♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

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Dienstag, 19. Juni 2012

15th Anniversary: RADIOHEAD - "OK COMPUTER" (1997)

Das 3. Album von Radiohead sollte so viel mehr sein, als nur ein Album! Es wurde ein Jahrhundert-Meisterwerk, dass wie ein Monolith aus der Geschichte des Rock heraus ragt, ein episches und beinah prophetisches Stück Pop-Kunst, ja vielleicht sogar eine düstere Antwort auf "Sgt. Pepper" -  aber vor allem: eine Liebe für's Leben!


Wohl kaum jemand hätte erwartet, was Radiohead da im Frühsommer 1997 als ihr 3. Album auf die Welt los lassen würden. Nachdem sie 1993 mit ihrem garagenrockigen, aber nicht weiter spannenden Debüt "Pablo Honey" (das immerhin den famosen Hit "Creep" hervor brachte) los legten, aber 1995 mit "The Bends" dann ein wahrlich grandioses Zweitwerk aus kreativem, tiefsinnigem und oft nahezu meisterlich komponiertem Garage- und Alternative-Rock hinterher schoben, lag die Messlatte für das dritte Album im Bunde schon recht hoch. Doch nichts ließ vermuten, dass hier etwas kommen würde, was so nachhaltig begeistern, und so hohe Wellen schlagen würde, das sie noch 15 Jahre später mit voller Kraft voran rollen. Jede Note, jeder Takt, jedes Wort scheint hier am richtigen Fleck zu sitzen, ein Wunderwerk von einem Album, ein dunkles und erhabenes Stück moderner Kunst, das einen immer wieder auf's neue in seinen Bann zieht - egal ob man es nun 10, 100 oder 1000 Mal gehört haben mag. Denn in diesem zugleich zugänglichen, als ebenso  dynamischen und komplexen Klangkosmos lassen sich mit jedem Hördurchlauf neue Facetten und Nuancen erkennen, und mit jedem Mal erschließt sich einem das große Ganze mehr und mehr. Doch wird man je ganz schlau aus all dem? Nein, wird man nicht. Und das ist auch gut so. Es ist ein Album das nicht an potentiellen Hits zu messen ist - wobei man davon streng genommen auch so einige finden kann. Man muss sich seiner Magie, seinem dunklen Zauber öffnen, und sich voll und ganz einlassen auf das, was einem hier offenbart wird. Wer allein schon in den Genuss der Vorab-Single "Paranoid Android" kam, dem dürfte dieser Epos von einem Song schon bereits die Schädeldecke weggeblasen haben - ein verwinkeltes und surreales Progrock-Labyrinth, dass über eine Spieldauer von beinahe 7 Minuten mehrere verschiedene Phasen durchläuft: von melancholisch schwebendem Indie-Pop, über treibend progressiven Alternative-Rock, bis hin zur tief düsteren, atmosphärischen Ballade - nur um danach gleich wieder mit kreischenden Gitarren in einem atemlosen Finale zu gipfeln. Wenn man mich fragt, ohne Zweifel einer der besten Songs aller Zeiten:


Aber das Album sollte noch viel mehr bereit halten, was einen in Staunen versetzte - sowohl einst als auch heute. So etwa der Opener: das rockige, aber dennoch melodische und von einem ungeraden Rhythmus beherrschte "Airbag" (♪♫♪). Oder etwa das psychedelisch schwebende "Subterranean Homesick Alien" (♪♫♪) , auf dem Gitarrist Jonny Greenwood die wunderbarsten Gitarren-Momente zaubert, und der Hörer von einer nahezu himmlischen Melodie verführt wird. "Exit Music (For a Film)" (♪♫♪) offenbart sich als gifttriefende und todtraurige Ballade, die schlussendlich auf beinah verstörende und wundervolle Art und Weise ausfranst - und zudem speziell für den Soundtrack zu Baz Luhrman's 1996er Verfilmung von "Romeo + Juliet" komponiert wurde. Mit sanften Gitarrenakkorden und himmlischer Melodie entspringt dann "Let Down" (♪♫♪) einer der optimistischsten Momente des Albums, und das unsterbliche "Karma Police" war, ist und bleibt ein unbezahlbarer Klassiker für die Ewigkeit:



