♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

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Mittwoch, 15. Oktober 2014

Besprochen: ALT-J - "THIS IS ALL YOURS"

 Wie hätte es auch anders sein können: Alt-J bleiben auch weiterhin etwas ganz besonderes und können ihrem großen Debüt ein eigenständiges, inspiriertes und würdiges Zweitwerk entgegen setzen.

Der große und fast schon erschlagende Hype, welcher in den Musikmedien dieser Welt um das 2012 erschienene Debütalbum "An Awesome Wave" der britischen Band alt-J herauf beschworen wurde, war einer der vergleichsweise seltenen seiner Art, die fraglos mehr als gerecht waren. Nach wie vor ist es doch schlicht atemberaubend, wie die Band auf ihrem Erstlingswerk grandiose Melodien mit Kreativität, Vielseitigkeit, Leidenschaft und künstlerischem Verstand zusammen brachte - und somit kurzerhand eines der in meinen Ohren besten Debütalben der mindestens letzten 10 Jahre schuf. Zwei Jahre sind seitdem vergangen und noch immer kann man sich an dem guten Stück nicht satt hören, da haben alt-J nun ihr bei nicht wenigen mit einiger Spannung erwartetes zweites Album "This Is All Yours" nachgelegt. 2 Jahre sind eigentlich unter vielen Musikern heutzutage eine übliche Zeitspanne für ein neues Album. Und auf der einen Seite war man nach dem famosen Erstling so hungrig darauf, dass man endlich neues Material der Briten zu Ohren bekommen möge, dass diese Zeitspanne fast schon quälend lang erscheinen konnte. Doch andererseits kann man noch heute derart von der Klasse ihres Debüts zehren, dass sie mit solch einem Material locker noch eine längere Pause hätten überbrücken können. Doch die Zeitspanne ist bei einem künstlerischen Prozess ja prinzipiell vollkommen gleichgültig: denn einzig auf die Inspiration und natürlich auch die Qualität ihrer Umsetzung kommt es an. Und schon die erste Single der neuen Platte weckte fraglos die Hoffnung, dass sie dies auch erneut auf einem ähnlich beachtlichen Niveau meistern könnten: "Hunger of the Pine", ein erwartungsgemäß genialer und einnehmender Indie-Artpop-Hit, in dem sogar unerwartet gelungen ein Sample von Miley Cyrus (die Gesangszeile "I'm a female rebel" aus ihrem Song "4x4") zum Einsatz kommt. 

ALT-J [hunger of the pine] from nabil elderkin on Vimeo.

Und diese Hoffnung wird auf "This Is All Yours" keineswegs enttäuscht: mit dem eigentlich "schwierigen zweiten Album", können alt-J erneut auf ganzer Linie punkten. Selbst die Tatsache, dass die Band gegenüber dem Vorgänger von einem Quartett auf ein Trio zusammen geschrumpft ist (nachdem ihr Bassist Gwil Sainsbury im Januar diesen Jahres das Handtuch warf), lassen sie sich nicht anmerken - stattdessen gibt es einfach ein hervor- und herausragendes Zweitwerk, das auf seine Weise kaum besser hätte werden können. Der Einstieg in die neue Platte besorgt auch sogleich ein Déja-Vu-Erlebnis: denn wie schon auf dem Debüt lässt der Opener, der ganz unscheinbar als "Intro" (♪♫♪) betitelt in das Album einführt, bei genauerer Betrachtung die Kinnlade des Hörers gewaltig zu Boden krachen. Hier zeigen sie erneut in wenigen Minuten gebündelt, was sie als Band ausmacht - wie sie mit im Grunde konventionellen Mitteln einen ganz eigenen und unnachahmlich unkonventionellen Sound kreieren. Ein Sound, der einfach anders ist. Ein komplexes Stück, welches u.a. aus hypnotisch rotierenden Lalala-Chören, schillernden Synthesizern, verzerrten  Gesängen und fernöstlich (?) veranlagten Klängen besteht. Direkt danach beginnt dann ein dreiteiliger Song-Syklus, der sich durch das gesamte Album zieht und ihm einen Hauch eines Konzeptwerks verleiht.  Angefangen mit "Arival in Nara" (♪♫♪), einer melancholischen Nummer, die verträumt und melancholisch auf Piano, sanften Gitarren und filigranen Streichern daher schwebt. Direkt danach folgt auch schon der zweite Part "Nara" (♪♫♪) - ein bisweilen zärtliches, aber gen Ende gar majestätisches Meisterstück, das zudem mit interessanten Lyrics ausgestattet ist. So singt Sänger Joe Newman schon zum Einstieg etwa die Zeilen: "Soon I'm gonna marry a man like no other / Light the fuse, hallelujah, hallelujah." Und eine ganze Weile später, dient der Abschluss dieses Zyklus auch als Abschluss des ganzen Albums: das hypnotische und kunstvolle, mit elektronischen Effekten angereicherte "Leaving Nara" (♪♫♪), stellt den Closer der Platte dar. 

alt-J - Left Hand Free (Director's Cut) from Pomp&Clout on Vimeo.

Doch dazwischen tummelt sich noch so viel mehr aufregendes und hochgradig verliebenswertes, dass auch hiervon manches nicht unerwähnt bleiben darf. So erweist sich etwa die aktuelle Single "Every Other Freckle" (♪♫♪) als famos bunter Indie-Pop-Hit auf höchstem Niveau,  in "Left Hands Free" geht es eine Ecke rockiger und spröder, wenngleich auch nicht minder mitreißend zu, "Choice Kingdom" (♪♫♪) brennt sich auf fast unmerkbare und behutsame Weise als eine sanfte und stille Indie-Kostbarkeit ins Unterbewusstsein, in der wunderbaren und warmen Folk-Perle "Warm Foothills" (♪♫♪) werden sie stetig abwechselnd von den Stimmen von Conor Oberst (Bright Eyes), Lianne La Havas, Marika Hackman und Sivu begleitet, und in "Blood Flood Pt.2" (♪♫♪) - dem Sequel des auf dem Debüt veröffentlichten "Blood Flood" - geben sie ein bedächtiges Stück Indiepop zum Besten, dass u.a. von majestätischen Bläsern untermalt wird. 

