♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

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Freitag, 21. September 2012

Besprochen: NO DOUBT : "PUSH AND SHOVE"

Masterbänder vertauscht? Das Comeback von No Doubt klingt beinah wie ein wirklich gutes neues Soloalbum ihrer Frontfrau Gwen Stefani. Hervorragender Pop, ohne Frage. Ein neues Album ihrer Band, hat man sich dann aber irgendwie doch ein wenig anders vorgestellt.

Immer und überall, wenn ein einigermaßen bekannter Musiker mit einem neuen Album daher kommt, ist die Presse schnell mit dem Wort "Comeback" bei der Hand. Auf No Doubt trifft dies ausnahmsweise auch wirklich zu. Ganze 11 Jahre mussten Fans der Band auf ein neues Album warten. Wobei ja all die Jahre nicht einmal sicher schien, ob es überhaupt ein neues Album des Quartetts geben würde. Das letzte (und hervorragende) Album "Rock Steady" erschien im Jahr 2001, und mit ihrem Talk Talk-Cover "It's My Life" und der dazugehörigen Best-Of "The Singles 1992 - 2003", verabschiedete sich die Band im Jahr 2003 dann vorerst endgültig. Was danach kam, dürfte manch einen Fan der früheren Tage dann doch etwas irritiert haben. Frontfrau Gwen Stefani begann mit den (erstaunlich guten) Alben "Love. Angel. Music. Baby" (2004) und "The Sweet Escape" (2006) eine höchst erfolgreiche Solo-Karriere, die sich vor allem in handfestem Dance- und Synthie-Pop abspielte, und entwickelte sich des weiteren  zur umfeierten und umschwärmten Mode- und Stil-Ikone. Doch das durfte man ihr keineswegs übel nehmen. Auch wenn No Doubt immer stark im Ska und Alternative-Rock verwurzelt waren, so warfen sie sich spätestens auf ihrem bereits erwähnten letzten Album endgültig dem Pop in die Arme. Deswegen erwarten einen auf ihrem lang ersehnten, und nun endlich Realität gewordenen neuen Album "Push And Shove", auch keine astreinen Alternative-Rock-Stücke. Anfangs kommt der Verdacht auf, dass No Doubt hier dort ansetzten, wo sie einst aufgehört hatten. Das bestärkten sie auch gleich mit der ersten Single "Settle Down": ein Kracher von einem Song, der sich irgendwo zwischen Pop, New Wave und Ska bewegt. Warum dieser nicht weltweit mindestens in den Top 5 der Charts Wurzeln schlug, ist einem allerdings noch immer unbegreiflich. 