Den vielleicht "aggressivsten" und wildesten  Moment des Album liefert wohl "Electionieering" (♪♫♪), dass auf sägenden und treibenden Gitarrenriffs reitet - ein famoses und wütendes Alternative-Rock-Rumpelstilzchen, dass einem wie ein Stromschlag in die Glieder fährt. "Climbing Up The Walls" (♪♫♪) kommt als dämonisch-düsterer Art-Rock des Weges, der eine verstörend schöne Wirkung entfaltet; "The Tourist" (♪♫♪) präsentiert sich als atmosphärische und emotionale Hymne, bei der kein Auge trocken, und kein Herz unberührt bleibt; "No Surprises" (♪♫♪) erhebt sich zur sanft glöckelnden Indiepop-Offenbarung, dass Sänger Thom Yorke leiblichen, und doch gleichzeitig wehmütig schönen Vocals verziert; und mit "Lucky" kredenzten sie der Welt ein weiteres erhabenes Meisterwerk, vor dem man vor Ehrfurcht in die Knie gehen will - eine dunkel strahlende und erhabene Hymne, die sich schon auf Anhieb tief und unumkehrbar in die Epidermis schraubt:


Doch die Zeit schien wohl einst noch nicht endgültig reif zu sein, für das was Radiohead hier leisteten. Zwar wurde "OK Computer" schon bei erscheinen hoch gelobt. Aber der allgemeine Zeitgeist im Jahr 1997 war spürbar optimistischer - vielen war es zu düster und melancholisch, was dieses Album ausstrahlte. So hatte es etwa auch in der Jahresbestenliste des Musikexpress im Jahr 1997 gegenüber dem Album "The Fat Of The Land" der Big-Beat-Rabauken  The Prodigy das Nachsehen, und musste sich mit der Silbermedaille zufrieden geben. Aus heutiger Sicht betrachtet ein popmusikalischer Fauxpas höchster Güte, kräht doch heute fast kein Hahn mehr nach The Prodigy. Doch schon bald sollte "OK Computer" die Aufmerksamkeit und die Bedeutung erlangen, das es seit eh und je verdient hatte. (Dabei wäre es müßig wieder einmal zu betonen, dass "OK Computer" bereits 1998 zum ersten Mal in einer Bestenliste zum besten Album aller Zeiten gekürt wurde - und seitdem und bis heute in ähnlichen Listen immer ganz oben mit dabei ist.) Denn als das Millennium sich näherte, wuchsen auch die Ängste und Sorgen der Menschen - oder wie es so ähnlich einmal schön und treffend ausgedrückt wurde: Als der Himmel sich verdunkelte und der große Regen begann, und "OK Computer" all dem einen höheren Sinn abzuringen schien.

So entsprang ihren Köpfen ein grandioses, nahezu prophetisches Meisterwerk. Ein Jahrhundert-Album, ohne das heutige Größen wie Coldplay oder Muse so nicht möglich gewesen wären. Und dennoch steht Radiohead's 3. Album ganz für sich, man hat noch kein Album gehört, dass sich unmittelbar auf "OK Computer" beziehen, oder gar an seine Klasse heran reichen würde - auch wenn das Beben noch immer spürbar ist, dass diese Platte vor nun 15 Jahren ausgelöst hat. So formulierte der Musikexpress es einst vielleicht sogar sehr treffend, als er schrieb, es sei nicht das erste Album seiner Art gewesen - sondern das letzte. Nach diesem Album hätte nichts mehr kommen können, was dem hier gesagten noch etwas essentielles hätte hinzuzufügen können. Aber irgendwie waren auch Radiohead selbst, als das was sie hier verkörperten, in Zukunft nicht mehr möglich - zumindest nicht ohne zu einer kreativ klinisch toten Band zu verkümmern, die wie im Wachkoma dahin siecht, und stets vergeblich versucht an ihre alten Großtaten anzuknüpfen. U2 geben dafür auch ein gutes Beispiel ab. Aber das wussten wohl auch Radiohead selbst, und erfanden sich mit dem Nachfolger "Kid A" prompt vollkommen neu. So markiert "OK Computer" das Ende und den Höhepunkt einer Schaffensphase, und hat bis heute nichts von seinem dunklen Glanz verloren. 







Dienstag, 12. Juni 2012

Besprochen: CITIZENS! - "HERE WE ARE"

Von Franz Ferdinand empfohlen: Citizens! und ihr catchy Indie-Pop, mit fabelhaftem Gespür für tolle Melodien.

