♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

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Dienstag, 11. September 2012

Besprochen: THE KILLERS - "BATTLE BORN"

Mit "Battle Born" haben The Killers wohl das Album gemacht, das man von ihnen erwarten konnte - nicht unbedingt viel mehr, aber eben auch nicht weniger.

Die Killers haben es einem in der Vergangenheit ja nicht gerade einfach gemacht. So war ihr Debüt "Hot Fuss" (2004) anfangs noch recht schmissiger und tanzbarer Pop-Rock, der aber keine allzu lange Euphorie zu wecken im Stande war. Der Nachfolger "Sam's Town" (2006) hatte dann zwar mit "When You Were Young" den vielleicht bislang besten Killers-Song im Gepäck, verging sich aber sonst weitestgehend an einer Art Pathos-Rock, den Meat Loaf schon fast 30 Jahre zuvor besser hin bekam. Und mit ihrem letzten Album "Day & Age" (2008) war die Katastrophe dann perfekt - und versumpfte trotz der Hit-Single "Human", als ziemlich grässliche 80s-Synthpop-Schandtat. Und nach dem eher für gelangweilte Hausfrauen interessanten Solo-Album "Flamingo" (2010) von Frontmann Brandon Flowers, steht nun das brandneue und vierte Studioalbum seiner Band in den Startlöchern. Von selbigem kündete in den vergangenen Wochen bereits die erste Single "Runaways" - ein 80s-infizierter Pop-Rock-Ohrwurm, der immerhin deutlich bessere Voraussetzungen mitbrachte, als das was man zuletzt von der Band aus Las Vegas zu hören bekam.


Einer gewissen Skepsis kann man sich aber auch bei dem neuen Album "Battle Born" nicht erwehren. Neben den eher leidlichen Erfahrungen die man mit Alben der Band bislang gemacht hatte, fällt hier vor allem die Masse an Produzenten auf, die an dem neuen Album gewerkelt haben. Hatte sich die Band bislang auf Albumlänge auf maximal 1 oder 2 Produzenten beschränkt, hatten hier mindestens 6 davon ihre Hände im Spiel. Man kann aber nicht unbedingt behaupten, dass sich dies am Gesamtsound der Platte bemerkbar machen würde, der trotzdem nahezu wie aus einem Guss klingt. Dieser bleibt zwar überwiegend in den 80er Jahren hängen, macht aber eine durchaus stolzere Figur, als der recht missratene Vorgänger. Der Synthpop ist verschwunden, und stattdessen zeigen sie wieder deutlichere Nähe zum Heartland Rock, der zwar ein wenig nach "Sam's Town" schmeckt, aber im Schnitt wesentlich überzeugender daher kommt. So hat die Band sich hier wieder so manch ansprechende Melodie ausgedacht, was man besonders im hymnischen Titelsong "Battle Born", dem durchaus farbenfrohen Opener "Flesh & Bone", dem herrlichen und kitschig-schönen "The Way It Was", dem  hervorragenden "Deadlines & Commitments", in der fast herzerweichenden Ballade "Be Still", oder dem äußerst gelungenen Ohrfänger "Miss Atomic Bomb" zu spüren bekommt. Fans der Band werden sich mit Sicherheit ein zweites Loch in den Arsch freuen, was man ihnen wohl auch in keinster Weise verdenken kann, wo die Band hier doch wieder weitaus erfreulichere Wege eingeschlagen hat. Und auch wenn ich mich allein für diesen Umstand genötigt sehe, den sonst von mir eher verschmähten Killers einen halben Bonus-Stern zu schenken (was dem Album immerhin zum gnädigen Prädikat "gut" verhilft), werden sich bislang noch nicht bekehrte, aber auch hier wohl nicht immer restlos von der Band überzeugen lassen. Denn mit "Battle Born" haben The Killers wohl eben das Album gemacht, das man von ihnen erwarten konnte - wenn man es gut mit ihnen meinte. Nicht unbedingt viel mehr, aber eben auch nicht weniger. Das es aber dennoch vielleicht ihr bislang bestes Album darstellt, ist eine Ironie mit der man durchaus leben kann.


