♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

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Freitag, 9. November 2012

Besprochen: CHRISTINA AGUILERA - "LOTUS"

 Als da kaum noch Hoffnung war, gerät das neue Album von Christina Aguilera zum glitzernden Silberstreifen am Pop-Horizont - und zu ihrem besten Album seit dem Zweitwerk "Stripped".

Die bisherige Karriere von Christina Aguilera war von Höhen und Tiefen geprägt - sowie künstlerisch als auch kommerziell. Mal die wichtigsten Stationen in Zeitraffer: Ihr 1999er Debüt "Christina Aguilera" wurde Dank ihrem Hit "Geenie In a Bottle" ein großer Erfolg (17 Millionen verkaufte Exemplare), dem viele Hoffnungen zugesprochen wurden - die sie aber als einstige Plattenfirmen-Marionette nicht im geringsten erfüllen konnte. Eine besondere Überraschung war deshalb ihr 2. Album "Stripped" (2002) das gar so großartig geriet, das man zweimal hinschauen musste, ob man sich dort nicht bei der CD vergriffen hatte - und sich mit mehr als 12 Millionen Einheiten auch fabelhaft verkaufte. Miss Aguilera hatte sich von ihrem Label emanzipiert und höheres angestrebt. Und etwas besseres hätte ihr nicht einfallen können. Der 2006er Nachfolger "Back To Basics" hatte dann auch seine definitiven Momente, blieb künstlerisch und kommerziell allerdings doch deutlich hinter den Erwartungen zurück. Und mit ihrem letzten Album "Bionic" versuchte Christina wohl einen neuen Sound zu finden, was aber gehörig in die Hose ging. Künstlerisch eine ihrer schwächsten Platten, die sich auch als enormer Ladenhüter heraus stellte - eben ein klassischer Flop. Nun kommt die Dame mit ihrem neuen Album daher, das ganz natürlich die schwere Last des gefloppten Vorgängers schultern muss. "Lotus" heißt also das neue Werk, das für Aguilera alles wieder raus reißen soll. Das versucht sie hier aber nicht - wie es sich vielleicht manch einer ihrer Fans wünschte - mit Mitteln wie vor 10 Jahren auf "Stripped". Nein, sie bleibt noch näher am zeitgenössischen Trend, und behält ihren zuletzt gehörten Hang zum Dance-Pop zum Teil bei. Das machte sie schon mit der ersten Single klar - dem einfachen aber durchaus wirksamen, von Max Martin (Backstreet Boys, Britney Spears, P!nk) produzierten Instant-Dancepop-Ohrwurm "Your Body" - der verdammt noch mal gehörig in Beine und Synapsen kriecht. 


Und in der Tat macht "Lotus" einen verdammt guten ersten Eindruck, der sich mit mehrmaligem Hören immer mehr steigert. Nach der richtungslosen Effekthascherei beim letzten Mal, sind hier die Songs endlich wieder Songs! Mit dem Titeltrack "Lotus (Intro)" (♪♫♪), das sich an einem kleinen Sample aus M83's "Midnight City" bedient, fängt das ganze eher ruhig, aber doch sehr gelungen an - sozusagen ähnlich dem Auftakt der letzten Platte, nur in deutlich besser. Aber da kommt noch mehr. So etwa der mit mitreißendem Refrain ausgestattete potentielle Hit "Army of Me" (♪♫♪), das mit guter Laune nur so um sich schmeißende "Make The World Move" (♪♫♪), das im Duett mit Cee-Lo Green entstand, oder das mitreißende und von tribalen Beats angefuerte "Cease Fire" (♪♫♪) - einer der stärksten Songs des neuen Albums. Mit dem fabelhaften Uptempo-Track "Around The World" (♪♫♪) rückt sie wieder etwas dichter an "Stripped"-Zeiten heran, mit dem tanzbaren Ohrwurm "Let There Be Love" (♪♫♪) wiederum an Madonna's diesjährige Single "Girl Gone Wild", und "Circles" (♫♪) geht sogar gelungen soft-rockige Wege, was druchaus Stimmung macht. Und auch die Balladen haben hier mehr zu bieten als zuletzt - Paradebeispiele dafür stellen etwa das sehr schöne und leidenschaftliche "Sing For Me" (♪♫), aber vor allem das höchst emotionale und einfach wunderbare "Blank Page" (♪♫♪) dar, das von Sia Furler mit komponiert wurde. Nun gut, den abschließenden Schmachtfetzen "Just a Fool" im Duett mit Blake Shelton hätte sie sich zwar sparen können, aber das schenken wir und einfach mal. 
Ohne das es zwar erhebliche Ähnlichkeiten damit aufweist, muss man dennoch sagen: seit "Stripped" hat kein Album von Christina Aguilera mehr solchen Spaß gemacht, oder einen so zum Tanzen, Träumen und Schwärmen verleitet. Wenn "Lotus" nun nicht von "Hollywood to Japan" und von "Tokyo to Milan" ein Hit wird, dann weiß ich auch nicht weiter.  Denn wider Erwarten kann Christina in diesem Jahr qualitativ der Mainstream-Pop-Konkurrenz wie Nelly Furtado oder P!nk locker die Butter vom Brot nehmen. 