Die junge Londoner Band namens Citizens!  die gerade mit ihrem passend betitelten Debütalbum "Here We Are" in den Startlöchern steht, wurde von niemand geringerem als Alex Kapranos, Frontmann von Franz Ferdinand, empfohlen. Und auch wenn Franz Ferdinand unter der Masse von Nachzüglern im britischen Indierock ein wenig an Einfluss verloren haben, so lässt dies dennoch aufhorchen - und hoffen. Und die 5 jungen Männer lassen auch nicht lange auf sich warten, sondern machen schon vom ersten Song - dem fabelhaft eingängigen "True Romance" (♪♫♪) - deutlich, dass hier höchst motiviert und mit einem Gespür für Melodien gearbeitet wurde. Dafür steht dann noch mal ganz exemplarisch die Single "Reptile", ein Hit der mit funky Groove und einer catchy Hookline protzen kann.




Man könnte es elektronisch veranlagten Indiepop nennen, was hier so getrieben wird. Ach und diese unwiderstehlichen Ohrfänger, die immer wieder dazwischen funken. "Love You More" (♪♫♪) wäre so einer, der mit psychedelischen Effekten und wunderbaren Harmonien glänzt. Nahezu ins Auge sticht dann "Let's Go All The Way", dass in den Versen bedächtig und zurückgenommen erscheint, doch im Refrain zu voller Strahlkraft anwächst - mit einer Melodie zum niederknien. Ein Hit, der einem vom ersten hören an im Ohr hängen bleibt. 

   

Mit dem in bunten 80s-Farben gemalten und herrlich groovigen "(I'm In Love With Your) Girlfriend" (♪♫♪), greift die Band wieder tief in die Hit-Kiste. Durch den fesselnd relaxten Groove und die famose Gitarrenhookline von "Nobody's Fool" (♪♫♪), hat man sich schon vor Verstreichen der ersten Minute in den Song verleibt. Mal lassen sie ganz einfach ihr blumig melodisches und enorm funky "Monster" (♪♫♪) von der Leine, stoßen mit dem Synthpop-Kracher "She Said" (♪♫♪) in eine futuristische Vision der 80er Jahre vor, oder lassen mit "I Wouldn't Want To" (♪♫♪) eine psychedelische und hymnische Indiepop-Perle erklingen, die den Beatles nicht immer vollkommen unähnlich ist. Kurzum: ein beinah tadelloses Stück Pop, dass die Band hier als ihr Debüt vorlegt. Von diesen Jungs werden wir in Zukunft mit Sicherheit noch eine Menge hören. 


Besprochen: ALEX CLARE - "THE LATENESS OF THE HOUR"

Ein verdienter Hype: Mit ein wenig Verspätung, schickt sich Alex Clare hierzulande an, dem Musikgeschmack der gemeinen Masse das Gehen beizubringen. 

Bisher hatte ich es ja ganz gut geschafft, um den jungen britischen Singer/ Songwriter Alex Clare herum zu kommen. War er bei mir eher als Randerscheinung auf meinem Radar - was verwunderlich erscheint, führte er mit seiner sehr famosen Single "Too Close" (♪♫♪) kürzlich die deutschen Singlecharts an (die mir aber sonst eher egal sind), und sein Debütalbum "The Lateness of the Hour" ist auch schon beinah ein Jahr alt - als es in Großbritannien erschien. Nun folgte auch vor einigen Wochen endlich hier der Release. Und siehe resp. höre da: das ist alles andere als übel, was einem auf seinem Erstling an die Ohren dringt. Mit einer Mischung aus Soul, Rock, Pop und starkem Dubstep-Einschlag, gefüttert mit sich stetig einschleichenden futuristischen Effekten, kann der junge Mann hier ordentlich Eindruck schinden. Doch werden wir deutlicher. Ein wieterer Song, der sich gerader reger Beliebtheit erfreut, ist "Up All Night", die erste Single des Albums (der aktuelle Hit "Too Close" ist die zweite Single), die selbiges als hübsch nach vorn rockender Ohrwurm eröffnet - und nur in seinens dunkelsten Momenten entfernt an eine recht sonderbare Mischung aus, sagen wir, Linkin Park und Sean Paul gemahnt. Natürlich mit einem Zwinkern, versteht sich. 