Nach dem kunstvollen und doch gleichzeitig auch erstaunlich massentauglichen Debüt, auf dem nahezu fast jeder Song als ein auf seine eigene Weise potentieller Hit heraus stach, gehen alt-J auf "This Is All Yours" teils neue, aber teils auch vertraute Wege - nur das hier manchmal der eine oder andere weitere Hördurchlauf nötig sein kann, ehe sich manche Höhepunkte in ganzer Pracht heraus schälen. Doch tut dies dem Hörgenuss keinen Abbruch, sondern erweitert stattdessen sachte die Klangdimensionen der Band. So ist "This Is All Yours" wohl die beste Platte geworden, die alt-J zu diesem Zeitpunkt hätten machen können. Und mit dem sie dem großen Erstling einen eigenständigen, inspirierten und würdigen Nachfolger gegenüber stellen, der diesem fast auf Augenhöhe begegnen kann.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Besprochen: KELE - "TRICK"

Der Frontmann der britischen Indierocker Bloc Party machte ja nie einen Hehl daraus, dass sein Herz vor allem für die elektronische Musik schlägt - und spätestens mit seinem neuen und zweiten Soloalbum, können auch wir nur zu gut nachvollziehen, warum das so ist.

Wer musikalisch gerne im Dunstkreis junger britischer Indie-Rock-Bands oder vielleicht sogar der "Class of 2005" unterwegs ist oder war, der wird wohl nur schwer an Bloc Party vorbei gekommen sein. Quasi die Speerspitze der 2005 rollenden England-Welle, die mit zackigem, energiegeladenem und tanzbarem Indierock daher kam, der sich deutlich an Vorbildern wie Gang of Four orientierte - und mit "Silent Alarm" oder "A Weekend In The City" ein paar herausragende Alben vorlegen konnte. Doch Bloc Party waren nie bezeichnend für die Masse der Kollegen ihres Genres. Schon mit einem schwulen und schwarzen Frontmann und einem asiatischen Drummer können wohl nur wenige Indierock-Bands aufwarten. Doch auch musikalisch stachen sie auf ihre eigene Weise hervor. Vor allem auf Drängen ihres Frontmannes Kele Okereke, wandte sich die Band immer öfter elektronischen Experimenten zu - welcher ja nie damit geizte zu betonen, dass er ein ausgesprochener Liebhaber elektronischer Tanzmusik ist. Sein 2010er Solo-Debüt "The Boxer" nahm er dann logischerweise erst Recht zum Anlass, dieser Leidenschaft deutlich Ausdruck zu verleihen. Ein wirklich feine Elektro-Pop-Platte ist ihm damit gelungen, auch wenn viele Fans seiner Band sicherlich höchst verunsichert waren. Nach der mindestens ebenso gelungenen EP "The Hunter" im Jahr darauf und einer zwischenzeitlichen Renaissance seiner Band Bloc Party, hat Kele nun die Zeit für sein zweites Soloalbum "Trick" gefunden, das nun dieser Tage auf die Welt los gelassen wird. Vor allem nachdem das Comeback seiner Band wieder so straight rockig ausfiel, wie man dies seit den Tagen ihres Debüts nicht mehr kannte, bedeutet "Trick" für Kele ein Wiedersehen mit elektronischen Klängen. Und darin zeigt er sich auch weiterhin experimentierfreudig, aber künstlerisch dabei bedeutend gereifter. Auf "Trick" bietet er uns ein in sich geschlossen wirkendes Sound-Konzept, dass sich wie ein roter Faden durch die Platte zu ziehen scheint. Und darin macht sich auch schon der deutlichste Unterschied zum Debüt bemerkbar: "The Boxer" war wie ein buntes Potpourri der verschiedensten Ausprägungen elektronischer Musik. Mal klang das wie eine gezämte Björk, dann wieder schranzig und technoid und ein andern Mal stark pop-orientiert. Auf "Trick" hingegen weiß Kele seine Stärken besser zu bündeln und erschafft dabei einen eher getragenen, oft hörbar vom House geprägten Klangcharakter - ohne dabei aber gänzlich auf Tanzbarkeit verzichten zu müssen, die trotz alledem häufig genug gegeben ist. Kele umgeht einfach nur die Extreme: der Hörer wird ebenso wenig zum Schwenken von Feuerzeug und/oder Wunderkerze auf das Sofa verbannt, wie er auch nicht förmlich angeschrien wird, dass er gefälligst seinen Arsch hoch kriegen und tanzen soll. Es ist ein elektronisches Album mit Seele und Emotionen. Und mit - wie könnte es denn zum Glück bei Kele auch anders sein - einer Menge Pop-Appeal. 


Kele - Doubt von RealFailArmy

Und die Songs behandeln auch eine Art durchgehendes Konzept, werden hier doch die verschiedensten Stationen oder Facetten der Liebe besungen. Etwa angefangen im warmen und samtigen Opener "First Impressions" (♪♫♪), welches - wie unschwer am Titel zu erkennen ist - von den ersten, tiefen Eindrücken einer frischen Romanze kündet, während das getragene, soft triphopige und wundervolle "Coasting" (♪♫♪) die emotionale Euphorie einer jungen Liebe vor dem Hintergrund eines gemeinsamen Disco-Besuches umschreibt. Die warme Elektro-Pop-Perle "Year Zero" (♪♫♪) markiert dann den Beginn einer neuen und großen Liebe - einer der es vollkommen gleichgültig ist, was zuvor war...ungeachtet all derer, die vor einem kamen, ungeachtet aller gebrochenen Herzen: "See I don't wanna know all the boys you've ever known / All the hearts you might've broken / It's zero, it's zero /This is our year zero." Das tanzbarere und  housige "Doubt" thematisiert (wie wieder einmal am Titel zu erkennen) die Zweifel, während das melancholisch veranlagte "Like We Used To" (♪♫♪) die schweren Zeiten und das langsame Zerbrechen einer Liebe symbolisiert. Und im großartigen und romantisch-sinnlichen "Stay The Night" (♪♫♪) widmet sich Kele ganz den Gefühlen des sexuellen Verlangens - auch auf unverbindliche Art und Weise, wenn es u.a. im Text so schön heißt: "See I don't wanna own you, but my door will always be open for you."