  




(Das komplette Album findet ihr übrigens hier im Stream!)

Mittwoch, 7. November 2012

Besprochen: PLACEBO - "B3" (EP)

Bevor es im kommenden Jahr ein neues Album gibt, machen Placebo uns mit einer EP Appetit - bei der selbst den Zweiflern das Wasser im Mund zusammen läuft. 

3 Jahre ist das letzte (und doch ziemlich magere) Album "Battle For The Sun" der britischen Rockband Placebo nun schon alt - da wird vor allem unter Fans der Wunsch nach neuem Material des Trios laut. So arbeitet die Band derzeit noch am neuen und 7. Studioalbum, dessen Release für März 2013 in Aussicht steht. Aber voarb setzten sie nun eine neue 5-Track-EP in die Welt, die den Titel der neuen Single trägt: "B3". Warum die Aufregung mancherorts diesbezüglich nun so groß ist, bliebe unter normalen Umständen wohl fraglich. So kann man dies als nichts weiteres sehen, als eine besonders lange Single, die mit einem Album freilich nicht zu vergleichen ist. Klanglich hat sich auch nicht viel getan, bleibt die Band ihrem bereits wohl bekannten Alternative-Rock treu, der mal ekstatisch treibend, und mal tief melancholisch daher kommt. Die eigentliche Single "B3" macht schon mal gar keine schlechte Figur. Vielmehr legen sie uns damit eher eine grundsolide und nach ein paar Durchläufen gar mitreißende Nummer ans Ohr - das haben sie beileibe schon schlechter hin gekriegt.


Placebo - B3 on MUZU.TV.


Doch den Unterschied macht hier das zusätzliche Material, das überraschenderweise durchweg hervorragend ausfällt. Gar so hervorragend, wie man es nach dem letzten - eher missglückten - Album wohl nicht mehr erwartet hätte. Als Zugabe gibt es etwa das Minxus-Cover "I Know You Want To Stop" (♪♫♪) - wobei ihre neue Version dem Original deutlich vorzuziehen ist. Nach 2 eher rockigen Stücken, nehmen sie dann in "The Extra" (♪♫♪) Druck aus der Sache, was durchaus gut tut - und gut geht. Eine fabelhafte, unterschwellig düstere Nummer, die sie nicht nur auf dieser EP verstecken sollten. Auch in "I Know Where You Live" (♪♫♪) zieht wieder grauer Nebel herauf, den sie gen Ende mit einem martialischen Gitarrengewitter durchbrechen. Und als Krönung des ganzen, wartet am Ende noch das sich über epische 7 Minuten erstreckende "Time Is Money" (♪♫♪), das der EP ein fast majestätisches Finale besorgt. Zugegeben: Placebo waren in den letzten Jahren bei mir in die Kategorie "Braucht man nicht wirklich" abgerutscht - doch mit der "B3"-EP keimen erneut Hoffnungen, dass Placebo auch mich mit ihrer kommenden Platte überzeugen könnten.
To be continued...

