♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

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Sonntag, 8. November 2015

Besprochen: JOANNA NEWSOM - "DIVERS"

Nach einer halben Dekade der Abwesenheit ist die wunderbare Joanna Newsom endlich zurück - und hat mit ihrem vierten Album "Divers" ein erhabenes und fesselndes Meisterwerk im Gepäck, das ihren bisher eh schon beeindruckenden Backkatalog noch weit zu überstrahlen vermag.

Wie wohl so manch eine Kunstform neben ihr, kann Musik oft sehr unterschiedliche Wirkungen beim Hörer erzeugen - kann aber eben auch sehr verschiedene Anforderungen an ihn stellen. Manchmal ist sie vor allem zur Unterhaltung gedacht, ist ganz dem Massengeschmack angepasst, soll sich gut verkaufen und kann sich an Hits und Chartrekorden bemessen lassen. Kann dabei aber natürlich dennoch begeistern. Und doch unterscheidet sich solche Musik sehr von einer anderen Ausprägungsform - von eben der, die sich vor allem als Kunst begreift. Die mit manchmal gewagten oder von aktuellen Trends unabhängigen Mitteln arbeitet, welche die Grenzen gängiger Songstrukturen überwindet und auch musikalisch wie lyrisch anspruchsvollere Wege geht. Die sich nicht danach bewerten lässt, wie viele potentielle Hits sie hervorzubringen vermag, wie oft sie im Radio gespielt oder wie häufig sie bei Streamingportalen geklickt wird. Sie will und kann vielleicht am besten auf einer emotionalen Ebene funktionieren. Und wer sich in den vergangenen 10 Jahren ihrer bisher andauernden Karriere mit der amerikanischen Singer/Songwriterin Joanna Newsom befasst hat, der weiß wohl nur zu gut, warum dabei nun ihr Name fast schon zwangsläufig ins Spiel kommen muss. Denn das die 33jährige alles andere als eine gewöhnliche Künstlerin ist, hat sie in der Vergangenheit oft genug unter Beweis gestellt. Dabei durchstreifte sie bislang vor allem die Weiten der Folk-Gefilde - das aber auf ihre ganz eigene (wunderbare) Weise: verspielt und avantgardistisch, begleitet von Streichern, Pianos, Bläsern und vielen, vielen Harfen, sowie durchsetzt von nicht selten popigen, häufig auch barocken und vor allem in früheren Tagen manchmal auch polyrhythmischen Elementen. Dabei erschafft Joanna Newsom immer wieder ganz große Kunst, die aber manch einen auch vor Herausforderungen stellen kann. So bot etwa ihr zweites Album "Ys" (2006) eine knappe Stunde Musik, verteilt auf nur 5 (dementsprechend lange) Songs, wohingegen der Nachfolger "Have One On Me" (2010) als 3-fach-Album mit 18 Songs  sogar die 2-Stunden-Marke knackte. Doch sie hat uns eine Menge Zeit gelassen, um diesen wahrhaftigen (wenngleich auch ziemlich fantastischen) Brocken von einem Album zu verdauen - denn 5 Jahre ist es inzwischen schon her, das wir zuletzt neue Musik von Joanna Newsom zu hören bekamen. Doch in diesem Sommer schickte sie den ersten Vorboten ihres vierten Albums mit der wunderbaren Single "Sapokanikan" in die Welt: eine verspielte und optimistisch tänzelnde Folk-Nummer, die aber auch ihre nachdenklichen, schwelgerischen und gar feierlichen Momente hat.


Konnte diese Perle doch schon recht hohe Erwartungen an das kommende Album stellen, so wurden diese mit "Divers" nun aber weit übertroffen. Und das liegt nur zum Teil an der Tatsache, dass sie hier zum ersten Mal seit ihrem Debüt "The Milk-Eyed Mender" (2004) wieder in gewohnte Album-Formen zurück kehrt: mit einer knappen Stunde Musik auf 11 Songs kriegt auch der nicht an ihre Kunst gewohnte Hörer in puncto Quantität etwa das, was er gemeinhin von einem Album erwartet. Das mag das Gesamtwerk vielleicht etwas zugänglicher machen, weil die Geduld eines manchen nicht mit diversen Überlängen strapaziert werden kann. Aber das sind eher Fußnoten. Es sind vor allem ganz die Songs an sich, die hier den besonderen Reiz ausmachen - und die irgendwie noch farbenprächtiger, noch experimentierfreudiger und zugleich auch noch greifbarer ausfallen, als wohl fast alles, was die Dame bisher gemacht hat. Schon "Anecdotes" (♪♫♪) lädt als warmer und blumig-melodischer Opener in das Album ein, der stimmungsvoll von Flöten, Piano, Bläsern, Harfen und Streichern untermalt wird. Es blitzen hier auch immer wieder Erinnerung an die Kunst einer Kate Bush auf - was auf dem gesamten Album irgendwie immer wieder unterschwellig zu spüren ist, aber im großartigen "Leaving The City" (♪♫♪) meiner Meinung nach besonders zur Geltung kommt, welches deutlich von Harfen geprägt ist und im Refrain gar mitreißende Formen annimmt. Das wunderbar melodische "Goose Eggs" (♪♫♪) kombiniert auf gelungene Art popige und psychedelisch-barocke Elemente, lässt aber auch Einflüsse erkennen, die mich an Soul oder Country denken lassen. Mit dem Titelsong "Divers" bietet sie uns einen sanften, verträumten und nachdenklichen 7-Minuten-Epos, der mit relativ wenig Aufwand eine enorm einnehmende Atmosphäre entwickelt. Ganz groß ist auch "You Will Not Take My Heart Alive" (♪♫♪), welches anfangs vor allem von Harfen begleitet wird und romantisch barocke Züge annehmen kann, bis dann beim krönenden Höhepunkt sanfte und schillernde, aber dennoch einprägsame Synthesizer durch den Song schweben. Oder etwa auch die wundervolle, nachdenkliche und schon fast philosophisch anmutende Ballade "Time, As a Symptom" (♪♫♪), die anfangs nur von einem Piano und zunehmend von Vogelgesängen begleitet wird, aber in seinem weiteren Verlauf zu einer fast epischen Hymne heranwächst, zu der sich etwa noch Bläser, Streicher und Flöten hinzu gesellen.