Clare wurde hier ja auch von den mittlerweile fast unvermeidlichen, aber durchaus geschmackssicheren Diplo & Switch (alias Major Lazer) betreut. Auch andere ihrer Schützlinge haben bereits schwer mit der Masse geflirtet: Santigold und M.I.A.! Und so reiht er sich nun in diese Reihe ein - und dafür liefert er noch einige gute Argumente. So etwa das futuristisch durchwirkte, soulig leidenschaftliche "Relaxed My Beloved" (♪♫♪), in dem melodramatische Streicher auf schräge bis verstörende Klangkulissen und Clare's kraftvolles Organ treffen. Seine Coverversion des Prince-Songs "When Doves Cry" (♪♫♪) fällt enorm positiv auf, indem er ein kleines Kunststück vollbringt: er dehnt den Song so weit, dass er ihn sich ganz zu eigen macht, ihn aber nicht so weit entstellt, dass man ihn nicht mehr erkennt. Eine mehr als gelungene Neuinterpretation. Ebenfalls dick auf der Haben-Seite tummelt sich die brandneue, dritte Single "Treading Water" , eine atmosphärische und eindringliche Dubstep-Perle, die einem tief ins Fell kriecht.


Weitere Argumente gefällig? Dann dürften das fast lockerflockige und herrlich melodisch begabte "Humming Bird" (♪♫♪),  dass hittaugliche und fast mit Klassiker-Qualitäten aufwartende "Tight Rope" (♪♫♪) - welches ein wenig an die Arbeiten von Danger Mouse erinnert-, das beinah zu epischen Ausmaßen anschwellende, aber in keinem Moment auch nur ansatzweise überladene, höchste vorzügliche "Whispering" (♪♫♪), oder das nahezu feierliche und höchst emotionale, von unsterblich schöner Melodie angeführte (und natürlich zum Glück mit futuristischen Elementen gewürzte) "Sanctuary" (♪♫♪), als solche durchaus ziehen. Man kann es nicht anders sagen, dem jungen Mann ist hier ein sehr hörenswertes Debüt gelungen, dass deutlich zeigt das hier jemand mit gehörig Talent am Werk ist. Und wenn so etwas dann noch hilft, dem Musikgeschmack der Massen das Gehen beizubringen, dann kann man nur sagen: bitte mehr davon! 

  

Samstag, 9. Juni 2012

Besprochen: MAXÏMO PARK - "THE NATIONAL HEALTH"

Maxïmo Park können mit Album No.4 wieder Boden gut machen - ohne aber dabei  ganz an alte Großtaten  anknüpfen zu können.

Es fing ja äußerst vielversprechend an mit der jungen britischen Band, als sie 2005 ihr Debüt "A Certain Trigger" vorlegten - und mit diesem fiebrigen und melodieverliebten Indierock-Album einer der Größen der einstigen England-Welle darstellten. 2 Jahre später konnten sie dies dann zu dem nicht mehr großartigen, aber immer durchweg tollen Zweitwerk "Our Earthly Pleasures" hinüber retten. Doch als dann vor 3 Jahren ihr drittes und bislang letztes Album "Quicken The Heart" kam - irgendwie fehlte da was. Das ganze fiel dann gar irgendwie so unspannend aus, dass man die Band mit einer Träne im Auge in der Schublade mit der Aufschrift "irgendwie egal" verschwinden sah. Und irgendwann war einem das dann auch...irgendwie egal. Nicht das man Maxïmo Park nun ablehnend gegenüber gestanden hätte - aber man erwartete dann dennoch nicht mehr viel von ihnen...irgendwie. Bis man vor wenigen Wochen die ersten Vorboten zu ihrem neuen und 4. Album hörte! Denn die machten wider erwarten Lust auf mehr. Zum einen war dies der Titelsong der neuen Platte: "The National Health" (♪♫♪), ein mal wieder hübsch treibender Indierocker mit gehörig Feuer unterm Arsch - und einer knackigen Melodie im Gepäck. Und dann war da natürlich die erste Single "Hips & Lips", dass nicht nur mit einem extrem lustigen Video gesegnet ist, sondern auch einen waschechten Hit abgibt, der die Band wieder so dynamisch zeigt, wie seit Jahren nicht mehr. 