Dienstag, 6. November 2012

Besprochen: MANDO DIAO - "INFRUSET"

 Aus vertonten Gedichten des Lyrikers Gustaf Fröding, haben 
Mando Diao ein Album voller schwedischer Balladen geschaffen -  und ihre größte künstlerische Leistung seit Jahren. 

Es ist schon eine Weile her, dass man zuletzt etwas neues von Mando Diao hörte. Ihr letztes Album "Give Me Fire" ist nun auch schon fast 4 Jahre her - eine enorm lange Pause für die Band, die ausgerechnet mit dem dazugehörigen Hit "Dance With Somebody" ihren endgültigen Durchbruch schaffte. Man hätte ihnen diese lange Zeit der Abstinenz fast als bewussten Bruch mit der drohenden Kommerzialisierung anrechnen können - wäre da nicht das relativ verunglückte Projekt mit dem Namen Caligola gewesen, in dem die beiden Frontmänner Björn Dixgård und Gustaf Norén zusammen mit 2 schwedischen HipHop-Produzenten eine Art Funk-Pop spielten, der zwar nicht gänzlich missglückt war, aber irgendwie doch ein wenig banal wirkte. Doch nun gibt es endlich neues Material der Schweden - wenn man sich auch vorerst mit einem rein schwedischen Album zufrieden geben muss. Doch was sollte schon groß anders sein auf ihrem neuen Album "Infruset", nur weil sie es in ihrer Muttersprache aufgenommen haben? Oh, man kann sagen: eine ganze Menge. Denn es ist ihr mit Abstand ruhigstes Album geworden, das sich aus vertonten Gedichten des schwedischen Lyrikers Gustaf Fröding zusammen setzt. Zwar waren auch schon weite Strecken ihres (famosen) 2007er Albums "Never Seen The Light Of Day" sehr ruhig, doch auf dem neuen Album gibt es kaum eine Nummer, die über den Kuschelwalzer hinaus geht. Was in diesem Fall aber keineswegs negativ ist. Dabei kommt in der Tat solch großartiges heraus, dass es selbst die Tatsache wett machen kann, das man hier kein Wort versteht. Aber: Sigur Rós versteht ja auch kein Schwein, und lieben muss man ihre Musik dennoch. Und dieses Phänomen begegnet uns auch hier. Und gleich zu Anfang bezaubern sie mit dem wunderschönen und traurigen Opener "Den Självslagne", ehe sie das fabelhafte "En Sångersaga" nachlegen - das sich auf über 6 Minuten erstreckt, als liebevolle Ballade beginnt, und sich zu einer Art Funk wandelt, der die Arbeit mit Caligola weit überstrahlt. Der Titelsong "Infruset" gerät zu wunderbar veträumtem und nachdenklichem Folk-Pop, und "Strövtåg I Hembygden" erhebt  sich als strahlende und melodisch-romantische Ballade, mit einer kleinen Träne im Augenwinkel.



"En Ung Mar" markiert eine weitere zeitlose Perle im Backkatalog der Band, und auf "Titania" bezirzen sie erfolgreich mit Gastvocals von Björn's Schwester Linnéa. Anfangs war man ja zurecht skeptisch - das letzte Album war nicht unbedingt die beste Glanzleistung der Band, und über das letzte Projekt muss ich wohl nicht mehr viele Worte verlieren. Und jetzt ein komplett schwedisches Album, voll von schwermütigen, melancholischen Balladen, mit denen sie alte Gedichte eines Dichters mit Alkohol- und Frauenproblemen vertonen? Doch hat man sich erst einmal die 10 neuen Stücke angehört, kann man nur sagen: Ja, bitte! Auch wenn man es nicht für möglich hielt, so entfachen sie mit ihrem neuen Album einen Zauber, den man schon seit Jahren bei der Band nicht mehr zu spüren bekam. "Infruset", das die Band nach "Never Seen The Light Of Day" erneut mit Produzent Björn Olsson aufgenommen hat, ist wahrlich keine leichte Kost, und wohl das unkommerziellste was man sich von Mando Diao derzeit vorstellen könnte - doch genau dieser Umstand zeichnet das Album besonders aus, und macht es zu einem wahren Erlebnis.


