♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

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Freitag, 13. Juli 2012

Besprochen: NENEH CHERRY & THE THING - "THE CHERRY THING"

Trotz Cover-Album und mit Hilfe wilder Jazz- Allüren, gelingt Neneh Cherry womöglich DAS Comeback des Jahres!

Jaja.....Cover-Alben sind eine schwierige Angelegenheit. Denn in den meisten Fällen kommen eben zwei verschiedene Dinge dabei heraus: entweder werden meist Klassiker der Pop-Geschichte recht platt und inspirationsbefreit nach gespielt, oder in ein orchestrales Gewand umgedeutet - was den Originalen auch nur in äußerst seltenen Fällen etwas hinzuzufügen hat. Das man von Neneh Cherry keines von beiden zu erwarten hatte, sollte schon ein Blick auf ihr bisheriges Schaffen deutlich machen. In den 80ern und 90ern machte sie mit 3 Soloplatten auf sich aufmerksam die sich grob zwischen Pop, RnB, TripHop und HipHop bewegten. In den 00ern hat sie dann wiederum künstlerisch höchst fruchtbar an 2 Alben mit der kreativen Truppe CirKus gearbeitet, und sich im Bereich TripHop, Electronica und Alternative ausgetobt. Das sie sich 16 Jahre nach ihrem letzten Soloalbum für ein Comeback nun eine Cover-Platte ausgesucht hat, mag auf den ersten Blick leider ziemlich einfallslos anmuten. Doch: der Schein trügt!!! Hier tat sie sich mit dem schwedisch/norwegischen Jazz-Trio The Thing zusammen. Und im Jazz-Metier ist Neneh Cherry alles andere als fremd - so gilt ihr Vater Don Cherry als legendärer und innovativer Jazzmusiker, nach dessen Song "The Thing" sich das skandinavische Trio benannt hatte. Und gemeinsam mit ihnen nahm Neneh Cherry nun das Album "The Cherry Thing" auf, in dessen Verlauf sie Songs der unterschiedlichsten Genres in atemlosen, rauchigen und leidenschaftlichen Jazz überführt - doch immer wieder mit Pop- oder TripHop-Ideen im Hinterkopf. Das Album startet aber mit einer selbst komponierten Nummer, die von einem einsam vor sich hin groovenden Kontrabass eingeführt wird: doch in seinem weiteren Verlauf wird aus "Cashback" (♪♫♪) ein verwinkelter und wunderschön verschrobener, sanft vor sich hin rumpelnder Free-Jazz-Kracher, der grandios in die 8 Songs starke Scheibe einleitet - inklusive kreischender Saxofone, die einem den Staub ewig gleich wirkender zeitgemäßer Standardproduktionen der Formatradio-Beschallung, aufs angenehmste aus den Ohren pusten. Und als eine erste wahrhafte Cover-Offenbarung, zeigt sich ihre Neuinterpretation des Suicide-Klassikers "Dream Baby Dream" (♪♫♪): aus der schwülen Synthpop-Nummer wird hier eine  Jazz-Granate, die sich Anfangs hübsch einschmeichelnd in die Gehörgänge kuschelt und sich im Zuge seiner fast 9-minütigen Spiellänge mit immer mehr ausfransenden Widerhaken endgültig im Trommelfell fest beißt - und schlussendlich sein Original im Regen stehen lässt. Besonders interessant wird es auch, wenn es Madvillain's "Accordion" an den Kragen geht - denn hier macht sie aus einem guten HipHop-Track einen grandiosen und modernen Jazz-Klassiker, den sie seines namensgebenden Akkordeons beraubt und (zumindest in der Albumversion) auf das mehr als 3-fache seiner ursprünglichen Länge streckt. Ein Epos, nicht weniger. 