No Doubt - Settle Down von universalmusicdeutschland

Eine Rückkehr zu den rockigeren Klängen, wie sie auf der Mehrzahl der Alben der Band zu hören waren, wird auch hier nicht vollzogen. Das was man mit dem typischen Sound der Band assoziiert, findet man hier eher in den Details wieder. So wie dies etwa in der fabelhaften neuen Single, und gleichzeitig dem Titelsong "Push And Shove" (♪♫♪) zu hören ist. Auch im angerockten Synth-Pop-Ohrwurm "Looking Hot" (♪♫♪) kommt dies hübsch zur Geltung - vor allem wenn sie in der Bridge mit Einflüssen aus Raggae und Ska auftrumpfen. Ebenso auch in Nuancen des hübsch melodieverliebten Pop-Ohrfängers "One More Summer" (♪♫♪), der fabelhaften Raggae-Ska-Pop-Nummer "Sparkle" (♪♫♪)  oder dem vom Country geküssten Tearjerker "Undone" (♪♫♪) zu hören. Der Großteil des neuen Albums, klingt dann aber fast mehr nach einer neuen Soloplatte von Gwen Stefani, denn nach einem Bandalbum. Und schuld sind mal wieder die bösen Erwartungen: war die Band zwar schon unlängst beim beinah lupenreinen Pop angekommen, bewahrte sie sich doch immer wieder eine gewisse Eigenwilligkeit, die noch auf "Rock Steady" durch alle Ritzen drang. Doch auf "Push And Shove" hat sich die Band überwiegend einen geschmackvollen und kuscheligen Wohlfühl-Sound verordnet, der auf Songs wie den wunderbar schunkelnden Ohrwürmchen "Easy" (♪♫♪) oder "Gravity" (♪♫♪), dem schicken Synthpop-Song "Undercover" (♪♫♪), oder dem warmen und melodischen Albumcloser "Dreaming The Same Dream" (♪♫♪) gut zur Geltung kommen.
Sicherlich sind ihnen hier ein paar wirklich tolle und unterhaltsame, manchmal gar schmachtende Pop-Songs gelungen, die auch von Totalausfällen gänzlich verschont bleiben. Die jüngeren Fans, die erst bei Gwen Stefani's Solokarriere eingestiegen sind, können und dürfen sich hier freudig die Hände reiben. Als Fan der früheren Tage, wird sich beim neuen Album aber eine gewisse Ernüchterung breit machen. Man muss hier nicht nur oft förmlich nach Gitarren suchen, auch die Eigenwilligkeit und kleinen schrägen Aussetzer, die quasi zum Alltag der Band gehörten, und entscheidend zu ihrem Klangcharakter beitrugen, sind auf der neuen Platte oft beinah verschwunden. Ja, man wird zudem den Verdacht nicht los, dass sogar die erwähnten Solowerke mehr kleine Skurrilitäten zu bieten hatten. Aber wiederum auch keine besseren Songs. So kann man auf "Push And Shove" ohne Frage seinen Spaß haben - wer guten Pop mag, wird hier mit Sicherheit voll auf seine Kosten kommen. Doch ein neues Album von No Doubt, hat man sich dann irgendwie doch ein wenig anders vorgestellt. 





Donnerstag, 20. September 2012

25th Anniversary: MICHAEL JACKSON - "BAD 25"

 Zum 25. Geburtstag alles Gute: im Zuge der lukrativen Verwaltung vom Nachlass des King of Pop, entstand eine Jubiläums-Ausgabe zum "Bad"-Album, die fast durchweg Sinn macht.

Welch ein enormer Erfolgs- und Leistungsdruck auf Michael Jackson getastet haben muss, als er an dem Nachfolger seines Meilensteins "Thriller" aus dem Jahr 1983 arbeitete, kann man sich wohl kaum vorstellen. Bis heute als das wohl  erste perfekte Pop-Album bekannt, welches zudem mit über 100 Millionen verkauften Exemplaren, das mit Abstand meistverkaufte Album aller Zeiten darstellt. Doch diesen offenkundigen Druck, hörte man seinem Nachfolger "Bad", welches im Jahr 1987 erschien, in keiner Sekunde an. 25 Jahre ist dies nun her - ein viertel Jahrundert! Und zu diesem Ehrentag erscheint nun eine entsprechend aufgemotzte Special-Edition unter dem Titel "Bad 25", die das Fan-Herz wohl vor Freude hüpfen lassen wird. Die Hauptrolle spielt natürlich das Original-Album, das in frisch remasterter Fassung aus den Boxen perlt. Und ob digital entstaubt oder nicht: das siebte Album von Michael Jackson war, ist und bleibt ein Meisterwerk, das seinem Vorgänger in kaum etwas nachsteht, und eine Tracklist voll von Klassikern zu bieten hat. Man nehme nur den energiegeladenen und funky tanzbaren Titeltrack "Bad" (♪♫♪), die groovige vom R&B beeinflusste Pop-Perle "The Way You Make Me Feel" (♪♫♪), oder den rockig veranlagten Kracher "Speed Demon" (♪♫♪).  Oder gar den unsterblich grandiosen Pop-Evergreen "Antoher Part Of Me" (♪♫♪), die wunderschöne und zeitlose Ballade "Liberian Girl" (♪♫♪), die bis heute ungebrochen großartige und berührende Weltverbesserungs-Hymne "Man In The Mirror" (♪♫♪), oder solch unerhört genialen Überhits für die Ewigkeit, wie "Dirty Diana" (♪♫♪) und "Smooth Criminal".