Und da sich beide Songs auch noch am Anfang des Albums tummeln, macht dies den Einstieg schon mal ordentlich bombastisch. Mit "The Undercurrents" (♪♫♪) fahren sie dann das Tempo spürbar herunter - aber nur um eine wunderbare Britpop-Perle mit zeitloser Melodie aufblitzen zu lassen, die nicht unbeachtet bleiben darf. Doch dann wird das Tempo wieder angezogen, hübsch käsige 80s-Synthesizer ausgepackt, und mit "Write This Down" (♪♫♪) ein eingängiger, aber äußerst wirkungsvoller Indierock-Ohrwurm  raus gehauen. Und auch wenn "Reluctant Love" (♪♫♪) nett aber ein wenig indifferent daher schleicht, können sie sofort darauf mit "Until The Earth Would Open" (♪♫♪) einen gnadenlos hervorragenden, herrlich melodischen Hit unterbringen. Auch wenn das Album dann zum Ende hin ein wenig austrudelt, macht das gar nicht so viel kaputt, wie man ungehört vermuten möchte. Denn von Anfang an wird klar, dass Maxïmo Park hier nicht darauf aus sind, ein weiteres Meisterwerk á la "A Certain Trigger" vorzulegen.  Man könnte sagen, dass "The National Health" qualitativ irgendwo zwischen Album 2 + 3 liegt - Maxïmo Park können mit ihrem neuen Album wieder Boden gut machen, ohne dabei aber zu ihren frühen Großtaten zurück zu finden. Aber immerhin gar kein schlechter Anfang.



Donnerstag, 7. Juni 2012

Besprochen: HOT CHIP - "IN OUR HEADS"

Hot Chip wachsen immer weiter über sich hinaus, und haben aus ihrem neuen Album eines ihrer besten überhaupt gemacht - mal wieder!

Bei dem Haufen britischer Elektro-Pop-Nerds namens Hot Chip, scheint es auch nicht so ganz mit rechten Dingen zuzugehen. Schon ihr erstes, wenn auch noch recht unbekanntes Album "Coming On Strong" (2004), lieferte bereits eine deutliche Ahnung davon, was dort noch großes möglich sein könnte. Und diese Ahnung bestätigten sie 2 Jahre später mit "The Warning" (2006) - einem fulminanten Meisterstück, dass zurecht für den begehrten Mercury-Music-Prize nominiert wurde. Mit ihrem 3. Album "Made In The Dark" (2008) setzten sie diesen Trend fort - aber auch zum Teil härtere Elektronik entgegen, was eine deutliche Weiterentwicklung markierte. Und mit ihrem bislang letzten Album "One Life Stand" (2010) wurden sie sogar endgültig für den Mainstream interessant - ohne dabei aber etwas von ihrer musikalischen Genialität einzubüßen. Und eben das ist das eigentliche Wunder: Hot Chip haben seit eh und je hohe Qualität abgeliefert, haben sich stets entwickelt, und dabei nichts von ihrer Relevanz verloren. Dieser Tage steht nun ihr bereits 5. Studioalbum in den Läden - unter dem Titel "In Our Heads". Und auch wird zum wiederholten Male deutlich, was für eine unschlagbare Truppe dort am Werk ist. Den ersten Vorgeschmack gab ja bereits die erste Single "Night & Day" - ein Elektropopper, der es bei manchen da draußen ja etwas schwerer hatte. Doch nach ein paar Hörgenüssen wurde schnell deutlich, dass auch dies wieder ein extrem catchy Ohrwurm ist, in dem es bei genauen hinhören eine ganze Menge zu entdecken gibt....aber dennoch einen der vergleichsweise schwächeren Momente des Albums darstellt. Und das muss man erst mal fertig bringen: ein Track der im Albumkontext zwar weitaus nicht der wichtigste ist, der aber für sich allein genommen so hervorragend ausfällt, dass er ohne weiteres zur ersten Single taugt. Mit anderen Worten: ein Song für den manch ein Mitstreiter einen Mord begehen würde. 

