gegen die Wand gefahren haben, kommen sie nun nach langer Pause mit ihrem 5. Album zurück. Und sie haben offenbar nichts dazugelernt. Denn auf ihrem neuen Album "Gold Cobra" - das immerhin schonmal das Zeug hat, den Preis für das schlechteste Coverartwork des Jahres abzuräumen - trampeln sie immer weiter fleißig auf bereits platt getretenen Pfaden herum. Bedeutet: breitbeinige Metal-Riffs, keifendes Geschrei, die obligatorisch angestaubten Rapeinlagen und ein eindeutiger Überschuss an Testosteron. Und das hört man hier an allen Ecken und Enden. Schon die Singles "Shotgun" (♪♫♪) und Titelsong "Gold Cobra" (♪♫♪) sind die Art Mixtur von Rap und Hardrock, die man schon vor 5 Jahren nicht mehr hören konnte - oder wollte. Ganz schlimm wird's bei "90.2.10" (♪♫♪), wo breitbeinige Hardrock-Riffs sich mit etwas vereinen, was wohl Rap sein soll, aber leider keiner ist. Auch die melodischeren Momente sind wenig erfreulich. "Walking Away" (♪♫♪) bleibt ein gesichtsloser aber hörbarer Standard, der sich jedoch mit seinen Wutausbrüchen selbst das Genick bricht. Und auch das entspanntere "Loser" (♪♫♪) bleibt dann auch nur Fassade mit nichts dahinter. Wieder einmal geben uns Limp Bizkit mit allerlei sinnlosem Herumgebolze ordentlich auf die 12 - ihre hartgesottenen Fans werden es ihnen danken. Wer allerdings nicht zu jenen ewig Gestrigen zählt, die einfach nicht kapieren wollen, dass der Nu-Metal toter als tot ist, der darf Limp Bizkit auch ruhig weiterhin getrost ignorieren.

Katy B zieht in die Welt hinaus, um mit ihrem Post-Dubstep die Clubs und Wohnzimmer gleichermaßen zu erobern - Mission erfolgreich!
Schon als die gerade einmal 21jährige Londonerin Katy B, die mit bürgerlichem Namen Kathleen Brien heißt, ihre erste Single prompt in den britischen Top 5 platzieren konnte, wusste man noch nicht so recht, was man von ihr zu erwarten hatte. Doch die Vorzeichen waren alles andere als schlecht: Als Absolventin der renommierten BRIT School drückte sie gemeinsam mit Dubstep-Künstler James Blake in einer Klasse die Schulbank, und der eben erwähnte Debüt-Track "Katy On A Mission" (♪♫♪), entwickelte sich schnell zum veritablen Smasher, der nicht nur Clubs, sondern auch Wohnzimmer zum explodieren bringen kann. Und mit ihrem Debütalbum "On A Mission" kann sie durchweg das Versprechen einlösen, dass sie mit ihrem ersten Hit gab. Wurde sie gleich zu Beginn gern in die Dubstep-Schublade geschmissen, zeigt sie sich hier doch durchaus von verschiedenen Stilen beeinflusst. So begrüßt uns der famose Opener "Power On Me" bereits mit satten House-Einlagen. "Why You Always Here" überzeugt mit ähnlichen Allüren als schick produzierter Ohrwurm, mit leichtem 90s-Einschlag. Flirrende und schwurbelnde Retro-Synthies, Dubstep-Anleihen, stampfende Beats und eine catchy Melodie, vereinen sich auf "Witches Brew" zum potentiellen Hit. "Go Away" schielt soft zum RnB, bleibt aber eine zart aus den Boxen perlende Pop-Ballade mit eingestreuter Elektronik. Und das herrliche "Broken Record" (♪♫♪) beginnt mit einem feisten Dance-Groove, ehe es im Refrain in den TripHop hineinstrahlt. So ein Pop-Album, dass auf verspielte Weise den aktuellen Dubstep-Trend aufgreift, ihn mit allerlei anderen Zutaten würzt und mit dem zeitgenössischen Pop vereint, lässt man sich gerne gefallen.

