♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

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Montag, 28. Januar 2013

Besprochen: DESTINY'S CHILD - "LOVE SONGS" (Compilation)

Lange nach ihrem Ende, sind sich die drei Damen von Destiny's Child auch für ein Pseudo-Comeback nicht zu schade -
  und reichen eine seelenlose Aneinanderreihung alter Balladen nach, die am Ende dann doch kein Mensch braucht. 

Destiny's Child, der musikalische Dreier aus Beyoncé Knowles, Michelle Williams und Kelly Rowland, der Ende der 90er bis Mitte der 00er für eine Reihe von Hits sorgte, ist natürlich schon etwas länger Geschichte. Der rasante Aufstieg Beyoncé's zur weltweit extrem erfolgreichen Solokünstlerin im Jahr 2003, dürfte dabei wohl eine tragende Rolle gespielt haben - der Erfolg, der den Soloversuchen ihrer einstigen Mitstreiterinnen bislang beschieden war, konnte weder an den ihrer einstigen Bandleaderin, noch an den der Band selbst anknüpfen. Doch nun gibt es wohl so etwas wie eine kleine Reunion - was auch schon großzügig ausgedrückt ist. Das es ein neues Album geben würde, hat wohl niemand erwartet, und solch eines ist "Love Songs" natürlich auch nicht geworden, welches nun druckfrisch in den Regalen steht. Passend zum Titel ist es die nun mittlerweile 4. Compilation der Band, die sich zum ersten mal nicht um eine Aneinanderreihung ihrer Hits kümmert,  sondern eben ihre Lovesongs besonders heraus stellt. Das sorgt nun gar dafür, dass es hier kaum Singles, und stattdessen fast nur Albummaterial zu hören gibt. Für den an ihren Gassenhauern übersättigten Hörer, ist das dann doch keine so schlechte Nachricht.


Doch diese Compilation führt zu einer überraschenden Feststellung: die hier versammelten Beiträge machen deutlich, wie schwach Destiny's Child in Wirklichkeit doch waren, wenn es um Balladen ging. Und in der Tat: ihre größten und fesselndsten Hits waren eben jene, die sich dem Kuschelkurs verweigerten, und ein wenig mehr Tempo aufs Parkett legten. Die meisten der nun hier vertretenen Songs, mögen als Albumtracks auf ihren ursprünglichen Platten durchaus für ein paar wohlige Momente zum Luft holen und  zum kurzweiligem Träumen gesorgt haben. Doch ob nun das kuschelige "Killing Time" (♪♫♪) aus ihrem '98er Debütalbum, das warme "Now That She's Gone" (♪♫♪) aus ihrem '99er Zweitwerk "The Writings on the Wall", das süßliche "Brown Eyes" (♫♪), welches auf dem dritten Album "Survivor" zu finden war, oder das chronisch spannungsarme "Love" aus dem letzten Album "Destiny Fullfilled" - hier nun zusammen geworfen, wirkt das alles wie eine dickflüssige Sauce aus RnB- und Pop-Schleichern, von denen nur sehr wenig hängen bleibt. Als eine der seltenen Ausnahmen geht "Emotion" (♫♪) durch, was aber schon aufgrund der Tatsache nicht überrascht, dass es eine der hier wenigen bereits als Single (aus "Survivor") veröffentlichten Beiträge darstellt. Ein anderes Beispiel wäre "Cater 2 U" (♪♫♪), was jedoch natürlich die Tatsache relativiert, dass einem dieses Stück als Single (aus dem letzten Album "Destiny Fullfilled) schon immer etwas zu langweilig erschien. Und "Say My Name" kennt auch jeder - wobei hier der vom Tempo deutlich gedrosselte, und in fast allen anderen Belangen ziemliche uninteressante Timbaland-Remix (♪♫♪) gewählt wurde. Und man Höre und Staune: mit "Nuclear" ist hier sogar ein brandneue Single vertreten, die aber selbst zu lahmarschig und ohne erkennbare Melodie daher kommt, als das sie hier irgend etwas raus reißen könnte.