Sonntag, 9. September 2012

Besprochen: BILLY TALENT - "DEAD SILENCE"

Auf ihrem neuen Album haben Billy Talent die angedrohte Totenstille leider nicht in die Tat umgesetzt.

Nachdem die kanadische Rockband Billy Talent in ihrer bisherigen Karriere nicht gerade um kreative Albumtitel besorgt war, wie die bisherigen Alben "Billy Talent", "Billiy Talent II" und "Billy Talent III" zeigen, hätte man nach Bekanntwerden eines neuen und vierten Albums doch beinah ein "Billy Talent IV" erwartet. Doch Pustekuchen: "Dead Silence" heißt das neue Stück. Doch  wenn man das neue Album so hört, wünscht man sich beinah, dass sie den angedrohten Worten der Totenstille, auch Taten hätten folgen lassen. Zumindest wenn man gehässig sein wollte. Oder realistisch - kann man halten wie man will. Denn nach dem Geistesblitz eines Albumtitels, scheint die kreative Quelle der Band vollends versiegt zu sein. Denn auch hier bedient sich die Band erneut ihrem recht gleichförmigen Hard-Rock mit sattem Pop-Einschlag. Wunderbar haben sie das auch auf der ersten Single "Viking Death March" unter Beweis gestellt - ein Song den man beinah schon vergessen hat, wenn seine letzten Töne verklungen sind. 


Doch gehen wir mit diesem einzelnen Song nicht zu hart ins Gericht, und sagen es so wie es ist: man könnte auch jeden anderen Song des Album an seine Stelle setzen. Denn große Unterschiede zwischen ihnen, kann man hier kaum ausmachen. Mal ziehen die das Tempo an, mal kurbeln sie es herunter - aber am Ende scheint sich hier alles um dieselben 2 oder 3 Melodie(che)n zu drehen, von der aber keine lange (oder überhaupt) hängen bleiben will. Selbst wenn man sich alle Mühe gibt, so rauscht nahezu das ganze Album eindruckslos an einem vorüber. So stapeln sie die Klischees zu gewaltigen Türmen, rocken sich mal wieder ziemlich uninspiriert den Wolf, und Sänger Benjamin Kowalewicz bleibt auch weiterhin ein meist quäkend keifender Quälgeist. So möchte ich mir das Erwähnen von weiteren Songs hier getrost sparen. Nicht weil sie so unsagbar schlecht wären. Doch da sie hier gefühlt ein und denselben Song in diversen mehr oder minder verschiedenen Versionen aufgenommen haben, erübrigt sich diese Mühe. 


Samstag, 8. September 2012

Bepsrochen: PET SHOP BOYS - "ELYSIUM"

Auch wenn sie auf ihrem neuen Album das Tempo deutlich drosseln, geht den Pet Shop Boys noch lange nicht der Atem aus.

Die Pet Shop Boys haben bereits eine eindrucksvolle Karriere hinter sich, die schon mehr als ein Vierteljahrhundert umspannt: angefangen als das wohl erfolgreichste (Synth-)Pop-Duo der 80er Jahre, die in den frühen 90ern mit "Very" ihr vorläufiges Meisterwerk vorlegten und sich als beständige und feste (Dance-)Pop-Instanz etablierten, in den frühen 00ern handgemachtere Areale erkundeten, sich nebenbei an Eminem rächten, und zuletzt vor 3 Jahren ganz zum Dance zurück fanden, und mit "Yes" ein weiteres Meisterstück kreierten. Die eigentliche Kunst des britischen Duos bestand stets darin, sich immer ihren eigenen, unverkennbaren Stil zu bewahren, aber doch auf einem neuen Album nie so zu klingen, wie auf dem davor. Das zeigen sie auch deutlich auf ihrem nun brandneuen 11. Studioalbum "Elysium", das sich mehr oder minder deutlich von seinem Vorgänger "Yes" abhebt. Das machte auch in den letzten Wochen bereits die erste Single "Winner" unmissverständlich klar, die scheinbar leider bei manch einem Hörer auf gemischte Gefühle gestoßen ist. Eine sanfte, warme Nummer, die vielen vielleicht auf den ersten Eindruck zu soft, zu seicht oder gar zu kitschig klang. In Wirklichkeit ist es aber nicht weniger als eine wunderbare und erhebende Pop-Perle, die sich perfekt in den Hintergrund der 2012er olympischen Spiele in London einfügte.