Doch wer versucht, auf Anhieb aus all dem schlau zu werden, was während der Spieldauer des Albums so alles passiert, der wird wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit kläglich daran scheitern. Denn "Divers" ist ein Album, das eher unzählige Fragen aufwirft, anstatt sie zu beantworten. Es ist wie eine facettenreiche und atemberaubende Reise durch eine von ihr eigens erschaffene Märchenwelt, voll verschlungener und bunt bewachsener Pfade, die  einen immer tiefer in ihr musikalisches Labyrinth führen - in dem aber nur ihre ganz eigenen Regeln existieren. Man muss mir hier solche leicht schwülstigen Metaphern verzeihen - doch wer erst einmal der zauberhaften Magie von "Divers" ebenso verfallen ist, der kann vielleicht nachempfinden, wie Joanna Newsom es schafft, einem derartige Bilder vorm inneren Auge herum tanzen zu lassen. Man möchte ja am liebsten schon ganz tief in die verbale Kitschkiste greifen und es mit einer fast schon "spirituellen" Erfahrung vergleichen - auch wenn ich derartige Umschreibungen sonst eher verabscheue. Doch wie bereits erwähnt: diese Musik kann vor allem auf emotionaler Ebene am besten funktionieren. Denn trotzdem es hier zunehmend eine Spur eingängiger zugeht, als auf den vorangegangenen Platten der Newsom, so ist "Divers" dennoch kein Album, das man auflegt, weil man gerade eine nette Hintergrunduntermalung beim Staubwischen braucht. Mit einem edlen Wein mixt man ja schließlich ebenso wenig eine Sangria, so wie man auch kein kunstvolles Gemälde dazu verwenden würde, um die Abstellkammer optisch aufzuwerten. "Divers" braucht Aufmerksamkeit und Zeit, um all seine Facetten entfalten zu können. Doch dafür wird man auch reich belohnt: mit einem erhabenen, zauberhaften und zeitlosen Meisterwerk - und dem besten Album, das man von Joanna Newsom bisher zu hören bekam. Das es zudem auch jetzt schon definitiv zu den besten Alben des Jahres zu zählen ist, erklärt sich dabei wohl von selbst.





Montag, 19. Oktober 2015

Besprochen: MILEY CYRUS - "MILEY CYRUS & HER DEAD PETZ"

 Es schien bislang unzählige Gründe dafür zu geben, Miley Cyrus als Musikerin nicht ernst nehmen zu müssen. Doch mit ihrem neuen Album liefert sie den einen perfekten Grund, warum man seine Meinung darüber nun grundlegend überdenken sollte!

Selbst wer Miley Cyrus aus welchem Grund auch immer nicht leiden kann, muss eingestehen: es kommt einem wahren Kraftakt gleich, einen derartigen Imagewandel zu vollziehen, wie die 22jährige ihn hinter sich hat. Sicherlich fiel es dabei auch so manch einem schwer einzuschätzen, wie authentisch und glaubwürdig so ein radikaler Wandel ist. So hatte sich Miley Cyrus zuvor zum einen als Sprössling des in den USA populären Country-Sängers Billy-Ray Cyrus hervor getan, aber vor allem durch ihre Verkörperung der Titelfigur in der Kiddy-Serie "Hannah Montana" - sozusagen als blondiertes und mit einem wie ins Gesicht gefrästen Colgate-Grinsen ausgestattetes Disney-Girly. Doch binnen ein paar Jahren wandelte sie sich zu dem, was sie heute ist. Den Hang zur ästhetischen Perfektion hat die Dame zum Glück weit hinter sich gelassen - bekanntlich braucht sie gar oft genug eh nur sehr wenig Kleidung, aber kann dann nebenbei auch mal in einem Nilpferd-Kostüm auftauchen. Das scheinbar stets brave und artige Mädchen von einst, mutierte zur einer ziemlich schrägen und irgendwie immer sympathischer wirkenden Göre, die zwar jeder Kamera ihre Zunge entgegen streckt, nie mit Schimpfwörtern oder vulgären Entgleisungen geizt und der scheinbar immer wieder etwas neues verrücktes einfällt, aber die bei all dem offensichtlich das Herz am rechten Fleck trägt. So bot sie irgendwie immer mehr Anreiz, sie wirklich sympathisch finden zu können - nur musikalisch haperte es noch immer. Zwar konnte sie mit ihrem letzten Album "Bangerz" vor 2 Jahren durchaus einen Wandel in ihrer Karriere einleiten, aber bis auf Singles wie "We Can't Stop" oder "Wrecking Ball" war nicht viel spannendes dabei. Und doch ließ sie einen in den letzten Jahren immer mal wieder aufhorchen. So etwa mit einigen sehr gelungenen Darbietungen zusammen mit diversen anderen Musikern im Hintergrund ihrer Happy-Hippie-Foundation, oder aber auch als Gaststimme auf "With a Little Help From My Fwends", mit dem die Flaming Lips die Mutter aller Pop-Alben coverten: "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" von den Beatles (Cyrus ist in "Lucy In The Sky With Diamonds" und "A Day In The Life" zu hören). Das waren alles durchaus positive Vorzeichen - doch was dann plötzlich kommen sollte, hätte wohl niemand geahnt, als sie zum Ende der diesjährigen VMA's überraschend die sofortige Online-Veröffentlichung ihres neuen und fünften Albums "Miley Cyrus And Her Dead Petz" bekannt gab. Gefolgt von einer Live-Darbietung des Album-Openers "Dooo It", für den sie am darauf folgenden Tag auch ein schräges, buntes, minimalistisches und irgendwie großartiges Video nachreichte. Was auch zum ebenfalls großartigen Song passt, denn schon hier wird der radikale Wandel deutlich, den sie auf ihrem fünften Album musikalisch vollzieht. Elektronische Beats und Elemente treffen auf eine tanzbare und dennoch experimentelle bis düstere Atmosphäre - und dazu gibt's dann Textzeilen wie "Yeah I smoke pot / Yeah I love peace / But I don't give a fuck / I ain't no hippie"