Das Album konnte natürlich den extremen Erfolg des Vorgängers nicht ganz wiederholen, ging aber dennoch über 45 Millionen Mal über die Ladentheke und rangiert in den Top 5 der erfolgreichsten Alben aller Zeiten. Und das vollkommen zurecht, stellt es nach "Thriller" ein weiteres Album des King of Pop dar, das sich - gespickt von unzähligen Hits - beinah anhört wie eine Best-of!  Als Bonus-Material haben sich die Verantwortlichen auch ein fettes Paket ausgedacht, das aus dem bisherigen posthum veröffentlichten Material des 2009 auf tragische Weise verstorbenen Sängers, angenehm positiv heraus ragt. Auf der zweiten CD finden sich diverse unveröffentlichte Raritäten, wie Demos aus der "Bad"-Phase, die es nicht auf das Album geschafft haben. Die 1986er Demo-Version von "Don't Be Messin Round" (♪♫♪), welches als Promotion für "Bad 25" als B-Seite zum Re-Release seiner Single "I Just Can't Stop Loving You" veröffentlicht wurde, führt in die zweite Disc ein. Doch seine Highlights finden sich an anderer Stelle. So stellen das melodische und nachdenkliche "Price of Fame" (♪♫♪), das funky mitreißende und enorm hitverdächtige "Al Capone" (♪♫♪), oder die warme Ballade "Fly Away" (♪♫♪), welche bereits auf der 2001er Special Edition des Albums veröffentlicht wurde, die Herzstücke der Disc dar. Die restlichen Demos bleiben harmlos, aber nicht störend - nur die spanische und französische Version von "I Just Can't Stop Loving You", oder die Afrojack- und Nero-Remixe von "Bad" und "Speed Demon", braucht wohl dann doch kein Mensch. Deshalb sei dem Käufer in jedem Fall der Erwerb der Deluxe Edition empfohlen, die zusätzlich eine Live-CD und DVD von seinem legendären Auftritt im Wembley-Stadion 1988 enthält, welches häufig als eines seiner besten Auftritte bezeichnet wird, und nun erstmals veröffentlicht wurde. So stellt diese Edition in der lukrativen Verwaltung des Nachlasses von Michael Jackson, eine positiv sinnvolle Ausnahme dar, die man ohne schlechtes Gewissen kaufen darf. Doch wer das Album "Bad" noch gar nicht besitzt, dem sei der Kauf gar dringend angeraten - denn er wird hier sein blaues Wunder erleben.

Original-Album:



Bonus-Material (Deluxe-Edition):


Sonntag, 16. September 2012

Besprochen: NELLY FURTADO - "THE SPIRIT INDESTRUCTIBLE"

Nach anfänglich großen Hoffnungen, und dann langsam aufkeimenden Zweifeln, wird aus Nelly Furtado's 5. Album doch noch eine respektable Pop-Platte.

Die Geschichte um Nelly Furtado ist eine allseits bekannte. Ursprünglich gestartet in folkig poppigen Sphären, schaffte sie im Jahr 2006 mit ihrem dritten Album "Loose" - und der tatkräftigen Mithilfe von Produzent Timbaland - ihren großen Durchbruch, der stilistisch vor allem von RnB, Dance und HipHop-Elementen geprägt war. Eben der typische Timbaland-Sound, der hier aber sehr gut durch ging, nahm seinerzeit der enorme Timbaland-Hype  erst seinen Anfang. Ihr 3 Jahre darauf erschienenes viertes Album "Mi Plan" war dann ein komplett spanisches, und wieder immer (folk-)poppigen Genre angesiedelt. Kurzweilig war das nett, wirkte aber doch eher wie ein Lückenfüller. Seitdem sind auch schon wieder 3 Jahre ins Land gezogen, aber da steigt die Dame wieder aus der Versenkung und hat dazu ihr neues und 5. Studioalbum "The Spirit Indestructible" im Gepäck. Das dieses wieder in eine ganz neue Richtung zu driften schien, war schon unschwer an den beiden Vorab-Singles abzulesen. Zuerst war da "Big Hoops (The Bigger The Better)", ein famoser, von HipHop und Synthpop beeinflusster Ohrwurm, der gen Ende in einer wilden Drum'n'Bass-Einlage gipfelt.