Wer aber anhand dieses Songs auf das restliche Album schließen will, der hat schon verloren. Denn exemplarisch dafür ist er nicht, auch wenn der Grundton von "Elysium" überwiegend ein ruhiger ist. So mögen sie das Tempo auf der neuen Platte zwar deutlich gedrosselt haben, ihnen geht deshalb aber noch lange nicht der Atem aus. Sie gehen ihren eigenen Weg beständig weiter, nehmen aber immer mal wieder eine neue Abzweigung. So entfernen sie sich auf "Elysium" vom Dance-Stil des Vorgängers, und finden mehr zum Synthpop zurück, den sie in typisch herrlichen Melodien zelebrieren. So wie dies etwa der samtige und soft beatige Opener "Leaving" (♪♫♪), oder das atmosphärisch schwebende, und nach mehrmaligem hören absolut wunderbare "Invisible" (♪♫♪) vormachen.   Auf dem einnehmenden und temporeichen "A Face Like That" (♪♫♪), scheinen sie dann ihre größten Stärken der 80er und 90er, zu einem potentiellen Hit für die Gegenwart zu bündeln. Auch "Ego Music" (♪♫♪) tut sich positiv hervor, imdem es zum ersten Mal nach einer gefühlten Ewigkeit wieder Spoken-Word-Passagen von Neil Tannent bietet, und des weiteren mit einer einfallsreichen Produktion aufwartet. "Breathing Space" (♪♫♪) gibt eine kuschelig-melancholische Ballade ab, die Fans des Duos warm ums Herz werden lassen kann, das fantastische "Memories of the Future" (♪♫♪) erinnert auf's angenehmste an die späten 90er Jahre der Pet Shop Boys, und auch "Everything Means Something" (♪♫♪) kann sich als durchweg gelungener Synthpop mit nachdenklichem Charakter behaupten. Nun gut - zumindest das deutlich zu musical-haft geratene "Hold On", hätten sie sich ruhig verkneifen können. Was der Freude an der neuen Scheibe aber keinen großen Abbruch tut. Man wird vielleicht sowieso mehr als einmal in den Genuss des neuen Albums kommen müssen, um sich seiner Qualitäten voll und ganz bewusst zu werden. Sicher ist allerdings auch, dass es dennoch nicht an die überragenden Qualitäten des Vorgängers "Yes" anknüpfen kann. Wenn dann aber trotzdem so ein fabelhaftes Album wie "Elysium" dabei heraus kommt, hat man keinen Grund zu meckern.

Mittwoch, 5. September 2012

Besprochen: THE XX - "COEXIST"


Nach dem legendären Debüt, entwickeln sich The xx zu ihrer nächsten Evolutionsstufe - und haben damit das wohl beste 2. Album geschaffen, das ihnen möglich war.

