♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

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Freitag, 19. Oktober 2012

Besprochen: BUSHIDO - "AMYF"

Der selbsternannte Staatsfeind No.1 hat ein neues Album gemacht, das er vor allem mit seinem gewaltigen Ego füllt - aber am Ende bleibt dann doch nur heiße Luft.

Es gibt so manche Platte, für die sich auch ein Musik-Blogger zu schade ist. Prinzipiell zählt eigentlich auch Bushido dazu - doch was macht man nicht alles, um seinen Lesern einen Gefallen zu tun. So entsteht diese Rezension eigentlich nur auf einen direkten Wunsch - nicht das noch irgend jemand auf den Gedanken kommt, dass ich mir solche Musik freiwillig anhören würde. Man hat ja schließlich einen Ruf zu verlieren und so. "AMYF" heißt also das neue Album von Bushido, welches die Initialen seines bürgerlichen Namens Anis Mohammad Youssef Ferchichi darstellt. Und wie der Titel schon vermuten lässt, gibt es für Bushido auch hier vor allem ein Thema: natürlich er selbst. Erneut nutzt der Rapper tunesischer Herkunft das Album als Projektionsfläche für sein offenbar gewaltiges Ego. Das kann manchmal durchaus Sinn machen. Man nehme etwa seinen amerikanischen Rapper-Kollegen Kanye West. Auch er besitzt ein ohne Frage monströses Ego - doch wer so grandiose Arbeit leistet wie er, der hat sich solch ein Ego auch vollauf verdient. Das allerdings Bushido den deutschen Rap gerettet haben will, das glaubt wohl vor allem nur er selbst. Doch das ist Grund genug für ihn, sich auf "AMYF" immer wieder selbst abzufeiern. Mal weiß er in "Selbst ist der Mann" schon gestern was am Freitag in der Bravo steht (was ja nun mal auch von immenser Relevanz ist), verklärt sich gleich darauf selbst als "Lebende Legende", macht in "Ihr habt mich gemacht" ein wenig auf wehleidig, nur um sich gleichzeitig zum Spiegel unserer Gesellschaft zu erklären, macht auf "Untergrund 2" in Tateinheit mit Eko Fresh wieder mal einen auf gewaltig dicke Hose, oder sieht auf den Straßen nur noch sonnenbankgebräunte "Kleine Bushidos", die alle so sein wollen wie er (Gott bewahre!!!).   


Das er sich in "Hass" dann mal mit etwas wichtigeren Themen wie der Neonazi-Szene auseinander setzt, ohne dabei allerdings nur den Ankläger zu spielen, sondern wenigstens versucht die Wurzeln des Problems zu finden, stimmt einen dann kurzweilig optimistischer. Aber solche ziemlich schmierigen Pseudo-Balladen wie "Euer bester Feind", in der er sich lautstark über eben das Medien-Image aufregt, das er sich in den vergangenen Jahren selbst systematisch und absichtlich erarbeitet hat, machen das Dilemma perfekt. Ach ja, und der nächste Bürgermeister von Berlin wird er natürlich trotzdem. Musikalisch ist das ganze zwar oberflächlich gesehen solide umgesetzt, aber einer genaueren Betrachtung hält dieser Eindruck nicht stand. Innovative Ideen jedweder Art sucht man hier vergebens - aber nicht das man etwa mit derartigem gerechnet hätte. "AMYF" ist wieder einmal konservativer Massen-HipHop, der vor allem versucht authentisch und sozialkritisch zu sein. Doch es bleibt bei dem bloßen Versuch, und er bedient sich stattdessen nur ständig der gängigen Klischees, die er mit recht einfallslosen Wortspielen zu kaschieren versucht. Das ist dann perfekte Musik für den pubertierenden RTL-Junkie - sozusagen eine Vertonung von "Mitten im Leben". Und das er hier auch tatsächlich einen Song über selbige pseudo-dokumentarische RTL-Freakshow verewigt hat, ist dann wenigstens konsequent. Und sagt über das Album mehr aus als tausend Worte.


Dienstag, 16. Oktober 2012

Besprochen: TAME IMPALA - "LONERISM"

Vorsicht Suchtgefahr: Mit ihrem zweiten Album liefern Tame Impala den Stoff, aus dem LSD-Träume sind.

