♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

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Freitag, 4. November 2011

Besprochen: THE BEACH BOYS - "THE SMILE SESSIONS"

Nach 44 Jahren erblickt das am sehnlichsten erwartete Album der Pop-Geschichte endlich das Licht der Welt: Smile! So wird die Musikgeschichte nun nachträglich um ein essentielles Meisterwerk bereichert!

Ursprünglich sollte "Smile" im Jahr 1967 als das 12. Album der Beach Boys erscheinen. Doch dazu sollte es bekanntlich nicht kommen. Für die Gründe gibt es die verschiedensten Meinungen. Die einen geben den Differenzen innerhalb der Band die Schuld, andere führen es auf Vertragsschwierigkeiten mit ihrem Label zurück - und laut einer weiteren Legende soll Brian Wilson, kreativer Kopf der Band, die Flinte ins Korn geworfen haben, nachdem er zum ersten Mal die einst neue Beatles-Single "Strawberry Fields Forever" im Radio hörte. Was auch immer der Grund war, Fakt ist: Auch bedingt durch die Veröffentlichung des Jahrhundert-Meisterwerks "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" der Fab Four, wurden Wilsons Ambitionen scheinbar endgültig zunichte gemacht, sein Lebenswerk "Smile" zu Ende zu führen. Seine Kreativität war gebrochen, und auch durch verstärkte psychische Probleme zog er sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Und von nun an wird es ein wenig kompliziert. Denn verschiedene Songs, die für "Smile" vorgesehen waren, landeten mit der Zeit in zum Teil veränderten Versionen auf anderen Alben der Band, und im Jahr 2004 veröffentlichte Brian Wilson eine von vielen zwiespältig betrachtete Solo-Neueinspielung des Albums als "Brian Wilson presents Smile" - und illegale Bootleg-Ausgaben der einstigen Aufnahmen geisterten über die Jahrzehnten auch immer wieder durch die Landschaften. So mauserte sich "Smile" zu dem wohl berühmtesten unveröffentlichten Album aller Zeiten. Doch nach 44 Jahren ist nun Schluss damit - man kann sagen, das eine Ära zu Ende geht. Denn dieses Jahr setzte sich Wilson endlich hin, um die einstigen Original-Aufnahmen zu vollenden. Das Ergebnis nennt sich "The Smile Sessions" und enthält 2 CDs. Die erste birgt das fertiggestellte Original-Album, inkl. einiger Bonus Tracks. Und "Smile" sollte sich ebenso wie ihr zuvor veröffentlichtes Jahrhundertmeisterwerk "Pet Sounds", vom einst typischen Surf-Pop der Band emanzipieren - und sogar noch einen Schritt weiter gehen. Noch versponnener, noch psychedelischer und noch kreativer sollte "Smile" werden. So wurde für seine Entstehung (ähnlich wie die Beatles es bei ihrem "Sgt. Pepper" taten) auch reichlich mit LSD experimentiert, auf der Suche nach neuen künstlerischen Quellen. Der wohl bekannteste Song des Albums ist bereits seit mehr als 4 Jahrzehnten ein Klassiker, und sollte die Brücke vom alten Sound, zu den neuen Soundsphären schlagen: Der famose Album-Closer "Good Vibrations" (♪♫♪), der fantastischen Psychedelic-Pop mit dem typischen Surf-Pop der Beach Boys verbindet. Doch was davor schon alles auf der Scheibe passiert, lässt einem kräftig die Kinnlade zu Boden krachen. Zu Anfang begrüßt uns mit "Our Prayer" (♪♫♪) die Band mit einem feierlichen Chor, und sorgt für den ersten von vielen magischen Momenten. Mit "Heroes & Villains" (♪♫♪) gehts dann so richtig los - und zwar mit einem herausragenden Stück Psychedelic-Pop, dass aus den verschiedensten und buntesten Fragmenten einen zeitlosen Klassiker schmiedet. Mit "Do You Like Worms (Roll Plymouth Rock)" drehen sie uns ein psychedelischen und bewusstseinserweiternden Trip in die Hirnwindungen, dass einem ganz schwindelig wird vor Freude. "Cabin Essence" (♪♫♪) vezaubert als bedrogter und facettenreicher Psychedelic-Baroque-Pop, dem dann die treffend betitelte Ballade "Wonderful" folgt, welche im gleichen Soundkosmos schwebt. "Surf's Up" (♪♫♪) ist nicht weniger als ein erhabenes und zeitlos großartiges Pop-Juwel, dass den Beatles Konkurrenz machen kann, und das Instrumental "The Elements: Fire" spukt als paranoider Psych-Rock mit Tiefenwirkung umher. Nach dem Album geben dann die Bonus-Tracks, aber vor allem die zweite Disc einen spannenden Einblick in die Entstehung des Albums, anhand von diversen Mixes, Demo-Versionen oder Original-Studio-Sessions. Und doch ist es vielmehr die komplette Atmosphäre des Gesamtkunstwerkes "Smile", die dieses Album so außergewöhnlich macht. Quasi jede Sekunde atmet den kreativen und umtriebigen Geist des "Summer of Love" - und in der Summe bilden all die vielen verschiedenen Klangkonzepte, Samples und Song-Fragmente ein essentielles Stück Pop-Geschichte, dass sogar ihren Vorgänger "Pet Sounds" weit hinter sich lässt. Wäre es wie geplant 1967 erschienen, es würde gewiss bis heute zu den besten Alben aller Zeiten zählen. Höchste Zeit dies nachzuholen, denn "Smile" ist nun auch offiziell das, was man sich über all die Jahrzehnte davon erhofft hat: Ein Meisterwerk par excellence.