Wie bei diesem Song, hat Cyrus auf dem Großteil des neuen Albums bei Songwriting und  Produktion wieder mit den Flaming Lips zusammen gearbeitet, aber vereinzelt auch mit anderen Leuten wie Mike Will Made It oder Oren Yoel. Und dabei kam ein stramm geschnürtes Bündel von 23 Songs heraus, mit einer Gesamtspieldauer von gut anderthalb Stunden! Doch es ist so spannend, so unerwartet und gar so spektakulär, was während dieser Zeit so alles passiert, dass "Miley Cyrus & Her Dead Petz" fast durchgehend zu begeistern vermag. Zwar spielt sich ihre Musik hier noch immer grob im Pop-Universum ab, zeigt sich aber weit kunstvoller, inspirierter, experimenteller und innovativer, als alles was man bisher von der jungen Frau zu hören bekam. So kommt etwa  das schwelgerisch-melancholische "Karen Don't Be Sad" () recht 60s-inspiriert daher, während der nachdenkliche "The Floyd Song (Sunrise)" () psychedelischere Wege geht und sie in "Pablow The Blowfish" () in Form einer herzzerreißenden Ballade ihr verstorbenes Haustier besingt - um gen Ende in erstaunlich authentische Weinkrämpfe auszubrechen. Und das sind noch nicht mal die größten Highlights, die aber auch ziemlich zahlreich auf der neuen Platte vertreten sind. Zum Beispiel hätten wir da die warme und mit wunderschöner Melodie gesegnete, atmosphärische Synthpop-Perle "Space Boots" () und das leicht oldschoolig veranlagte, zwischen gesprochenen und gesungenen Passagen pendelnde "BB Talk" (). Aber auch das düster-leidenschaftliche und durchweg grandiose Meisterstück "Cyrus Skies" () oder das fantastische und nahezu zeitlos schöne "I Get So Scared" (), welches von einem ebenso zeitlosen Gitarrenakkord untermalt wird. Die warme und deutlich in den 80ern verwurzelte New-Wave-Ballade  "Lighter" () hätte man dann auch noch im Angebot, ebenso wie das schattig-psychedelische und atmosphärische "Tiger Dreams" (), das sie im Duett mit dem großartigen Ariel Pink darbietet. Aber auch "1 Sun" darf man nicht übersehen: ein eingängiger, mitreißender, aber dennoch nicht zu glatter und zudem mit einem Auge auf Lady Gaga schielender Elektro-Pop-Kracher, der es zum echten Hit bringen könnte.



Ob "Miley Cyrus And Her Dead Petz" nun dauerhaft zu ihrem künstlerischen Befreiungsschlag wird, der es ihr erlaubt auch weiterhin so neugierig die Grenzen und Möglichkeiten des Pop auszuloten, bleibt noch abzuwarten. Aber das wichtigste ist: er könnte es tatsächlich sein! Denn das Potential steht dabei außer Frage - was sie hier veranstaltet hat, kann ohne weiteres dazu führen, dass dem Hörer auch schon mal vor Staunen die Kinnlade zu Boden kracht. So etwas hätte man der jungen Frau nun wirklich nicht zugetraut - und umso schöner ist die Überraschung darüber, was für ein Talent tatsächlich in ihr schlummert. Eine beeindruckende Leistung, die in ihrer eigentlichen Mainstream-Pop-Liga so im Grunde fast nie vorkommt. Das mag allerdings nicht jeder so sehen, denn bei vielen stößt das Album auf sehr gemischte Gefühle. Und gerade so manch einem Fan mag sie damit gehörig vor den Kopf gestoßen haben. Warum jedoch das Album gerade bei vielen professionellen Kritikern durchgefallen ist, kann ich mir beim besten Willen nicht erklären -  denn in meinen Ohren hat Miley Cyrus hier derart glänzende Arbeit geleistet, dass man es als eine der größten Pop-Überraschungen des Jahres bezeichnen kann. 

Sonntag, 11. Oktober 2015

Besprochen: JANET JACKSON - "UNBREAKABLE"

Ein Comeback, das auch wirklich eines ist: mit "Unbreakable" findet Janet Jackson nach 7-jähriger Plattenpause endlich wieder zu alter Größe zurück - und legt ihr bestes Album seit dem 1997er Meisterwerk "The Velvet Rope" vor.
 