Wir erinnern uns noch gut an das Jahr 2009, als plötzlich wie aus heiterem Himmel eine junge britische Band mit dem schlichten, aber einprägsamen Namen The xx daher kam, und uns mit "xx" ein Debütalbum in die Ohren goss, das man so schnell nicht mehr vergessen sollte. Ein fragiles, beim ersten Hören beinah fast unscheinbares Indiepop-Werk, das jedoch in seiner Unaufgeregtheit Mauern einreißen konnte: unterkühlter, aber gleichzeitig unmittelbar zu Herzen gehender, sich perfekt ergänzender männlich-weiblicher Gesang von Sängerin/Gitarristin Romy Madley Croft und Sänger/Bassist Oliver Sim, im Einklang mit sphärisch im Raum schwebenden Chris-Isaac-Gitarren, und alles zusammen gehalten von den begabten Händen des Band-Masterminds Jamie Smith. So zauberten sie ein Meisterwerk, das noch weit über seine Zeit hinaus strahlen, und ohne Zweifel als Klassiker unserer Zeit in der Musikgeschichte Wurzeln schlagen wird. Der Hype war perfekt, und das auch vollkommen zurecht. Hier drang eine erhabene Zeitlosigkeit aus allen Ritzen, wie man es in derartiger Bedeutsamkeit nur selten zu hören bekommt. Doch wer so ein essentielles Meisterstück gleich als Debüt vorlegt, für den kann dies sowohl Segen als auch Fluch sein. Mit "xx" hat die Band aus London die Messlatten derart hoch gelegt, dass man bei dem Nachfolger zurecht von einem "schwierigen 2. Album" sprechen kann. Denn irgend jemand könnte wohl immer etwas zu meckern haben. Zeigen sie etwa eine deutliche Weiterentwicklung, werden so manche Fans mit Tränen in den Augen, ihre Hoffnungen auf ein "xx 2.0" zu Grabe tragen. Bleiben sie dem Sound des Erstlings allerdings allzu treu, werden nicht wenige ihnen vorwerfen, auf der Stelle zu treten. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass es selbst bei hervorragender  Qualität der Songs, dem direkten Vergleich mit dem epischen Debüt einfach nicht standhalten könnte. Nachdem sich aber das Solo-Schaffen des bandeigenen Soundtüftlers Jamie Smith alias Jamie xx, in der Zeit nach dem Band-Debüt deutlich in elektronischere Sphären verschob (wunderbar nach zu hören in seiner letztjährigen Single "Far Nearer/Beat For", oder dem ebenfalls 2011er Remix-Album "We're New Here" für Gil-Scott Heron), wurden Vermutungen über einen entsprechenden Wandel auch im Klangkosmos der Band greifbar. Was die Band daraus gemacht hat, davon kann sich nun jeder auf ihrem neuen Album "Coexist" selbst überzeugen, das dieser Tage in den Läden steht. Die erste Single "Angels", gab bereits vor einigen Wochen einen wahrhaft wunderbaren Ausblick auf das neue Werk - hätte allerdings auch problemlos auf dem Erstling eine gute Figur gemacht.

The xx - Angels from F L on Vimeo.

Also doch ein "xx 2.0"? Definitiv nicht. Viel eher schlägt der Song eine Brücke zwischen den beiden Alben, und gestaltet so als Album-Opener einen fließenden Übergang. Dem folgt auch sogleich die 2. Single "Chained": eine wunderbare Indiepop-Perle, wie sie wohl nur von The xx kommen kann - und in welche sie nun zarte, aber durchaus präsente Elektro-Beats  rieseln lassen. Auch auf Albumlänge wird keine radikale Neuerfindung zelebriert - aber das ist auch gut so. Die Weiterentwicklung die hier hörbar ist, funktioniert nach denselben Regeln wie auch ihre Musik: minimalistisch, aber ungemein intensiv. Sie besinnen sich auf "Coexist" also erneut auf ihre Stärken, und versuchen niemandem etwas zu beweisen - sondern bewegen sich auf ganz natürliche Weise zu ihrer nächsten Evolutionsstufe. Und dies gelingt ihnen vortrefflich, beachtet man die songgewordenen  Kostbarkeiten, welche das restliche Album schmücken. "Fiction" führt nach dem wunderbaren Einstieg in sphärische und melancholische Klangweiten, in der Sänger Oliver Sim für wahre Gänsehaut-Momente sorgt. Eine Meisterleistung stellt das grandiose "Reunion" dar: eine zeitlose und atmosphärische Indiepop-Perle, in der sie ihren ureigenen Sound mit Steel-Drums garnieren, ehe sich ein pochender, fast schon clubbiger Beat heraus schält, der einen aber eher in wohlig nachdenkliche Trance versetzt, statt auf die Tanzfläche zu locken. Auch das himmlische "Sunset" wird von einem nahezu stampfenden Beat geprägt, der einen hervorragenden und stimmigen Kontrast zu dieser schwebenden und emotionalen Ballade liefert. Im fantastischen und melancholischen "Missing", schenken sie uns wieder eine Melodie, die ohne Umwege seinen Weg direkt in Herz und Seele des Hörers findet, und zudem eine äußerst minimalistische, aber dennoch faszinierende Produktion zu bieten hat. Und auch "Unfold" ist wieder so ein Song, der Liebhabern der Band wahre Freudentränen in die Augen treiben wird. Allerdings wird es zunehmend schwerer in adäquate Worte zu fassen, was die Musik von The xx ausmacht - und was sie auf "Coexist" erneut grandios umsetzen. Wer es einmal selbst erlebt hat, der wird es wohl nicht mehr vergessen. Und in diesem Sinne machen sie auch "Coexist" zu etwas unvergesslichem - und zu dem wohl besten zweiten Album, das ihnen hätte gelingen können. 