Marina Topley-Bird's "Too Tough To Die" (♪♫♪) präsentiert Neneh Cherry als ein aus Jazz-Mitteln erdachtes TripHop-Meisterstück, welches das Original seinem vergleichsweise fast engen Klangkorsett entreißt und in eine spürbar wohltuende Freiheit entlässt, die den Song über sich selbst hinaus wachsen lässt. "Golden Heart" (♪♫♪) präsentiert sich mit künstlerisch gespaltener Persönlichkeit: zu einer tadellos jazzigen Untermalung, weht Neneh's Gesang auf geisterhafte Weise durch den Song hindurch - und haucht ihm damit einen ganz eigenen Klangcharakter ein. Auch "Dirt" (♪♫♪) von The Stooges begegnet sie mit dem nötigen Respekt, und dreht in Eigenregie eine widerborstig spröde, genussvoll stampfende und verschwitzt jazzige Version daraus, die sich vor dem Original keineswegs verstecken muss. Und Ornette Coleman's "What Reason Could I Give" (♪♫♪) (ein legendäres Quartett in der auch ihr Vater einige Zeit Mitglied war), selbst ein Jazz-Klassiker der frühen 70er Jahre, verleiht sie ihre ganz eigene kreative Note und lässt ihm ein paar mehr Ecken und Kanten angedeihen - ohne das Original dabei aber zu entstellen.  Ein faszinierendes, mitreißendes und eindrucksvolles Werk, dass einen vor dem inneren Auge in eine verrauchte Jazz-Bar katapultiert, und gleichzeitig wieder verdammt Lust auf Radiohead's "Kid A" weckt. Und eben das ist es was "The Cherry Thing" am Ende so verdammt großartig macht.


Samstag, 30. Juni 2012

Inselplatten: RADIOHEAD - "HAIL TO THE THIEF" (2003)

Auf dem 6. Album von Radiohead hörte man eine Band, die stetig weiter voran in Richtung Zukunft schritt - und doch immer wieder über die Schulter auf den Weg zurück blickte, der bereits hinter ihnen lag. Mit anderen Worten: ein Kunstwerk.


2003 war die Situation für Radiohead im Grunde genommen gar nicht so leicht. Um das zu verstehen, betrachten wir einmal ihren musikalischen Werdegang, der diesem Jahr voraus ging. 1997 schufen sie mit ihrem 3. Album "OK Computer" ein Jahrhundert-Album, pflanzten ein Meilenstein an den Wegesrand der Rockgeschichte und schrieben mit ihm auch selbige. Das die Band in dieser Form nicht mehr möglich war, ohne kreativ dem Ausverkauf zum Opfer zu fallen, war glücklicherweise ihen selbst allzu klar. Und so geschah das nahezu unfassbare: mit dem 2000er Nachfolger "Kid A" häutete sich die Band und gab ein völlig neues Antlitz frei - es wurde ein verschachteltes, experimentelles Elektro-Art-Pop-Meisterstück, dass es dem Hörer nicht leicht machen sollte. Und so schufen sie das wohl beste Album des gesamten noch kommenden Jahrzehnts. Aber doch gelang ihnen noch erstaunliches. So etwa mit dem darauf folgenden Album , das oft als Fortsetzung von "Kid A" angesehen wird: denn "Amnesiac" erschien nur wenige Monate später im Jahr 2001, und bestand aus Stücken, die in derselben Session wie sein Vogänger entstanden. Und doch wurde ein eigenständiges und grandioses Werk daraus, dass die exzentrische Eigensinnigkeit seines Vorgängers erbte und auf gleiche fabelhafte, aber dennoch ganz  eigene Weise in Form goss. Und das ist eine Leistung, die wohl in der jüngeren Musikgeschichte keinem anderen gelang. Ein schweres Erbe, dass sie sich selbst auferlegten - die Erwartungshaltungen schienen gewaltig. Doch Radiohead wären nicht Radiohead, würden sie auf selbige nicht pfeifen, und stattdessen ihre eigene künstlerische Vision in Klänge bannen. Und das vollbrachten sie auch mit dem nächsten Album: "Hail To The Thief" - aus dem Jahr 2003. Und schon der politische Charakter des Albumtitels erregte Aufsehen, welcher den Protest-Slogan darstellt, der von Anti-Bush-Aktivisten  im Jahr 2000 genutzt wurde, in Anspielung auf die dubiosen Umstände, die zur Wahl George W. Bush's zum Präsidenten der USA führten....was eines der düstersten Kapitel der jüngeren US-Geschichte einläuten sollte. So ist "Hail To The Thief" zum Teil unter den Eindrücken des Afghanistankrieges entstanden, und wurde in den jungen Irak-Krieg hinein geboren. Und ebenso düster sollte auch klingen, was Thom Yorke & Co. hier zusammen trugen.  Wie auf seinen Vorgängern zeigten die Briten auch auf ihrem 6. Album einen Hang zur experimentierfreudigen und verstörenden Elektronik. Und doch sollte "Hail To The Thief" ihr bis dato vielseitigstes Album werden, dessen zum Teil enorm gegensätzliche Bausteine am Ende eine einzige mächtige Klangkathedrale ergeben, die sich hoch hinauf in den schwarzen Nachthimmel bohrt. Soundtechnisch finden sie hier eine Art Mittelweg zwischen spröderen und rockigeren  Klängen der 90er,  und den synthetischen Klangexpiditionen der 00er-Jahre....und hauchen dem wiedermal so viel Eigenleben ein, dass Vergleiche schließlich völlig sinnlos erscheinen. Schon der erste Vorbote des Albums, das grandiose "There There", verquickte auf vortrefflich Art und Weise Melodik mit Abstraktion, zu einer eindringlichen Art-Rock-Perle.