Und dann folgte der großartige Titeltrack "Spirit Indestructible" (♪♫♪) - anfangs eine von Piano begleitete Ballade, ehe sich rhythmische Drumbeats einschalten, und den Song endgültig zum Hit erheben. Wirkliche Hits wurden nur bislang beide Singles nicht, und verreckten in den Charts meist irgendwo in dem Top 50 - was wohl weniger an der Qualität der Songs, als vielmehr an den Erwartungen der Hörer liegt. So beschreibt auch die Sängerin selbst ihr neues Album als "a friendly punch in the face", was in der Tat manchmal zutreffen könnte. Verstehen wir uns richtig: auch ihr neues Album ist pop as pop can be. Und doch sind es manche Mittel die sie wählte, die im Kosmos der Nelly Furtado so wohl weniger zu erwarten waren. Aber ein paar weitere potentielle Hits hat "The Spirit Indestructible" dann doch noch zu bieten, die durchaus auf Gegenliebe stoßen können. Nehmen wir etwa die 2. US-Single "Parking Lot" (♪♫♪), ein durchweg stimmungsvoller und minimalistischer Elektro-Pop-Ohrwurm mit HipHop-Beats, dessen Refrain nicht mehr als ein paar nanana's und ley,ley's benötigt, um wunderbar zu funktionieren. Den vielleicht besten Song des Albums stellt dann "Bucket List" dar: ein beatiger und einnehmender, von akustischen Gitarren untermalter Pop-Ohrwurm, der weniger durch eine aufregende Produktion, als vielmehr durch eine fabelhafte Melodie besticht. Ja, und auch "Waiting For The Night" (♪♫♪) kann sich als gelungener Latino-Dance-Pop schlagen, der mit Sicherheit das Zeug zum Hit hätte. Damit zeigt sich Produzent Rodney "Darkchild" Jerkins von seiner besten Seite, der den Großteil des neuen Albums verantwortet. Doch was ist hier ausgerechnet mit dem sonst so stilsicheren Salaam Remi los? Zwei seiner drei Beiträge - das etwas eintönige "Something", und das langweilige "The Most Beautiful Thing" - sind ziemliche Rohrkrepierer, während aber immerhin sein letzter Beitrag "Enemy" bei genauerer Betrachtung zünden kann. Das Album beendet sie dann wiederum mit einer kleinen Perle: "Believers (Arab Spring)", offenkundig eine Art Hymne auf den arabischen Frühling, aber auch ein wirklich gelungener Pop-Song. Es wäre allerdings wünschenswert gewesen, dass sie den auf den Singles eingeschlagenen, deutlich unkonventionelleren Weg, auch auf der gesamten Platte konsequenter weiter gegangen wäre. Aber am Ende ist ihr mit "The Spirit Indestructible" dennoch eine respektable Pop-Platte gelungen, die vor allem nach mehrmaligem Genuss durchaus sein Geld wert ist.



Besprochen: P!NK - "THE TRUTH ABOUT LOVE"

Auf dem neuen Album von Pink gibt es vieles - nur Überraschungen zählen nicht dazu.

Für manch einen mag es ja noch immer etwas verwunderlich sein, wie Pink es geschafft hat, auch nach mehr als 10 Jahren noch immer einen gewissen Sonderstatus unter den Mainstream-Sängerinnen für sich zu beanspruchen. Zugegeben: so manch ein Ohrwurm ist ihr dann immer mal wieder gelungen - und sogar unerwartet großartiges, wie einst bei "Dear Mr. President". Songs dieser Liga waren aber dann doch äußerst selten bei ihr zu finden. Kein Beinbruch, denn das was sie bisher so alles verzapft hat, funktionierte an den Ladentheken immer ganz hervorragend. Zuletzt stellte sie dies vor 4 Jahren mit dem (durchwachsenen) Album "Funhouse" unter Beweis, dem 2 Jahre später dann der erste Karriererückblick in Form einer Best-of folgte. Das erinnerte einen wieder einmal daran, dass die Dame doch so einige Hits vorzuweisen hat. Dem werden mit Sicherheit nun noch mehr folgen, denn nun steht auch  ihr 6. Studioalbum "The Truth About Love" in den Läden. Dessen erste Single stürmt ja gerade massiv die weltweiten Charts - auch wenn es sich bei "Blow Me (One Last Kiss)" eher um einen recht netten Pink-Standard handelt, der keine Überraschungen, aber immerhin eine eingängige Melodie zu bieten hat.


