♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

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Sonntag, 1. April 2012

Besprochen: MIIKE SNOW - "HAPPY TO YOU"

Pop von seiner schönsten Seite: Miike Snow legen ihr zweites Album nach - und übertreffen sich damit sogar selbst. 

Vor 3 Jahren war es ja schon eine mittelstarke Sensation im Pop: Das schwedische Produzenten-Duo Bloodshy & Avant, die bislang als Produzenten von Britney Spears ("Toxic"), Madonna ("How High") oder Kylie Minogue ("Speakerphone") für Furore sorgten, nahmen sich den amerikanischen Sänger Andrew Wyatt zur Seite, nannten ihr Dreier-Gespann Miike Snow, und legten mit dem gleichnamigen Debüt eine hervorragende Indiepop-Platte mit herrlich elektronischen Sperenzchen vor - und damit hat wohl kaum einer gerechnet. Das ihr Zweitwerk nach dieser Pop-Wundertüte auch gelingen würde, damit war wohl hingegen sehr wohl zu rechnen. Und siehe da: mit ihrem brandneuen Album "Happy To You" halten sie, was sie einst mit "Miike Snow" versprachen. Wieder einmal ist ihnen einen durchweg hervorragendes Album geglückt - das unterm Strich sogar noch schlüssiger und runder klingt, als ihr Erstling. Auf "Happy To You" bewegen sie sich noch konsequenter auf der Schnittlinie zwischen Kunst und Kommerz - quasi ein beinah perfektes, künstlerisch vollwertiges Album, dass auch dem Mainstream-Hörer fabelhaft schmecken wird. Denn mit jedem Hördurchlauf wechseln sich die Lieblingssongs ab - bis das Album plötzlich nur noch aus solchen zu bestehen scheint. Und dann ist der Punkt erreicht, an dem man selbst nicht mehr weiß, was an der neuen Platte eigentlich das beste ist. Das wunderbare, von Marschtrommeln, Piano und Handclaps getragene Pop-Juwel "The Wave" (♪♫♪)? Das melancholische, einnehmende und hymnische Meisterstück "Devil's Work" (♪♫♪)? Die hochmelodische, von schillerndem Elektronik-Feuerwerk eingerahmte Perle "Vase"? Der nahezu perfekte Pop-Song "Bavarian #1 (Say You Will)"? Das soft elektronische, veritable Pop-Prachtstück "Pretender"? Der herrliche Sehnsuchtspop von "Archipelago"? Das beinah psychedelische, von sachter Elektronik untermalte Duett "Black Tin Box" mit Lykke Li? Oder der enorm tanzbare und catchy Ohrwurm "Paddling Out" (♪♫♪)? Am Ende weiß man nur eines: das Miike Snow mit "Happy To You" ein fulminantes Pop-Spektakel gelungen ist, dass einen so schnell nicht mehr los lässt. 

Donnerstag, 29. März 2012

Besprochen: THE SHINS - "PORT OF MORROW"

(Indie-) Pop zum niederknien: Auch auf ihrem vierten Album können The Shins noch immer dein Leben verändern!