Destiny's Child mögen bei Zeiten durchaus ihre Momente gehabt haben - diese werden hier aber wahrlich nicht feil geboten. Balladen-Compilations leben ja nun in der Regel von den großen und leidenschaftlichen Gefühlen - aber bei Destiny's Child sorgt dies mehrheitlich für gähnende Langeweile. Eine Compilation, um die Musikliebhaber einen großen Bogen machen sollten...   


 

Donnerstag, 24. Januar 2013

Besprochen: EVERYTHING EVERYTHING - "ARC"

Das fängt ja gut an: mit ihrem zweiten Album bereichern Everything Everything das noch sehr junge Musikjahr 2013 um einen weiteren Höhepunkt!

Ein neues Musikjahr hat begonnen, alle Regler stehen wieder auf Null, und die Party kann von vorne los gehen. Und das Jahr 2013 (es ist gerade einmal gute 3 Wochen jung!) legt sich schon gleich mächtig ins Zeug - die bisher auf diesem Blog besprochenen neuen Platten von den Villagers (5 Sterne) und The Irrepressibles (5½ Sterne)  zeugen bereits davon. Und nun gesellt sich auch noch ganz frisch das zweite Album "Arc" der britischen Art-Rocker Everything Everything dazu - und kann sich fast nahtlos in diese kleine aber illustre Liste einreihen. Das "Arc" auch so einiges zu bieten haben würde, versprachen schon die ersten beiden Singles. Als erstes war da "Cough Cough" (♪♫♪), welches sie als famosen Synthie-Indie-Pop-Hit mit treibenden Drumbeats und ekstatisch-dynamischem Gesang in Szene setzen. Doch vor allem die neue und 2. Single könnte der Band endlich zum verdienten Erfolg verhelfen: die melodische und mitreißende, ja nahezu majestätische Hymne "Kemosabe", die einem spätestens beim erhabenen Refrain in Rekordzeit die Schuhe auszieht.
Everything Everything - Kemosabe from phil tidy on Vimeo.

Und auch der Rest der Platte sprudelt quasi über vor potentiellen Hits und waschechten Hymnen - oder wie es ganz exzellent vom Musikexpress in Worte gefasst wurde: "Jeder Song ist ein kleines Königreich für sich." Und besser hätte man das wohl kaum ausdrücken können. Denn wie recht der Autor damit hat, sollte jedem bewusst werden, der dem neuen Werk der Band gelauscht hat. Da wäre etwa das fabelhafte "Duet" (♪♫♪) - eine von Streichern und himmlisch-schöner Melodie dominierte Pop-Perle, die aber dennoch ein paar dezente Ecken und Kanten aufweist...Coldplay werden mit Sicherheit neidisch sein. "Choice Mountain" (♪♫♪) kommt dann auf sanften Pfoten daher getapst, und kriegt einen vor allem mit seiner feinen Melodie und seiner melancholisch-schönen Atmosphäre. "Feet For Hands" (♪♫♪) kommt dann nahezu einer einnehmenden Indiepop-Offenbarung gleich, die zudem das Zeug zum echten Hit hätte....zumindest in einer besseren Welt! Und "Undrowned" (♪♫♪) zeigt sich dann als tief emotionale, fast flehende und dunkle Ballade, die sich zunehmend zur fast epischen Hymne aufrichtet.  
Zudem ist die Band durch Jonathan Higgs mit einem Sänger gesegnet, der eine ordentlich leistungsstarke Stimme mitbringt, die sich wahrlich nicht selten bis hin zum Falsett steigert - und dem Organ des Bloc Party-Sängers Kele Okereke manchmal nicht unähnlich ist. Und mit "Arc" ist ihnen nun ein gutes bis sehr gutes neues Album gelungen, dass ein paar echte Hymnen beherbergt - und damit sollte dem verdienten Durchbruch nun nichts mehr im Wege stehen. 

 

Sonntag, 13. Januar 2013

Besprochen: IAN SKELLY - "CUT FROM A STAR"

 Das man als Drummer in der allgemeinen Wahrnehmung am unteren Ende der Band-Hierarchie verweilt, kümmert Ian Skelly von The Coral nicht im geringsten. Stattdessen legt er uns einfach mal ein kleines Psych-Pop-Meisterstück ans Herz, das es wert ist entdeckt zu werden.