Innovation geht anders. Aber dafür war Pink ja eh noch nie bekannt. Es ging ihr eher um soliden und melodisch ohrwurmigen  Pop - mal versetzt mit Elementen aus Rock, Dance und RnB. Und etwas anderes kann und sollt man auch auf der neuen Platte nicht erwarten. Ein paar weitere potentielle Hits sind aber dennoch auszumachen. Da wäre etwa die zweite und brandneue Single "Try" (♪♫♪), die sich als durchaus gelungene Pop-Rock-Ballade darstellt, welche der ersten Single in jedem Fall vorzuziehen ist. Oder etwa "Beam Me Up", welches sich als sanfte und folkig veranlagte Ballade präsentiert. Der Opener "Are We All We Are" macht als dancig-rockiger Uptempo-Ohrfänger auch keine schlechte Figur, dass ziemlich gut gelaunte "True Love" bietet sonnig strahlenden Pop im Duett mit Lilly Allen, und "Where Did The Beat Go?" (♪♫♪) sorgt wieder für einen temporeicheren, aber dennoch nachdenklichen Moment, und bringt gutes Hitpotential mit. Totalausfälle gibt es hier zwar nicht zu bestaunen, und die meisten Ausflüge die sie macht, können sich zurecht als solide schimpfen. Liebhaber von radiofreundlichem Pop-Rock dürfen sich hier durchweg unterhalten fühlen, aber bei Licht betrachtet ist "The Truth About Love" dann doch nur Mittelmaß.


Dienstag, 11. September 2012

Besprochen: THE KILLERS - "BATTLE BORN"

Mit "Battle Born" haben The Killers wohl das Album gemacht, das man von ihnen erwarten konnte - nicht unbedingt viel mehr, aber eben auch nicht weniger.

Die Killers haben es einem in der Vergangenheit ja nicht gerade einfach gemacht. So war ihr Debüt "Hot Fuss" (2004) anfangs noch recht schmissiger und tanzbarer Pop-Rock, der aber keine allzu lange Euphorie zu wecken im Stande war. Der Nachfolger "Sam's Town" (2006) hatte dann zwar mit "When You Were Young" den vielleicht bislang besten Killers-Song im Gepäck, verging sich aber sonst weitestgehend an einer Art Pathos-Rock, den Meat Loaf schon fast 30 Jahre zuvor besser hin bekam. Und mit ihrem letzten Album "Day & Age" (2008) war die Katastrophe dann perfekt - und versumpfte trotz der Hit-Single "Human", als ziemlich grässliche 80s-Synthpop-Schandtat. Und nach dem eher für gelangweilte Hausfrauen interessanten Solo-Album "Flamingo" (2010) von Frontmann Brandon Flowers, steht nun das brandneue und vierte Studioalbum seiner Band in den Startlöchern. Von selbigem kündete in den vergangenen Wochen bereits die erste Single "Runaways" - ein 80s-infizierter Pop-Rock-Ohrwurm, der immerhin deutlich bessere Voraussetzungen mitbrachte, als das was man zuletzt von der Band aus Las Vegas zu hören bekam.