HIER HÖRT IHR DAS KOMPLETTE ALBUM IM STREAM!!!!

Montag, 3. September 2012

Besprochen: THE VACCINES - "COME OF AGE"

Nach ihrem famosen Debüt im letzten Jahr, ist The Vaccines nun ein durchaus würdiger Nachfolger entglitten.

Das letztjährige Debüt "What Did You Expect From The Vaccines?" der englischen Indierock-Band The Vaccines, war eine Perle seines Jahrganges, das all seine Pracht aus seiner "konsevativen" Machart schöpfte. Sie boten uns hier unverschnörkelten, direkten, und klassichen Indie-Rock, die großen Experimente blieben aus - aber eben nicht die großen Melodien. Man erinnert sich noch zu gut an Prachtexemplare wie das mitreißende "If You Wanna", den Britpop-Klassiker "A Lack of Understanding", den melodischen und herrlich eckigen und kantigen Hit "Blow It Up", den unwiderstehlichen Ohrwurm "Post Break-Up Sex", oder die unsterblich großartige Hymne "All in White". Kaum 1½ sind diese Meisterstücke nun her, schiebt die Band auch gleich ihr Zweitwerk "Come of Age" nach. Und damit versuchen sie nun, dem nahezu übermächtigen Debüt einen würdigen Nachfolger entgegen zu setzen. Die erste Single "No Hope" (♪♫♪) konnte man dann sogleich im Vorwege als solide neue Nummer bezeichnen, die mit einer schmissigen Melodie des Weges kam. Und auch die neue und zweite Single "Teenage Icon" - welche schon seit einigen Wochen bekannt ist - kann sich mit ähnlichen Attributen schmücken, hat aber noch etwas mehr Zeug zum Indie-Hit. Und doch fiel einem schon hier auf, dass sie die hohe Qualität ihrer bisherigen Singles nicht ganz halten konnten.


Aber dieser oberflächliche Eindruck, wirkt sich keineswegs auf das gesamte Album aus. Man muss sagen, dass ihnen auch hier mal wieder die Melodien nicht ausgehen. Das zeigen sie etwa deutlich bei "All in Vain", einer wahrhaft tollen Britpop-Perle, die Oasis wohl gerne eingefallen wäre. Auch das atmosphärische "Ghost Town" macht eine gute Figur, und schafft es gar auf seine ganz eigene rockige Weise, eine ähnliche Ausstrahlung zu erzeugen, wie der Namensvetter von The Specials aus dem Jahr 1981...auch wenn es sich weder um ein Cover, noch um dieselbe Musikrichtung handelt. Versteht ihr nicht? Macht nichts. Wenden wir uns lieber dem darauf folgenden "Aftershave Ocean" zu, das sich durchaus als künftige Single empfehlen könnte. Oder dem vor lässiger Coolness nur so platzenden "I Wish I Was a Girl" - ganz zu schweigen vom famosen "Lonely World", dass erneut Oasis Konkurrenz machen könnte, und dem Album einen würdigen Schlusspunkt setzt. Am Ende bleibt zwar dennoch festzustellen, dass "Come of Age" natürlich nicht ganz die Klasse seines großen Bruders anknüpfen kann, aber doch haben The Vaccines hier ein wirklich gelungenen Nachfolger gebastelt, der sich wahrlich nicht verstecken muss.





Hier könnt ihr das komplette Album im Stream hören!

Besprochen: ARIEL PINK'S HAUNTED GRAFFITI - "MATURE THEMES"

 Ariel Pink steigert sich auf dem offiziellen 2. Album seiner Band, in einen monumentalen Psychedelic-Pop-Rausch, den man miterlebt haben muss!