Mit "Trick" ist Kele ein erstaunlich rundes und schlüssiges Album gelungen, das sich mit seinen herrlichen Pop-Melodien und seinen experimentierfreudigen, aber nie überfordernden Elektronik-Sounds ganz wunderbar in die Ohren schmiegt - sich dabei aber dennoch nie im Wohlklang zu verzetteln droht. Was ja auch schon ein Kunststück für sich ist. Eine überaus gelungene Weiterentwicklung.

 

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Besprochen: U2 - "SONGS OF INNOCENCE"

U2 haben sich mit ihrem neuen Album keinen allzu großen Gefallen getan - oder: wie eine einst legendäre Band emsig daran arbeitet, den eigenen Legendenstatus nachhaltig zu demontieren.

Es ist immer wieder das alte leidige Thema in der populären Musik: es gibt diese Musiker, die einfach schon längst den Zeitpunkt verpasst haben, an dem sie besser Schluss gemacht hätten. Natürlich kann, will und darf man keinem Musiker vorschreiben, wann er mit der Musik aufhören sollte - aber mit zum Teil jahrzehntelanger Dauerpräsenz in der Musikindustrie, katapultieren sich einige Musiker selbst in die künstlerische Belanglosigkeit. Jeder dort draußen kennt das wohl nur zu gut von den Rolling Stones - oder eben auch von U2! Denn auch diese arbeiten seit langem emsig daran, ihren eigenen Legendenstatus systematisch zu demontieren. Denn nachdem sich die Band eh schon seit längerer Zeit im qualvollen Mittelmaß austobte, hat sie sich auch mit ihrem neuen Album "Songs of Innocence" wahrhaft keinen großen Gefallen getan. Der Weg der Veröffentlichung, der durchaus Grund zur Kritik bietet, sollte ja mittlerweile weitläufig bekannt sein: quasi über Nacht und ohne Vorankündigung, wurde ihre neue Platte Anfang September exklusiv über iTunes veröffentlicht - als eine ganz besondere Kooperation mit Apple. Denn: jeder Nutzer von iTunes bekommt das Album geschenkt, bis es dann Mitte Oktober endgültig auch physisch veröffentlicht wird - egal ob er es nun haben will oder nicht. Wirtschaftlich betrachtet für beide beteiligten wohl zweifellos eine Win-Win-Situation. U2 soll von Apple dafür eine stattliche Summe von 100 Millionen Dollar bekommen haben, während für Apple natürlich viele potentielle neue iTunes-Kunden winken, die das Album auch kostenlos haben möchten. Doch ganz so einfach ist die Gleichung dann doch nicht - denn ziemlich schnell wurden Apple wie auch U2 mit Kritik, Hohn und Spott überzogen. 
Zum einen waren Nutzer von Apples Online-Plattform iTunes verärgert. Denn nachdem diese plötzlich ungefragt das neue Album von U2 in ihrer Medienbibliothek fanden, ließ sich dieses noch nicht einmal löschen. Erst nach zahlreichen Beschwerden musste Apple reagieren und stellte daraufhin auch endlich die Möglichkeit zu Verfügung, dass unerwünschte Album wieder entfernen zu können. Doch vor allem U2 selbst können sich seit Beginn der Aktion vor Kritik nicht mehr retten - egal ob von Hörern, Musikindustrie oder Musikerkollegen: der für die Band lukrative Schachzug kam bei vielen gar nicht gut an. So ätzte auch Sharon Osborne via Twitter, dass U2 keine Musiker mehr seien, sondern Business-Module. So sei es doch kein Wunder, dass die Band ihre mittelmäßige Musik verschenken müsse - weil kaufen wolle diese doch eh kaum jemand. Und da hat die Dame  - zumindest aus meiner Sicht - gar nicht mal so unrecht. Denn es scheint vollkommen unrealistisch, dass die Band mit dem Album auf klassischem Wege einen derartigen wirtschaftlichen Erfolg eingefahren hätte.
Denn trotz der Beteiligung fähiger und erfolgreich hiterprobter Produzenten wie Danger Mouse (Gorillaz, The Black Keys, Gnarls Barkley), Paul Epworth (Bloc Party, Adele, Florence & The Machine) oder Ryan Tedder (One Republic, Beyoncé, Leona Lewis), hat "Songs of Innocence" doch nur sehr überschaubare künstlerische Qualitäten zu bieten.  



Sie hätten den Weg dieser ungewöhnlichen Veröffentlichung ja ohne weiteres dafür nutzen können, etwas experimentierfreudiger zu Werke zu gehen, etwas anderes zu wagen und soundäthetisch neue Wege zu beschreiten - ein wirtschaftlicher Misserfolg wäre bei dieser Kooperation ja eh ausgeschlossen gewesen und U2 hätten wieder künstlerisch Boden gut machen können. Stattdessen scheinen sie auf selbigem fest zu kleben und liefern dem Hörer mit "Songs of Innocence" ein paar weitere gute Gründe, die Band auch weiterhin irgendwie nervig zu finden. Etwa schon die ewigen "Oooh-ooh-ooh"-Chöre und die eine ganze Ecke zu kramphaft gewollt "bratzig" klingenden Gitarren im Opener "The Miracle (of Joey Ramone)", dem man ja Dank des Einsatzes im aktuellen Apple-Werbespot nicht entfliehen kann. Eine noch schwierigere Nummer kredenzen sie uns dann aber mit "Raised By Wolves" (♪♫♪), dessen Produktion von Danger Mouse zwar in Ordnung geht (auch wenn man ihn ums Verrecken nicht heraus hört), aber das obligatorische Gejodel Bono's im eine Spur zu überdrehten Refrain lässt einen zweifeln, ob man das einfach nur nervig oder eben total egal finden soll. Die besseren, wenngleich auch nicht zwangsläufig spektakuläreren Momente, erreichen sie dann bei Songs wie dem melodischen und etwas ruhiger veranlagten "Song For Someone" (♪♫♪), dem durchaus netten und stellenweise soft angerauten "Cedarwood Road" (♪♫♪), oder vor allem anderen im melancholisch eingefärbten "The Troubles" (♪♫♪), in dem auch die wunderbare Lykke Li mit von der Partie ist.