Einer gewissen Skepsis kann man sich aber auch bei dem neuen Album "Battle Born" nicht erwehren. Neben den eher leidlichen Erfahrungen die man mit Alben der Band bislang gemacht hatte, fällt hier vor allem die Masse an Produzenten auf, die an dem neuen Album gewerkelt haben. Hatte sich die Band bislang auf Albumlänge auf maximal 1 oder 2 Produzenten beschränkt, hatten hier mindestens 6 davon ihre Hände im Spiel. Man kann aber nicht unbedingt behaupten, dass sich dies am Gesamtsound der Platte bemerkbar machen würde, der trotzdem nahezu wie aus einem Guss klingt. Dieser bleibt zwar überwiegend in den 80er Jahren hängen, macht aber eine durchaus stolzere Figur, als der recht missratene Vorgänger. Der Synthpop ist verschwunden, und stattdessen zeigen sie wieder deutlichere Nähe zum Heartland Rock, der zwar ein wenig nach "Sam's Town" schmeckt, aber im Schnitt wesentlich überzeugender daher kommt. So hat die Band sich hier wieder so manch ansprechende Melodie ausgedacht, was man besonders im hymnischen Titelsong "Battle Born", dem durchaus farbenfrohen Opener "Flesh & Bone", dem herrlichen und kitschig-schönen "The Way It Was", dem  hervorragenden "Deadlines & Commitments", in der fast herzerweichenden Ballade "Be Still", oder dem äußerst gelungenen Ohrfänger "Miss Atomic Bomb" zu spüren bekommt. Fans der Band werden sich mit Sicherheit ein zweites Loch in den Arsch freuen, was man ihnen wohl auch in keinster Weise verdenken kann, wo die Band hier doch wieder weitaus erfreulichere Wege eingeschlagen hat. Und auch wenn ich mich allein für diesen Umstand genötigt sehe, den sonst von mir eher verschmähten Killers einen halben Bonus-Stern zu schenken (was dem Album immerhin zum gnädigen Prädikat "gut" verhilft), werden sich bislang noch nicht bekehrte, aber auch hier wohl nicht immer restlos von der Band überzeugen lassen. Denn mit "Battle Born" haben The Killers wohl eben das Album gemacht, das man von ihnen erwarten konnte - wenn man es gut mit ihnen meinte. Nicht unbedingt viel mehr, aber eben auch nicht weniger. Das es aber dennoch vielleicht ihr bislang bestes Album darstellt, ist eine Ironie mit der man durchaus leben kann.


Sonntag, 9. September 2012

Besprochen: BILLY TALENT - "DEAD SILENCE"

Auf ihrem neuen Album haben Billy Talent die angedrohte Totenstille leider nicht in die Tat umgesetzt.

Nachdem die kanadische Rockband Billy Talent in ihrer bisherigen Karriere nicht gerade um kreative Albumtitel besorgt war, wie die bisherigen Alben "Billy Talent", "Billiy Talent II" und "Billy Talent III" zeigen, hätte man nach Bekanntwerden eines neuen und vierten Albums doch beinah ein "Billy Talent IV" erwartet. Doch Pustekuchen: "Dead Silence" heißt das neue Stück. Doch  wenn man das neue Album so hört, wünscht man sich beinah, dass sie den angedrohten Worten der Totenstille, auch Taten hätten folgen lassen. Zumindest wenn man gehässig sein wollte. Oder realistisch - kann man halten wie man will. Denn nach dem Geistesblitz eines Albumtitels, scheint die kreative Quelle der Band vollends versiegt zu sein. Denn auch hier bedient sich die Band erneut ihrem recht gleichförmigen Hard-Rock mit sattem Pop-Einschlag. Wunderbar haben sie das auch auf der ersten Single "Viking Death March" unter Beweis gestellt - ein Song den man beinah schon vergessen hat, wenn seine letzten Töne verklungen sind. 


Doch gehen wir mit diesem einzelnen Song nicht zu hart ins Gericht, und sagen es so wie es ist: man könnte auch jeden anderen Song des Album an seine Stelle setzen. Denn große Unterschiede zwischen ihnen, kann man hier kaum ausmachen. Mal ziehen die das Tempo an, mal kurbeln sie es herunter - aber am Ende scheint sich hier alles um dieselben 2 oder 3 Melodie(che)n zu drehen, von der aber keine lange (oder überhaupt) hängen bleiben will. Selbst wenn man sich alle Mühe gibt, so rauscht nahezu das ganze Album eindruckslos an einem vorüber. So stapeln sie die Klischees zu gewaltigen Türmen, rocken sich mal wieder ziemlich uninspiriert den Wolf, und Sänger Benjamin Kowalewicz bleibt auch weiterhin ein meist quäkend keifender Quälgeist. So möchte ich mir das Erwähnen von weiteren Songs hier getrost sparen. Nicht weil sie so unsagbar schlecht wären. Doch da sie hier gefühlt ein und denselben Song in diversen mehr oder minder verschiedenen Versionen aufgenommen haben, erübrigt sich diese Mühe. 


Samstag, 8. September 2012

Bepsrochen: PET SHOP BOYS - "ELYSIUM"

Auch wenn sie auf ihrem neuen Album das Tempo deutlich drosseln, geht den Pet Shop Boys noch lange nicht der Atem aus.