Radiohead - There There von samithemenace 

Eine wesentlich rockigere Einstimmung, als man die Jahre zuvor von ihnen gewöhnt war. Und mit einer ähnlichen, ja noch widerborstig rockenderen Nummer, startet man auch sogleich in das Album: der Opener "2+2=5" (♪♫♪) pirscht sich langsam aber beständig heran, ehe plötzlich ein nahezu Zähne fletschendes Art-Rock-Ungeheuer aus der Kiste springt. Großartig und zugleich ein wenig paranoid geht es dann weiter, wenn "Sit Down. Stand Up." (♪♫♪) auf schwebenden Klangteppichen daher gleitet, und sich plötzlich in einen Strudel aus wild kreiselnden TripHop-Beats stürzt.  "Go To Sleep" (♪♫♪) entflieht in folklige, erdigere und ein klein wenig freundlichere Gefilde, ehe sich über dem von hypnotisch ungeraden Beats untermalten "Where I End And You Begin" (♪♫♪), erneut dichte graue Wolken zusammen brauen. "We Suck Young Blood" eröffnet sich dem Hörer als berückende und atmosphärische Schauerballade, "The Gloaming" (♪♫♪) bringt eine geisterhafte Art-Pop-Perle zum Vorschein, und mit "Myxomatosis" (♪♫♪) tauchen sie in nahezu verstörende Abgründe hinab. Die überirdische, melancholische Ballade "Sail To The Moon" erstrahlt dann in dunklen, aber prachtvollen Farben, und lässt eine nahe Verwandtschaft zum "Pyramid Song" erkennen.


