♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

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Samstag, 7. April 2012

Besprochen: VCMG - "SSSS"

Was aus der Schmiede der Depeche-Mode-Köpfe kommt, muss nicht zwangsläufig auch so klingen: Vince Clarke und Martin L. Gore besorgen es uns 2012 mit Minimal-Techno.

Fans von Depeche Mode dürften dieser Tage ja eigentlich nichts zu meckern haben. In Kürze erscheint das neue Album der Soulsavers, dass sie gemeinsam mit DM-Sänger Dave Gahan aufnahmen. Und dann wäre da noch das Projekt VCMG. Dahinter verbergen sich zwei bekannte Herren aus dem Depeche-Mode-Kosmos:  Vince Clarke, ehemaliger musikalischer Denker von Depeche Mode während der Zeit ihres Debüts, der aber bald das Weite suchte und sein Glück in Erasure fand. Und Martin L. Gore, der nach dem Ausstieg von Clarke dessen Rolle als musikalisches Mastermind einnahm - und seine Rolle bekanntlich verdammt gut spielte. So haben sich diesesbeiden Herren nun zu einem gemeinsamen Album zusammen gefunden, dass den schlichten Titel "Ssss" trägt. Doch wer hier nun eine Mischung aus Depeche Mode und Erasure, also hochmelodischen, hittauglichen Synthiepop erwartet, der hat falsch gedacht. Auf diesem komplett ohne Gesang auskommenden Album, widmen sich die Herren voll und ganz dem Minimal-Techno. Keine schwebenden Klanglandschaften, die jederzeit von herrlich popigen Melodien durchzogen werden. Nein, dass hier ist kühler Elektro, der sowohl zeitgenössische Strömungen, als auch ältere Einflüsse in sich vereint. Handwerklich glänzende Arbeit die sie hier abgeliefert haben, auch wenn beide bislang noch nichts (oder nicht viel) mit derartiger Musik am Hut hatten. Und auch der zeitweilige Wechsel zu schwebenden Passagen, nur um alsbald wieder mit zischelnden Lasersounds zurück in den Orbit zu schießen...dass hat schon echt was. Schön auch in "Windup Robot" zu beobachten. Recht spannend fällt etwa auch "Bendy Bass" aus, das mit schicken Synthie-Effekten quer durch die 80er Jahre glänzen kann. Die neue Single "Single Blip" (♪♫♪) zeigt sich erst als maschinell unterkühlter Minimal-Techno, ehe es mit atmosphärischen Synthie-Flächen verzaubert. Man muss schon sagen: das haben sie fein hin bekommen. elektronishe Musik, die den Vergleich mit den großen im Techno-Fach sicherlich nicht scheuen muss. Aber man wird trotzdem einfach das Gefühl nicht los, dass all das wohl eher für den Club gedacht ist, als für das heimische Wohnzimmer.




Freitag, 6. April 2012

Besprochen: ROXETTE - "TRAVELLING - Songs From Studios, Stages, Hotel Rooms And Other Strange Places"

Das Sequel zum vor 20 Jahren erschienen Album "Tourism", zeigt sich immerhin als solides Pop-Handwerk des Schweden-Duos.