Wer einmal den wunderbaren Film "Garden State" gesehen hat, dem wird wohl noch immer die Szene im Kopf herum schwirren, in der Natalie Portman davon schwärmt, dass die Musik von The Shins das Leben verändern kann. Und wie Recht sie damit haben sollte, konnte die US-Band um Kopf James Mercer (der auch zuletzt mit Danger Mouse als Broken Bells unterwegs war), mit jedem Album auf's neue unter Beweis stellen. Haben sie uns zuletzt vor 5 Jahren mit ihrem Album "Wincing The Night Away" verzückt, hat nun endlich ihr neues und viertes Album "Part of Morrow" das Licht der Welt erblickt. Angeführt wurde es in den letzten Wochen bereits mit einer Hymne sondergleichen: dem fabelhaften und zu ausgelassenen Tagträumen einladenden Indiepop-HIT "Simple Song" (♪♫♪). Und auch auf Albumlänge halten sie, was dieser junge Klassiker bereits versprach. Alles auf "Port of Morrow" riecht und schmeckt typisch nach den Shins - und doch ist eine Änderung spürbar. Der Sound geht noch weiter in Richtung Pop, als es schon der tolle Vorgänger tat. Doch diese Entwicklung ist in keinster Weise negativ zu bewerten. Wie könnte man das auch? Denn das was hier so alles gezaubert wird, klingt einmal mehr wie aus goldenem Glück gegossen - ohne dabei auch nur annähernd in nervtötende Seichtheit zu verfallen. Das überlassen sie lieber weniger begabten Mitstreitern. Eben jenen, die nicht in der Lage sind, solch zartschmelzenden und herrlichen Melodien zu erschaffen, wie sie hier einmal mehr allgegenwärtig sind. Und das manches neu, aber irgendwie doch alles beim großartigen alten ist, zeigen sie schon beim Einstieg, wenn sie mit dem Opener "The Rifle's Spiral" (♪♫♪) eine waschechte Pop-Hymne vom Stapel lassen. Einen so unverschämt cremigen Popsong wie "It's Only Life" (♪♫♪) hätten sich die Shins früher wohl nie gewagt - aber gut für uns das sie es jetzt tun. "Bait & Switch" (♪♫♪) tut sich als relaxter und zugleich enorm catchy Ohrwurm hervor, und "September" (♪♫♪) veredeln sie zur schwerelos schönen Ballade, die nach einem warmen Sommerabend schmeckt. "For a Fool" (♪♫♪) schreitet als von einer herzerweichenden Melodie gesegnete Pop-Perle des Weges,  "40 Mark Strasse" (♪♫♪) weiß als warmherzige und melodisch einnehmende Pop-Kostbarkeit zu verzaubern, und der soft psychedelisch getragene Titelsong "Port of Morrow" (♪♫♪) krönt das Album zum Abschluss mit einem weiteren Höhepunkt. Und von denen gibt es hier nicht wenige. Mit ihrem neuen Album ist den Shins nun zum vierten Mal in Folge vor allem eines gelungen: für eine kurze Zeit die Welt zu einem besseren Ort zu machen. 


Donnerstag, 8. März 2012

Besprochen: CALIGOLA - "BACKTO EARTH"

Öfter mal was neues: Die beiden Frontmänner von Mando Diao gehen mit ihrem Nebenprojekt neue Wege....aber finden dabei nicht immer ins Ziel.

Wer gedacht hat, dass Mando Diao nach ihrem endgültigen Durchbruch mit dem 2008er Megahit "Dance With Somebody", und dem im Fahrwasser ebenfalls hoch hinauf in die Charts segelnden Album "Give Me Fire" schnell neuen Stoff nach legen würde, der hat sich bitter getäuscht. Mal von ihrem letztjährigen Weihanchtssong abgesehen, gab es in den letzten Jahren nicht neues zu hören. Auch derzeit liegt die Band aus Schweden auf Eis. Ihre beiden Frontmänner Björn und Gustaf vergnügen sich derzeit lieber anderswo - genau genommen bei ihrem neuen Projekt Caligola, das sie gemeinsam mit zwei Mitgliedern der schwedischen HipHop-Band Latin Kings bestreiten. Und mit dem Indierock den man bislang vermehrt von Mando Diao hörte, hat das was man auf dem Caligola-Debüt "Back To Earth" hört, so rein gar nicht zu tun. Davon konnte man sich auf der gelungenen und spacig-funky ersten Single "Sting of Battle" (♪♫♪), als auch auf der herrlich gut gelaunten, aber dennoch ein wenig flachen zweiten Single "Forgive Forget" (♪♫♪) ein Bild machen. Das was sie hier auf Albumlänge veranstalten, gestaltet sich aber durchaus sehr farbenfroh. So wird gleich zum Auftakt "Down By The Riverside" (♪♫♪) von einem Frauenchor veredelt der auf einem Mando-Diao-Song wohl relativ albern klingen würde - hier aber für einen recht catchy Einstieg sorgt. "Violetta's Dance" (♪♫♪) kommt mit zurück gelehnter und jazzig-housiger Atmosphäre des Weges, "Morning Light" gibt eine äußerst herzige und angenehmem kitschige Ballade zum besten, "Raise Your Head" (♪♫♪) bietet mit stampfendem Beat, federleichter Piano-Begleitung und vollem Einsatz von Björn einen potentiellen Hit, "My Sister Rising" verdingt sich als leibhaftiger Disco-Schunkler mit Streichern und einem funky Groove der auch Abba gehören könnte, "Ride The Night Away" orientiert sich in Richtung Amy Winhouse oder Adele - und mit "Angel Ice" gelingt ihnen eine in der Tat wunderbar getragene Ballade, die man sich so auch bei Mando Diao hätte vorstellen können. So kann das Debüt ihres Nebenprojekts in manchen Momenten durchaus glänzen - während es in anderen keinen allzu bleibenden Eindruck hinterlässt. Hier ist ihnen wahrlich kein schlechtes Album entschlüpft - und dennoch kriegt man jetzt schon wieder Hunger auf ein neues Album von Mando Diao. Denn so richtig satt macht "Back To Earth" am Ende dann doch nicht.