Und wie schon deutlich gemacht, liefert das ganze Album noch so viel mehr! Nachdem die letzten beiden Alben zwar durchweg famos ausfielen, aber stilistisch  vielleicht ein wenig in sich "zerrissen" wirkten, so erscheint "In Our Heads" als erstes Album nach ihrem Zweitwerk "The Warning", wieder nahezu wie aus einem Guss. Hier wenden sie sich soundtechnisch deutlich dem Synthpop der 80er Jahre hin, und brachten dabei ein in sich schlüssiges und von vorn bis hinten großartiges Album zustande, dass keinen schwachen Moment bietet. So legen sie zu Beginn schon mal eine herausragende Leistung vor: mit dem Opener "Motion Sickness" (♪♫♪) lassen sie eine maximal großartige, von wunderbar sich durch den Song schlängelnden Synthies unterwanderte Synthpop-Perle vom Stapel, dass einem ganz kribbelig wird. Mit "How Do You Do" (♪♫♪) schicken sie dann auch sogleich einen verdammten Hit mit unwiderstehlich catchy Groove hinterher, dem nur noch die famos in die Gehörgänge gleitende Melodie, oder die geniale 90s-infizierte Produktion das Wasser reichen kann. Und wenn sie an dritter Stelle noch mit "Don't Deny Your Heart" (♪♫♪) einen enorm catchy und funky 80s-Disco-Kracher nach reichen, starrt man entweder mit weit offen stehendem Mund gen Boxen - oder tanzt quer durch's Wohnzimmer.  Und die Reihe von Highlights reißt nicht ab: so präsentiert sich etwa "Flutes" als epische 7 Minuten andauernde, und schwindelerregend großartige Synth-Pop-Hymne, die keine Sekunde zu lang ausfällt.


"These Chains" (♪♫♪) gibt sich als schwebender und melancholisch-verträumter Elektropop-Hit mit deutlichen 80s-Wurzeln zu erkennen. "Now There Is Nothing" (♪♫♪) kann man nur als ultimativ zauberhafte Synthpop-Perle anpreisen, die jedem Romantiker dort draußen die Schuhe ausziehen wird. "Let Me Be Him" (♪♫♪) outet sich als wunderbare Pop-Perle, die in verträumter Schwelgerei über den Dancefloor schwebt, und "Always Been Your Love" (♪♫♪) beendet das Album mit einer prachtvollen und samtigen Pop-Ballade, die mit zeitweilig Prince-artigen Gitarren und höchst aparten 80s-Einflüssen spielt. In einer Phase, in der schon manch anderem Musiker die Luft ausging, hauen Hot Chip als 5. Album ein extrem großartiges Werk raus, dass ohne Übertreibung zum besten zählt, was man bisher von den Londonern bestaunen durfte. Und ein sicherer Fall für die Jahresbestenlisten 2012, ist "In Our Heads" sowieso. 







Mittwoch, 6. Juni 2012

Bad Taste: BRITNEY SPEARS - "BLACKOUT" (2007)

Leider geil: Auf ihrem (bislang) größten persönlichen Tiefpunkt, entglitt Britney doch tatsächlich ihr bestes Album!

Tja, Britney Spears' Karriere ist schon so eine Sache für sich. Ihre Kindheits-Momente im Mickey-Mouse-Club mal ausgeklammert, begann ihre Karriere 1998 noch ganz brav. Noch 2 Jahre später ließ sie verlauten, sie würde eine Pressekonferenz einberufen, sollte sie ihre Unschuld verlieren. Heißt soviel wie: ein braver, immer leicht sexy in Szene gesetzter Lolita-Klon, der durch Plattenfirma und Management fremdgesteuert, der Öffentlichkeit die Hucke voll lügt, weil diese nach eben dem Image lechzte, zu dem die junge Dame versklavt wurde . Und der Trick funktionierte eine ganze Weile. Doch schon mit Beginn des neuen Jahrtausends schien sie sich vom braven Image lösen zu wollen, was erste deutliche Spuren in der 2001er Single "I'm a Slave 4 U" hinterließ. Doch irgendwann verlor sie die Kontrolle - über ihr Image und über sich. Es folgte zur Mitte der 00er eine Skandal nach dem anderen. Vor allem: Britney auf Alk, auf Drogen, oder auf was auch immer. Das fand seinen Höhepunkt darin, als sie sich vor laufenden Paparazzi-Kameras eine Glatze schor. Es folgten diverse Drogenentzüge und zu alledem verlor sie das Sorgerecht für ihre Kinder. Wahrlich keine Phase, in der an ein neues Album zu denken wäre. Doch genau das kam mitten zum Höhepunkt ihres persönlichen Verfalls. Und wer auch immer den Titel "Blackout" wählte, muss entweder einen irrsinnig großen Sinn für Sarkasmus haben, oder muss völlig zufällig einen Titel gewählt haben, der Britney's einstige Verfassung am besten umschrieb. Was war da zu erwarten, betrachtete man zudem das unsäglich scheußliche Cover-Artwork, dass billiger und trashiger kaum sein könnte. Nun, war man schon einst in Kenntnis der ersten Vorab-Single, dann hätte man eine ganze Menge erwarten müssen! Denn "Gimme More", so der Titel des guten Stücks, ist bis heute ein enorm sexy und catchy Elektropop-Kracher, und ohne Zweifel einer ihres besten Songs ever. 