Das Roxette im vergangenen Jahr überraschend nach 10 Jahren ein Comeback hinlegten, war eine große Freude für Liebhaber des schwedischen Duos. Und erst recht die Tatsache, dass es sich mit ihrem Comeback-Album "Charm School" um ihr bestes Album seit "Joyride" handelte, das ihrem Backkatalog ein paar neue Klassiker hinzufügen konnte. Und es kommt einem jetzt beinah so vor, als wollten Marie Fredriksson und Per Gessle ihre eigenen Geschichte wiederholen. Denn ihrem besten Album seit "Joyride", das genau 20 Jahre nach selbigem erschien, lassen sie nun ihr neues Album "Travelling" folgen. Und dieses stellt das direkte Sequel ihres Albums "Tourism" dar, der einstige Nachfolger von "Joyride" - der ebenfalls vor 20 Jahren erschien. Ursprünglich waren "Tourism 2" oder "2rism" als Titel des neuen Albums gedacht, ehe ihr Label EMI entschied, dass Titel mit Zahlen nicht gut wären. Aber der Untertitel von "Travelling", der derselbe ist wie bei dem Vorgänger "Tourism", verrät eindeutig die Botschaft: "Songs from Studios, Stages, Hotel Rooms and other strange places". Wie schon einst "Tourism", ist demnach auch dieses 9. Album von Roxette während einer Tour entstanden und enthält das was der Untertitel sagt - so ziemlich alles von Studio- bis Live-Aufnahmen. "Me & You & Terry & Julie" (♪♫♪) eröffnet das Album mit einem Ohrwurm, der von ruhigen Versen von Per, und ausgelassen stimmungsvollen Refrains von Marie geprägt wird. "Turn Of The Tide" (♪♫♪) zeigt sich als warme und für das Duo typisch-schöne Pop-Ballade, bei der einem Liebhaber mächtig warm um's Herz werden kann. "Touched By The Hand Of God" (♪♫♪) gibt sich als schmissiger Pop-Rock-Ohrfänger die Ehre, die Single "It's Possible" (♪♫♪) erwies sich schon unlängst als solider Roxette-Standard, und "Perfect Excuse" (♪♫♪) glänzt als sanfte und warme Ballade. "Excuse Me, Sir, Do You Want Me To Check On Your Wife" (♪♫♪) zeigt sich als mittelschweres Highlight mit toller Melodie, das wesentlich besser klingt als sein Titel. Und "Angel Passing" (♪♫♪) ist eine weitere Lehrstunde darin, wie gelungene Balladen bei Roxette funktionieren. Und dazu gibts dann eben auch das versprochene Paket aus Live-Songs und anderem - was hier auch eine partielle Neuaufnahme eines älteren Songs ("See Me"), und einen schon vor 10 Jahren aufgenommenen Song ("The Weight Of The World") einschließt. Das der Gesamteindruck ein wenig wie bunt zusammen gewürfelt erscheint, liegt in der Natur der Sache. Doch ist ihnen bei dem Vorgänger "Tourism" vor 20 Jahren besser gelungen, die Songs mit einem roten Faden zusammen zu halten - gestützt von ein paar echten Hits. Und in dieser Dimension ist auf "Travelling" keiner zu finden. Was das neue Album von Roxette noch lange nicht schlecht macht. Es ist eine solide Pop-Platte, die vor allem für Sympathisanten des Duos interessant ist.




Besprochen: THE MARS VOLTA - "NOCTOURNIQUET"

Mit ihrem 6. Album besinnen sich The Mars Volta auf das wesentliche - und finden endgültig zur Perfektion. Mit einem Meisterwerk, dass noch weit über das Jahr 2012 hinweg strahlen wird.