Der Rest bleibt dann vorwiegend einfach nur der Rest - und der spielt sich meist genau da ab, wo sich U2 seit geraumer Zeit so wohl zu fühlen scheinen, wie Fische im Wasser: dem Mittelmaß. Als Hintergrundbeschallung im Friseursalon (erfolgreich im Selbstversuch getestet!) oder der Starbucks-Filiale ihres Vertrauens, geht "Songs of Innocence" sicherlich ohne weiteres durch. Aber das galt ja auch für jedes beliebige Album von Norah Jones  - nur mit dem Unterschied, dass Danger Mouse es geschafft hat, aus Jones tatsächlich mal ein wirklich fabelhaftes Album heraus zu kitzeln (das unerwartet wundervolle "Little Broken Hearts" aus dem Jahr 2012). Bei U2 hat aber nicht einmal er noch etwas ausrichten können. Und das macht die ganze Geschichte noch etwas tragischer, als sie ohnehin schon ist...




Sonntag, 28. September 2014

Besprochen: PERFUME GENIUS - "TOO BRIGHT"

 Perfume Genius entwickelt sich auf seinem dritten Album hörbar weiter - und erschafft dabei ein Werk, das wunderschön, filigran, episch und verstörend zugleich ist. Ein Hochgenuss.

Es gibt diese Musiker, die ein so gewaltiges Talent besitzen, dass sie nicht viele und aufwendige Mittel benötigen, um einen ganz und gar zu fesseln - deren Kunst Herz und Seele des Hörers berührt, ihn ganz einnimmt und nicht mehr los lassen will. Auch wenn es sie zugegeben ausgesprochen selten gibt. Und wohl nicht nur für mich zählte von Anbeginn an Perfume Genius zu eben diesen Musikern. Der junge und offen homosexuelle Musiker aus Seattle, der auf den bürgerlichem Namen Mike Hadreas hört, hat dies bereits mit zwei großartigen Alben hinreichend bewiesen. Schon sein 2010er Debüt "Learning" war ein minimalistisches, bis auf die Knochen herunter geschältes Stück Kunst, dem er 2012 sein schlichtweg perfektes Zweitwerk "Put Your Back N 2 It" folgen ließ - trotz seines ebenfalls minimalistischen Aufbaus, wurde es ein opulentes, emotionales und ergreifendes Meisterwerk, dass mir persönlich bis heute tief unter der Haut sitzt. Zwei Manifeste über die Liebe, den Schmerz und den Tod. Und vieles von all dem entsprang dem Leben des Musikers selbst, der seine Kunst von Anbeginn zum Anlass nahm, seine unglückliche Vergangenheit und seine schmerzhaften Erfahrungen zu verarbeiten. Und nun gibt es noch mehr davon, hat Hadreas doch gerade erst sein neues und drittes Album "Too Bright" unters Volk gestreut. Dieses wurde ja bereits in den letzten Woche durch dessen erste Single "Queen" angekündigt - die schon einen kleinen Vorgeschmack darauf gab, was auf dem neuen Album anders sein sollte als zuvor. Für seine Verhältnisse hört man hier einen satt und zeitweilig gar blumig arrangierten Song, der nahezu optimistische, irgendwie angeraut glamouröse Vibes ausstrahlt. 


Das nimmt natürlich nicht den gesamten Sound vorweg - auch "Too Bright" ist eine in vielen Facetten dunkle und emotionale Platte, die auch wieder einige der für den Musiker mittlerweile typisch wundervollen, tieftraurigen und spartanisch arrangierten Perlen beherbergt. So etwa das tief melancholische, von Piano und sanften Streichern untermalte "No Good" (♪♫♪), oder das wundervolle, emotionale und zugleich sanft perlende "Don't Let Them In" (♪♫♪).  Doch zu weiten Teilen des Albums erschafft Hadreas hier noch deutlichere und schärfere Kontraste, was sich zum Teil auch in komplexeren Arrangements niederschlägt, als man sie von dem Herren bislang gewohnt war. Das kann sich musikalisch etwa auch in optimistischeren Klängen niederschlagen - "Fool" (♪♫♪) zeigt dies ganz vortrefflich: ein großartiger Song, der anfangs von 80s-affinen Synthesizern angeführt wird, bald darauf in einen atmosphärisch schwebenden und majestätischen Mittelteil übergeht, ehe es zuletzt in einer fingerschnippenden Indiepop-Perle mündet. Und das fabelhafte "Longing" (♪♫♪) wird gleich von atmosphärischen Synthesizern eingeführt, die mich persönlich stark an Kavinsky erinnern. Aber auch seine dunklen Seiten zeigt der Künstler hier mitunter in experimentellerem Gewand. So etwa mit "My Body" (♪♫♪), einem düster verstörenden Mini-Epos von gerade einmal gut 2 Minuten, der den Hörer aber mit Industrial-artigen Elementen auch in so kurzer Zeit ganz in seinen dunklen Bann zieht. Oder aber auch mit dem extrem schwermütigen, von todtraurigem Gesang und dunklen Ambient-Klangflächen begleiteten "I'm a Mother" (♪♫♪), das einem wahrhaft schaurig-schöne Gänsehaut über den Rücken zu jagen vermag. 

Auf "Too Bright" scheint alles anders und doch ganz beim alten. Es ist wunderschön, verstörend, in sich zerrissen und ganz und gar stimmig zugleich. Es ist, als würde es einen erst zärtlich in den Arm nehmen, nur um einen im nächsten Moment in einen tiefen und dunklen Abgrund zu stoßen. Und doch gerade erst das ist es, was diesen ganz besonderen Reiz seines neuen Werks ausmacht. 

 

Sonntag, 21. September 2014

Besprochen: CLUESO - "STADTRANDLICHTER"

Auch wenn die Entwicklung schon in den letzten Jahren spürbar war, muss man doch mit einer kleinen Portion Wehmut feststellen, dass Clueso auf seiner neuen Platte allmählich bei nettem und gefälligem Deutsch-Pop für "Brigitte"-Leserinnen angekommen ist.