Radiohead - Sail to the Moon von industrialbirds

Mit "Scatterbrain" (♪♫♪) entlocken sie sich eine schwüle und schwermütige Ballade die an Zeiten von "OK Computer" erinnert, und das Finale bestreitet "A Wolf At The Door" (♪♫♪) als soft orgelnde Indie-Perle, die einen beinah mit einer versöhnlicheren Stimmung aus dem Album entlässt. "Hail To The Thief" gehört aber wohl auch zu den am meisten unterschätzten Werken der Band, trotzdem es schon seinerzeit von Kritikern zum Teil umfeiert wurde. Doch wem sollte man das übel nehmen? An dem Punkt, an dem Radiohead sich hier befanden, machen die meisten Musik spätestens schlapp - wenn nicht bereits schon früher. Und wer seinen Backkatalog bereits mit solchen musikalischen Kostbarkeiten füllte wie Radiohead, der hat es besonders schwer, an die alten Leistungen anzuknüpfen. Aber auch nach 9 Jahren ist "Hail To The Thief" noch immer eine unverändert herausragende Platte, die perfekt den Geist seiner Zeit einfing - und ihm gleichzeitig weit voraus war. Hier hören wir quasi eine Band, die stetig weiter voran in Richtung Zukunft schreitet, und doch immer wieder über die Schulter auf den Weg zurück blickt, der bereits hinter ihnen liegt. 


Dienstag, 26. Juni 2012

Besprochen: JENNIFER LOPEZ - "DANCE AGAIN...THE HITS"

Jennifer "The Butt" Lopez kommt mit ihrer ersten Best-Of daher. Hätte was werden können - ist es aber nicht.

Na sowas - Jennifer Lopez beglückt uns in wenigen Wochen mit der ersten Best-Of ihrer mittlerweile 13 jährigen Musikkarriere. Eine recht lange Zeit im heutigen Musikbusiness, wo doch jeder zweite massentaugliche Künstler nach spätestens 3 Alben eine musikalische Bestandsaufnahme an den Mann bringt.Warum also so spät? Wollte man gehässig sein, könnte man sagen: sie musste erst mal genügend Hits zusammen bekommen, um eine ganze CD zu füllen. Eine weitere Begründung könnte auch die sein, dass Jennifer Lopez in den 00ern irgendwie ziemlich egal wurde. Wahrscheinlich war beides ausschlaggebend. Seit etwa einem Jahr scheint sich dies aber geändert zu haben, und die Dame ist seitdem wieder öfter in den Charts und Medien präsent. Und da trifft es sich doch gut, nun endlich ihre erste Best-of raus zu hauen. Was aber durchaus nicht die schlechteste Idee ist - denn J.Lo krankt quasi an dem "Kylie-Minogue-Syndrom": sie hat immer mal wieder ein paar halbwegs bespaßende Ohrwürmer hin bekommen, aber noch nie ein wirklich gescheites Album. Tja und damit fing sie Ende der 90er/Anfang der 00er gar nicht so schlecht an: mit dem in Ordnung gehenden "If You Had My Love" (♪♫♪), oder dem wunderbaren Dance-Pop-Ohrwurm "Waiting For Tonight" (♪♫♪) baute sie sich eine gute Fanbase auf - das in dieser Reihe allerdings der Hit "Let's Get Loud" fehlt, wird wohl an der Tatsache liegen, dass es in den USA nicht als Single erschien. Das es dafür auf beinah dem gesamten restlichen Globus ein Hit war, war den verantwortlichen wohl ziemlich egal. Dafür mussten sie uns aber scheinbar unbedingt öde Remixe von Hits wie "Ain't It Funny" (♪♫♪), "I'm Real" (♪♫♪) oder "Feeling Good" (♪♫♪) rein drücken, welche die ursprünglich recht ordentlichen Songs zu ödem RnB-HipHop-Gedöns entstellen. Und für viele Hits war danach nicht mehr Platz.
 