Schon lange hatte man musikalisch nichts neues mehr von Janet Jackson gehört - und so richtig aufgefallen war das zumindest meiner Wenigkeit nicht unbedingt. Denn Janet konnte auch in den Jahren davor nicht wirklich mit erlesener Musik glänzen. Zwar konnte sie sich ab ihrem 3. Album "Control" im Jahr 1986, sowie über die gesamten 90er Jahre hinweg zum musikalisch erfolgreichsten Mitglied des Jackson-Clans nach ihrem Bruder Michael mausern, doch über die 2000er und Platten wie "Damita Jo" (2004), "20. Y.O." (2006) oder "Discipline" (2008) hinweg, spielte sie sich kontinuierlich tiefer in die künstlerische Belanglosigkeit. Letzteres konnte zwar ein paar relativ passable Ohrwürmer abwerfen, rückte aber viel zu sehr von dem eigenen Stil der Musikerin ab - was vor allem dem Umstand geschuldet war, dass hier zum ersten Mal seit langer Zeit ihre Stammproduzenten und Co-Songwriter Jimmy Jam & Terry Lewis gänzlich fehlten, die zuvor seit  "Control" ausnahmslos an jedem weiteren Album beteiligt waren. Da mit dieser Kombination aber auf ihren letzten Alben auch nicht mehr so viel los war, kann man sowas schon mal machen. Geglückt ist es langfristig dennoch nicht. Janet klang hier zwar nicht unbedingt noch weniger spektakulär, als sie das auf den paar mageren Vorgängern eh schon tat, aber sie schien sich zu sehr dem vorherrschenden Zeitgeist anzubiedern und sich in einen Sound zu flüchten, mit dem andere zur selben Zeit so viel erfolgreicher waren als sie. Dann folgte im Jahr 2009 der tragische und unerwartete Tod ihres Bruders Michael - und fortan sollte es musikalisch still um sie werden. Doch in diesem Jahr kam scheinbar wie aus dem Nichts plötzlich die Ankündigung ihres neuen und 11. Studioalbums "Unbreakable". Doch durch ihre schwachen bis langweiligen Platten der letzten gut 10 Jahre, war auch hier die Erwartungshaltung eher gemäßigt. Selbst die Comeback-Single, die dem Album voraus ging, wirkte dafür auf den ersten Blick erstaunlich unauffällig: so ist "No Sleeep" kein offenkundiger Hit, der nach Dauerpräsenz in sämtlichen Radio-Playlists schreit. Stattdessen serviert sie uns hier eine getragene und  erotisch säuselnde R&B-Perle, die sich samtig in die Gehörgänge schmiegt. Eine wirklich gute Nummer - doch hätte sie den grundlegenden Sound des gesamten Albums vorweg genommen, hätte man eine weitere eher seichte R&B-Platte erwarten können...


Doch der Sound der ersten Single steht alles andere als stellvertretend für das gesamte Album - welches sich nun nach eingehender Beobachtung als unerwartet großartig herausstellt! Nach der Pause mit dem letzten Album reanimierte sie hier wieder die Zusammenarbeit mit ihren langjährigen musikalischen Weggefährten Jimmy Jam & Terry Lewis - und diese kreative Pause scheint beiden verdammt gut getan zu haben. Denn endlich hat Janet Jackson wieder so viel zu erzählen, wie man dies schon lange nicht mehr erlebt hat. So besticht "Unbreakable" durch hervorragendes Songmaterial, famose Produktion, Kreativität und Vielseitigkeit. Dabei feiert sie auf der ersten guten Albumhälfte überwiegend Pop-, Dance- und R&B-Einflüsse in seinen verschiedensten Ausprägungen.  Das beginnt schon mit dem Opener, der auch zugleich als Titelsong und zweite Single fungiert: die geschmeidig groovige und unwiderstehliche R&B-Nummer "Unbreakable", die man als so etwas wie eine Ode an ihre Fans verstehen kann. Sehr stark zeigt sich dann auch der lasziv mit dem Hüften kreisende R&B-Club-Kracher "Burnitup!" (♪♫♪) im Duett mit Rap-Legende Missy Elliot - welches von seiner tadellosen Produktion ein wenig an Justin Timberlake's "Futuresex/Lovesounds"-Phase erinnert. Das leicht elektronische "The Great Forever" (♪♫♪) orientiert sich hörbar am Sound ihres verstorbenen Bruders, was vor allem ihren Gesang betrifft, welcher nicht selten fast genauso wie der seinige klingt. Mit dem wunderbaren "Broken Hearts Heal" (♪♫♪) verewigt sie hier dann auch einen musikalischen Nachruf auf Michael - der aber nicht in Gestalt einer rührseligen Ballade daher kommt (wie es vielleicht zu erwarten gewesen wäre), sondern als  von seiner Grundstimmung optimistischer und warmer Midtempo-Dance-Pop, den sie im Refrain mit der wunderbaren Textzeile "Our love ain't no material thing/ Inshallah, see you in the next life" krönt - und musikalisch ein wenig an ihre 1997er Single "Together Again" erinnern kann. Auch "Should've Known Better" (♪♫♪) bleibt einem als weiterer Höhepunkt auf Anhieb im Trommelfell hängen, welches in seinen Versen einer getragenen und warmen Ballade gleicht, doch dann im Refrain zur strahlenden, mitreißenden und elektronisch angereicherten  Pop-Hymne empor steigt. Und "Night" (♪♫♪) offenbart ein leidenschaftliches, fast schon feierliches Liebeslied, das veträumt über einen Soundteppich aus House-, Disco- und Funk-Elementen tänzelt. 


Auf der zweiten Hälfte des Albums geht sie aber mitunter auch etwas experimentierfreudiger und stilistisch noch vielfältiger zu Werke - wodurch sie den Spannungsbogen auf "Unbreakable" bis zum Ende konstant hoch hält. Mit dem fabelhaften Ohrwurm "Take Me Away" (♪♫♪) bedient sie sich etwa sowohl elektronischer als auch rockiger Elemente, während "Black Eagle" (♪♫♪) spirituelle Themen behandelt und durch atmosphärisch getragenen Sound überzeugt. Das wunderbare "Well Traveled" (♪♫♪) kann man sogar recht gut ins Stadionrock-Genre einordnen und in Bezug auf das von Funk und Psychedelic-Soul beeinflusste "Gon' B Alright" (♪♫♪), wurden bereits  sehr treffende Vergleiche zu Sly & The Family Stone laut.   

Selbst für mich unglaublich, aber wahr: mit "Unbreakable" ist Janet Jackson nach 7 Jahren Plattenpause ihr bestes Album seit dem 1997er Meisterwerk "The Velvet Rope" gelungen - nie wieder danach hat man Janet derart kreativ, relevant und inspiriert erleben dürfen, wie auf ihrem neuesten Streich. Hier vereint Miss Jackson all das, was sie als Musikerin bislang besonders auszeichnete, und ergänzt dies zusätzlich um Inspirationen und Experimente in alle möglichen Richtungen. Zwar kann "Unbreakable" am Ende auf eine stolze Spieldauer von einer guten Stunde zurück blicken (zumindest in der Standard-Edition), fällt dabei aber dennoch um keine Minute zu lang aus. Denn hier hat sie endlich wieder alles richtig gemacht.