Donnerstag, 1. März 2012

Besprochen: MADONNA - "GIRL GONE WILD" (Single)

Single No. 2 aus ihrem im kommenden Album birgt keine großen Überraschungen - aber dafür einen catchy Dance-Pop-Ohrwurm, der ohne Anlauf die Tanzflächen erobern wird.

Ende März diesen Jahres erscheint endlich nach fast 4 Jahren das erste neue Madonna-Album, unter dem Titel "MDNA". Nach "Give Me All Your Luvin'" erblickte nun auch die 2. Vorab-Single das Licht der Welt. 
"Girl Gone Wild" (♪♫♪) nennt sich das Stück und wurde von Madonna und Benny Benassi soundtechnisch in Szene gesetzt. Eben jenem Elektro-Tüftler, der schon die Videoversion ihres 2009er Hits "Celebration" veredelte. Und eben jenem scheinen beide auch auf dem zweiten Vorboten von "MDNA" nachzueifern. Nun gut, auch eine gewisse Nähe zu früheren Huits wie "Sorry" oder "Music" sind zu erkennen - was schon zu Anfang nur einen Schluss zulässt: es gibt keine großen Überraschungen von der Front der Pop-Queen. Die wirklich schweren Geschütze fährt sie hier wahrhaftig nicht auf, dafür ist "Girl Gone Wild" sowieso zu nah am vorherrschenden Eurodance-Revival gebaut. Doch daran sollte man am besten gar nicht erst Anstoß nehmen...denn hier bietet sie uns einen textlich zwar sehr mageren, aber dafür sofort ins Ohr und kräftig in die Beine gehenden Dance-Pop-Kracher, der eine schicke Melodie, pumpende Beats und eine mitreißend minimalistische Synthie-Hookline zu bieten hat. Da der Song aber weder etwas überraschendes, noch irgendwie innovatives zu bieten hat, verwundert es einen selbst ein wenig, wie gut dieser Ohrwurm dennoch funktioniert.Aber seien wir mal ehrlich: Warum einen Song ausführlich auf seinen tieferen Sinn abklopfen, wenn doch manchmal gar keiner nötig ist? Manch ein Kritiker mag derzeit den Eurodance-Sound des Songs bemäkeln - doch kann man das auch tatsächlich richtig gut finden. Wem wie dem Verfasser dieser Zeilen in seiner Jugend der Eurodance der 90er Jahre ans Herz gewachsen ist, der wird hier voll auf seine Kosten kommen. Ein mitreißender, zwar einfach gestrickter, aber äußerst wirkungsvoller Dance-Ohrwurm, der Lust auf mehr macht. Und neugierig auf das Album. To be continued....


  

Sonntag, 19. Februar 2012

Besprochen: PERFUME GENIUS - "PUT YOUR BACK N 2 IT"

Aus düsterer Schönheit und trauriger Hoffnung, schmiedet uns Perfume Genius ein Meisterwerk, welches zeigt, dass auch die Dunkelheit die süßesten Früchte tragen kann. 