Dienstag, 30. Oktober 2012

Besprochen: JAKE BUGG - "JAKE BUGG"

Ein Hype der es verdammt nochmal wert ist: 
Jake Bugg ist ein hervorragendes Debütalbum gelungen, das dem jungen Mann noch einigen (verdienten) Ruhm einbringen wird.

Großbritannien ist ja immer wieder für einen waschechten Hype gut. Manchmal durchaus zurecht, manchmal wiederum auch nicht. So zeigten sich zwar manche in den letzten Jahren stark gehypte Musiker wie die Arctic Monkeys oder Bloc Party als bis heute beständige Größen. Doch die Kehrseite der Hype-Medaille machte sich dann bei Kollegen wie den Kaiser Chiefs, Maximo Park oder sogar Franz Ferdinand bemerkbar: famose Debütalben, aber danach wurden sie irgendwie....ein bisschen egal. Der neueste Hype made in England ist der gerade einmal 19 Jahre junge Singer/Songwriter Jake Bugg - der mit seinem gleichnamigen Debüt bereits die Pole Position der britischen Albumcharts stürmte. Und hört man sich dieses erst einmal an, wundert einen das auch nicht im geringsten. Denn trotz seines jungen Alters, hat Jake Bugg viel von den Größen der Vergangenheit gelernt. Zwar hört man ab und an Querverweise an jüngere Band wie Oasis, und man denkt auch immer mal wieder an Alex Turner, den Sänger der bereits erwähnten Arctic Monkeys. Doch vor allem sind es die Geister von Alt-Helden wie Bob Dylan, The Beatles oder auch Nick Drake, die der junge Mann hier mit äußerster Authentizität und vor allem mit unfassbar herrlichen Melodien herauf beschwört. Denn auch wenn er stilistisch im Grunde genommen sehr solide bleibt und keine großen Experimente wagt, bleibt sein Debüt über die gesamte Länge hinweg spannend und einnehmend. Es sind eben diese fabelhaften Melodien und der Ernst mit dem der Künstler an seine Musik heran geht, die das gehörte hier so wunderbar machen. Allein schon der Opener und zweite Single "Lightning Bolt" ist für sich schon einen Hype wert: ein herrlich mitreißender Britpop-Ohrwurm mit starkem 60s-Einschlag.

Jake Bugg - Lightning Bolt from Michael Holyk on Vimeo.

Hach, doch es gibt noch so viel mehr zu entdecken. Nehmen wir etwa den ausgelassen melodischen Ohrfänger "Two Fingers" (♪♫♪), das gar zeitlos großartige "Seen It All" (♪♫♪), die herzerwärmend schöne Singer/Songwriter-Perle "Simple As This" (♪♫♪), die melancholisch schwebende und zu Herzen gehende Ballade "Broken", der deutlich an Bob Dylan erinnernde Folk-Kracher "Trouble Town" (♫♪), das wundervolle, emotional einnehmende und tief berührende "Slide" (♪♫♪), oder die erhabene Ballade "Someone Told Me" (♪♫♪). Man könnte nahezu jeden Song der Platte besonders hervorheben. Denn einen schlechten oder auch nur ansatzweise uninteressanten Song, kann man hier weit und breit nicht finden. Vielmehr macht Jake Bugg einen mit seinem ersten Album nahezu süchtig - ist der letzte Song verklungen, will man das Album gleich wieder von vorne hören...und wieder, und wieder! Ja, man will gar jetzt schon attestieren, das er mit solch einem Talent auch in Zukunft den Hype von heute überleben wird. Einziger Wermutstropfen ist die Veröffentlichungspolitik seines Labels: Nachdem das Album bereits am 15. Oktober diesen Jahres in den UK erschienen ist, wird der deutsche Fan, insofern er nicht auf den Import der Platte zurück greift, bis zum Januar 2013 warten müssen, wenn das Album offiziell auch bei uns in den Läden steht. Und ob man sich nun für den Import oder für das Warten entscheidet: es lohnt sich in jedem Fall. Und auch wenn man als Musikkenner und -liebhaber am liebsten solch ein Talent ganz für sich behalten will, dem Gedanken abgeneigt ist, dass bald Millionen von Menschen auf der ganz Welt zu seiner Musik dahin schwelgen könnten, so muss man den offensichtlichen Tatsachen in die Augen sehen: denn schon bald wird kaum noch jemand um diesen höchst talentierten jungen Musiker herum kommen können
A star is born....