 

Dienstag, 29. September 2015

Besprochen: RYAN ADAMS - "1989"

Songs covern kann ja jeder. Aber weil Ryan Adams bekanntlich nicht wie jeder ist, nimmt er sich einfach mal ein ganzes Album vor - und lässt Taylor Swift's letztjähriges Album "1989" in seiner Interpretation weit über sich selbst hinaus wachsen.

Wer den amerikanischen Musiker Ryan Adams kennt, der weiß auch was für ein äußerst umtriebiger Künstler er ist. Neben vor allem zahlreichen eigenen Songs (denn auch mehrere Alben in einem Jahr sind für ihn nicht unbedingt ungewöhnlich), ist er auch bereits für einige sehr wunderbare Coverversionen bekannt. Und nachdem der Herr sich erst im letzten Jahr mit seinem bislang letzten Album "Ryan Adams" immer noch in Höchstform zeigte, hat er sich dieses Jahr nun für ein ganz besonderes Projekt entschieden, das einem einerseits gehörig Respekt abverlangt und das  andererseits auch mächtig erstaunt. Denn sein neues und 15. Studioalbum ist nichts anderes als ein vollständiges Cover von Taylor Swift's letztjährigem Millionen-Seller "1989". Zwar stammt Swift bekanntlich aus Country-Pop-Wurzeln (wenn auch in ziemlich seichtem Gewand) aber "1989" war ihr erstes wahrhaftes Pop-Album, das so Pop war, wie es nur sein konnte. So entstammen auch fast alle Songs des Albums der Zusammenarbeit mit dem schwedischen Songwriter/Produzenten Max Martin, der in den letzten 20 Jahren unzählige Welthits für u.a. Ace of Base, die Backstreet Boys, N'Sync, Celine Dion, Britney Spears, Pink oder Katy Perry besorgte. Dementsprechend eine vollkommen andere Baustelle, als eben jene, auf denen sich Adams für gewöhnlich so austobt und die von Indiepop über Rock'n'Roll und bis hin zu Alternative-Country reichen. Und so macht sich der gute Mann hier das Album der Swift einfach mal vollständig zu eigen, indem er es auf seine ganz eigene Weise neu interpretiert. So wird schon gleich der Opener "Welcome To New York" (♪♫♪), der im Original eine eher mittelmäßige Synthpop-Nummer war, in Adams Händen zu einem leidenschaftlichen Rock-Hit. Der schmachtend melodische Pop-Ohrfänger "Blank Space" verwandelt sich hier zur emotionalen und minimalistischen Folk-Ballade, die schillernde Disco-Funk-Pop-Nummer "Style" (♪♫♪) mutiert zur fantastischen und atmosphärischen Indierock-Hymne mit leichtem 80's-Touch, und das in seiner Urfassung recht neutral popige "Out of the Woods" kommt nun noch melancholischer, emotionaler und irgendwie auch eine Spur "barocker" daher. 



Laut Adams selbst, wollte er das Album im musikalischen Stil der britischen Band The Smiths inszenieren - was einem auch besonders bei seiner großartigen Interpretation des ursprünglichen Dance-Pop-Ohrwurms "All You Had To Do Was Stay" (♪♫♪) auffällt, welcher nun ziemlich deutlich an den Indie-Pop der legendären britischen Band zu erinnern vermag. Bei seiner Version des Welthits "Shake It Off" (♪♫♪) blitzen diesbezüglich ebenfalls leichte Erinnerungen auf, doch auch vage Alternative-Country-Andeutungen und ein paar minimalistische Synthies kommen zum Einsatz. Trotz manch hörbarer Einflüsse, klingt das meiste hier jedoch vor allem ganz nach ihm selbst - und das ist auch gut so. Das im Ursprung in eine Pop-Richtung á la Lana Del Rey pendelnde "Wildest Dreams" (♪♫♪), hätte in Adams' nachdenklicher und warmer Indie-Pop-Fassung etwa auch ganz großartig auf sein Meisterwerk "Love is Hell"  gepasst. Das lockerflockige und melodisch tänzelnde "How You Get The Girl" (♪♫♪) denkt er dann kurzerhand zu einer beinah traurigen Singer/Songwriter-Ballade um, während er dann "This Love" (♪♫♪) seiner Ausgangsfassung ähnlich auch im balladigen Umfeld ansiedelt, den Song aber in derartige emotionale Höhen katapultiert, wie man es beim Original nicht mal hätte erahnen können. Und "Bad Blood", angeblich so etwas wie Talyor Swift's musikalische Kriegserklärung an Katy Perry, lässt Ryan Adams aus seiner Sichtweise nun als zeitlos famose Indie-Pop-Perle erstrahlen - und lässt dabei auch gleich das eh schon tolle Original weit hinter sich.   



Doch diese letzte Bemerkung lässt sich auch ganz wunderbar auf das gesamte Album anwenden. Zwar war auch das Original von Taylor Swift ein tolles und mitreißendes Pop-Album, das auch zurecht solch einen Erfolg einfuhr - aber was Ryan Adams daraus gemacht hat, fällt auf seine Weise nochmal eine ganze Spur atemberaubender und eindringlicher aus. Letztendlich stellen beide Versionen - trotz identischer Songs, aber durch komplett unterschiedliche Herangehensweisen - im Grunde für sich völlig eigenständige Platten dar. Und auch in jeder Plattensammlung können die beiden problemlos friedlich nebeneinander koexistieren. Aber Ryan Adams hat aus "1989" nun ein so erstaunlich zeitloses Meisterstück heraus gekitzelt, dass seine Interpretation  in Zukunft ohne jeden Zweifel meine erste Wahl sein wird.