Schon mit seinem vor 2 Jahren erschienen Debüt "Learning" konnte Mike Hadreas alias Perfume Genius, für ein wenig Aufmerksamkeit sorgen - und vor allem für ein wundervolles und fragiles Werk, dass bis heute bei jedem nachhallt, der ihm einmal verfallen ist. Das all das so voller Ernst und Trauer intoniert ist, hat auch seine Gründe. Der heute 27jährige hatte keine immer sehr glückliche Vergangenheit. Lange Jahre lebte er als Junkie und landete letztendlich in der New Yorker Gay-Community. Doch nach einem erfolgreichen Entzug, war längst nicht all das bewältigt, was er in seiner Erinnerung trug. So verarbeitet er seine Erfahrungen, sein Leben, seine Ängste und seinen Schmerz in seiner Kunst. Nun erscheint dieser Tage sein zweites Album "Put Your Back N 2 It". Und das was die Magie seines Vorgängers ausmachte, ist auch auf seinem neuen Werk allgegenwärtig - und tatsächlich noch hervorragender auf den Punkt gebracht. Denn noch immmer (und zum Glück!) bleibt das Piano Mike Hadreas' Lieblingsinstrument, begleitet von softer Elektronik und vor allem seinem zerbrechlichen und entrückten Gesang, der geradewegs unter die Haut geht. So erschuf er hier ein beklemmend lyrisches Werk um Missbrauch, Sex und Tod. All das was den Künstler in seinem früheren Leben begleitete. 
"Awol Marine" gibt sich als getragene und tieftraurige Ode, zu der er sich durch einen ungeschnittenen Amateur-Schwulenporno inspirieren ließ. "17" (♪♫♪) schwebt als zu Herzen gehende Ballade auf elegischen Pianoakkorden, auf das kein Auge trocken und kein Herz unberührt bleibt. "Dirge" erweist sich als gravitätische, psychedelisch hallende Ballade, der eine beklemmende Magie innewohnt. "All Waters" (♪♫♪) erhebt sich zu einem majestätischen und zugleich höchst zerbrechlichen Höhepunkt, während sich "Hood" (♪♫♪) behutsam aber sicher zu einer schwerelosen, und dennoch kraftvollen Pop-Kathedrale aufschwingt. "Dark Parts" (♪♫♪) verführt als hoffnungsvolle und träumerische Perle, die aber alsbald in melancholische Tiefen abtaucht, und einem am Ende doch noch eine Träne entlockt. Der Titelsong "Put Your Back N 2 It" erklärt sich als zerbrechliche und schwermütige Ballade die zu Herzen geht, und "Floating Spit" prägt sich als zärtlich getragene, und von soften Beats unterlegte Pop-Großtat ein. Der einzige mögliche Kritikpunkt wäre, dass der ganze "Spaß" schon nach einer halben Stunde vorbei ist. Doch auch hiermit hat er am Ende eine gute Entscheidung getroffen. Denn er hat ein Album geschaffen, dass die volle Aufmerksamkeit des Hörers fordert - ihn aber nicht überfordert. Und wenn eine Platte einen auf so intimer und emotionaler Ebene ergreift, und ohne große Anstrengungen so vollkommen einnimmt, dann schreit es förmlich nach der Höchstwertung. Denn: Was nützt aller Pomp und Pathos, wenn die Musik micht die Seele berührt? Und die Musik auf "Put Your Back N 2 It" tut dies. Ein Werk von dunkler und erhabener Schönheit. 
Doch am Ende vergesse man am besten all diese Worte, höre sich einfach nur dieses Album an....und verliebe sich.

Freitag, 10. Februar 2012

Besprochen: SOAP & SKIN - "NARROW"

Schwere Kost, große Kunst: Anja Plaschg alias Soap & Skin, lässt uns mit ihrem 2. Album keine ruhige Sekunde. Und das ist auch gut so.


Es war doch eine nicht zu verachtende Aufregung um das Debüt "Lovetune for Vacuum" der Anja Plaschg im Frühjahr 2009. Unter dem Namen Soap & Skin und mit diesem herausragend neoklassischen und elektronisch unterstrichenen Album, heimste die einst gerade 19 Jahre junge Österreicherin auch im Ausland reichlich Lorbeeren ein. Und das vollkommen zurecht. 3 Jahre sind nun ins Land gezogen, die die mittlerweile 21jährige dafür nutzte, an ihrem Zweitwerk "Narrow" zu arbeiten, dass dieser Tage in den Läden steht. Manch böse Zunge mag nun meckern, dass die Tracklist "nur" 8 Songs zählt. Doch auch Radiohead haben im vergangenen Jahr deutlich gezeigt, dass solch ein Zug auch heute noch durchaus funktionieren kann - war es in den 60ern und 70ern doch alles andere als eine Seltenheit. Denn hier steht Qualität über Quantität. Und vor allem: bei dem was die Dame hier so alles ausheckt, benötigt sie nicht mehr als diese knapp 30 Minuten, um zu sagen was gesagt werden musste. Denn die Extreme ihres Schaffens stellt sie in manchen Momenten von "Narrow" noch unverblümter zur Schau, als dies auf ihrem Erstlingswerk der Fall war. Schon der Opener "Vater" zeigt dies deutlich: Mit diesem Song, in dem sie den Tod ihres Vaters verarbeitet, wagt sie sich nicht nur erstmalig an ihre deutsche Muttersprache heran. Denn was hier anfänglich als so melancholisch schöne Piano-Ballade beginnt, verfällt zusehends einer Art inneren Getriebenheit - nur um gegen Ende in schwindelerregendem und monolithischem Bombast auszubrechen, der keinen Stein auf dem anderen lässt. Als nächstes vergeht sie sich dann am käsigen 80er-Hit "Voyage, Voyage" von Desireless - und siehe da: wenn sich diese Dame daran macht, alle Schichten des schmierigen 80s-Sounds abzutragen, und sich all das was übrig geblieben ist vollständig einzuverleiben, und mit einer ordentlichen Portion Seele und emotionaler Tiefe neues Leben einzuhauchen, dann eröffnen sich einem auch hier vollkommen neue und tiefgreifende Eindrücke. "Deathmental" bläht sich zur düster martialischen Hymne auf, die sich listig von hinten heranschleicht, und im nächsten Moment Mauern einreißt. "Wonder"  bekennt sich als gedankenverlorene, bezaubernde Ballade mit Klassiker-Qualitäten, die einem noch lange in Fell hängen bleiben wird. Und "Boats Turn Toward The Port" entführt in neblig melancholische Klanglandschaften, zu elektronischen Effekten, Klangfetzen und Anja Plaschg's klangenden Gesang, der weit über allem anderen thront. "Narrow" mag im ersten Moment ein wenig unbequem, und alles andere als konventionell sein. Wahrhaftig ist es keine leichte Kost, was einem hier dargeboten wird. Doch das macht "Narrow" eben auch so unverzichtbar. Ein avantgardistisches Pop-Meisterstück, dass seinem Vorgänger in nichts nachsteht. Einfach ganz große Kunst!  