Eine gewisse Weiterentwicklung ist ja in der Regel für Musiker eine wichtige Sache. Wer ewig immer nur dieselbe Schiene fährt, der fängt meist auch recht schnell an zu langweilen. Und auch der Erfurter Musiker Clueso hat sich in seiner Karriere merklich entwickelt - wenn auch aktuell nicht unbedingt immer zum Positiven. Denn wer ihn erst auf seinen letzte paar Alben kennengelernt hat, der wäre wohl nicht so leicht darauf gekommen, dass er seine Laufbahn doch ursprünglich im deutschen HipHop begann. Der Wandel hin zum Pop kam dann schleichend, war aber schon früh relativ deutlich zu erkennen. Und vor allem auf seinem zweiten Album "Gute Musik", sowie dessen Nachfolger "Weit weg" (2006) erreichte er seinen bisherigen künstlerischen Höhepunkt,  indem er nahezu perfekt das Verhältnis zwischen HipHop und Pop ausbalancierte - doch von da an sollte er sich ganz dem Deutsch-Pop widmen, ohne auch nur die geringste Ahnung davon übrig zu lassen, worin er einst so brillierte. Und doch waren Alben wie "So sehr dabei" oder zuletzt vor 3 Jahren "An und für sich" keine Reinfälle. Mit seinem Hang zu eingängigen Melodien konnte er einen doch immer wieder kriegen - aber trotz alledem konnte man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass die Musik des recht ansehnlichen jungen Mannes zusehends braver wurde. Immer mehr schien er sich im gemächlichen, wenn auch meist recht geschmackvollen Wohlklang zu verirren. Die erste Vorabsingle seines neuen Albums "Stadtrandlichter" kann diesen Eindruck auch noch weiter erhärten: anfangs war ich von "Freidrehen" auch nur mäßig begeistert, wenngleich sich der Song nach mehrmaligem Genuss in meinem Ansehen steigern konnte. So bleibt davon am Ende ein gut hörbarer, auf einer Synthie-Hookline daher gleitender Pop-Ohrfänger, dessen blumig-bildhafter Text sogar überraschend gut darüber hinweg täuschen kann, dass er im Grunde eigentlich  keine wirkliche Aussage besitzt.


Das Album kann aber auch sonst durchaus den einen oder anderen Song hervor bringen, der einen wenigstens halbherzig zu bezirzen weiß. Das melodische "Wach auf" (♪♫♪) zählt etwa dazu, der flotte und leichtfüßige Opener "Pack meine Sachen" (♪♫♪), so wie auch der nachdenkliche angelegte Titelsong "Stadtrandlichter" (♪♫♪). Alles ganz schön und gut - und bis auf das recht doofe Duett mit Udo Lindenberg in "Sein Song" (♪♫♪), geht hier auch eigentlich nichts so richtig daneben. Letztendlich hilft es aber doch alles nichts: Clueso's neues Album kratzt fast ausschließlich an der auf Hochglanz polierten Oberfläche und bleibt musikalisch nur eine lauwarme und meist recht fade Angelegenheit, während man die Texte zunehmend als eine künstlich mit Bedeutung aufgeblasene Aneinanderreihung von Metaphern und Wortspielen wahrnimmt - deren tatsächlicher Inhalt aber erschreckend überschaubar bleibt. Ein Kritiker des "Intro"-Magazins nannte es kürzlich sogar sarkastisch "hoch gepimpten Schlager". Und auf seine extrem überspitzte Art und Weise hat der Herr da gar nicht mal so unrecht. 

Sicherlich, Schlager ist dann schon noch etwas anderes - das hier ist eher nette, brave und maßgeschneiderte Popmusik, die perfekt auf die Hörgewohnheiten des typischen Radio-Hörers zugeschnitten ist. Das muss natürlich nicht schlecht sein. Und das ist es in diesem Fall auch nicht wirklich. Mit "Stadtrandlichter" wählt Clueso nur einmal mehr den Weg des geringsten Widerstands und knüpft dabei fast nahtlos an seine letzten paar Alben an. Bis auf die Tatsache, dass er sich diesmal noch eine ganze Ecke stärker in Richtung des netten und gefälligen Deutsch-Pop für "Brigitte"- oder "In Touch"-Leserinnen bewegt. Kann man gut finden. Oder eben auch nicht. 


Freitag, 19. September 2014

Besprochen: TONY BENNETT & LADY GAGA - "CHEEK TO CHEEK"

Lady Gaga hat zusammen mit Tony Bennett ein Jazz-Album aufgenommen - und liefert damit einen nahezu radikalen, aber ebenso gelungenen Gegenentwurf zu ihren bisher stark synthetisch geprägten Klängen.

Es soll ja ein Traum für Stefani Germanotta alias Lady Gaga gewesen sein, einmal ein Jazz-Album aufzunehmen. Dieser ist für sie nun Wahrheit geworden - und erst recht dadurch, dass sie dieses auch noch an der Seite einer Legende aus diesem Genre bestreitet: Tony Bennett. Denn wie die meisten wohl schon etwas länger wissen, haben die beiden nun gemeinsam das Jazz-Album "Cheek To Cheek" aufgenommen. Doch Jazz ist natürlich nicht gleich Jazz - das reicht von gemächlichem Jazz für den Abend mit dem Glas Wein vorm Kamin, bis hin zu wildem und kreativem Free-Jazz. Davor, dazwischen und dahinter ist fast alles möglich. Aber bei der Wahl des Partners bei diesem Album, war die stilistische Ausprägung wohl von vornherein klar einzuordnen. Und so handelt es sich bei dieser Platte auch streng genommen um ein Cover-Album, beschränken sich die beiden Musiker doch ausschließlich auf Neuinterpretationen von populären Jazz-Standards. So sind die musikalischen Grenzen auch für den Hörer schnell abgesteckt. Man hört bekannte Melodien und Kompositionen von oft großen und berühmten Komponisten wie Cole Porter, George Gershwin oder Irving Berlin. Mal geht es angenehm schwülstig-romantisch zu, mal verspielt tänzelnd und leidenschaftlich, oder ein andern mal im Stil hochwertiger Fahrstuhlmusik. Einen ersten Eindruck konnte man bereits vor einigen Wochen durch die Single "Anything Goes" erhaschen - eine flotte und leidenschaftlich swingende Nummer des gleichnamigen Musicals aus dem Jahr 1934. Wenngleich hier auch die leichte Befürchtung im Raum stand, dass das ganze Album doch ein wenig zu sehr die Gefilde beackern könnte, die Robbie Williams mit seinem 2001er "Swing When You're Winning" bereits längst abgegrast hat - gefolgt von einer gewaltigen Herde von Nachahmungstätern, versteht sich, die sogar solche gruseligen Auswüchse wie die No Angels, Westlife und DSDS erreichten.