Die australische Band Tame Impala, die ja im Grunde genommen ein Ein-Mann-Projekt von Bandleader Kevin Parker darstellt, welcher eine lose Ansammlung von Gastmusikern um sich scharrt, hat schon vor 2 Jahren mit ihrem famsoen Debüt "Innerspeaker" unter Beweis gestellt, dass sie modernen und doch vergangenheitsbewussten Psychedelic-Rock aus dem Effeff beherrschen. Und auch eine ihnen immer wieder unterstellte Nähe zu den Beatles und besonders John Lennon, ist nicht von der Hand zu weisen. Letzteres macht Parker mit seiner Crew nun auch auf dem gemeinsamen zweiten Album "Lonerism" deutlich - ohne dabei aber ein Album provoziert zu haben, dass auch den Schaffensphasen besagter Künstler entsprungen sein könnte. All das was hier passiert, wäre seinerzeit natürlich nicht möglich gewesen - und auch ob es selbigen in einer fiktiven Zukunft hätte möglich sein können, wäre eher ein Fall für hartnäckige Musikphilosophen. Die Einflüsse von Beatles/Lennon sind hier jedoch unüberhörbar, von Tame Impala um allerlei wunderbare, bedrogte und herrlich bekloppte Ideen erweitert - bis am Ende so etwas erhabenes wie "Lonerism" dabei heraus kam. Und ihr zweites Werk funktioniert gar noch tadelloser als ihr eh bereits gelungenes Debüt - noch runder, noch fesselnder und eindringlicher kommt die neue Scheibe daher. Gespickt mit noch brillanteren Melodien, verpackt in noch exzellentere Songs. Hungrig auf das neue Material machten bereits vorweg bekannte Stücke, wie etwa das psychedlisch verwunschene "Apocalypse Dream" (♪♫♪), oder die von schillernden 60s-Orgeln durchdrungene Psych-Rock-Single "Elephant".


Sie legten erstes Zeugnis davon ab, was mit "Lonerism" nun folgt: eine bewusstseinserweiternde Psychedelic-Wundertüte, die allerlei herrliche Überraschungen zu bieten hat. Schon mit dem Opener "Be Above it" (♪♫♪) heben sie sofort ab, und scheinen eine Art Beatles aus einer anderen Galaxie anzusteuern. Mit "Endors Toi" (♪♫♪) unternehmen sie einen Trip in melodische, aber dennoch ordentlich bedrogte Sphären, "Mind Mischief" (♪♫♪) gleitet auf leicht bratzenden Gitarren und wunderbar harmonischem Gesang des Weges, "Feels Like We Only Go Backwards" (♪♫♪) gibt ein weiteres melodieverliebtes und im Detail hübsch schräges Highlight zum Besten, wie aus dem Nichts starten sie dann direkt in das famos orgelnde "Keep on Lying" (♪♫♪), und krönen das Album mit der melancholischen Psych-Pop-Ballade "Sun's Coming Up" (♪♫♪). Ein nahezu tadelloses Album ist der Band hier wieder einmal gelungen, das man sich aber einfach besser anhören sollte, anstatt lange und ausschweifend darüber zu philosophieren. Denn Kevin Parker & Co. laden hier zu einem kunterbunten Trip ein, der sich allemal lohnt. Aber Vorsicht: es besteht akute Suchtgefahr!

Montag, 15. Oktober 2012

Besprochen: LENA MEYER-LANDRUT - "STARDUST"

Da geht was: Wider Erwarten werden Lena und ihre Musik auf Album No.3 endlich erwachsen.  

Ach ja, die gute "alte" Lena Meyer-Landrut. Eigentlich hatte ich keine allzu große Lust, mich für die zwar nicht unsympathische, aber auch nicht gerade übermäßig talentierte Lena Meyer-Landrut zu einer Rezension aufzuraffen. Ja gut, sie hat uns 2010 nach 28 Jahren wieder mal einen (haushohen) Sieg beim Eurovision Song Contest einbegracht - und sie offenkundig NICHT zu mögen, kam eine Zeit lang für die Mehrheit der Deutschen fast einem größeren Vaterlandsverrat gleich, als das öffentliche verbrennen unserer Nationalflagge. Aber auf den direkten Wunsch einer Leserin hin, werde ich mich nun einmal ihrem neuen und 3. Album "Stardust" widmen. Ja, und schon die erste Single selben Titels, zeigte sich als eine gar nicht so üble Nummer. Klingt nicht allzu deutsch, und hätte auch durchaus international Chancen - würde einem hier nicht ihr doch recht dünnes Stimmchen auffallen. Das macht "Stardust" zu einem schön Liedchen, aber auch nicht viel mehr.