An sich erwartet man ja eigentlich, dass als erstes der Sänger und Frontmann einer Band ein Solowerk auf den Markt wirft. Und wer bei Ian Skelly von der britischen Psych-Pop-Band The Coral, nun an ihren Frontmann denken sollte, der wird sich dann doch stark wundern, wo auf diesem Solodebüt dessen charismatische Stimme abgeblieben ist. Natürlich bei ihm selbst, denn dies ist nicht das Solodebüt von ihrem Sänger JAMES Skelly, sondern das seines jüngeren Bruders IAN, der als Drummer bei The Coral tätig ist. Warum der ältere der Geschwister den großen Part in der Band übernahm, stellt auch diese Platte keineswegs in Frage. Doch man höre und staune: auch sein kleiner Bruder kann sich verdammt nochmal hören lassen. Stimmlich gibt es hier schon mal keinen Grund zum Meckern, macht Ian Skelly doch diesbezüglich eine so gute Figur, dass man sich wundern darf, warum seine Stimme bislang nur in den Backgroundvocals des letzten Albums in Erscheinung getreten ist - wobei aber auch ein paar Lead-Parts für Abwechslung sorgen könnten.  Auch wenn der Sound seines Solodebüts sich nicht maßgeblich von dem Terrain entfernt, welches er die letzten mehr als 10 Jahre zusammen mit seinen Jungs auskundschaftete, so klingt er doch anders, entwickelt sich in verschiedene Richtungen. Und dabei hat er uns ein ziemlich fantastisches Psychedelic-Pop-Album zusammen gerührt, das in der Tat süchtig machen kann. Schon der Opener und Titelsong "Cut From a Star" zeugt eindeutig davon, und verführt als melancholisch melodischer Psychedelic-Pop der tief in den 60er Jahren schwelgt, sich aber dennoch vom Schaffen seiner Band abgrenzt. 


Und so gut und noch besser geht es weiter - etwa mit dem schwebenden "Paper Sky" (♪♫♪), das von 60s-Orgeln eingeleitet, von einer zarten und fabelhaften Melodie begleitet, und von einer einnehmenden und melancholischen Atmosphäre geprägt wird. Ein ebenfalls mustergültiges Beispiel für große musikalische Ergüsse stellt "Firebird" dar: ein in höchstem Maße zeitloser und nicht minder großartiger 60s-Psychedelic-Pop-Song, der offenbar manches von den Beatles gelernt hat. Das an eine Art bedrogte Simon Garfunkel gemahnende "Nickel & Dime", schraubt sich dann genauso ungehindert in die Epidermis, wie die erhabene und eine wohlig-schöne Gänsehaut entfachende Ballade "D.N.A.". "Time" verzaubert uns als  herzerweichend schöne, und fast schon auf wunderbarste Weise nostalgisch anmutende Ballade, "Caterpillar" (♫♪) kommt in Gestalt einer wunderbaren und verwunschenen Psych-Folk-Perle des Weges, und "It's Only Love" (♪♫♪) verkörpert wunderbarsten 60s-Pop zum unaufdringlichen dahin schmelzen. Tatsächlich sind dies nicht die einzigen Highlights der Platte - wollte man sie alle abdecken, wäre eine Track-by-Track-Rezension vonnöten. Denn hier kann sich verdammt nochmal jeder einzelne Song sehen resp. hören lassen. 

Ian Skelly legt hier eine für einen Drummer gänzlich unerwartet großartige Arbeit ab, die sich nicht vor der seiner eigentlichen Band verstecken muss. Vielmehr wird sich vielleicht sogar das nächste The Coral-Album an dieser famosen Psych-Pop-Wundertüte messen lassen müssen. Doch bleibt zu befürchten, dass "Cut from a Star" dafür womöglich nicht genügend Aufmerksamkeit einer breiteren Masse erfahren wird - was allerdings wahrlich einer Tragödie gleich käme...  




Besprochen: THE IRREPRESSIBLES - "NUDE"

Mit dem zweiten Streich legt das 10-köpfige Künstlerkollektiv aus London wieder einmal ein erhabenes Gesamtkunstwerk vor, das es mit dem großen Vorgänger durchaus aufnehmen kann.  