Mittwoch, 8. Februar 2012

Besprochen: AIR - "LE VOYAGE DANS LA LUNE"

Mit ihrer Vertonug des Stummfilm-Klassikers, reisen Air erneut zum Mond - und sind dabei so relevant wie seit langem nicht mehr.


Wenn man an das französische Ambient-Electro-Duo Air denkt, dann denkt man an "Moon Safari", dieses kleine (na klar:) Ambient-Electro-Meisterstück aus dem Jahr 1998, dass sich so hübsch watteweich und zart cremig in den Gehörgang schmeichelt. Doch was danach kam, war mehrheitlich dasselbe in grün. Stetig schienen sie dem Erfolg und der Klasse dieses Albums nachzueifern. Bis sie in der relativen Belanglosigkeit ihren Platz gefunden zu haben schienen. Als man dann jüngst hörte, dass sie den Stummfilm-Klassiker "Le Voyage dans la Lune" aus dem Jahr 1902 vertonen würden, wurde man hellhörig. Könnte da vielleicht mal wieder etwas wirklich interessantes kommen? Doch bei dem gleichnamigen neuen Album "Le Voyage Dans La Lune", handelt es sich aber keineswegs um einen reinen Soundtrack. Zwar haben Air den 14-minütigen Film mit ihrer Musik neu vertont - aber mit 11 Songs auf ca. 50 Minuten Spieldauer, gibt es hier noch viel mehr zu entdecken. Doch die gesamte Klangatmosphäre ist in sich enorm stimming und wie aus einem Guss - und dennoch nicht eintönig oder belanglos. Im Gegenteil - man will sogar beinah sagen, dass Air lange nicht mehr so relevant klangen wie hier. Vieles hier klingt - im Gegensatz zu ihren bisherigen Sachen - ziemlich organisch. Schon der Opener "Astronomic Club" (♪♫♪) kommt mit Pauken und Orchester-Schnipseln daher, die sich mit allerlei anderen Soundzutaten vermengen - und so einen recht beachtlichen Start hinlegt. Mit "Seven Stars" (♪♫♪) folgt dann eines der Highlights des neuen Albums - ein nahezu hittauglicher, getragen verchillter und zugleich ganz zauberhafter Song, den Victoria Legrand  mit Vocals verziert. "Parade" kommt dann fast schon stimmungsvoll, und mit einer gelungenen Mischung aus Retro-Elektronik und catchy Gitarren-Hookline daher. "Moon Fever" (♪♫♪) gleitet schwerelos vorüber, während "Sonic Armada" (♪♫♪) mehr Groove ins Spiel bringt, und den Geist der 70er Jahre aufleben lässt. Und "Cosmic Trip" (♪♫♪) ist ein fast schon berauschend getragener Song, der genauso klingt wie er heißt. Der ganz große Wurf, der ihnen zu neuem altem Ruhm verhelfen wird, ist "Le Voyage dans la Lune" zwar nicht geworden, aber dennoch eine Entwicklung in die richtige Richtung. Und das wir so schnell nochmal ein wirklich gutes Album von Air zu Ohren bekommen würden, hätte man ja auch nicht wirklich erwartet. Hut ab und Daumen nach oben!