Freitag, 25. September 2015

Besprochen: LANA DEL REY - "HONEYMOON"

Irgendwie paradox, aber doch vor allem wunderbar: auf ihrem 4. Album "Honeymoon" zelebriert Lana Del Rey den künstlerischen Rückschritt auf überraschend hohem Niveau!

Lana Del Rey hatte dem zeitgenössischen Pop ja gerade noch gefehlt - und das ist auch ganz ohne die Ironie gemeint, die dieser Redensart sonst oft innewohnt. Denn trotz all der anfänglichen und nicht ganz unberechtigten Skepsis gegenüber dem Hype um die Dame, sowie um ihr insgesamt relativ durchwachsenes Durchbruchsalbum "Born To Die" aus dem Jahr 2012, konnte man der Amerikanerin nie den beliebten und oft auch berechtigten Vorwurf machen, sie würde nur auf einen rollenden Zug aufspringen. Lana machte es sich stattdessen in einer Nische gemütlich, die bis dahin im Pop vollkommen unbesetzt war. So flirtete sie seit eh und je ausgiebig und leidenschaftlich mit dem romantisierten Zeitgeist  eines  längst vergangenen Amerikas, bei dem man unweigerlich an die Ära von James Dean, Marilyn Monroe oder Jim Morisson denken muss. Auf ihrem Zweitwerk "Born To Die" war das durchaus schon recht gut zu erkennen, doch war hier einiges einfach noch zu "billig" produziert. Doch schon kurz darauf konnte sie das mit der famosen "Paradise"-EP spielend ausgleichen, die das eigentliche Album weit überstrahlte. Und was sie dann im letzten Jahr fantastisches auf ihrem 3. Album "Ultraviolence" anstellte, sitzt einem immer noch in den Knochen. Zusammen mit Produzent Dan Auerbach von The Black Keys zauberte sie dort nicht nur eine deutlich spürbare künstlerische und stilistische Weiterentwicklung, sondern auch gleich ein so kunstvolles, einnehmendes, düsteres und doch wunderschönes Meisterstück, dass es für mich bis heute zurecht eines der besten Platten seines Jahrgangs darstellt. Bis hierher konnte man bei Lana Del Rey eine kontinuierlich ansteigende musikalische Qualität und künstlerische Entwicklung beobachten, sodass es auch alles andere als verwunderlich erschien, dass man sie immer mehr als eigenständige Künstlerin akzeptierte. Und auch was schon im Vorwege über ihr neues Album bekannt wurde, ließ an der Fortführung dieser Entwicklung kaum einen Zweifel aufkommen. Allen voran etwa der Titelsong "Honeymoon" selbst: eine ganz wunderbare, von Streichern und Piano eingerahmte, cineastisch-emotionale Ballade, die einem sofort  Bilder wie aus den klassischen Hollywood-Dramen früherer Tage vor das innere Auge projiziert. 


 
Und betrachtet man nun das gesamte Album, so merkt man, dass sich soundtechnisch wieder etwas merkbar gegenüber dem Vorgänger verändert hat. Nur diesmal vielleicht nicht so ganz in die Richtung, in die ich es erhofft hatte. Oder wollte man es kritischer ausdrücken: wenn "Ultraviolence" ein künstlerischer Schritt nach vorne war, so ist "Honeymoon" nun ein halber Schritt zurück. So bewahrheitet sich hier auch offiziell das, was die Sängerin zuvor verriet: der Sound entfernt sich hier hörbar von dem des letzten Albums und bezieht sich wieder stärker auf die "Born To Die"/"Paradise"-Phase. So hat sie hier auch wieder Rick Nowels als Co-Songwriter und -Produzent verpflichtet, der ja bereits an dieser Phase beteiligt war. Aber das ist alles in allem natürlich kein Grund zur Sorge. Denn diese frühere Phase war ja mitunter durchaus fruchtbar. Und auch auf "Honeymoon" hat uns Lana wieder einige ganz wundervolle, wie aus der Zeit gefallene Songperlen gezaubert. So zeigte sich schon die offizielle erste Single "High By The Beach" als ein überaus fähiger Popsong, aber auch die neue und zweite Single "Music To Watch Boys To" (♪♫♪) erweist sich als sinnlich-getragene Pop-Perle, die noch wesentlich stärker hängen bleibt. Einige Albumtracks bieten aber noch mehr Potential. So etwa die großartige, emotionale und verträumte Ballade "Terrence Loves You" (♪♫♪), die mit getragener Atmosphäre und Jazz-Einflüssen spielt - und letzteres betrifft so ähnlich dann auch das atmosphärisch-schillernde "Art Deco" (♪♫♪), welches auch unbedingt als eines der Highlights der Platte anzusehen ist. Welche aber doch recht zahlreich vertreten sind. Denn auch das leidenschaftliche und beinahe schon erhabene "Religion" (♪♫♪), dass großartige, düster schattierte und in Auszügen fast epische "The Blackest Day" (♪♫♪) oder die zeitlose, schwermütig-schöne und getragene Ballade "24" (♪♫♪) sind ziemlich großes Kino. Ebenso wie aber auch ihre Version des Klassikers "Don't Let Me Be Misunterstood" (♪♫♪), der ja schon in vielen berühmten Versionen dargeboten wurde. Lana Del Rey orientiert sich hier zwar schon ein klein wenig in die Richtung des Originals von Nina Simone aus dem Jahr 1964, arbeitet aber dennoch mit der berühmten (in ihrem Fall allerdings von einer Orgel gespielten) Hookline, welche The Animals dem Song in ihrer 1965er Version in dieser populären Form zu ersten Mal hinzufügten. Aber dennoch klingt der Song am Ende hauptsächlich wieder ganz nach Lana selbst - und vor allem ganz wunderbar.