Sicherlich nicht allzu wenige erinnern sich noch an das mehr als vorzügliche 2010er Debütalbum "Mirror Mirror" von The Irrepressibles - diesem 10-köpfigen Künstler-/Orchester-Kollektiv aus London, das sich um den Frontmann, Sänger, Gitarristen und Komponisten Jamie McDermott konzentriert. Und vor allem mit der grandiosen und epischen Hymne "In This Shirt", sind sie so manch einem dort draußen mit Sicherheit im Gedächtnis haften geblieben. Erinnerungen an Antony & The Johnsons wurden unwideruflich wach, aber ebenso auch deutliche Bezüge zu Kate Bush, David Bowie oder Joanna Newsom - vielleicht mit einer Spur mehr barocker Theatralik, der dem Kollektiv so wunderbar zu Gesicht steht, dass es selbst weltweite Kritiker in Verzückung versetzte. Nach einer als Liebhaber des Kollektivs fast schon zu langen Wartezeit, war da im vergangenen Sommer plötzlich ein brandneuer Song, der bereits als erste Single von dem nahenden Zweitwerk der Briten kündete:  das gänzlich wundervolle "Arrow": zutiefst Emotional verführerischer und (man kann es nicht anders nennen) fantastischer Orchester-Pop, der mit famosen, aber nie übertriebenen elektronischen Einflüssen spielt, und in hypnotischen Synthie-Klängen mündet. Und in dem dazugehörigen Video spielt das Kollektiv wieder einmal mit deutlich homoerotischer Symbolik....was nicht das erste, und auch nicht das letzte Mal sein soll.  



Nicht nur das die beiden jungen, nackten Männer aus dem Mussikvideo, auch das Coverartwork ihres neuen Albums zieren. Da wäre etwa noch das wunderbare "Two Men In Love" (♫♪) - nichts geringeres als eine unsterblich schöne, mehrere Phasen durchlaufende, und fast 7-minütige Hymne an die gleichgeschlechtliche Liebe. Und wenn McDermot dann immer wieder feierlich und voll leidenschaftlicher Inbrunst singt: "I'm in love! I'm in love! I'm In love...", muss auch dem verbohrtesten Spießer klar werden, dass dies wahre Liebe sein muss. Und auch der Albumtitel "Nude" scheint alles andere als zufällig gewählt - neben eben erwähntem Video und Albumcover, ist dies auch beim grandiosen "Pale Sweet Healing" (♪♫♪) Thema No.1: "Take off your clothes, I want to see you naked / And give me your hands to touch, I know you've longed to be here", heißt es gleich zum Einstieg in diese wundervolle und hymnisch-theatralische Perle. Doch hier geht es natürlich noch um mehr, als ausschließlich um nackte Körper - denn vor allem geht es um die ganz großen Gefühle. Diese strahlen dann auch durch jede Sekunde der grandiosen 2. Single "New World" (♪♫♪), die als anmutige und höchst gefühlvolle Ballade seinen Anfang nimmt, und sich beständig immer weiter zur strahlenden Hymne erhebt. Ja, man kann sagen das ihnen erneut ein Gesamtkunstwerk gelungen ist, welches vor allem in seiner Gesamtheit besticht...das mehr ist, als nur die Summe seiner Teile - auch wenn allein dessen Ausmaße bereits beträchtlich sind. So beachte man etwa das fantastische "Tears" (♪♫♪), welches als schillernde und erhabene, sanft elektronisch verzierte Hymne dieser Songsammlung entsteigt, nachdem es an früherer Stelle durch das gleichnamige und nahezu tieftraurige "Prelude" (♪♫♪) angekündigt wurde. Und spätestens wenn die Truppe gen Ende zum euphorisierenden und feierlichen, von glitzernden Synthesizern untermalten "Ship" (♪♫♪) anstimmt, ist man ihrem neuen Werk wohl endgültig verfallen. 

Auch wenn es mir als Atheist bitter aufstoßen mag, so ist es Emotional ein nahezu sakrales, ein fast religiöses Erlebnis, welches "Nude" herauf beschwört...nur eben eines, das nicht nur von dramatischen Gesten und großen Gefühlen kündet, sondern in diesem Fall gar untrennbar mit Nacktheit, Verlangen, und gleichgeschlechtlicher Liebe verbunden ist - und damit am Ende dann doch jeder Religion dieser Welt eine Absage erteilt. Ein Meisterwerk.   