Lobend erwähnen ließe sich hier jedoch, dass es ihr erstes Album darstellt, mit dem Stefan Raab nichts zu tun hat. Hatte ihr musikalischer Ziehvater nahezu die kompletten beiden Vorgänger produziert, fand hier ein deutlicher Wechsel statt. Auf "Stardust" teilten sich Swen Meyer, der in der Vergangenheit viel mit Tomte, Kettcar oder den Kilians arbeitete, und Sonny Boy Gustaffson der schwedischen Rockband Captain Murphey, die Arbeit hinter den Reglern. Und das macht ihren Sound auch gleich einen Deut reifer. Und die beteiligten haben hier auf Albumlänge gar keine schlechte Arbeit geleistet. Es fällt eigentlich nichts negativ auf, es begegnen einem hier immer wieder hübsche Melodien, eingebettet in stets stimmungsvolle und warme, aber nie zu einfalls- oder lieblose Arrangements. Positiv stechen dabei vor allem der wahrhaft hittaugliche (irgendwie an Florence & The Machine erinnernde) Piano-Pop "I'm Black" (♪♫♪), das melodische und stimmungsvolle "ASAP" (♪♫♪) im Duett mit der schwedischen Sängerin Miss Li, die warme und vom Country geküsste Ballade "Goosebumps" (♪♫♪), das soft jazzig-bluesige "Neon (Lonely People)" (♪♫♪), oder das Kate Nash nicht unähnliche "Better News" (♪♫♪) hervor. Und gerade das mehrmalige Hören überzeugt noch ein wenig mehr von dem was hier so passiert. Lena wird auf ihrem neuen Album wider Erwarten vor den Ohren des Hörers erwachsen. Und vor allem das Fehlen von Stefan Raab scheint der jungen Dame musikalische Dimensionen zu eröffnen, mit denen die meisten Hörer (den Autor dieser Zeilen eingeschlossen) nicht gerechnet hätten. Denn Lena macht hier eine erstaunlich gute Figur, was durchaus Neugierig darauf macht, was da in Zukunft noch möglich sein könnte. Dadurch ist "Stardust" zwar noch kein ausgesprochenes Highlight des Jahres 2012, aber definitiv ein wesentlich besseres Album als man erwartet hätte. Da geht was.

Sonntag, 14. Oktober 2012

Besprochen: BRANDY - "TWO ELEVEN"

 Brandy's erstes Album nach 4 Jahren ist durchaus nicht zu verachten - zielt am Ende aber doch zu sehr auf den amerikanischen Massengeschmack.

Was hatte die Karriere von Brandy doch einst für viel versprechende Dimensionen angenommen: Ende der 90er gelang ihr gemeinsam mit Monica der weltweite No.1-Hit "The Boy Is Mine", was das Interesse an der Dame auch hierzulande enorm steigerte. Anfang der 00er gelang ihr dann mit ihrem Cover des Phil Collins-Song "Another Day In Paradise" ein weiterer Hit - aber dann war erst mal Ruhe im Karton. Zumindest was ihren Erfolg in Deutschland angeht. Das änderte auch ihr famoses 2004er Album "Afrodisiac", oder ihr tolles letztes Album "Human" (2008) nicht grundlegend. Was äußerst schade ist, entgingen den meisten hiermit zwei äußerst gelungene RnB/Pop-Platten, gegen die manch erfolgreichere Kollegin qualitativ einpacken konnte. 4 Jahre später ist nun auch endlich ihr neues und 7. Studioalbum "Two Eleven" erschienen - und das war keine leichte Geburt. Kurz nach ihrem letzten Album verließ sie ihr Label Epic und wechselte zu RCA. Die Arbeiten am Album begannen bereits 2009, wurden aber erst nach 3 Jahren zu Ende gebracht, worauf hin das Veröffentlichungsdatum vom März diesen Jahres öfters aufgeschoben wurde- doch nun hat sie es ja endlich geschafft. Und es ist auch vom Sound ein recht deutlicher Wandel gegenüber dem Vorgänger zu bemerken. Der popige Grundton von "Human" weicht hier einer verstärkten Rückkehr zum RnB. Allerdings nicht ganz von der Sorte und Qualität, wie man dies etwa auf "Afrodisiac" zu hören bekam. Aber: Brandy stellt sich dennoch alles andere als blöd an. Der erste Vorbote des Albums mag auf den ersten Blick noch etwas zwiespältige Gefühle provoziert haben, doch "Put It Down", das im Duett mit Chris Brown entstand, ist ein durchaus catchy RnB-Floorfiller, der zwar nicht für die Ewigkeit gemacht ist, aber im Hier und Jetzt durchweg Spaß macht, und in den westlichen RnB-Charts einige Erfolge aufweisen kann. 