The Mars Volta waren noch nie für jeden leicht verständlich. So  sehr sie auch viele schätzten (wie etwa meine Wenigkeit), so manch einem entglitt dann doch die Aufmerksamkeit, wenn die Band wieder einmal zu musikalischen Auswüchsen ansetzte, die durchaus auch mal locker die 10-Minuten Grenze sprengen konnten, natürlich stets einhergehend mit wild verspielten und ausufernden Gitarrensolos. Das neue und mittlerweile 6. Studioalbum "Noctourniquet" zeigt die Band nun allerdings von einer spürbar anderen Seite. Die Songs scheinen so greifbar und direkt wie selten zuvor und die Spiellänge bleibt stets im Rahmen - ohne aber ihre umtriebige Experimentierfreude zu vernachlässigen. Denn hier hört man die Band so vielseitig, wie vielleicht noch nie zuvor. Bisher hatten sie auf ihren Alben immer mal wieder einen (im Mars-Volta-Kosmos) waschechten Hit versteckt (wir erinnern uns an "Vermicide" oder "The Widow"). Nun scheint nahezu das komplette Album aus solchen zu bestehen. Doch wenn man im Kontext von The Mars Volta von einem Hit spricht, hat dies nicht im entferntesten etwas mit Radio-Musik oder ähnlichem zu tun. Ihre Songs bleiben weiterhin wunderschön und verschroben zugleich - und klingen hier zum Teil noch elektronischer, als man bislang von ihnen gewöhnt war. Doch darauf liegt hier nicht das hauptsächliche Augenmerk. Auch ihr neues Album bleibt ein verschachteltes Kunstwerk. Wie im Wahn hauen sie hier einen Hymne nach der anderen heraus, die auch als gesamtes Album so hervorragend funktionieren, wie kaum etwas anderes des bisherigen Jahres 2012. Wer das für bloße Übertreibung hält, der sollte sich "Noctourniquet"einfach einmal anhören...und nochmal, und nochmal. Denn dringt man erst einmal ganz in den Kosmos von "Noctourinquet"  ein, kann man ihm nicht mehr entkommen. Schon mit dem getragenen und gleichzeitig getriebenen Elektro-Prog-Rocker "The Whip Hand" (♪♫♪), setzen sie bereits mit dem Opener ein Denkmal. Und wenn man denkt, besser geht es nicht, dann wird es immer...tja...besser: "Aegis" (♪♫♪) zeigt sich bedächtig, bis es in den Refrains zu einer dunkel strahlenden Hymne anwächst. Auf "Empty Vessels Make The Loudest Sound" (♪♫♪) geben sie eine melancholische und soft elektronische Perle zum Besten. "Lapochka" (♪♫♪) liefert eine Melodie zum niederknien, die zum Ende auf strahlenden Synthesizern davon schwebt. Der gut 7-minütige Epos "In Absentia" (♪♫♪) beginnt als düster paranoider Psych-Pop, mit spacig elektronischen Auswüchsen, ehe es sich zum Finale hin zu einer strahlenden Hymne erhebt. Die grandiose, atmosphärische Ballade "Imago" (♪♫♪) liefert dann einen weiteren Beweis dafür, warum Musik so etwas wunderbares ist - ein Song und eine Melodie, die unter die Haut gehen und einem die Schuhe ausziehen. "Trinkett's Pale of Moon" (♪♫♪) offenbart ein melancholisches, düster-elektronisches Meisterstück, "Vedamalady" (♪♫♪) oder der Titelsong "Noctourniquet" (♪♫♪) berauschen als zeitlose Psych-Prog-Großtaten - und mit "Zed And Two Naughts" (♪♫♪) beschließen sie das Album mit einer übermächtigen und überwältigenden Hymne, die sich wie eine Lichtsäule in den Nachthimmel schraubt. 
Man muss es selbst erlebt haben - denn Worte können dem nicht gerecht werden, was hier für Eindrücke auf einen nieder prasseln.  The Mars Volta kreierten hier einen dieser seltenen Momente, wenn einen die Musik voll und ganz gefangen nimmt, man schon nach wenigen Malen jeden Song mit voller Leidenschaft mitsingen will, und doch immer wieder neue Einzelheiten, aber keine einzige schwache Sekunde entdeckt. Ein gravitätisches Werk, dass den Höhepunkt des bisherigen Musikjahres darstellt, und noch weit darüber hinaus strahlen wird.


Besprochen: NICKI MINAJ - "PINK FRIDAY: ROMAN RELOADED"

Nach ihrem überraschend guten Debüt, verkommt Nicki Minaj's zweites Album leider mehrheitlich zur künstlerischen Bankrotterklärung.