Montag, 24. Oktober 2011

Besprochen: COLDPLAY - "MYLO XYLOTO"

Frisch, bunt, hell und nur ein ganz klein wenig verklemmt: Coldplay können mit Album No.5 tatsächlich überzeugen!

Wie sagt man so schön: Irren ist menschlich! Geirrt habe ich tatsächlich - und zwar im Bezug auf das neue und nunmehr 5. Album "Mylo Xyloto" von Coldplay. Wenn man ehrlich ist, machen sie einem das voreilige Urteilen auch ziemlich leicht. Schon in den letzten Jahren war es immer mal wieder etwas schwierig mit Coldplay geworden. Und hört man dann zum ersten Mal die Songs des neuen Albums, beschleicht einen das Gefühl, dass so ziemlich alles hier arg glatt, massenkompatibel und ein wenig bieder wirkt. Das wäre ein Umstand, der viele da draußen nicht weiter überraschen würde - er ist aber dennoch ein gewaltiger Trugschluss. Denn widmet man sich "Mylo Xyloto" genauer, verhält es sich ähnlich wie bei einem Disney-Trickfilm: Oberflächlich betrachtet brav, schön bunt und ein wenig naiv. Aber sieht man genauer hin, kann man stets etwas finden, bei dem einem förmlich das Herz aufgeht. Wirft man sich einmal ganz unvoreingenommen in die 14 Songs des neuen Albums, nehmen sie einen sachte bei der Hand, und führen den Weg durch ein buntes, oft schillerndes, manchmal auch bittersüßes kleines Wunderland, dass man - hat man einmal endgültig Blut geleckt - so schnell nicht mehr verlassen will. Schon der Einstieg gelingt mit einem kleinen Knall: "Hurts Like Heaven" (♪♫♪) glänzt mit herrlich sonniger Melodie, und führt uns als wunderbar aus den Boxen perlender Pop-Ohrwurm, in die bunte Welt von "Mylo Xyloto" ein. Kaum verhallt, schwebt uns schon die Single "Paradise" (♪♫♪) entgegen - und hat man sich erst einmal mit der Tatsache abgefunden, dass es im Grunde ein einfach gestricktes und süßliches Liedchen ist, kann man es dennoch als strahlende und wärmende Pop-Perle in die Arme schließen. Ihre Ode an die Cartoon-Figur "Charly Brown" (♪♫♪) kommt auf sanften Schritten daher getänzelt, um sich schon bald zur opulenten Pophymne zu erheben. Das schon seit Monaten bekannte, und Anfangs etwas unspektakuläre "Every Teadrop Is A Waterfall" (♪♫♪), begegnet einem hier plötzlich mit einer Wirkung wieder, als handele es sich bereits um einen Band-Klassiker - was sich dann mit dem grandiosen "Major Minus" (♪♫♪) noch einmal wiederholt (wenn man es denn bereits von der "Every Teardrop..."-EP kennt). Als eines der prägnantesten Highlights stellt sich dann '"Princess of China" (♪♫♪) heraus: Im Duett mit Rihanna (!) erschaffen sie hier einen unwiderstehlich melodischen Pop-Ohrwurm, der von flirrenden Synthesizern und kunterbuntem Soundgewand eingerahmt wird. Das Ende der Reise bildet dann "Up With The Birds" (♪♫♪), dass fast wie ein herrlich einlullendes Schlaflied beginnt, nur um sich noch einmal zu voller und farbenprächtiger Größe aufzubäumen - das schillernde Feuerwerk im Nachthimmel inklusive. Und plötzlich betrachtet man "Mylo Xyloto" wie mit völlig anderen Augen, bemerkt Schönheit für die man zuvor blind zu sein schien: fast wie Liebe auf den zweiten Blick!