Tony Bennett & Lady Gaga - Anything Goes from Trend Hunters Eye on Vimeo.

Doch schon die zweite Vorab-Single "I Can't Give You Anything But Love" (♪♫♪) (im Original aus dem Jahr 1928) machte da etwas mehr Hoffnungen, mit ihrer unaufgeregten und coolen Ausstrahlung und den herrlich angestaubten, oldschooligen Orgeln. Des weiteren finden sich hier Standards wie das sehr fein inszenierte "Nature Boy" (♪♫♪), welches bereits von Nat King Cole und Frank Sinatra, oder zuletzt auch von David Bowie und Celine Dion gesungen wurde. Aber auch der von Irving Berlin komponierte Titelsong "Cheek To Cheek" (♪♫♪) aus dem Jahr 1935, oder das romantisch-blumige "But Beautiful" (♪♫♪), das erstmals 1947 im Film "Road To Rio" verwendet wurde, bilden weitere Glanzlichter. Sehr fabelhaft gelungen ist auch das von Gaga im Alleingang gesungene "Ev'ry Time We Say Goodbye", eine Komposition von Cole Porter aus dem Jahr 1944 - welche aber nur auf der Deluxe-Edition des Albums zu finden ist. Und ein weiteres Highlight stellt das ebenfalls von Gaga allein bestrittene "Lush Life" dar: in diesem Klassiker, der in den 1930er Jahren entstand, kann Gaga die verschiedensten Facetten ihrer stimmlichen Fähigkeiten eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Nun kann man sich über Sinn und Zweck des Albums streiten. Denn die Idee, alte Jazz-Standards neu zu interpretieren, ist wahrlich alles andere als neu oder einfallsreich - was man schon daran erkennt, dass im Grunde aller der hier vertretenen Songs schon von unzähligen Musikern verwendet wurden. Und doch ist es auch eine Verneigung vor den Klassikern der Vergangenheit, die so im besten Fall auch den nachgeborenen Generationen im Gedächtnis erhalten werden. Entscheidend ist aber natürlich vor allem die Qualität der Umsetzung - und die ist im Falle von "Cheek To Cheek" fast erstaunlich hoch! Stimmlich brillieren die beiden Musiker hier praktisch ausnahmslos - und trotz eines Altersunterschiedes von 60 Jahren (!), harmonieren Gaga und Bennett auf ganzer Linie. Und auch musikalisch erweisen sie den Originalen größten Respekt und lassen den Hörer in eine Atmosphäre längst vergangener Zeiten eintauchen, in der man sich vor dem inneren Auge (oder Ohr) mal in einer verrauchten Jazz-Bar oder in einem cineastischen Hollywood-Klassiker wähnt. 

Und gerade in Zeiten wie unseren, in denen der Alltag der Menschen zunehmend synthetischer, elektronischer und digitaler wird, kommt es schon einem äußerst erholsamen Umstand gleich, dass sich jemand wie Gaga (die bisher ja selber sehr synthetisch, elektronisch und digital zu Werke ging), auf so klassische Töne zurück besinnt. So mag "Cheek To Cheek" zwar nicht unbedingt ihr bestes Album sein, ihr zeitlosestes Album ist es aber allemal.



Montag, 1. September 2014

Mixtape-Special: DIE 20 BESTEN SONGS VON KATE BUSH!

Kate Bush war immer schon ein Phänomen und wird es auch immer bleiben - das ist quasi ein popkultureller Fakt! Und das, obwohl die Dame sich mit der Zeit immer mehr rar machte. Seit Anfang der 90er sind bis heute gerade einmal 3 Studioalben erschienen - und doch fesselt die Dame immer wieder. Egal wie gering ihr Output zuletzt gewesen sein mag, so war er doch beständig von hoher Qualität. Doch auch auf den Bühnen dieser Welt machte sie sich sehr rar - zuletzt stand sie vor 35 Jahren mit einer Live-Show auf der Bühne, weshalb es einer Sensation gleicht, dass sie nun ihr Bühnencomeback in England feiert. Das hat in ihrer Heimat durchaus Folgen: das Interesse an der Dame ist wieder derart groß, dass 11 Platten von ihr erneut in die britischen Albumcharts einstiegen - alle ihre 9 Studioalben, plus zwei Compilations. All das ist Grund genug, das musikalische Genie von Mrs. Bush wieder mal ein wenig zu feiern. In diesem Fall mit ihren meiner Ansicht nach 20 besten Songs!



20. "WOW" (1979)

Eine frühe Perle der Kate Bush war "Wow", die als zweite Single ihres zweiten Albums "Lionheart" (1978) veröffentlicht wurde. Ein charmanter, blumiger und irgendwie auf eine gewisse Weise auch spaciger Ohrfänger, der laut Bush durch den Versuch entstand, einen Pink-Floyd-Song zu komponieren. Und dabei ist ihr ein unwiderstehliches Stück Pop gelungen, welches sich inhaltlich mit dem Musikbusiness befasst.


 

19. "KING OF THE MOUNTAIN" (2005)

Die erste und einzige Single aus ihrem 2005er Comebackalbum "Aerial" (ihrem einst ersten Album nach 12 Jahren!) mag auf den ersten Blick etwas unscheinbar wirken - doch lässt man das brillante "King of the Mountain", das man als eine Hymne auf Elvis Presley verstehen kann, erst einmal so richtig auf sich wirken, wird man dem Song wohl nur schwerlich entkommen können. 





18. "BABOOSHKA" (1980)

Ein weiterer großer Hit der Dame darf hier nicht fehlen: das melodisch ohrwurmige und in den Refrains herrlich überdrehte "Babooshka" - welches laut Sängerin von einer Ehefrau kündet, welche die Treue ihres Mannes auf die Probe stellt, indem sie sich in Briefen an ihn als eine jüngere Frau namens Babooshka ausgibt. Und doch auf charmante Weise paradox: Kate Bush sollte später erzählen, dass sie sich seinerzeit nicht darüber bewusst gewesen sei, dass Babuschka das russische Worte für Großmutter ist.  