Und auch die zweite Single "Wildest Dreams" (♪♫♪) mag einem zu Anfang nicht gerade den Schalter raus hauen, mausert sich jedoch bald zu einer warmen und mit einer feinen Melodie ausgestatteten Midtempo-RnB-Ballade. Das Album hat aber noch ein paar andere kleine Highlights zu bieten. Das schafft sie vor allem mit den ruhigeren Klängen. So etwa mit der warmen, vom RnB geküssten Ballade "No Such Thing As Too Late" (♪♫♪), der romantischen, melodischen und soft an die späte Whitney Houston gemahnenden Perle "Without You" (♪♫♪), dem getragenen und atmosphärisch-schönen "Hardly Breathing" (♪♫♪), dem wunderbaren und von Frank Ocean mit komponierten "Scared of Beautiful" (♪♫♪), oder dem auf schicken Beats daher treibenden "Paint This House" (♪♫♪). Die schnelleren Nummern sind hier sehr rar gesät, und werden (neben der ersten Single) am ehesten mit dem eher mittelmäßig produzierten "Let Me Go" (♪♫♪) bedient. Im allgemeinen ist "Two Eleven" keine üble Angelegenheit. Nur hört man dem Album leider trotzdem seine schwierige und langwierige Entstehung an. Natürlich ist es ein Mainstream-Album, wo zu hoch gesteckte Erwartungen eh fehl am Platz sind. Wie man sehen kann, bringt es ja so manch gelungenen Song mit. Und dennoch ist es der Gesamteindruck, der hier nicht so recht zünden will. Nur ein knappes Jahr nach der Veröffentlichung ihres letzten Album "Human" sagte Brandy in einem Interview über selbiges: "To hell with that album." Schade, denn es war im direkten Vergleich das bessere Album. "Two Eleven" ist hingegen eine wirklich solide Leistung, mit der sie aber streckenweise zu sehr darauf bedacht ist, dem amerikanischen Massengeschmack zu entsprechen - ein bisschen mehr Mut hätte man sich dann doch gewünscht.



Samstag, 13. Oktober 2012

Besprochen: TORI AMOS - "GOLD DUST"

Mit ihrem neuen Orchester-Album liefert Tori Amos solides Material für den Weihnachtsbaum - aber nicht unbedingt viel mehr.

Es ist ja immer eine recht leidliche Angelegenheit, wenn alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit von der Musikindustrie erneut perfektes Material für unterm Weihnachtsbaum in die Musikwelt geblasen wird. Wenn sie sich gerade mal nicht zu lieblos zusammen gestellten Best-Of's, diversen Box-Sets oder Editionen erfolgreicher Alben herab lassen, dann müssen eben oft auch Platten mit neu aufgenommenen Versionen der eigenen Klassiker für das Weihnachtsgeschäft herhalten. Ob nun bei jedem Release dieser Art immer nur der wirtschaftliche Faktor überwiegt, darüber kann man sich mit Sicherheit streiten. Auffällig ist aber dennoch die Masse jener Platten, die ausgerechnet stets im letzten Jahresquartal den Markt überspülen. In dieser Weihnachtssaison mit dabei: die Fanta 4 mit ihrem zweiten Unplugged-Album, Patrick Wolf mit Akustikversionen seiner Klassiker, und selbiges Schema als Orchesterversionen von Kylie Minogue - und Tori Amos. Letztere hat gerade "Gold Dust" auf den Markt geworfen. Hier hat sie 14 selbst ausgewählte Klassiker ihrer bisherigen Karriere mit Orchester neu aufgenommen. Der Sinn dahinter soll der sein, dass sie sich durch ihr erstes rein orchestrales Konzert dadurch inspiriert fühlte - was aber auch schon mehr als 2 Jahre zurück liegt. Doch distanzieren wir uns mal vom Zeitpunkt der Veröffentlichung, und kümmern uns lieber um das, was am Ende ganz alleine zählt: die Musik! Und die ist - wie von Tori Amos wohl nicht anders zu erwarten - von beständig hoher Qualität. Handwerklich, stimmlich und emotional sitzt hier alles. Und auch das Orchester geht einem nie auf die Nerven - was ein gehöriges Plus bei einer solchen Angelegenheit darstellt. Zu oft beglücken uns derartige Alben mit klebrigen Orchester-Klängen aus der Dose - was man aber von Tori Amos schon im Vorfeld nicht erwarten konnte und durfte. Dabei sind sogar ein paar Kontraste zu den Originalen drin, auch wenn diese eher zaghaft, aber gelungen ausfallen. So das wunderbare "Yes, Anastacia", welches etwa um die Hälfte seiner ursprünglichen Länge beschnitten wurde, und mit ein paar mehr majestätischen Spitzen versehen wurde. 