Jennifer Lopez - Dance Again ft. Pitbull von AceVideos


Nun gut, "Get Right" (♪♫♪) besorgte ihr 2005 nochmal hohe Chartplatzierungen - ging einem aber auch enorm schnell auf den Sack, mit seiner nervig trötenden Hookline. Und "Do It Well" (♪♫♪) war 2 Jahre später dann auch höchstens ein halbherziger Versuch, wieder in der weltweiten Hitlisten Fuß zu fassen. Aber das änderte sich im letzten Jahr mit "On The Floor" (♪♫♪) - genau: dieser fiese "Lambada"-Ripoff, mit dem sie weltweit die Charts anführte und über Monate die Formatradios verpestete. Doch das schlimmste: irgendwann erwischte man sich selbst beim heimlichen mitträllern. Dem folgten dann das recht öde "I'm Into You" (♪♫♪), oder in diesem Jahr der halbwegs gelungene Dance-Ohrwurm "Dance Again". Und als neuester Beitrag findet man hier die neue Single "Goin' In" (♪♫♪), aus dem "Step Up Revolution"-Soundtrack - extrem dumpfbackig produziertes Dance-Geballer, dass aber wenigstens in manch wenigen Momenten versucht, so etwas wie eine Melodie zu simulieren. Schade: ihre erste Best-Of hätte J.Lo's beste (wenn auch trotzdem nicht wirklich "gute")   Platte werden können - doch mit der hier vorliegenden Zusammenstellung, verreckt diese auf demselben unterdurchschnittlichen Niveau wie alle ihre bisherigen Veröffentlichungen.  



Freitag, 22. Juni 2012

Besprochen: FRIENDS - "MANIFEST!"

Wenn die Augen größer sind als der Hunger: das Debüt von Friends bleibt leider ein wenig hinter seinen großen Singles zurück.

Schon im vergangenen Jahr konnte man sich mit der Brooklyner Band Friends - ein Quintett aus Samantha Urbani (vocals), Lesley Hann (bass, percussion, backing vocals), Nikki Shapiro (guitar, keyboards, percussion), Matthew Molnar (keyboards, percussion, bass) und Oliver Duncan (drums) - anfreunden. Und das tat man auch allzu gerne. Denn spätestens nachdem BBC sie auf ihre "Sound of 2012"-Liste setzte, bekam man langsam Wind von dem, was die Band musikalisch so treibt. Und die ersten Vorboten waren mehr als nur vielversprechend. So etwa der famose Ohrwurm "Friend Crush" (♪♫♪), der sofort zum beschwingten mitsingen und -wippen einlädt - der aber von dem großartigen und oldschoolig veranlagten "I'm His Girl" noch überholt wird....ein Song, dem man am liebsten heute schon Kultstatus verleihen möchte.



Doch auch die dritte Single im Bunde kann überzeugen: der herrlich psychedelische, und zugleich groovige und funky Ohrfänger "Mind Control" (♪♫♪). Nun legte in diesem Monat die Band ihr Debütalbum "Manifest!" nach - doch mit dem tollen Material das man zuvor zu hören bekam, kann ihr Debüt auf Albumlänge leider nicht mithalten. Was nicht bedeutet, dass es ein schlechtes Album wäre. Mitnichten! "Sorry" (♪♫♪) ist etwa sommerlich beschwingter, soft vor sich hin orgelnder, federleichter Pop, der ein wenig an die Drums erinnert. Angeführt von hübsch flötenartigen Tönen, gleitet dann "A Thing Like This" (♪♫♪) mit herrlich unscheinbarem Groove und einer feingeistigen Melodie, fast schwerelos an uns vorüber. "Ideas On Ghosts" (♪♫♪) erschafft eine sehr tolle, schwebende und nachdenkliche Atmosphäre, und lässt sich als ganzes durchaus gut hören - sie versäumten aber leider ihm einen gewissen einprägsameren Charakter zu verleihen. Und vielleicht ist es das, was man an dem Album irgendwie vermisst. Denn nichts hier stört oder fällt negativ auf. Eher fällt hier einiges gar nicht weiter auf - genannte Beispiele ausgenommen. Man mag es vielleicht auch auf die hohe Erwartungshaltung schieben, dass einen immer wieder das Gefühl beschleicht, dass all das auf "Manifest!" nicht immer so astrein funktioniert. Zwar kommen sie auch mal mit etwas "spröderen" Klängen daher, wie sie etwa in "Ruins" relativ deutlich zutage treten. Nur konnten sie diesen Eindruck nicht auf das ganze Albums ausweiten. So könnte man "Manifest!" beinah als "gut" titulieren - würde einen nicht immer wieder die Ahnung beschleichen, dass die Freude daran wohl nur von recht kurzer Dauer sein wird. Und doch sollte man nicht die Hoffnung aufgeben, dass aus dem Quintett nochmal was größeres werden könnte. Denn für ihr Erstlingswerk schlagen sich Friends hier vergleichsweise gar nicht so schlecht. Und am Ende waren wohl eben nur die Augen größer als der Hunger.