17. "50 WORDS FOR SNOW" (2011)

Der Titelsong ihres 2011 erschienenen Albums "50 Words For Snow", zählt für mich ebenfalls zu einem ihrer besonderen Highlights. Dieses nahezu schwerelos anmutende Art-Pop-Juwel mit einer epischen Länge von fast 9 Minuten, bezieht sich auf die Legende, dass die Eskimo 50 unterschiedliche Worte für Schnee kennen würden - sicherlich nur eine Legende, was Kate Bush aber nicht davon abhält, sich diese Worte eben selbst auszudenken. Und dabei kommen dann so wundervolle und herrliche Fantasieworte wie "Swans-a-melting", "Stellatundra", "Shimmerglisten" oder "Hunter's dream" heraus, die von Schauspieler Stephen Fry ("Oscar Wilde") verlesen werden. 





16. "THE MAN WITH THE CHILD IN HIS EYES" (1978)

Diese zärtliche, warme und sehnsüchtig romantische Ballade aus ihrem Debütalbum "The Kick Inside", zeigte einmal mehr sehr früh, was für ein phänomenales Talent hinter der einst jungen Dame steckte. Denn Bush schrieb diesen bis heute zeitlos schönen Song im zarten Alter von 13 Jahren und nahm ihn mit nur 16 Jahren auf. Und wie viel Talent schon so früh in ihr steckte, kann beim Genuss dieses Stückes auch heute noch schier sprachlos machen.  


 
15. "DEEPER UNDERSTANDING" (1989)

Mit "Deeper Understanding", einem Track aus ihrem 1989er Album "The Sensaul World", gelang Kate Bush ein  Song, der nicht nur durch seine wunderbare Melodie und seine allgemein fabelhafte und emotionale Umsetzung hervor sticht - sondern der vor allem auch in Anbetracht seiner Thematik seine volle Größe entfaltet. So handelt er von einer tiefen und innigen Beziehung zwischen einem einsamen Menschen und seinem Computer! Eine fast schon erschreckende Szenerie, die seinerzeit wohl noch etwas exotisch anmutete - von heute aus betrachtet aber nahezu prophetisch wirkt! 


 
14. "AND SO IS LOVE" (1994)

Ein ganz und gar wunderbarer, aber vielleicht bei vielen etwas in Vergessenheit geratener Song aus ihrem 1993er Album "The Red Shoes", welcher dann Ende 1994 als dessen letzte Single veröffentlicht wurde. "And So Is Love" besticht als eine getragene und leidenschaftlich dargebotene Ballade, auf der niemand geringeres als Eric Clapton an der Gitarre zu hören ist. Wenn man mich fragt, ein unkaputtbarer Klassiker, der eigentlich in jede Kate-Bush-Playlist gehört.





13. "MISTY" (2011)

So zärtlich, so romantisch und doch so gewaltig: denn "Misty" von Bush's bislang letztem Album "50 Words for Snow", ist ein wahrer Brocken von einem Song. Zumindest was seine Spieldauer anbelangt: über gute 13 Minuten erstreckt sich dieser erhabene und sanfte Epos, der von Piano, Gitarren und schwebenden Streichern untermalt wird. Und dabei von einer leidenschaftlichen Liebesnacht mit einem Schneemann erzählt - von dem schlussendlich nur noch eine Pfütze übrig bleibt. 

  

12. "ARMY DREAMERS" (1980)

Ein so simpel aufgebauter, ein anfangs so leichtfüßig anmutender und ein dennoch so intensiver und einprägsamer Song: "Army Dreamers", die letzte Single aus Bush's 1980er Album "Never For Ever". Musikalisch eine wunderbar spärlich arrangierte und vor allem auf akustischen Gitarren und ein wenig barock anmutenden Klängen basierende Ballade, die mit einem leichten Walzer-Flair gesegnet ist. Inhaltlich drückt sie hier die Gedanken einer Mutter aus, dessen Sohn im Krieg gefallen ist - die sich fragt, wie sie dies hätte verhindern können und die zurecht den Sinn des Krieges infrage stellt.





11. "BREATHING" (1980)

Es ist ein zugleich wunderbares, dramatisches und emotionales kleines Kunststück, was der Britin da 1980 mit Breathing", der ersten Single ihres Albums "Never For Ever", gelang. Eine lebendige und mit voller Inbrunst vorgetragene Perle, die zunehmend einen progressiven Charakter entwickelt. Und auch die Geschichte die hier erzählt wird, zeugt erneut von Bush's kreativem Geist: so spricht sie hier aus der Perspektive eines Fötus - und wie er aus dem Leib seiner Mutter heraus, eine post-apokalyptische Welt nach einer nuklearen Katastrophe erlebt. 

  



10. "PULL OUT THE PIN" (1982)

Kate Bush konnte ja immer schon gerne mal politisch werden - so auch auf "Pull Out The Pin", einem grandiosen Albumtrack von "The Dreaming". Denn in diesem düster angehauchten Stück Art-Pop, zeichnet sie auf packende Art und Weise den Vietnam-Krieg nach. Und mit den stets wiederkehrenden Geräusch-Samples von Hubschraubern und dem immer wieder verzweifelt von Kate hinaus geschrienen  "I love life", erzeugt der Song eine so beklemmende Atmosphäre, dass er geradewegs unter die Haut geht.




9. "AND DREAM OF SHEEP" (1985)

Die wundervolle Ballade "And Dream of Sheep" eröffnet die zweite Hälfte des 1985er  Albums "Hounds of Love" und bildet somit den Anfang des darauf befindlichen, separaten Konzeptwerks "The Ninth Wave", welches die Visionen und Träume einer im Meer treibenden Person umschreibt. In diesem eröffnenden und inhaltlich recht komplexen Stück kann man heraus lesen, wie sie darum kämpft wach zu bleiben, nicht einzuschlafen,  um nicht zu ertrinken - auch wenn ein Teil von ihr aufgeben und den Tod Willkommen heißen will. Aber auch ohne große Analyse ist "And Dream of Sheep" ein Song, der einem auf Anhieb direkt ans Herz geht. 

KATE BUSH And Dream Of Sheep from Sky Vibes on Vimeo.