Besprochen: VILLAGERS - "{AWAYLAND}"

Mit ihrem Zweitwerk legen die Villagers aus Irland den perfekten Grundstein, um die doch recht überschaubare Liste von Musikgrößen ihrer Heimat zu erweitern.

Auch wenn die Villagers in ihrer Heimat Irland wahrlich kein unbeschriebenes Blatt mehr sind, und bereits mit ihrem 2010er Debütalbum "Becoming a Jackal" die Pole Position ihrer heimischen Albumcharts erreichen konnten, wird die Band wohl manchen Lesern noch unbekannt sein. Wobei die Betonung ganz eindeutig auf dem Wort "noch" liegt. Denn die Band um ihr Mastermind mit dem herrlich irischen Namen Connor O'Brien, steht quasi unmittelbar vor dem großen Durchbruch. Denn den wird mit Sicherheit ihr brandneues und zweites Studioalbum "{Awayland}" nach sich ziehen, das dieser Tage in den Läden steht. Bereits der erste Vorbote der neuen Platte, ließ einen förmlich mit weit offen stehendem Mund gen Boxen starren, als er zum ersten Mal in den Gehörgängen Einzug hielt: "The Waves" heißt diese Nummer, und kombiniert beinah scheuen, aber vor allem grandiosen Folkpop mit elektronischen Einflüssen, die immer wieder digitale Ecken und Kanten herauf beschwören - aber niemals seine Zeitlosigkeit untergraben.


Wobei durchaus gesagt werden muss, dass man hier nicht auf Albumlänge mit solch digitalen Sperenzchen rechnen sollte, die sie in der ersten Vorab-Single so formvollendet demonstrierten. Dafür geht es hier aber überwiegend ähnlich großartig zu. Schon der sanfte und folkige Opener "My Lighthouse" (♪♫♪) gibt eine Perle zum Besten, die einen zum Einstieg mit einer warmen Umarmung begrüßt, und bis zum Ende dann doch noch eine leidenschaftliche Träne entlockt. Mit "Earthly Pleasure" (♪♫♪) schicken sie dann sogleich einen potentiellen Hit hinterher, der fast den Eindruck vermittelt, als wolle er gar keiner sein - doch die famose Coolness in den sprechgesungenen Versen, und der sich nahezu hymnisch entwickelnde Refrain, lassen dann aber doch keinen anderen Schluss zu. Und spätestens wenn man sich dann zur neuen Single "Nothing Arrived" (♪♫♪) vorgearbeitet hat, wird einen nichts mehr halten können. Denn man wird sich Hals über Kopf in diese fantastische Folkpop-Perle verlieben, die man jetzt schon reinen Gewissens einen Klassiker schimpfen darf. "The Bell" (♪♫♪) verbindet dann auf spielerische Weise tadellosen und inspirierten Folkpop mit blumigen Hippie-Orgeln und softem 007-Flair, "Passing a Message" (♪♫♪) offenbart ein nachdenkliches und atmosphärisch eindringliches Meisterstück, welches sich aber erst mit aufmerksamerem Hören als selbiges zu erkennen gibt, und im "Greatful Song" (♪♫♪) erwartet uns eine wunderbare, mit psychedelischen Einwürfen versehene Folk-Kostbarkeit, die eine prächtigere Magie entfesselt, als der erste Eindruck preiszugeben vermag.

Den Villagers ist mit "{Awayland}" schlussendlich ein wirklich fabelhaftes zweites Album gelungen, das den Folk-Pop zwar nicht neu erfindet, und aufmerksam gehört werden will, um dem Hörer all seinen Zauber zu offenbaren - das die Band aber durchweg verdient zum Erfolg führen wird. Und hier liegt die Betonung ganz eindeutig auf dem Wort "verdient".



Montag, 10. Dezember 2012

Besprochen: KE$HA - "WARRIOR"

 Trotz hochrangiger Gäste und solidem Produzenten, wird man Kesha auch mit Album No.2 in Zukunft nicht ernster nehmen können. Denn gar nicht mal so scheiße wie erwartet, macht noch lange kein gutes Album.