Ein paar seltene weitere Beispiele dafür kann man noch ausmachen. "Precious Things" (♪♫♪) erlebt einen Hauch mehr Dramatik, und "Star of Wonder" zeigt sich mit zeitweilig etwas pompöserer Ausstattung. "Gold Dust" ergibt im Ganzen eine vorhersehbar runde und  stimmige Platte, die das Konzept der orchestralen Umdeutung ihrer Klassiker durchweg sehr solide umsetzt. Doch am Ende einer jeden Platte dieser Art, stellt man sich dann doch die stets quälende Frage: wie viel Sinn macht so etwas nun wirklich? Da sich hier vieles nur im Detail von seinen Originalen unterscheidet, hätte man sich stattdessen wohl lieber einen Mitschnitt eines orchestralen Live-Konzertes gewünscht, das mit der zusätzlichen Magie der Live-Aura hätte punkten können. Trotz der qualitativ hochwertigen Neuinterpretation muss auch hervorgehoben werden, dass für ungeübte Hörer der großen Dame, der Besitz der Originale von weitaus größerer Bedeutung wäre. Aber eine Fehlinvestition stellt "Gold Dust" deshalb trotzdem nicht zwingend dar. Ob man jetzt sein Geld unbedingt darin investieren möchte, das muss jeder für sich entscheiden - aber unterm Weihnachtsbaum würde man es wohl dennoch gerne wieder finden.



Sonntag, 7. Oktober 2012

Ausgegraben: SOLANGE KNOWLES - "SOL-ANGEL & THE HADLEY ST. DREAMS"

Aus Vorfreude auf ihr kommendes drittes Album hier ein Rückblick darauf, wie Solange Knowles - von der Welt nahezu unbemerkt - mit ihrem 2008er Zweitwerk ihre ältere Schwester Beyoncé locker in die Tasche steckte.

Man hat es nicht immer leicht, wenn man als Musiker stets im Schatten eines berühmten Verwandten steht. Das musste schon so manch einer erfahren - so auch Solange Knowles, die kleine Schwester der US-RnB-Queen Beyoncé Knowles. Hatte das bei ihrem 2002er Debüt "Solo Star" noch durchaus seine Berechtigung, so sollte sich dies mit ihrem 2008er Zweitwerk "Sol-Angel And The Hadley St. Dreams" schlagartig ändern. Zwar verdingt sie sich bis heute in einer  künstlerischen Existenz, die wohl eher einer recht überschaubaren Gruppe bekannt sein dürfte, doch was sie hier musikalisch ablieferte, war um Längen besser als alle Alben ihrer großen Schwester zusammen genommen. Das hört sich übertrieben an? Nun gut - betrachten wir mal die musikalischen Leistungen von Beyoncé genauer: Zwar ist sie immer wieder für waschechte Hits zu haben, doch auf Albumlänge konnte sie bisher höchstens auf ihrem letzten Album "4" überzeugen, welches aber auch noch deutlich hinter dieser zweiten Platte ihrer kleinen Schwester zurück bleibt. Denn der künstlerische Ansatz ist bei Solange ein völlig anderer. Auf "Sol-Angel & The Hadley St. Dreams" fixiert sie sich nicht wie ihre Schwester auf eine Ansammlung unterschiedlicher Songs, auf der sie eine handvoll Hits mit durchschnittlichem Füllmaterial auf Albumlänge streckt. Nein, das gesamte Album durchzieht ein roter Faden, der sich deutlich am Motown, Soul und R&B der 60er und 70er orientiert. Und Elemente dieser musikalischen Phasen, verbindet sie hier spielerisch mit modernen Auszügen aus Pop, RnB und Dance - spart sich aber gänzlich die Ausflüge in den HipHop. Hier versucht niemand seiner großen Schwester nach zu eifern, sondern versucht auf den eigenen Füßen zu stehen. Und etwas besseres hätte ihr fürwahr nicht einfallen können. Schon die erste Single dieses Albums verdeutlichte dies, und hätte eigentlich ein Welthit werden müssen: "I Decided" heißt die Nummer, und begeistert auch 4 Jahre später noch immer als fabelhafter und stark 60s-infizierter Soul-R&B-Ohrwurm, der Handclaps aus "Where Did The Love Go" von The Supremes sampled, und zudem auf der Melodie aus "(Love is lke a) Heatwave" von Martha and the Vandellas basiert. 