Denn was ihr ihre Produzenten - zu denen vor allem die hervorragend erprobten Hit-Garanten Bloodshy & Avant, und Timabland's rechte Hand Nate "Danja" Hills gehörten - rührten ihr ein extrem feines Elektro-/Dance-Pop-Süppchen zusammen, dass vor potentieller Hits zeitweilig überkocht.Es ist gar ein pures Dance-Album geworden, denn auch auf die obligatorische Ballade wurde hier verzichtet. Was dem Album verdammt gut tut. Doch die Masse wollte das nicht so recht mitkriegen - und so stellte "Blackout" ihr bis dahin am schlechtesten verkauftes Album dar. Schade, denn hier gibt's verdammt viel zu entdecken. Ob nun das ordentlich einheizende Elektro-Pop-Duo "Piece of Me" (♪♫♪) und "Radar" (♪♫♪), zwei Hits die gleich zu Beginn nach der Vorabsingle ordentlich das Tempo voran treiben. Die nächste Single im Bunde kann sich dann ebenfalls ein Highlight schimpfen: der atmosphärisch von schicker Synthie-Hookline getragene, und famos catchy Dance-Pop-Ohrwurm "Break The Ice"!!!



"Get Naked (I Got a Plan)" (♪♫♪) hätte ebenfalls einen sicheren Hit abgeben können, der mit erotisch schwebender Atmosphäre, und grandioser Produktion aus pumpenden Beats, schillernden Synthies und fabelhaften männlichen  Gastvocals besticht. Gleiches Spiel auch mit "Freak Show" (♪♫♪) - ein Kracher, der mit minimalistisch-futuristischer Produktion daher kommt. Das auf Marschbeats und allerlei zirpendem und fiepsendem Beiwerk daher ziehende "Toy Soldier" (♪♫♪) erinnert nicht nur an M.I.A., sondern ist vor allem mal wieder eines: ein Hit!  "Hot As Ice" (♪♫♪) und "Ooh Ooh Baby" (♪♫♪) sind waschechte Ohrwürmer die wie ein effektiveres Update ihres bisherigen Stils anmuten. Und "Perfect Lover" (♪♫♪) gibt sich getragen, atmosphärisch und verdammt sexy. Und: auch bei Kritikern kam das Album seinerzeit sehr gut weg. Der Musikexpress gab 4 von 6 Sternen, es landete in vielen Jahres- oder Dekaden-Bestenlisten, wie etwa bei Billboard und Rolling Stone, und die Times erklärte es zum fünftbesten Popalbum der Dekade. Und im Grunde gibt es hier auch nichts was einem peinlich sein müsste. Nur halten es verdammt viele dafür. Ein Trugschluss - es lohnt sich definitiv diesem Album eine echte Chance zu geben. Etwas besseres werden wir von Britney wohl niemals hören. 



Bad Taste: BACKSTREET BOYS - "BACKSTREET'S BACK" (1997)

Vorhang auf für meine "Horror-Show": die erste Ausgabe meiner peinlichsten Lieblingsplatten gebührt den Backstreet Boys!