Es gibt manche Auswüchse der Popkultur, denen selbst jemand mit Hang zu gutem Trash-Pop nur kopfschüttelnd gegenüber steht. Hat man irgendwann den Anschluss zum neuesten Zeitgeist verpasst, oder tut man in Wirklichkeit ganz gut daran, so etwas wie die amerikanische Pseudo-Pop-Göre Kesha nicht ernst nehmen zu können? Nun hat die junge Dame - die gerne mal durch pikant vulgäre Aussagen, oder gar zuletzt durch ein selbst in Umlauf gebrachtes Foto beim oralen Beglücken eines unbekannten Mannes auffiel - ein neues Album auf den Markt geworfen. Der Titel "Warrior" soll dann wohl ihren ja ach so rebellischen und unangepassten Lifestyle unterstreichen, was aber eher ziemlich plump rüber kommt - was wiederum nur das ekelhaft trashige Cover-Artwork toppen kann. Doch was erwartet einen hier musikalisch? Das der Mörderanteil des Albums von Katy Perry's Stammproduzenten Dr.Luke in Szene gesetzt wurde, mag durchaus eine Fußnote wert sein - auch wenn sich hier eigentlich nichts mit dem messen kann, was er zuletzt mit seiner Hauptklientin ausheckte. Wobei man aber durchaus zugeben muss, dass es auf "Warrior" auch kleine Lichtblicke zu verzeichnen gibt - welche wiederum wohl eben jenem Produzenten zu verdanken sind. In einem schwachen Moment mag sogar die erste Single "Die Young" dazu zählen, auch wenn man das normalerweise nur unter Folter zugeben würde. Man sollte allerdings gerade Trash-Dance-Pop bitter nötig haben, sonst gerät auch der Song selbst schnell zur Folter.



Ke$ha - Die Young von komiz

Bleibt man voreingenommen und lässt sich zu sehr von ihrem arg vulgär-billigen und leider meist auch allzu peinlichen Auftreten beeindrucken, kann man den ganzen Rest von "Warrior" ganz herzhaft scheiße finden. Bewertet man es aber nach gängigen Pop-Maßstäben, und stellt die Wirkung der Musik in den Vordergrund, kann das Album auch ein paar seltene Momente haben. So etwa bei "Crazy Kids" (♪♫♪), welches ein erstaunlich gutes Stück Dance-Pop abgibt - gut, ob man Kesha "Raps" nun mag, ist wohl Geschmackssache. Darüber hinaus kommt der Song aber mit einer guten Produktion und einer sehr schicken Ohrwurm-Melodie daher. Und auch "Supernatural" (♪♫♪), das sich an Nik Kershaw's 80er-Hit "Wouldn't It Be Good" bedient, gibt einen nicht unwesentlich zündenen Dancepop-Ohrfänger ab, den man sich durchaus geben kann. Tja, und der Titelsong "Warrior" (♪♫♪) ist eine durchwachsene Sache...bringt der Song in den Refrains echte Pop-Qualitäten mit, taucht er in den Versen dann doch zu oft in ziemlich unerträgliche Kesha-Klischees ab. Allerdings: diese Justice-artige Elektro-Einlage um die 3. Minute herum, reißt dann wieder manches raus. Die erstaunlichen Gastbeiträge von Iggy Pop im rockigen "Dirty Love" (♫♪), und dem Black Keys-Drummer Patrick Carney im recht schnarchigen "Wonderland", sind dann allerdings nicht unbedingt der Rede wert - was ganz anders bei "Past Lives" (♫♪) aussieht, welches von den Flaming Lips (auf dessen letzen Album "Flaming Lips & Heady Fwends" sie bei einem Song dabei war) produziert wurde - und so auch zu einem erstaunlich gelungenen Song, den man allerdings auch nur als Bonus Track auf der Deluxe-Edition des Albums findet. Schade, denn es hätte vom Gesamteindruck des eigentlichen Albums wenigstens ein klein wenig retten können. Denn der Rest ist meist unauffälliges und manchmal auch recht nettes Dance-Pop-Rock-Geplänkel, das trotz hochrangiger Gäste, solidem Produzenten und ein paar kleinen Highlights nicht dafür sorgen kann, dass man Kesha in Zukunft ernster nehmen könnte. In einzelnen, ausgewählten Dosen genossen, kann manches hier beizeiten seinen Reiz haben. Aber: weniger scheiße als erwartet, ergibt noch lange kein gelungenes Album.