Solange -- I Decided - MyVideo


 "T.O.N.Y." (♪♫♪), die dritte Single der Platte, empfiehlt sich als catchy Soul-Perle, die den Hörer unnachgiebig, aber behutsam auf die Tanzfläche lockt. "Dancing In The Dark" (♪♫♪) beschert uns federleichten, und dennoch funky in die Glieder fahrenden Soul-Pop, der sich hervorragend an einem Sample aus Heinz Kiessling's 1960er "Feeling Young" bedient. "Would've Been The One" (♪♫♪) sorgt mit hervorstechender Melodie und leidenschaftlichem Stimmeinsatz für ein stimmungsvolles Highlight, das sich vor Größen der 60er und 70er nicht verstecken muss. Auch "Sandcastle Disco" (♪♫♪) - welch herrlicher Titel allein schon - punktet als fabelhafter und souliger 60s-Pop, der so unwiderstehlich daher kommt wie mundwarmer Karamellpudding. Und mit "This Bird" (♪♫♪) taucht sie in sphärische, psychedelische und gewohnt großartige Soul-Sphären ein, die auch einer Erykah Badu nicht unbekannt sind. Ganz andere, sich hier aber erstaunlich genial einfügende Saiten, schlägt sie dann in "Cosmic Journey" (♪♫♪) an, das sie im Duett mit Bilal vorträgt: angefangen als schillernde, von hypnotischen Klängen und soften Beats getragene Pop-Perle, die sich etwa ab der Hälfte in eine mitreißende und spacige Dance-Hymne wandelt. Wie sie hier dem guten alten Soul, Funk und R&B der 60er und 70er Jahre abklappert, und all dem mit "Sol-Angel & The Hadley St. Dreams" eine modernes Denkmal setzt, das kann einen auch heute noch immer ein wenig sprachlos machen. So ist ihr hier etwas gelungen, was ihrer Schwester noch nie glückte: ein großartiges Album, das noch sehr, sehr lange begeistern wird. Lange war es seitdem ruhig um die Dame geworden - doch gerade erschien die erste Single "Losing You" (♪♫♪) ihres für Anfang 2013 geplanten 3. Albums - und damit ist sie nun erfolgreich in den 80ern angekommen, hat dabei eine Menge von Madonna gelernt, haucht dem Song aber mehr Anspruch ein, als der Pop seinerzeit gemeinhin zuließ. Und das macht Hoffnungen, dass auch ihrer nächster Streich wieder ein Volltreffer werden könnte. Doch bis es endlich soweit ist, ergötzen wir uns noch ein wenig an "Sol-Angel & The Hadley St. Dreams" - und das am besten immer und immer wieder.



Freitag, 5. Oktober 2012

Besprochen: ELLIE GOULDING - "HALCYON"

Nach ihrem gefeierten Debüt vor 2 Jahren, schickt Ellie Goulding nun ihr wahrhaft gelungenes Zweitwerk hinterher, das ihren guten Ruf im zeitgenössischen Pop noch fester zementieren wird.