Hiermit eröffne ich nun eine neue Kategorie meines Blogs. Unter dem Titel "Bad Taste" widme ich mich meinen peinlichsten Lieblingsplatten. Ergo: Platten die einem eigentlich peinlich sein müssen, aber die man dennoch sehr mag. Darunter fällt aus Sicht der Erwachsenen häufig auch so manche Musik seiner  Jugend. In diesem Fall aus meiner Jugend, aus den 90er Jahren! Im Grunde weiß ich das es  verdammt peinlich ist, aber es ist wie es ist: das zweite Album "Backstreet's Back" von den Backstreet Boys, hat mir einst im Alter von 17 Jahren enorm viel bedeutet, und tut es irgendwie auch heute noch. Denn die Erinnerungen die ich mit dieser Musik verbinde, all die Eindrücke und Gefühle die mit ihnen einhergehen, ließ mir dieses Album bis heute auf unerklärliche Weise ans Herz wachsen - und auch seine Songs! Um dem Leser vielleicht auch nur annähernd begreiflich zu machen, warum mir dieses Album so viel bedeutet, muss ich hier Ausnahmewiese sehr persönlich werden. So erinnere ich mich als wenn es gestern gewesen wäre, als mir meine beste Freundin das Album zu meinem 17. Geburtstag schenkte - oder genau genommen 5 Tage vorher auf einem gemeinsamen Shopping-Trip in Lübeck. Eben weil es an dem Tag auf den Markt kam, und sie genau wusste, dass ich nicht bis zu meinem Geburtstag warten könnte. Doch auch die Songs bergen kostbare Erinnerungen. Nehmen wir etwa den Opener und erste Single "Everybody (Backstreet's Back)", einen tanzbaren Uptempo-Popsong, der für mich einst 16-jährigen einen wunderschönen Sommer einläutete....einen der schönsten meines Lebens.




Backstreet Boys - Everybody (1997) von Limgam



Fortgeführt wurde dieser grandiose Sommer mit der zweiten Single "As Long As You Love Me" - einer Midtempo-Ballade, die zwar einfachsten Pop darstellt, bei mir allerdings auch 15 Jahre danach noch mit einem kribbeln im Bauch reingeht, wie das bereits mit 17 jungen Jahren der Fall war. Nostalgie? Meinetwegen. Solange es funktioniert, lässt sich nicht meckern. Und auch die 3. und finale Single "All I Have To Give" (♪♫♪) kann sich auch heute noch sehen lassen - klingt diese soft vom RnB beeinflusste Ballade doch mit etwas Abstand betrachtet gar beinah erstaunlich erwachsen.



 
Backstreet Boys - As Long As You Love von hushhush112


 Und auch das meiste restliche Material versetzte mich einst in unbändige Schwärmerei - Gefühle, welche die Songs noch heute bei jedem hören wach rufen. Ob nun der schmissige und tanzbare Uptempo-Ohrwurm "That's The Way I Like It" (♪♫♪), der melancholische und kitschig-schöne Schmachtfetzen "10.000 Promises" (♪♫♪), zu dem ich einst unzählige Male vor mich hin träumte, die etwas hymnischere aber nicht minder schmachtende Ballade "Like A Child" (♪♫♪), ihre durchweg gelungene Coverversion des P.M. Dawn-Hits "Set Adrift On Memory Bliss", oder die erstaunlich reife Pop-Perle "That's What She Said" (♪♫♪), die allein von Bandmitglied Brian Littrell komponiert wurde. Sicher, so etwas wie "If You Want It To Be Good Girl (Get Yourself a Bad Boy)" war mir schon mit 17 zu albern. Aber geschenkt. Zudem lassen sich zum Erfolg des Albums noch lobende Worte finden. Von "Backstreet's Back" setzten sich satte 22 Millionen Exemplare um - die USA nicht eingeschlossen! Denn dort erschien dieses Album streng genommen nicht. Denn bekanntlich legte die Band mit ihrem 1996er Debüt "Backstreet Boys" zuerst und vor allem in Deutschland und dem Rest der Welt los, ausgenommen den USA. Dort erschien erst 1997 ihr dortiges Debüt, dass zeitgleich mit dem Release ihres 2. Albums "Backstreet's Back" für den Rest der Welt erschien. Das US-Debüt zeigte dasselbe Cover ihres offiziellen 2. Albums, trug aber nur den Titel "Backstreet Boys", und beinhaltete eine Mischung aus Song der beiden weltweit erschienenen Alben. So kommt "Backstreet's Back" gefährlich nah an den 30-Millionen-Seller "Millenium" heran, dass 3. und erfolgreichste Album der Backstreet Boys, und ihr erstes Album das zeitgleich auf der gesamten Welt einschließlich den USA erschien. Und das ist doch mal wahrlich kein übler Schnitt, will man meinen. Abschließend sei zu erwähnen, dass ich "Backstreet's Back" keineswegs für ein Meisterwerk im Pop halte - aber wohl für eines der besten Boyband-Alben, das bei mir immer wieder auf's neue die schönsten Erinnerungen weckt.