Donnerstag, 21. Juni 2012

Besprochen: LINKIN PARK - "LIVING THINGS"

Und täglich grüßt das Murmeltier: Wie Bill Murray im Film  stets von Sonny & Cher geweckt wird, so treten auch Linkin Park immer weiter beständig auf der Stelle. Für ein paar Ohrwürmer hat's dennoch gereicht.

Die Geschichte von Linkin Park ist ja gemeinhin bekannt: Anfang der 2000er verhalfen sie dem ziemlich nervigen Nu-Metal zum Erfolg, entwickelten sich zur Mitte der Dekade merklich zum popig-hymnischen Radio-Rock, und verzettelten sich zuletzt mit ihrem 4. Album in mehrheitlich kreativer Leichenstarre. Nachdem der Rap-Anteil, der Anfangs noch fester Bestandteil ihres Sounds war, immer weiter herunter gefahren wurde, will die Band sich nun auf ihrem 5. Studioalbum "Living Things" wieder mehr auf eben diese Wurzeln zurück besinnen - zusätzlich vermengt mit mehr elektronischen Elementen. Aber das bedeutet nicht die Rückkehr der harten Gitarren - auch wenn sie selbige dann und wann auch mal kurzzeitig auspacken, wie etwa im (zum Glück) sehr kurzen "Victimized" (♪♫♪). Es bleibt aber mehrheitlich so poppig, wie man es nun schon eine Weile von der Band gewöhnt ist.  Das kann man nun gut oder schlecht finden - je nach Geschmack. Ganz am Anfang stand die erste Single "Burn It Down", die schon deutlich machte, dass der (irgendwie sehr 90s-typische) Rap wieder Einzug hält bei Linkin Park - so mag der Song, der mit eher in den Hintergrund gedrängten Gitarren und mit sehr präsenter Synthie-Hookline aufwartet, vielleicht nicht sonderlich einfallsreich wirken, aber ein Ohrwurm ist er dennoch.