Gesamt betrachtet hat uns Lana Del Rey mit "Honeymoon" ein zeitloses und bezauberndes Album gebastelt, das wieder mit so manch einer schmachtenden Perle aufwarten kann. Und doch hat es wie bereits erwähnt gegenüber seinem Vorgänger knapp das Nachsehen. So war es doch gerade der spürbare soundästhetische Wandel, der für mich den ganz besonderen Reiz auf "Ultraviolence" ausmachte. Ihre nun schnelle Rückkehr zum bislang gewohnteren Stil mutet da vielleicht anfangs ein wenig banal an - denn künstlerische Weiterentwicklung sieht ja nun einmal anders aus. Aber hört man genau hin, kann man nur in jeder denkbar positiven Hinsicht sagen, dass "Honeymoon" so etwas wie einen kleinen künstlerischen Rückschritt auf hohem Niveau darstellt. Und damit kann man wohl auch durchaus gut leben.






Samstag, 18. Juli 2015

Besprochen: YEARS & YEARS - "COMMUNION"

Auch wenn es nach einer handvoll famoser Singles eigentlich schon längst hätte klar sein müssen, macht ihr heiß ersehntes Debütalbum "Communion" das britische Trio Years & Years nun auch ganz offiziell zu einem der spannendsten Newcomer des Jahres!

Newcomer im Pop gibt es ja bekanntlich wie Sand am Meer - und viele von ihnen möchte man am liebsten schon wieder vergessen, ehe man sie überhaupt richtig kennengelernt hat. Da treffen unzählige Eintagsfliegen auf mindestens ebenso viele gesichts- und talentlose Trittbrettfahrer, die wie im Reagenzglas gezüchtete Pop-Klone anmuten, deren einzige Existenzgrundlage die zu sein scheint, die gerade hipsten Künstler bis zum Erbrechen zu kopieren. Doch gibt es ja zum Glück auch immer wieder solche wahrhaft herausragenden jungen Talente, die einen schon voll in ihren Bann gezogen haben, noch bevor überhaupt ihr erstes Album auf dem Markt ist. Und eines der vielversprechendsten aktuellen Exemplare dieser Art stellt das britische Elektropop-Trio Years & Years dar. Und doch fällt es einem schwer, die Band um den Sänger und Keyboarder Olly Alexander (der als Schauspieler u.a. auch in Filmen wie "Gullivers Reisen" oder "The Riot Club", sowie in Serien wie "Skins" oder "Penny Dreadful" mitwirkte), den Bassisten Mikey Goldsworthy und den Synthie-Spieler Emre Turkmen als Newcomer zu bezeichnen. So hat das Trio seit 2013 bereits 4 EP's veröffentlicht und noch vor dem Erscheinen ihres Debüts "Communion", wurden daraus seit Anfang 2014 ganze 5 Vorabsingles veröffentlicht. Am bekanntesten ist das Gespann diesbezüglich wohl zweifellos durch ihren bisher größten Hit, der es vor wenigen Monaten in ihrer britischen Heimat an die Spitze der Singlecharts schaffte und auch in zahlreichen Ländern Europas in die Top 10 vorstoßen konnte: der famose Dance-Pop-Überhit "King"!



Unter diesen zahlreichen über anderthalb Jahre verteilten Singles finden sich aber etwa noch der melodische Dance-Pop-Song "Real" (♪♫♪), das housige veranlagte und mitreißende "Desire" (♪♫♪) oder auch das famose und getragen ohrwurmige "Take Shelter" (♪♫♪), welches vor einem knappen Jahr als zweite Single des Albums erschien und mich als erstes auf das Trio aufmerksam machte. Und die neue und fünfte Single ist die bisher vielleicht sogar beste von allen: die strahlende und einnehmende Synthpop-Hymne "Shine", die im Grunde genommen gar das unbedingte Zeug zum Welthit besitzt. Doch auch abgesehen von seinen bisherigen offiziellen Singles, kann man ihr nun endlich erschienenes Debüt "Communion" als ein wahrhaftiges Hit-Album bezeichnen. So kann etwa das 90s-informierte und soft housige "Worship" (♪♫♪) als ein weiterer unschlagbarer Ohrwurm überzeugen und die erhabene Midtempo-Ballade "Eyes Shut" glänzt mit Pianos, sanft schillernden Synthies, pochenden Beats und einer wunderbaren Melodie. Und die atmosphärische und eingängige Synth-Perle "Border" (♪♫♪) kann sich dann problemlos als weiterer veritabler Hit empfehlen, während sie mit dem Closer "Memo"  eine getragene, emotionale und fast schon traurige Ballade zum Besten geben. Aber auch die Deluxe-Edition des Albums birgt in Form von Bonus-Tracks noch ein paar zusätzliche kleine Schätze: wozu das getragen atmosphärische und entgegen dem Titel eher 80s-infizierte "1977" (♪♫♪) ebenso gehört, wie etwa auch der ausgelassen tanzbare und stärker in den 90ern verwurzelte Dance-Pop-Kracher "I Want To Love". 


Years & Years - Shine on MUZU.TV.

Sofern man dem Sound der Band etwas abgewinnen kann - was aber mit einem gesunden Pop-Interesse wohl keine größere Schwierigkeit sein dürfte - wird einen "Communion" mit Leichtigkeit überzeugen können. Denn bei Years & Years treffen ein Gespür für große Melodien auf hervorragenden und vielseitig umgesetzten Elektro-/Synth-Pop und einen (denn das muss ja auch mal gesagt werden) verdammt guten und charismatischen Sänger -  und damit reihen sie auf ihrem heiß ersehnten Debüt nun einen Hit an den nächsten und machen es so in meinen Ohren zu einem der besten Pop-Alben des bisherigen Jahres.





 

Montag, 29. Juni 2015

Besprochen: CARLY RAE JEPSEN - "E·MO·TION"

 
Nach der kommerziell erfolgreichen, aber musikalisch recht mageren letzten Platte, präsentiert uns Carly Rae Jepsen auf ihrem dritten Album nun so unwiderstehlich süßen Dance-Pop mit schicker 80's-Föhnwelle, dass sie damit sogar dem Megaseller "1989" von Taylor Swift auf Augenhöhe begegnen kann.