8. "WILD MAN" (2011)

Im Jahr 2011 erschien das bislang letzte Album von Kate Bush: "50 Words for Snow", ein Konzeptalbum über Schnee und Winter. Und es wurde ein Meisterwerk, welches vor allem auf ruhige und bedächtige Töne setzte. Als dessen erste Single fungierte auch einer ihrer bislang besten Songs: das atmosphärische und getragene "Wild Man" - ein 7-minütiger, hypnotischer Artpop-Epos, der von sanft gehauchten Spoken-Word-Versen bis hin zu majestätischen Refrains führt, und sich inhaltlich mit der Legende um den Yeti befasst. Ein weiterer magischer Moment im Schaffen der Kate Bush!
  

7. "HOUNDS OF LOVE" (1985)

Auch auf meinem 7. Platz gibt es ein Wiedersehen mit dem Album "Hounds of Love" - und es wird auch nicht das letzte in dieser Liste bleiben. Hier geht es nun um den Titelsong höchstpersönlich. Ein bis heute auf Anhieb fesselnder, von mitreißenden Trommel-Beats angeheizter Pop-Ohrwurm, der sich trotz all seiner offenkundig zur Schau gestellten Reize, seine liebevollen und wunderbaren Eigenheiten bewahrt und diese ausgiebig zelebriert. Und eben gerade das ist es, was auch diesen Kracher bis heute so herausragend macht. 



6. "THE DREAMING" (1983)

Mit dem Titelsong ihres Albums "The Dreaming", welcher zugleich als erste Auskopplung daraus fungierte, sollte ihr eine ihrer bis dahin komplexesten und unkommerziellsten Singles gelingen. Mit allerlei im Pop unkonventionellen Mitteln, arbeitete sie hier ein sehr ernstes Thema auf: die Vernichtung der Aborigines in Australien durch die weißen Siedler. So ist dieser fantastische und atmosphärisch intensive Song bewusst an der Kultur der australischen Ureinwohner angelehnt - und bringt mit dem Didgeridoo auch eines ihrer bekanntesten Musikinstrumente zum Einsatz. 




5. "CLOUDBUSTING" (1985)

Und wieder einmal "Hounds of Love" - denn auch daraus stammt dieser herrliche Song, der als dessen zweite Single veröffentlicht wurde: das optimistisch anmutende, melodische und warme, von stimmungsvollen Streichern dominierte "Cloudbusting", aus dem sich in seinem weiteren Verlauf zunehmend herrliche Chöre und softe Synthesizer heraus schälen.



4. "GET OUT OF MY HOUSE" (1982)

Dieser Albumtrack aus Bush's 1982er Album "The Dreaming", ist einer meiner ganz besonderen Lieblinge: musikalisch verströmt "Get Out of My House" nicht nur aus purem Zufall eine spukige, nahezu paranoide, haarsträubend schaurige, aber ebenso auch fesselnde Atmosphäre. So hat Kate Bush doch mit diesem genialen Stück Art-Pop nichts geringeres versucht, als den Stephen King-Roman "The Shining", sowie dessen 1980er Verfilmung von Stanley Kubrick (mit Jack Nicholson in der Hauptrolle) zu vertonen. Und das mit einem ohne Übertreibung eigenwilligen, aber gerade deshalb ja so außerordentlich großartigen Ergebnis!  





3. "HELLO EARTH" (1985)

Ebenfalls einer der ganz großen Momente von Kate Bush: "Hello Earth", welches auf der zweiten, als "The Ninth Wave" betitelten Hälfte des Albums "Hounds of Love" zu finden ist. Es stellt ein in sich geschlossenes Konzeptwerk dar, welches die Träume und Visionen einer im Meer treibenden Person widerspiegelt, in denen der Tod in all seinen Ausprägungen symbolisiert wird. Das wunderbare, emotional einnehmende und geradezu hymnische "Hello Earth" ließe sich diesbezüglich als der Selbstmord interpretieren. Und am Ende haucht eine Stimme in der Tat einen deutschen Satz: "Tiefer, tiefer, irgendwo in der Tiefe, gibt es ein Licht." Ganz große Kunst!

KATE BUSH Hello Earth from Sky Vibes on Vimeo.


2. "RUNNING UP THAT HILL (A DEAL WITH GOD)" (1985)

Irgendwo angesiedelt zwischen grandiosem Art-Pop und erstaunlich zeitlosem New Wave, gelang Kate Bush mit "Running Up That Hill" (welches ursprünglich "A Deal With God" heißen sollte, aber in der Befürchtung umbenannt wurde, dass womöglich viele Radios in sehr christlichen Ländern den Song boykottiert hätten), ihr größter Hit der 80er Jahre. Diese erste Single ihres Meisterwerks "Hounds of Love" wurde mit den Jahren vielfach gecovert, blieb aber stets unerreicht - und kommt zudem mit einem ganz fabelhaften Musikvideo daher, welches die Emotionen des Songs auf seine ganz eigene Weise transportiert. 



1. "WUTHERING HEIGHTS" (1978/1986) 

Dieser erste Hit der einst noch blutjungen Kate Bush, ist nicht nur eines meiner prinzipiellen Lieblingssongs, es stellt zudem auch die Vertonung eines meiner liebsten Bücher dar: das gleichnamige "Wuthering Heights" (im deutschen: "Sturmhöhe") von Emily Brontë, aus dem Jahr 1847 - welches man kurz und treffend als eine Geschichte über eine Liebe umschreiben kann, die im Leben keine Erfüllung und im Tode keine Ruhe findet. Und offenbar ganz durchdrungen vom Geist dieses literarischen Meisterstückes, gelang Bush mit dessen Vertonung ein zeitlos wundervoller Popsong - und auch wenn das Original aus dem Jahr 1978 stammt und dereinst ein großer Hit war, bevorzuge ich dennoch die Neuaufnahme, die Bush 1986 für ihre Best-of "The Whole Story" anfertigte. Weil eben hier ihre Stimme viel reifer und ausdrucksstärker ist. Doch im Grunde ist es eigentlich egal, welche Variante man nun persönlich bevorzugen mag: denn so oder so ist und bleibt dieser Song ein Stück (Literatur-) Pop für die Ewigkeit.