Es gibt in der heutigen Musikwelt leider nur noch sehr wenige, die man reinen Gewissen echte "Künstler" nennen darf. Zu diesen wenigen glücklichen, die sich solch einen Titel verdient haben, zählt ohne Frage Ariel Pink - einigen sicherlich besser bekannt mit seiner Band Ariel Pink's Haunted Graffiti. Doch allzu vielen dürfte auch das kein Begriff sein. Ein Umstand, der zu gleichen Teilen verständlich als auch schändlich ist: Ariel Pink's Musik hat sich schon immer deutlich von den Normen gängiger zeitgenössischer Vorstellungen von Pop-Musik abgehoben. Zu freaky und kunstfertig ist sein musikalisches Wirken, als das er die Radios erobern könnte. Und doch ist seine Kunst auch zu essentiell, und schlicht und ergreifend zu wunderbar, um von der Masse ignoriert zu werden. Das beweist der Musiker aus Los Angeles auch auf dem neuen Album seiner Band - bei dem schwer zu sagen ist, das wievielte es denn nun tatsächlich ist: Seit 2002 veröffentlichte der Musiker über mehrere Jahre hinweg die "Ariel Pink's Haunted Graffiti"-Reihe, die  in recht verwirrender Reihenfolge erschien (Teil 8 erschien 2003, Teil 1 erst 2007). Doch das letzte Album "Before Today" (2010) war das erste vollwertige Album der BAND Ariel Pink's Haunted Graffiti. Und dem folgte nun das definitive Zweitwerk "Mature Themes"! Und was dies für ein Schmuckstück ist, muss man erst einmal verdauen. Hier hat er mit seiner Band ein buntes und bewusstseinserweiterndes Psych-Pop-Kaleidoskop erschaffen, das ebenso verwirrt wie verzaubert. Schon angefangen mit dem fantastischen Opener "Kinski Assassin" (♪♫♪), das an die psychedelisch poppigen Seiten der 70er erinnert, und in einige Momenten auch nicht allzu weit von David Bowie entfernt ist. Mit dem kurzen, aber famosen und äußert kreativ Szene gesetzten "Is This The Best Spot?" (♪♫♪), macht er hingegen eine tiefe Verneigung von dem Synth-Pop der frühen 80er Jahre. Der Titelsong "Mature Themes" (♪♫♪) outet sich dann als gänzlich wunderbare Pop-Perle, die auch wieder stärker in den 70ern verwurzelt ist, aber mit einer ausgesprochenen Zeitlosigkeit prahlen kann. Und mit dem melodisch einnehmenden und warmen "Only In My Dreams", verpasst er uns ein grandioses Pschedelic-Pop-Meisterstück, das so auch in den 60ern entstanden sein könnte.

Ariel Pink's Haunted Graffiti - Only In My Dreams from AcetoacetilCoA on Vimeo.


Und das waren nur die ersten 4 Songs! Im weiteren Verlauf schüttelt er noch so manch wundervolle Obskuritäten aus dem Ärmel, zu denen etwa auch das  auf wunderbare Weise verstörende "Schnitzel Boogie" (♪♫♪) zählt. Und auch das famose, atmosphärisch bedrogte "Driftwood" (♪♫♪) zeigt sich von seiner besten (und bekifftesten) Seite. Mit "Symphony of Nymph" (♪♫♪) erschafft er eine psychedelisch versponnene, und von sphärischen Orgelklängen dominierte New-Wave-Hymne, ehe er uns in Form von "Pink Slime" (♪♫♪) einen charismatisch melodischen und unwiderstehlich in die Hirnwindungen drängenden Synthpop-Ohrwurm angedeihen lässt. Mit "Live It Up" (♪♫♪) gibt es dann nichts geringeres als traumhaften und süchtig machenden Synthpop zum niederknien, während er mit dem amtosphärischen "Nostradamus & Me" einen schwebenden Space-Trip unternimmt. Das die erste Single "Baby" (♪♫♪), welche das Album abschließt, ziemlich dicht am Original von Donnie & Joe Emerson aus dem Jahr 1979 dran ist, macht aber mal gar nichts - zum einen weil dem Song in der neuen Version  noch etwas mehr dreckiger Soul innewohnt, aber zum anderen von genügend herausragendem Songmaterial angeführt wird, um "Mature Themes" zum einem erstklassigen Album mutieren zu lassen, das man auf keinen Fall verpasst haben sollte. Und man möge mir Ariel Pink's gesamten Backkatalog links und rechts um die Ohren hauen, wenn das neue Album keine Rolle in den Jahresbestenlisten 2012 spielen wird - obwohl die Schläge dann wohl eher jene verdient haben dürften, bei denen dieses Meisterstück keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.