Ihr 2010er Debütalbum "Pink Friday" war ja im großen und ganzen doch eine recht positive Überraschung. Was Nicki Minaj da vor 2 Jahren so zusammen braute, konnte sich durchweg hören lassen, lieferte Mainstream-HipHop mit Überraschungseffekten, und konnte auch von der popigen Seite überzeugen. Das klang frisch und neu. Nun legt die Dame ihr zweites Album nach, das fast auf ein Update des Vorgängers schließen ließe. Nein, "Pink Friday: Roman Reloaded" ist ein vollwertiges neues Album, und hat in Bezug auf die Songs nichts mit dem Vorgänger gemein. Und auch nicht mit dessen Qualität - die ja bei manchen eh immer umstritten war. Mit ihrem recht eigenwilligen Stil konnte sie nie jeden erreichen, fand aber ein perfektes Gleichgewicht mit ihrer Musik. Das ist auf dem Nachfolger so nicht der Fall. Die ersten 6 Songs sind schon mal eine mittelschwere Zumutung. Denn hier haut sie uns mehrheitlich drögen HipHop um die Ohren, in dem sie entweder mit ihrer schrägen Art deutlich übertreibt, oder uns mit stupide bollernden Bässen und aggressivem Gekeife nervt. Aber ja, es gibt auch hier wieder die popigen und natürlich dancigen Momente. Doch was soll man von denen halten? So machten sie oder ihre Produzenten keinen Versuch, ihre HipHop- und Pop-Seite auf irgend eine Weise zu verschmelzen. Die Single "Starship" (♪♫♪), oder "Pound The Alarm" (♪♫♪) wären solche Kandidaten. Die haben auch recht catchy Melodien zu bieten, und hätten durchaus das Zeug zu wenigstens zeitweilig bespaßenden Instant-Hits gehabt  - aber kaum sind hier die Refrains ausgeklungen, wird alles dick und fett mit einem Dauerfeuer aus Trance-Synthie-Salven bestrichen, bis kein Stein mehr auf dem anderen steht. Mit "Whip It" (♪♫♪) versucht sie sich am Eurodance, was durchaus hätte glücken können - doch hier geht die Rechnung leider nicht auf. Nahezu gut geglückt ist dies allerdings bei "Automatic" (♪♫♪), dem 13. und ersten halbwegs überzeugenden Song des Albums. "Beautiful Sinner" (♪♫♪) besitzt diesbezüglich ähnlich nette Attribute - die aber nur bei jenen wirken, die dem Eurodance der 90er Jahre freundlich gesinnt sind. In "Marylin Monroe" (♪♫♪) versucht sie offenbar wie Lady Gaga zu klingen, was nur halbwegs gelingt, aber auch nicht vollständig in die Hose geht. Kann man hören. Mit "Young Forever" (♪♫♪) muss dann Katy Perry dran glauben - die sich aber vor diesem eher netten Dance-Pop-Standard wahrlich nicht verstecken muss. Bei "Fire Burns" (♪♫♪) will man auch erst erleichtert aufatmen - doch irgendwie passiert hier nicht viel mehr als Langeweile. Und das sie auf der neuen Single, dem indifferent vor sich hin dudelnden RnB-Schleicher "Right By My Side" (♪♫♪), von dem ziemlich abgewirtschafteten Chris Brown unterstützt wird, lässt die ganze Verzweiflung perfekt erscheinen. Es hilft einfach nichts - Nicki scheint bei den Aufnahmen des neuen Albums so beschäftigt gewesen zu sein, dass sie dabei die Hits vergessen hat. Ihre Fans werden es dennoch über den Klee loben, und die Hater werden es deftig verreißen. Doch von der Schnittlinie aus betrachtet, ist hier manches einfach nur irre nervtötend, anders wiederum schon ganz nett. Doch das gesamte Album ist leider doch nur eines: irgendwie egal! Ich geh dann mal "MDNA" hören...





Donnerstag, 5. April 2012

Besprochen: MICHAEL KIWANUKA - "HOME AGAIN"

Mit seinem Debüt legt Michael Kiwanuka ein starkes Fundament: Dieser Mann wird mal einer von den ganz großen sein. Wetten!?

Der derzeit am heftigsten umfeierte Newcomer ist wohl niemand anderes als Michael Kiwanuka. Der 24jährige Brite mit ugandanischen Eltern hat soeben sein Debütalbum "Home Again" vorgelegt - und dies ist ebenso typisch für den aktuellen Zeitgeist, wie untypisch. So bedient er auf seinem Erstling zwar hervorragend den derzeit noch immer rollenden Retro-Hype. Aber wie er dies tut, ist dieser Tage ganz und gar ungewöhnlich. Ein ruhiges, intimes, nahezu veträumtes, aber dennoch leidenschaftliches Album hat der junge Mann hier abgeliefert, dass in jeder Note, jedem Takt und jeder Sekunde vor allem anderen eines ist: authentisch! 10  überwiegend akustische und sanfte, aber dennoch einprägsame Songs, die sich zwischen Soul und Folk bewegen - und Michael Kiwanuka somit unweigerlich zur ersten großen Soul-Hoffnung Großbritanniens nach Amy Winoehouse machen! Nur ist er auf seinem Debüt "Home Again" noch ein wenig ursprünglicher - sein fantastischer Gesang oder die sparsamen und warmen, aber perfekt auf den Punkt gebrachten, und authentischen Arrangements. Eine herrliche zeitlose Melodie, begleitet von einem Soul-Feeling wie in den guten alten 60er Jahren, sowie leidenschaftlich ausufernden Saxofon-Einsatz, wird einem schon im famosen Opener "Tell Me a Tale" (♪♫♪) zuteil. Und damit beginnt nur eine Reihe von weiteren zweitlosen Klassikern. Die erste Single "I'm Getting Ready" (♪♫♪) kommt als herzerwärmende und soulige Singer/Songwriter-Perle des Weges, mit einem unaufdringlichen, aber beherzten Chor an der Hand. Die zweite Single (und Titelnummer) "Home Again" (♪♫♪) versteht sich als gefühlvolle und wunderbare, folkige Soulballade mit Tiefenwirkung. "Always Waiting" (♪♫♪) ist eine soulige Folk-Kostbarkeit, die das Zeug zum unbedingten Klassiker besitzt. "Any Day Will Do Fine" gelingt als bittersüßes und warmes Soul-Juwel, und "Worry Walks Beside Me" (♪♫♪) rundet das Album mit einem Soul-Meisterstück ab, mit einer Atmosphäre wie ein Nachtclub in der 40er oder 50er Jahren. Momentan muss sich Michael Kiwanuka noch mit einem verhältnismäßig undankbaren 23. Platz der deutschen Albumcharts zufrieden geben. Doch wenn die Menschen erst einmal begriffen haben, was für einen Schatz es hier zu entdecken gibt, könnte ein ähnliche Begeisterungswelle über ihn herein brechen, wie einst schon bei Amy Winehouse. Doch genug der Vergleiche - Michael Kiwanuka steht mit seinem Album ganz für sich allein. Und das ist auch gut so. Denn "Home Again" ist schon jetzt ein Klassiker.