Man darf es ja niemandem übel nehmen, wenn er erst einmal instinktiv die Nase rümpft, wenn ein Name wie Carly Rae Jepson fällt. Zwar gelang ihr vor 3 Jahren mit ihrem Hit "Call Me Maybe" nicht nur ihr großer Durchbruch, sondern auch ein unwiderstehlicher Pop-Ohrwurm, gegen den sich wohl kaum jemand wirklich effektiv wehren konnte (oder wollte). Doch kurz darauf sollte sie dann sogleich mit dem unheimlich käsigen Elektropop-Projekt Owl City und dem süßlichen Kitsch-Pop-Schunkler "Good Time" derart weltweite Charts und Radios verkleben, dass manch einer quasi kurz vorm Zuckerschock zu stehen drohte (mich eingeschlossen). Und auch das dazugehörige zweite Studioalbum "Kiss" konnte dem kaum etwas nennenswertes hinzufügen. Und so drohte die Dame bei so manchem wieder allmählich in die Bedeutungslosigkeit abzudriften. Doch in diesem Jahr sollte sich Carly Rae Jepsen wieder zurück melden und den ersten Vorboten zu ihrem kommenden dritten Studioalbum "E·MO·TION" nachlegen. Denn schon im Frühjahr konnte man sich bereits an der ersten Single "I Really Like You" erfreuen. Zwar mag dies sicherlich kein anspruchsvoller Song sein, sondern viel mehr ein melodischer, eingängiger und einfach gestrickter Dance-Pop-Ohrwurm. Aber eben einer von der Sorte, der einfach gnadenlos glücklich machen kann. Und das der Song von Peter Svensson - dem Hauptsongwriter und Gitarristen der fantastischen schwedischen Band The Cardigans -  co-komponiert/-produziert wurde und dann auch noch der großartige Tom Hanks in dem dazugehörigen Musikvideo kurzerhand die Hauptrolle spielte, sollte den Song auf seine ganz eigene Weise adeln. 


Und ob man es glauben will oder nicht: es kann sich durchaus lohnen, ihrem neuen Album mit einem offenen Ohr zu begegnen. Denn was Jepsen auf ihrem dritten Album so ausheckt, kann sich in der Tat sehen lassen! So füttert uns die Dame hier mit unwiderstehlich süßem Dance- und Synth-Pop-Konfekt, dass mit deutlichen 80s-Aromen den musikalischen Gaumen kitzelt. Die herrlich tanzbare und von Shellback (der rechten Hand von Max Martin, mit dem er auch schon für u.a. Taylor Swift, Britney Spears oder Pink arbeitete) produzierte zweite Single "Run Away With Me" (♪♫♪) macht dies als gelungener Dance-Pop-Ohrwurm gleich zum Einstieg ins Album deutlich - ehe dies dann umgehend vom ganz wunderbaren und einnehmend leidenschaftlichen Titelsong "E·MO·TION" (♪♫♪) noch locker getoppt wird. Und spätestens wenn man bei der schillernden und sehnsüchtigen, vom fabelhaften Ariel Rechtshaid (Madonna, Beyoncé, Solange, Vampire Weekend) co-komponierten und -produzierten  80s-Pop-Ballade "All That" angekommen ist, sollte Carly Rae Japsen endgültig das Herz eines jeden Pop-Liebhabers im Sturm erobert haben. Doch potentielle Hits sind hier noch weit mehr zu finden. Nennenswert ist etwa auch das ausgelassen tanzbare "Boy Problems" (♪♫♪), dass von Sia Furler mitkomponiert wurde - wie auch das gleich darauf folgende "Making The Most Of The Night" (♪♫♪), das zwischen nachdenklicheren Versen und förmlich nur so strahlenden Refrains pendelt. Aber das melodisch-warme und von Saxofon verzierte "Let's Get Lost" (♪♫♪), das atmosphärische und im Albumkontext noch etwas kreativer und "unkonventioneller" agierende "Warm Blood" (♪♫♪) oder der in den buntesten Farben strahlende Synthpop-Ohrfänger "When I Needed You" (♪♫♪), an dem wieder mal Ariel Rechtshaid beteiligt war, darf man hier ebenfalls nicht unerwähnt lassen. Nur nahezu schade, dass das tolle "I Didn't Just Come Here To Dance" (♪♫♪) nur auf der Deluxe Edition des Albums zu finden ist, welches mit schicken 90s-House- und Dance-Elementen verziert ist.


Besondere inhaltliche Tiefe, gehobenen künstlerischen Anspruch und kreative Ecken und Kanten kann man hier natürlich weder erwarten noch unbedingt finden - denn "E·MO·TIONS" ist nun mal Pop as Pop can be. Und das ist verdammt nochmal auch gut so! Denn in ihrer Liga hat die Kanadierin hier mit ihrem dritten Album so hervorragende Arbeit geleistet, das einem wahren Pop-Fan nur so das Herz aufgeht. Denn das hier ist unwiderstehlich süßer und schillernder Dance-/Synth-Pop mit schicker 80's-Föhnwelle, der qualitativ dem aktuellen Megaseller "1989" von Taylor Swift problemlos auf Augenhöhe begegnen kann. Aber wir müssen uns trotzdem noch ein wenig gedulden: zwar ist das Album gerade in Japan erschienen, der Release für den Rest der Welt folgt allerdings im August - und in Deutschland sogar erst Ende September! Bezüglich dieser Veröffentlichungspolitik kann man der beteiligten Plattenfirma zwar nur absolute Schwachsinnigkeit attestieren, aber der Pop-Liebhaber darf sich dennoch auf eine schmachtende Dance-Pop-Platte freuen, die man irgendwie einfach lieb haben muss.