Mittwoch, 24. Oktober 2012

Besprochen: KYLIE MINOGUE - "THE ABBEY ROAD SESSIONS"

 Kylie Minogue wirft eine Compilation mit Orchester-Versionen ihrer Hits auf den Markt, die zumindest halbwegs Sinn macht.

Woran merkt man das bald Weihnachten ist? Nun, das ich mit "The Abbey Road Sessions", dem neuen "Album" von dem australischen Pop-Püppchen  Kylie Minogue, bereits die 3. (!) Platte in diesem Monat rezensiere, die ausschließlich aus neu aufgenommenen Stücken des jeweiligen Musikers besteht, ist schon mal ein ziemlich deutliches Zeichen. Doch selbst wenn nicht die Feiertage quasi vor der Tür stehen würden (bei denen sich solch eine Platte ja hervorragend unterm Weihanchtsbaum macht), wäre diese Idee auch nicht einfallsreicher. Nachdem in diesem Monat bereits Patrick Wolf mit Akustik-Versionen seiner Klassiker daher kam, geht Kylie einen ähnlichen Weg wie Tori Amos, und nimmt die großen Hits ihrer Karriere noch einmal mit Orchester auf. Und wer die Rezensionen zu eben genannten Alben gelesen hat, der weiß: mit solcherlei Sperenzchen tue ich mich dann doch etwas schwer. Und da Kylie Minogue nun auch nicht zu meinen erklärten Lieblingskünstlern zählt, dürfte man hier eigentlich einen gehörigen Verriss erwarten. Doch: dies ist bei "The Abbey Road Sessions" nicht der Fall. Denn in der eben genannten Riege ist das "Experiment" von Kylie dann doch das im Vorwege vielleicht interessanteste gewesen. Denn sie zählt eher zum Fach des netten und massentauglichen Dance-Pop, der keinen höheren künstlerischen Anspruch verfolgt. Und ihre Songs dann in einem ernsthafteren Gewand zu hören - was die Songs in diesem Fall natürlich meist gehörig verändert - macht dann wenigstens halbwegs Sinn. Einen neuen Song gibt es aber auch, der bereits seit 2008 zu ihrem Live-Repertoire zählt und zu einen Fan-Liebling avancierte: "Flowers" heißt die Nummer, die eigentlich für ihr 2007er Album "X" gedacht war, es aber doch nicht auf die Scheibe schaffte. Und diese kann als warme und romantische, wenn auch etwas kitschige Ballade durchaus gefallen. 


Was sie ansonsten so aus ihren alten Hits macht, klingt manchmal doch recht interessant. Vor allem ein paar Highlights stechen heraus. So etwa "Slow", das sich von einer minimalistischen Elektro-Pop-Nummer zu einer sinnlich bluesigen Ballade wandelt. Oder auch "Confide In Me", das in der neuen Version dem Original zwar relativ treu bleibt, aber doch eine ganz eigene Ausstrahlung besitzt. Das in der neuen Version von stimmungsvollem Streichorchester angefeuerte "Can't Get You Out Of My Head", wird nach dem tot gedudelten Original, wenigsten kurzweilig wieder sehr gut hörbar. "Where The Wild Roses Grow", der Klassiker mit Nick Cave, wurde hier auch mit demselben Herrn neu aufgenommen, wobei es sich aber eher um eine Akustik-Version handelt - die aber durchweg gelungen ist. Und das fabelhafte "Come Into My World" macht hier als Piano-Ballade ebenfalls eine sehr gute Figur. Aber: dies waren auch im Original alles fabelhafte Pop-Songs. Doch die Abgründe ihres Backkatalogs kann auch Orchesterbegleitung kaum aufwerten. So bleibt etwa "The Loco-Motion" auch in der neuen Version durchweg widerlich,  und auch "Better The Devil You Know" hat nichts von seiner Schmalzigkeit eingebüßt. Und mit "I Believe In You" wird in der neuen Fassung deutlich, was beim Original eh schon auffällig war: ohne eine entsprechend Produktion ist der Song einfach ziemlich schwach. Nur "I Should Be So Lucky", dieser unerträgliche Schlager-Pop aus der Schmiede der 80er-Schmalzpop-Terroristen Stock/Aitken/Waterman, kann in einem anderem Gewand schon eher überzeugen. So ist "The Abbey Road Sessions" zwar keine wirklich ausgesprochen gute Platten geworden - aber dennoch deutlich besser als anfangs befürchtet. 