Sonntag, 2. September 2012

Besprochen: MAX HERRE - "HALLO WELT!"

Auf seinem dritten Soloalbum findet der einstige Freundeskreis-Frontmann zu alten Stärken zurück - und bringt eine fette Riege von Gaststars mit.

Max Herre hat sich ja schon in der Vergangenheit in der deutschen Musik verdient gemacht. Mit seiner Truppe Freundeskreis und Songs wie "A-N-N-A", "Leg Dein Ohr auf die Schiene der Geschichte" oder "Esperanto", sorgte er für so manche Sternstunde im deutschen HipHop. Freundeskreis sind schon länger Geschichte, und auch mit dem Soloschaffen von Max Herre wurde man nicht immer so warm - oder übersah selbige einfach. Das sollte und wird sich mit dem neuen und dritten Soloalbum "Hallo Welt!" mit ziemlicher Sicherheit ändern. Denn nachdem Herre sich auf seinen beiden  vorangegangenen Soloalben stark dem Pop angenähert hatte, kehrt er mit seinem neuesten Streich mit voller Leidenschaft zum Rap zurück - allerdings mit demselben fabelhaften Pop-Appeal, den man so oder so ähnlich auch von seinem Freundeskreis kennt. Zudem hat er hier ein paar illustre Gast-Musiker mit am Start, was schon die Vorab-Single "Wolke 7" andeutete. Zwar gehöre ich nicht zu den glühenden Verehren von Pillip Poisel, der hier den Refrain besorgt, aber er macht seiner Arbeit hier dennoch hervorragend. Und so wird auch der Song zu einem echten Highlight und einer verdienten Single. 


Und auch sonst hat sich Max Herre mal mit mehr, und mal mit weniger Fremdhilfe, eine ganze Menge einfallen lassen. Gleich zu Beginn legt er etwa gemeinsam mit Patrice und Fetsum, und dem Song "Aufruhr (Freedom Time)" los, das zu weiten Teilen auf die Aufstände und Revolutionen während des "arabischen Frühlings" zurück geht.  Im melancholisch getragenen und schön oldschooligen "Solang", beschäftigt er sich mit der Vergänglichkeit des menschlichen Daseins, während das berührende und tieftraurige "Berlin - Tel Aviv" im Duett mit Sophie Hunger, das Schicksal einer jüdischen Familie unter der Herrschaft der Nazis erzählt. "Fühlt sich an wie fliegen", auf dem er von Cro und Clueso begleitet wird, gibt einen lässigen und funky Ohrwurm ab, und auf dem enorm hitverdächtigen und souligen "Vida" ist gar der amerikanische Soulsänger Aloe Blacc mit dabei. Interessant ist auch, was er hier an Zitaten einbaut: in "So wundervoll", auf dem erneut Aloe Blacc zu Gast ist, bedient er sich an Billy Preston's "You Are So Beautiful", in "Einstürzen Neubauen" huldigt er zusammen mit Sammy Deluxe dem Klassiker "Macht kaputt, was euch kaputt macht" von Ton Steine Scherben (während man die Verneigung vor Einstürzende Neubauten wohl nicht weiter erwähnen muss), und "Nicht vorbei (Bis es vorbei ist)" empfiehlt sich als deutsche Interpretation von Lenny Kravitz' "It Ain't Over 'til It's Over". Einziger Kritikpunkt ist hier vielleicht die ziemlich lange Spieldauer, die sich auf insgesamt 17 Songs verteilt. 3 oder 4 Songs weniger (so wie etwa der wirklich misslungene Closer "Yvonne") hätten "Hallo Welt!" noch runder und schlüssiger klingen lassen - aber das fällt dennoch nicht stark genug ins Gewicht, um die Freude am neuen Album zu trüben