Besprochen: KATY PERRY - "TEENAGE DREAM: THE COMPLETE CONFECTION"

Teenage Dream Reloaded: Katy Perry liefert ein Update ihres letzten Hit-Albums, angereichert mit ansehnlichem Bonusmaterial.

Bereits vor 2 Jahren hat Katy Perry ihr je nach Zählweise 2. bzw. 3. Album "Teenage Dream" in die Welt gesetzt. Und wer sie nach ihrem vorangegangenen Album "One Of The Boys", und dem ziemlich aufgeblasenen Hype um den doch recht unspektakulären Welthit "I Kissed a Girl" nicht ernst nahm, und ihrer Karriere keine großen Chancen einräumte (wie auch der Verfasser dieser Zeilen), der sollte sich mächtig irren. "Jetzt erst recht", schien das Motto von Katy Perry und ihren Produzenten, als sie dieses poppig bunte und herrlich synthetisch glitzernde Pop-Album vom Stapel ließen - das zudem mit Hits nur so um sich warf. So darf sie sich die erste weibliche Künstlerin nennen, die 5 No.1-Hits in Folge aus einem Album in den US-Charts platzieren konnte: den unwiderstehlich catchy Pop-Hit "California Gurls" (♪♫♪), den sie zusammen mit Snoop Dogg präsentiert. Den  fabelhaft euphorischen Ohrwurm "Teenage Dream" (♪♫♪), die mitreißende und 90s-orientierte Dance-Pop-Hymne "Firework" (♪♫♪), den Electro-Pop-Smasher "E.T." (♪♫♪), und das ausgelassen feierwütige "Last Friday Night (T.G.I.F.)" (♪♫♪). Als einzige Single sollte das wunderbare "The One That Got Away" (♪♫♪) die Chartspitze der USA verfehlen - aber immerhin einen mehr als soliden 3. Platz ergattern. Das hier aber auch sonst viel tolles passiert, beweisen die niedrigen Abnutzungserscheinungen. Denn nach nun fast 2 Jahren rutschen die Songs des Albums vielleicht noch etwas geschmeidiger durch die Gehörgänge, als man dies Anfangs zugeben wollte. So etwa das hübsch zweideutige "Peacock" (♪♫♪), das sich nah am Eurotrash der 90er Jahre bewegt. Das zu gleichen Teilen rockige und dancige "Circle The Drain", oder das ernste und dunkel elektronisch gefärbte "Who Am I Living For?" (♪♫♪). Nun hat Katy Perry das Album in einer neuen, erweiterten Fassung neu veröffentlicht: "Teenage Dream: The Complete Confection" nennt es sich, und liefert neben dem Original-Album eine Reihe von Bonus-Tracks. Unter anderem ist hier nun endlich die Single-Edit von "E.T." (♪♫♪) enthalten, welche mit soft überarbeiteter Produktion und einer hervorragenden Beteiligung von Kanye West die Album-Version überstrahlt. Neben der durchaus gelungenen Acoustic-Version von "The One That Got Away", und dem Remix von "Last Friday Night (T.G.I.F.) mit Missy Elliot, finden sich hier auch noch ein Megamix - und vor allem 3 brandneue Songs! Zu aller erst die neue Single "Part of Me" (♪♫♪): ein einfach gestrickter, aber verdammt nochmal wirkungsvoller Dance-Pop-Kracher, der dem Album einen weiteren US-No.1-Hit beschert. Mit "Wide Awake" (♪♫♪) präsentiert sie eine hübsche und sehnsüchtige Midtempo-Ballade, mit soft dancigem Einschlag. Und mit "Dressin' Up" (♪♫♪) verzapft sie einen zwischen getragen verführerisch, und ausgelassen elektropopig schwankenden Ohrwurm. Zwar darf man hier nach wie vor keinen hohen inhaltlichen Anspruch erwarten - aber Pop musste noch nie anspruchsvoll sein um zu funktionieren. Er muss einfach nur Spaß machen. Und das tut dieses Album nach wie vor. So unwiderstehlich süß wie zartschmelzende Karamell-Eiscreme. 