Aber auf "Living Things" gibt es sonst durchaus ein paar Momente, die einen kriegen können - und ein paar (Teilzeit-) Ohrwürmer kriegen sie tatsächlich auch wieder unter. Auch wenn die nach meist immer demselben Rezept funktionieren - für den Moment klappt das manchmal gut. Tatsächlich kann "Living Things" in manchen Punkten seinen recht schwachen Vorgänger deutlich überholen - hier sitzen die Melodien wieder besser, blieb von "A Thousand Suns" doch so gut wie gar nichts hängen. Das zeigt schon der Opener, der für einen Linkin-Park-typischen Ohrwurm sorgt - würde nur Sänger Mike Shinoda nicht mal wieder zum keifenden Rumpelstielzchen mutieren. Geht trotzdem durch. Und gleich danach können sie mit "In My Remains" (♪♫♪) einen hymnischen Poprock-Ohrwurm vorweisen, der sich gut als nächste Single machen würde. Durchaus nett kommt dann auch "Castle of Glass" (♪♫♪) daher, welches übrigens im Spiel "Medal of Honor: Warfighter" enthalten sein soll, dass im Herbst erscheint. "Skin To Bone" (♪♫♪) ist auch gar nicht mal so übel, und vermischt eine schwebende Atmosphäre mit Elektronik die ein wenig an The Prodigy erinnert - was zwar gewöhnungsbedürftig, aber auch durchaus hörbar ist. Und "Powerless" (♪♫♪), welches das Album abschließt, ist immerhin auch nochmal eine nette Poprock-Ballade nach typischer Linkin-Park-Manier.  Für ein wirklich gutes Album reicht das ganze dann aber dennoch nicht - dafür gehen einem allein schon so Songs wie das ziemlich öde dahin schrammelnde und keifende "Lies Greed Misery" (♪♫♪) zu massiv auf den Sack. "I'll Be Gone" (♪♫♪) ist dann zwar gar nicht so übel, im Grunde genommen aber auch in keiner Sekunde eine Überraschung. Und das sehr hiphopig anmutende "Until It Breaks" (♪♫♪) folgt einem guten Ansatz, verliert sich aber zu schnell in relativ belangslosem Geplätscher. Mit "Living Things" haben Linkin Park zwar nicht ihr schlechtestes Album gemacht, doch auch hier tritt die Band künstlerisch immer weiter auf der Stelle. Ein paar Hits wird es aber mit Sicherheit abwerfen - und eben dieser Umstand rettet dem Album den Kragen.





Besprochen: KYLIE MINOGUE - "THE BEST OF KYLIE MINOGUE"

 Ihr 25jähriges Bühnenjubiläum feiert Miss Minogue mit einem weiteren Karriererückblick - mit seinen gewohnten Höhen und Tiefen.

Die Karriere von Kylie Minogue war ja schon immer ein wenig....sage wir: suspekt! Trotzdem die Australierin bis dato noch kein durchweg gelungenes Album zustande bekam, konnte sie die späten 80er und frühen 90er regelmäßig mit Hits versorgen - welche leider zum größten Teil aus Kitsch-Kompositionen aus der Schmiede Stock/Aitken/Waterman stammten. In den 90ern wurde es ruhiger um sie, während sie passend zum neuen Jahrtausend wieder chart-relevant wurde und erneut anfing Hits in die Welt zu pumpen. In diesem Jahr feiert die mittlerweile 44jährige ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum - und zelebriert dies mit ihrer nun mindestens 4. Best-of-Compilation (diverse andere Compilations, die als Re-Release oder ausschließlich in Asien oder Australien veröffentlicht wurden, nicht mitgezählt). Ob das nun unbedingt nötig ist, dass muss wohl am Ende jeder für sich entscheiden. Aber lassen wir ihr die Freude, und kümmern uns um die Musik - die hier konsequent ihre gesamte Karriere von 1987 bis 2012 hätte umspannen können, hätte sie sich doch ebenso konsequent dafür entscheiden, die anlässlich ihres Jubiläums veröffentlichte neue Single "Timebomb" (♪♫♪) mit auf das Album zu nehmen - was durchaus auch zu erwarten gewesen wäre, aber warum auch immer hier NICHT der Fall ist. So führt der Weg ihrer Karriere hier nur bis 2010. So versammeln sich hier 21 Hits der Dame, die bunt zusammen gewürfelt auf den Hörer einprasseln. Angeführt wird das ganze von - natürlich! - ihrem wohl größten Erfolg: der house-popige Ohrwurm und weltweiter No.1-Hit "Can't Get You Out Of My Head" aus dem Jahr 2001....wohl nur sehr selten hat ein Song so viel Begeisterung ausgelöst, obwohl seine prägnantesten Zeilen lediglich aus "Lalala-lalalalala" bestehen. 