 

Freitag, 19. Oktober 2012

Besprochen: BUSHIDO - "AMYF"

Der selbsternannte Staatsfeind No.1 hat ein neues Album gemacht, das er vor allem mit seinem gewaltigen Ego füllt - aber am Ende bleibt dann doch nur heiße Luft.

Es gibt so manche Platte, für die sich auch ein Musik-Blogger zu schade ist. Prinzipiell zählt eigentlich auch Bushido dazu - doch was macht man nicht alles, um seinen Lesern einen Gefallen zu tun. So entsteht diese Rezension eigentlich nur auf einen direkten Wunsch - nicht das noch irgend jemand auf den Gedanken kommt, dass ich mir solche Musik freiwillig anhören würde. Man hat ja schließlich einen Ruf zu verlieren und so. "AMYF" heißt also das neue Album von Bushido, welches die Initialen seines bürgerlichen Namens Anis Mohammad Youssef Ferchichi darstellt. Und wie der Titel schon vermuten lässt, gibt es für Bushido auch hier vor allem ein Thema: natürlich er selbst. Erneut nutzt der Rapper tunesischer Herkunft das Album als Projektionsfläche für sein offenbar gewaltiges Ego. Das kann manchmal durchaus Sinn machen. Man nehme etwa seinen amerikanischen Rapper-Kollegen Kanye West. Auch er besitzt ein ohne Frage monströses Ego - doch wer so grandiose Arbeit leistet wie er, der hat sich solch ein Ego auch vollauf verdient. Das allerdings Bushido den deutschen Rap gerettet haben will, das glaubt wohl vor allem nur er selbst. Doch das ist Grund genug für ihn, sich auf "AMYF" immer wieder selbst abzufeiern. Mal weiß er in "Selbst ist der Mann" schon gestern was am Freitag in der Bravo steht (was ja nun mal auch von immenser Relevanz ist), verklärt sich gleich darauf selbst als "Lebende Legende", macht in "Ihr habt mich gemacht" ein wenig auf wehleidig, nur um sich gleichzeitig zum Spiegel unserer Gesellschaft zu erklären, macht auf "Untergrund 2" in Tateinheit mit Eko Fresh wieder mal einen auf gewaltig dicke Hose, oder sieht auf den Straßen nur noch sonnenbankgebräunte "Kleine Bushidos", die alle so sein wollen wie er (Gott bewahre!!!).   


Das er sich in "Hass" dann mal mit etwas wichtigeren Themen wie der Neonazi-Szene auseinander setzt, ohne dabei allerdings nur den Ankläger zu spielen, sondern wenigstens versucht die Wurzeln des Problems zu finden, stimmt einen dann kurzweilig optimistischer. Aber solche ziemlich schmierigen Pseudo-Balladen wie "Euer bester Feind", in der er sich lautstark über eben das Medien-Image aufregt, das er sich in den vergangenen Jahren selbst systematisch und absichtlich erarbeitet hat, machen das Dilemma perfekt. Ach ja, und der nächste Bürgermeister von Berlin wird er natürlich trotzdem. Musikalisch ist das ganze zwar oberflächlich gesehen solide umgesetzt, aber einer genaueren Betrachtung hält dieser Eindruck nicht stand. Innovative Ideen jedweder Art sucht man hier vergebens - aber nicht das man etwa mit derartigem gerechnet hätte. "AMYF" ist wieder einmal konservativer Massen-HipHop, der vor allem versucht authentisch und sozialkritisch zu sein. Doch es bleibt bei dem bloßen Versuch, und er bedient sich stattdessen nur ständig der gängigen Klischees, die er mit recht einfallslosen Wortspielen zu kaschieren versucht. Das ist dann perfekte Musik für den pubertierenden RTL-Junkie - sozusagen eine Vertonung von "Mitten im Leben". Und das er hier auch tatsächlich einen Song über selbige pseudo-dokumentarische RTL-Freakshow verewigt hat, ist dann wenigstens konsequent. Und sagt über das Album mehr aus als tausend Worte.