Montag, 2. April 2012

Besprochen: ROCKET JUICE & THE MOON - "ROCKET JUICE & THE MOON"

Damon Albarns neueste Supergroup liefert zum Einstand kein Meisterstück, aber eine solide Afro-Funk-Platte mit Anspruch.

Supergroups haben ja bereits eine lange Tradition - sogenannte Gruppen, die sich aus mehreren bekannten Musikern zusammen setzen. Damon Albarn hat ja bereits Erfahrung damit. Hob er vor einigen Jahren gemeinsam mit Paul Simonon (The Clash), Simon Tong (The Verve) und Tony Allen (Fela Kuti) die hervorragende Formation The Good, The Bad & The Queen aus der Taufe, legt er nun mit der nächsten Supergroup los. Zusammen mit Flea, Bassist der Red Hot Chili Peppers, und wieder einmal dem Drummer Tony Allen von Fela Kuti, steht er nun als Rocket Juice & The Moon in den Startlöchern. Wer von dem selbst betitelten Debüt "Rocket Juice & The Moon" nun allerdings ähnliches erwartet, wie einst von The Good, The Bad & The Queen, der hat sich kräftig geschnitten. Lassen wir also gleich die Katze aus dem Sack: Damon singt nur auf 2 Songs des gemeinsamen Debüts, 7 Songs werden von Gastvokalisten gestützt, und die restlichen 9 Stücke sind Instrumentals. Stilistisch führt das Album zudem vor allem in afrikanische Gefilde - doch auch die Masse da draußen, die mit derartigen Klängen und Rhythmen naturgemäß eher weniger vertraut ist,  sollte diesbezüglich durch den von Vampire Weekend einst angeheizten Afrobeat-Trend, einigermaßen desensibilisiert worden sein. Doch das Endresultat klingt dabei weit weniger anstrengend, als es dem Leser bis hier her vielleicht vorkommen mag. Denn durch eine extra Portion Funk kommt weitaus mehr Stimmung in die Bude - auch wenn selbiger hier nicht zum ausgelassenen Tanzen gedacht ist. "Rocket Juice & The Moon" ist viel mehr wie eine Art Afrobeat-Funk-Jam-Session. Die strahlendsten Momente sind erwartungsgemäß natürlich wieder die, in denen der Chef selbst ans Mikro tritt: im wunderbar getragenen "Poison" (♪♫♪), oder dem ebenfalls sehr gelungenen "Benko", das er gemeinsam mit Sängerin Fatoumata Diawara bestreitet. Doch auch Erykah Badu macht ihre Sache auf dem herrlich verkifften "Hey Shooter" (♪♫♪) ganz hervorragend. Auch der Rest kann sich hier nahezu durchweg hören lassen, doch ob einen dann am Ende dieser Musikstil als solcher überzeugen kann, dass muss jeder ganz für sich entscheiden. Eines muss man am Ende aber dennoch feststellen: auch wenn hier ganz andere Voraussetzungen herrschen, so hatte man wohl von Anfang an bei einer Beteiligung von Damon Albarn etwas anderes erwartet/erhofft. Aber dennoch erweist sich "Rocket Juice & The Moon" als gelungenes Experiment, dass zwar definitiv nicht die Klasse von Albarn's sonstigem Output erreicht, aber ein paar hübsche Momente zu bieten hat. Und so bleibt das Album trotz qualitativ hochwertiger und handwerklich einwandfreier Umsetzung vor allem: Geschmackssache!