Aber auch einige weitere Beispiele machen deutlich, wie viel durchaus gelungene Hits die Dame doch so in ihrem Backkatalog vorweisen kann. So etwa der discoide Pop-Hit "Love At First Sight" (♪♫♪), der housige Klassiker "In Your Eyes" (♪♫♪), das hübsch den Dancefloor rockende "Kids" (♪♫♪) im Duett mit Robbie Williams, der fabelhaft minimalistische Elektro-Pop von "Slow" (♪♫♪), der ungemein schicke Dancefloor-Hit "On a Night Like This" (♪♫♪), der wunderbare 90er-Klassiker "Confide In Me" (♪♫♪), das mitreißende und einfache, aber enorm wirkungsvolle "Get Out Of My Way" (♪♫♪), das funky und eingängige "Wow" (♪♫♪), oder der catchy Dance-Smash-Hit "In My Arms".


Wenn einen nur nicht immer wieder diese grässlichen 80er-Jahre-Schlager auf die Ketten gehen würden....ja, eben jene die von Stock/Aitken/Waterman verzapft wurden - so etwas wie das unsäglich gruselige "I Should Be So Lucky" (♪♫♪), dass noch eine ordentliche Schippe geschmacklosen Kitsches drauf legende "The Loco-Motion" (♪♫♪), oder das an schmalziger Unerträglichkeit kaum zu überbietende "Tears On My Pillow" (♪♫♪).  Bemängeln könnte man ebenfalls das Fehlen von anderen Hits, die man hier gern gehört hätte - so etwa der Disco-Kracher "Your Disco Needs You", den sie uns schon auf ihrer letzten und sehr ausführlichen Best-of "Ultimate Kylie" schuldig blieb. Oder das großartige "Where The Wild Roses Grow", ihr Duett mit Nick Cave aus dem Jahr 1995. Insgesamt könnte diese Compilation zwar deutlich schlechter sein, aber das gelbe vom Ei ist sie definitiv auch nicht - was sich allein damit erklärt, dass Miss Minogue wahrlich nicht für die außerodentlichsten musikalischen Leistungen bekannt ist. Aber dennoch macht "The Best of Kylie Minogue" mal wieder deutlich, dass Best-of-Compilations ihre mit Abstand besten Platten darstellen.


Besprochen: SAN CISCO - "AWKWARD (EP)"

Ein sehr vielversprechender Vorgeschmack: mit ihrer 2. EP macht  die australische Band verdammt hungrig auf ihr Debütalbum!

Viel wird man um die junge australische Band San Cisco, die sich aus Jordi Davieson (Gitarre/Gesang/Keyboard), Josh Biondillo (Gitarre/ Gesang/ Keyboard/ Synthesizer), Nick Gardner (Bass) und Scarlet Stevens (Schlagzeug, Gesang) zusammen setzt - und vor allem wunderbaren Indie-Pop fabriziert - noch nicht gehört haben. Das sollte man dringend ändern! Ein Debtüalbum ist uns die junge Band zwar noch schuldig, aber nun gibt es immerhin ihre neue und 2. EP "Awkward". Schon wer die extrem gut gelaunte, mit einer fabelhaften Melodie gesegnete Single "Rocket Ship" hört, der wird sich diesem Indiepop-Ohrwurm, mit seinem ansteckenden "Uh-la-la-la, Uh la-la-la-la"-Refrains, nicht widersetzen können.



Und auch die restlichen 4 Songs dieser EP müssen sich vor der nahezu übermächtigen Single nicht verstecken. So liefert der Titelsong "Awkward" (♪♫♪) sonnenscheinig wonnigen Indie-Pop mit sanften Elektrospielereien, "Lover" (♪♫♪) gibt einen quicklebendig des Weges hüpfenden Pop-Hit zum besten, "Reckless" (♪♫♪) empfielht sich als nachdenklich und romantisch schöne Ballade, während sie mit "505" (♪♫♪) noch ein durchaus gelungenes Cover des Songs der Arctic Monkeys im Gepäck haben. Eine äußerst vielversprechende Songsammlung, die gespannt und beinah schon gierig nach dem Debütalbum des Quartetts macht.