Dienstag, 16. Oktober 2012

Besprochen: TAME IMPALA - "LONERISM"

Vorsicht Suchtgefahr: Mit ihrem zweiten Album liefern Tame Impala den Stoff, aus dem LSD-Träume sind.

Die australische Band Tame Impala, die ja im Grunde genommen ein Ein-Mann-Projekt von Bandleader Kevin Parker darstellt, welcher eine lose Ansammlung von Gastmusikern um sich scharrt, hat schon vor 2 Jahren mit ihrem famsoen Debüt "Innerspeaker" unter Beweis gestellt, dass sie modernen und doch vergangenheitsbewussten Psychedelic-Rock aus dem Effeff beherrschen. Und auch eine ihnen immer wieder unterstellte Nähe zu den Beatles und besonders John Lennon, ist nicht von der Hand zu weisen. Letzteres macht Parker mit seiner Crew nun auch auf dem gemeinsamen zweiten Album "Lonerism" deutlich - ohne dabei aber ein Album provoziert zu haben, dass auch den Schaffensphasen besagter Künstler entsprungen sein könnte. All das was hier passiert, wäre seinerzeit natürlich nicht möglich gewesen - und auch ob es selbigen in einer fiktiven Zukunft hätte möglich sein können, wäre eher ein Fall für hartnäckige Musikphilosophen. Die Einflüsse von Beatles/Lennon sind hier jedoch unüberhörbar, von Tame Impala um allerlei wunderbare, bedrogte und herrlich bekloppte Ideen erweitert - bis am Ende so etwas erhabenes wie "Lonerism" dabei heraus kam. Und ihr zweites Werk funktioniert gar noch tadelloser als ihr eh bereits gelungenes Debüt - noch runder, noch fesselnder und eindringlicher kommt die neue Scheibe daher. Gespickt mit noch brillanteren Melodien, verpackt in noch exzellentere Songs. Hungrig auf das neue Material machten bereits vorweg bekannte Stücke, wie etwa das psychedlisch verwunschene "Apocalypse Dream" (♪♫♪), oder die von schillernden 60s-Orgeln durchdrungene Psych-Rock-Single "Elephant".


Sie legten erstes Zeugnis davon ab, was mit "Lonerism" nun folgt: eine bewusstseinserweiternde Psychedelic-Wundertüte, die allerlei herrliche Überraschungen zu bieten hat. Schon mit dem Opener "Be Above it" (♪♫♪) heben sie sofort ab, und scheinen eine Art Beatles aus einer anderen Galaxie anzusteuern. Mit "Endors Toi" (♪♫♪) unternehmen sie einen Trip in melodische, aber dennoch ordentlich bedrogte Sphären, "Mind Mischief" (♪♫♪) gleitet auf leicht bratzenden Gitarren und wunderbar harmonischem Gesang des Weges, "Feels Like We Only Go Backwards" (♪♫♪) gibt ein weiteres melodieverliebtes und im Detail hübsch schräges Highlight zum Besten, wie aus dem Nichts starten sie dann direkt in das famos orgelnde "Keep on Lying" (♪♫♪), und krönen das Album mit der melancholischen Psych-Pop-Ballade "Sun's Coming Up" (♪♫♪). Ein nahezu tadelloses Album ist der Band hier wieder einmal gelungen, das man sich aber einfach besser anhören sollte, anstatt lange und ausschweifend darüber zu philosophieren. Denn Kevin Parker & Co. laden hier zu einem kunterbunten Trip ein, der sich allemal lohnt. Aber Vorsicht: es besteht akute Suchtgefahr!