Samstag, 8. Dezember 2012

Besprochen: GREEN DAY - "¡TRÉ!"

 Trotz einer leichten qualitativen Steigerung, können Green Day auch mit dem Finale ihre "¡Uno! ¡Dos! ¡Tré!"-Trilogie leider nicht mehr retten.

Die Sache ist bekannt, doch für die Unwissenden noch einmal in aller Kürze: als Nachfolger des ungemein erfolgreichen Stadion-Rock-Gespanns "American Idiot" und "21st Century Breakdown", wollten Green Day nicht einfach ein neues Album abliefern, sondern gleich 3 Alben - veröffentlicht in einem Rhythmus von ein paar Wochen. Mit den bislang veröffentlichten 2 Teilen der "¡Uno! ¡Dos! ¡Tré!"-Trilogie, fanden sie vor allem zu den einfacher gestrickten Punk-Pop-Klängen ihrer früheren Tage zurück. Das klang dann auf zwei ganze Alben gestreckt manchmal nett, selten ärgerlich, aber oft....irgendwie egal. Es war halt nicht mehr die junge Band, die diesen Stil für sich entdeckte und versuchte  sich nach und nach weiter zu entwickeln. Nein, es ist eine reifere Band, die auf ihre jungen Jahre zurück blickt. So wurde die Entwicklung zur puren Nostalgie, was leider vielem auch die Spannung und den Nervenkitzel raubte. Der letzte Teil "¡Tré!" soll nun ganz anders werden. Viel hat die Band schon darüber lamentiert, was hier alles passieren soll. Es soll der ambitionierteste Teil des Dreiers sein, der ihre gesamte Karriere umspannt - von den frühen 60s-affinen Wurzeln, über den erwähnten Punk-Pop der "Dookie"-Tage, bis hin zum Sound der Stadion-Rock-Opern "American Idiot" und "21 Century Breakdown". War Teil 1 Power-Pop und Teil 2 Garagen-Rock, so soll das Finale nun gar episch werden - so die Meinung der Band selbst. Die erste Single "Brutal Love" stimmt hingegen skeptisch, kommt selbige doch als ziemlich käsiger 60s-Schmalzbrocken daher geschunkelt - der aber im letzten Drittel durch etwas schmissigeren Gitarreneinsatz wenigstens halbwegs gerettet wird.



Doch kann die Realität  die Versprechungen der Band auf Albumlänge einlösen? Es tut einem fast leid sagen zu müssen: leider nein! Was nicht heißen soll, dass es sich hierbei um ein misslungenes Album handeln würde. Eine Steigerung zu den beiden Vorgängern ist durchaus spürbar, und sie haben auch ein paar recht ordentliche Liedchen im Gepäck: "Drama Queen" (♪♫♪) gibt eine durchweg passable Ballade ab, die dann und wann doch ein wenig an Oasis denken lässt, "X-Kid" (♪♫♪) bringt - wenn schon keine einfallsreiche Melodie - immerhin ein wenig glaubwürdige Energie mit, "Walk Away" (♫♪) macht als Instant-Punk-Pop-Ohrwurm vorübergehend durchaus Freude, "Dirty Rotten Bastards" (♪♫♪) kommt als netter und melodischer Punk-Popper des Weges, und mit der recht hübschen (aber nicht sehr spannenden) Ballade "The Forgotten" (♪♫♪) beenden sie das neue Album.  Doch das reicht leider nicht aus, um das Finale der Trilogie deutlich positiv von seinen beiden Vorgängern abzuheben. Die eigene Geschichte musikalisch abzufeiern kann ja ganz nett sein - aber sind dafür 3 Alben in nur einem Vierteljahr nötig? Die Band wäre weitaus besser damit beraten gewesen, die besten Songs der 3 Platten zu einer einzigen zu bündeln. Denn bei gefühlt 80% eher zu ignorierenden Songs, wird die ganze Sache dann doch schnell etwas zäh. Zwar gibt es auf der gesamten Trilogie nur wenig wirklich ärgerliches, und "¡Tré!" stellt in der Tat den besten Teil dar. Aber doch haben sich Green Day mit diesem Experiment keinen großen Gefallen getan.