Vor 2 Jahren war Ellie Goulding mit ihrem Debüt "Lights" eine kleine Pop-Sensation in Großbritannien sicher. Ein äußerst schickes Erstlingswerk, das so manch ein Kritiker in die Sphären des Folktronica schmiss, und auch über die einst laufende Pop-Saison hinaus überzeugen konnte. 2 Jahre sind seitdem vergangen, da steht nun Miss Gouldings 2. Album ins Haus. Nachdem sie beim Vorgänger mit Produzent Starsmith arbeitete, nahm sie bei der neuen Platte "Halcyon" nun Jim Eliot von der britischen Elektropop-Band Kish Mauve bei der  Hand. Stilistisch verändert dies manches, wenn auch nicht gravierend. Die soft folkigen Klänge sind nahezu verschwunden, wobei diese beim Debüt schon nicht allzu stark heraus gearbeitet waren. So bietet sich für "Halcyon" nun nicht mehr der Ausdruck "Folktronica" an, sondern wäre mit Synth- oder Dance-Pop besser benannt. Doch das sind nur Details. Denn auch bei ihrem zweiten Versuch stellt sich Ellie Goulding alles andere als blöd an. Sie verschreibt sich hier dem was sie am besten kann (genannt "Pop"), vermischt dies aber mit verschiedenen sanften oder auch stärkeren Einflüssen der zeitgenössischen Musikkultur, ohne sich aber damit anzubiedern. Eher erweckt es den Eindruck, als wenn sie hier den Zeitgeist der Pop-Musik der Gegenwart einfängt, und daraus ein paar knackige, oft auch nicht unspannend produzierte Hits dreht. Als erster Vorbote kam bereits im August die Single "Anything Could Happen" daher. Ein ohne Frage guter Dance-Pop-Song, der aber keine zu großen Versprechungen macht. Aber eine gute Taktik: mit einer eher "okayen" Single keine zu hohen Erwartungen schüren, um dem ein im Ganzen deutlich besseres Album folgen zu lassen.


Und eben dieses "deutlich bessere" Album ist "Halcyon" durchaus geworden. Betrachten wir nur einmal den Opener "Don't Say a Word" (♪♫♪): die ersten 1 1/2 Minuten hat man das Gefühl es mit einen typischen (und guten) Album-Intro zu tun zu haben. Doch dann kriegt das Stück mehr Substanz, ehe es sich zum echten und fabelhaften Song entwickelt, der gen Ende nochmal mit soften Synthesizern  geschmückt wird. "My Blood" (♪♫♪) kann sich als soft-bombastische und leidenschaftliche, von Florence & The Machine nicht allzu weit entfernte Pop-Perle behaupten, die man sich allzu gerne gefallen lässt. "Only You" (♪♫♪) bietet einen elektronisch angereicherten, flotten Pop-Ohrwurm, der auf simplen, aber wirkungsvollen Gesangssamples reitet; im fabelhaften und mitreißend melodischen "Figure 8" (♪♫♪), meint man in den explodierenden Refrains beinah eine leise Ahnung von dem zu erhaschen, was die Welt seit Skrillex unter Dubstep versteht. Aber eben auf die sanfte Art und Weise, die dem Song wunderbar zu Gesicht steht. "JOY" (♪♫♪) weist sich als ganz zarte, warme und romantische Ballade aus, in der sie sich mehrheitlich von Piano, Streichorchester, Chor und pulsierenden Beats begleiten lässt - kann man so stehen lassen. Mit "Hanging On" (♪♫♪) hingegen kann man hier auch ein Cover finden, das ursprünglich von der britischen Band Active Child stammt, und im vergangenen Jahr erschien. Sicherlich kann Goulding dem atemberaubenden Original hier nicht bei kommen, doch sie interpretiert ihn mehr als solide, und schneidert ihn sich auf ihre eigenen Maße zurecht. Und "Explosion" (♪♫♪) ist wieder so eine Ballade der jungen Dame, die man anfangs noch als eher durchschnittlich schelten will - ehe einem der Refrain aber dann mitten ins Herz kriecht. 
Die Musik von Ellie Goulding ist halt oft mehr, als sein erster flüchtiger Eindruck preisgeben mag. Natürlich sollte man nicht anfangen, all das künstlerisch größer und wichtiger zu reden, als es in der Tat ist - und "Halcyon" ist nun mal eine POP-Platte, nicht mehr und nicht weniger. Aber eben eine wirklich gute.