Die Pet Shop Boys haben bereits eine eindrucksvolle Karriere hinter sich, die schon mehr als ein Vierteljahrhundert umspannt: angefangen als das wohl erfolgreichste (Synth-)Pop-Duo der 80er Jahre, die in den frühen 90ern mit "Very" ihr vorläufiges Meisterwerk vorlegten und sich als beständige und feste (Dance-)Pop-Instanz etablierten, in den frühen 00ern handgemachtere Areale erkundeten, sich nebenbei an Eminem rächten, und zuletzt vor 3 Jahren ganz zum Dance zurück fanden, und mit "Yes" ein weiteres Meisterstück kreierten. Die eigentliche Kunst des britischen Duos bestand stets darin, sich immer ihren eigenen, unverkennbaren Stil zu bewahren, aber doch auf einem neuen Album nie so zu klingen, wie auf dem davor. Das zeigen sie auch deutlich auf ihrem nun brandneuen 11. Studioalbum "Elysium", das sich mehr oder minder deutlich von seinem Vorgänger "Yes" abhebt. Das machte auch in den letzten Wochen bereits die erste Single "Winner" unmissverständlich klar, die scheinbar leider bei manch einem Hörer auf gemischte Gefühle gestoßen ist. Eine sanfte, warme Nummer, die vielen vielleicht auf den ersten Eindruck zu soft, zu seicht oder gar zu kitschig klang. In Wirklichkeit ist es aber nicht weniger als eine wunderbare und erhebende Pop-Perle, die sich perfekt in den Hintergrund der 2012er olympischen Spiele in London einfügte.


Wer aber anhand dieses Songs auf das restliche Album schließen will, der hat schon verloren. Denn exemplarisch dafür ist er nicht, auch wenn der Grundton von "Elysium" überwiegend ein ruhiger ist. So mögen sie das Tempo auf der neuen Platte zwar deutlich gedrosselt haben, ihnen geht deshalb aber noch lange nicht der Atem aus. Sie gehen ihren eigenen Weg beständig weiter, nehmen aber immer mal wieder eine neue Abzweigung. So entfernen sie sich auf "Elysium" vom Dance-Stil des Vorgängers, und finden mehr zum Synthpop zurück, den sie in typisch herrlichen Melodien zelebrieren. So wie dies etwa der samtige und soft beatige Opener "Leaving" (♪♫♪), oder das atmosphärisch schwebende, und nach mehrmaligem hören absolut wunderbare "Invisible" (♪♫♪) vormachen.   Auf dem einnehmenden und temporeichen "A Face Like That" (♪♫♪), scheinen sie dann ihre größten Stärken der 80er und 90er, zu einem potentiellen Hit für die Gegenwart zu bündeln. Auch "Ego Music" (♪♫♪) tut sich positiv hervor, imdem es zum ersten Mal nach einer gefühlten Ewigkeit wieder Spoken-Word-Passagen von Neil Tannent bietet, und des weiteren mit einer einfallsreichen Produktion aufwartet. "Breathing Space" (♪♫♪) gibt eine kuschelig-melancholische Ballade ab, die Fans des Duos warm ums Herz werden lassen kann, das fantastische "Memories of the Future" (♪♫♪) erinnert auf's angenehmste an die späten 90er Jahre der Pet Shop Boys, und auch "Everything Means Something" (♪♫♪) kann sich als durchweg gelungener Synthpop mit nachdenklichem Charakter behaupten. Nun gut - zumindest das deutlich zu musical-haft geratene "Hold On", hätten sie sich ruhig verkneifen können. Was der Freude an der neuen Scheibe aber keinen großen Abbruch tut. Man wird vielleicht sowieso mehr als einmal in den Genuss des neuen Albums kommen müssen, um sich seiner Qualitäten voll und ganz bewusst zu werden. Sicher ist allerdings auch, dass es dennoch nicht an die überragenden Qualitäten des Vorgängers "Yes" anknüpfen kann. Wenn dann aber trotzdem so ein fabelhaftes Album wie "Elysium" dabei heraus kommt, hat man keinen Grund zu meckern.