Viel Lärm um nichts: Das 11. Album von Snoop Dogg macht erneut deutlich, warum der HipHop in der Krise steckt.Mit Snoop Dogg's Veröffentlichung der letzten Jahre war es ja immer so eine Sache. Hatte er sich über die 90er und den Beginn der 00er einen respektablen Ruf in der US-HipHop-Szene erspielt, drohte der einst so tonangebende Herr immer weiter in die Beliebig- und Belanglosigkeit abzudriften, was er aber wenigstens immer wieder mit ein paar zündenden Hits zu verhindern vermochte. Wie es bei einem kommerziellen HipHop-Release heutzutage gar nicht mehr anders zu erwarten war, mischen auch auf Snoop's mittlerweile 11. Studioalbum ein fast unüberschaubares Sammelsurium an Songwritern, Produzenten, Feature-Gästen und Samples mit. So gut wie kein Song der neuen Platte kommt ohne derlei Mithilfe aus - was durchaus nicht schlecht sein muss, mitunter ist es aber nunmal häufig so, dass zu viele Köche den Brei verderben. Doch manchmal ist es sogar noch viel einfacher, wenn einfach keine überzeugenden Songs zustande kamen. Da mag es einen ziemlich verwundern, das hier sogar ganze 21 Stücke vertreten sind, die zusammen gut 80 Minuten Spielzeit in Anspruch nehmen. Mehrheitlich sterbenslangweilige und nichtssagende, von den üblichen und schon bis zur Vergasung abgenudelten HipHop- und RnB-Standards bespickte Songs, gibt es hier zu hören, die das Album nahezu vollständig zukleistern. Ob man sich nun den blutleeren Soul-HipHop von "Peer Pressure" (♪♫♪), das kontur- und orientierungslos dahin gerappte "My Fucn House" (♪♫♪), den drögen und melodiebefreiten Schunkler "El Lay" (♪♫♪), oder das ziemlich öde "We Rest N Cali" (♪♫♪) zu Brust nimmt - nicht ein Melodiefetzen will hängen bleiben. Einzig die minimalistische, von The Cataracs produzierte erste Single "Wet" (♪♫♪) (nicht zu verwechseln mit dem ziemlich fürchterlichen David-Guetta-Remix "Sweat"), verleitet halbwegs zum aufhorchen. Nicht mal die Beiträge mit Kanye West und den Gorillaz bleiben hier mehr als Fußnoten. Fazit: Seelen- und einfallsloser Hochglanz-HipHop vom Reißbrett, den die Welt nicht braucht. Der nächste, bitte!
Auf ihrem vierten Album serviert uns die Britin zuckersüßen Disco-Dance-Pop-Konfekt, mit manch köstlichen Zutaten - das aber leider ziemlich klebrige Finger macht.
Hatte jemand in den letzten Jahren noch Sophie Ellis-Bextor auf dem Schirm? Ja genau: Die mit dem Mord auf der Tanzfläche. Wen selbiger Hit aus dem Jahr 2001 nicht zum Fanatiker beflügelte, konnte (vor allem in Deutschland) die junge Dame durchaus aus den Augen verlieren. Denn es stellt sich eine leichte Verwunderung ein wenn man erfährt, dass das brandneue "Make A Scene" ihr bereits 4. Album darstellt. Ob ihr dies nun ihren ersten Hit in Deutschland seit 10 Jahren einbringen wird, ist wohl eher unwahrscheinlich. Denn irgendwie hat man doch immer geahnt, das die junge Dame aus London zu durchschnittlich und zu nett ist, um ihrer Musik ihren eigenen Charakter zu verleihen. Ein gutes Dutzend zuckersüßen Pop-Konfekts hat sie uns hier kredenzt. Im ersten Moment zergeht es einem herrlich weich und süß auf der Zunge, kann aber bei zu hohen Dosen schwer im Magen liegen - und klebrige Finger macht es sowieso. "Bittersweet" (♪♫♪), die erste Single, vereint ein hübsches Discoliedchen mit käsiger 80s-Produktion zu einem Teilzeit-Instant-Hit, den man sich ruhig mal geben kann. Man kann es aber auch lassen...und hat trotzdem nicht viel verpasst. Und dieses Gefühl breitet sich hier bei fast jedem Song aus. Trotz Beihilfe von Calvin Harris und Róisín Murphy, bleibt "Off & On" (♪♫♪) ein recht eindimensionales Disco-Vergnügen, das eigentlich schon 2 Jahre alte "Heartbreak (Make Me A Dancer)" (♪♫♪) gefällt sich als netter, aber relativ gesichtsloser Dance-Pop-Schunkler irgendwo zwischen ABBA und Ace Of Base, und "Not Giving Up On Love" (♪♫♪) ist durchschnittlicher Pop mit obligatorischen und so schon 10.000 mal gehörten Trance-Synthies aus der Dorfdisco. Höchstens vielleicht die wilden Bläserattacken im erfrischenden, von Metronomy produzierten Titeltrack "Make A Scene" (♪♫♪) und die etwas anders in Szene gesetzte Ballade "Cut Straight To The Heart" (♪♫♪) lassen aufhorchen. Das Endergebnis klingt dann in etwa so, wie Kylie Minogue mit weniger Kitsch oder wie Lady Gaga auf Valium. Nichts was weh tut, aber auch irgendwie nichts was hängen bleibt. Für den bescheidenen Pop-Sympathisanten mit Hang zum Formatradio, wird dies sicherlich genau das Richtige sein. Wer allerdings etwas mehr musikalischen Anspruch erhebt, oder wenigstens ein paar catchy Kracher hören will, der sollte besser woanders danach suchen. Denn dafür ist Album No.4 von Miss Ellis-Bextor dann doch etwas zu brav.