Bersprochen: JUSTICE - "AUDIO, VIDEO, DISCO"

Mission: Possible! Justice haben das fast Unmögliche möglich gemacht, und ihrem monolithischen Debüt einen würdigen Nachfolger entgegen gesetzt.

Als die beiden Franzosen Gaspard Augé und Xavier de Rosnay alias Justice im Jahr 2007 ihr Debüt "" vorlegten, schufen sie ein radikales, wildes, aber dennoch hochmusikalisches Stück Musik, dass nicht nur die versteiften Hirnwindungen der Elektro-Gemeinde lockerte, sondern zugleich ihre Kollegen von Daft Punk vom französischen Elektro-Thron schubsen sollte. Mit ihrer ordentlich auf die 12 gehenden Mischung aus Elektronik und Rock, zeigten sie den übrig gebliebenen Relikten des einstigen BigBeat der 90er, wie es richtig funktioniert. Man konnte das auch Disco-Metal nennen, was sie dort grandioses ausheckten. 4 Jahre später steht nun endlich ihr lang erwartetes 2. Album in den Startlöchern - und es wird mit Sicherheit für geteilte Meinungen sorgen. Denn Justice machen nicht da weiter, wo sie einst mit "" aufhörten. Haben sie auf ihrem Debüt noch quasi den Metal und Hard-Rock clubtauglich gemacht, vergehen sie sich auf ihrem neuen Werk "Audio, Video, Disco" eher am Glam- und Prog-Rock der 70er Jahre. Und seien wir ehrlich: so mancher hatte beim hören der ersten Vorab-Songs des Albums zwar eine Menge Spaß, aber wohl auch nicht wenige haben den radikalen Style des Erstlingswerkes vermisst. Wobei die erste Single "Civilization" (♪♫♪), die von der Stimme des Sängers Ali Love geschmückt wird, noch am ehesten die Brücke von "" zu "Audio, Video, Disco" schlägt. Und tatsächlich haben Justice auf ihrem neuen Album ein paar Gänge herunter geschaltet - was aber volle Absicht war. Einen neuen Aufguss des Vorgängers wollen wohl die wenigstens so wirklich von einer Band hören. Zumal es auch ein unkluger Schachzug ist, sich als ernst zu nehmender Musiker selbst zu kopieren. Und da diese beiden Herren auch definitiv zu selbigen gezählt werden, hätte man eigentlich einen gewissen Wandel von vornherein erwarten müssen. Und dieser ist ihnen durchweg geglückt. Denn trotzdem die neue Musik des Duo's außerordentlich prägnant mit dem 70s-Rock verbunden ist, hört man doch in jeder Sekunde die typische Handschrift der beiden Elektro-Tüftler heraus. Das macht zu Anfang beinah demonstrativ der grandiose Opener "Horsepower" (♪♫♪) deutlich, der sozusagen in enger Verwandtschaft zum Debüt-Opener "Genesis" steht - nur das er wesentlich optimistischer zur Sache geht, und überdeutlich den 70s-Glam-Rock abfeiert. Nachdem sie zuletzt eher düster zu Werke ginge, kündigten Justice ihr neues Album ja schon im Vorweg als "daytime music" an - und das ist ihnen hier wahrlich gelungen. Ähnlich funktioniert auch die großartige Elektro-Prog-Rock-Hymne "Canon" (♪♫♪), welche vom einem kurzen Mittelalter-Intermezzo eingeleitet wird. Und auch die Querverweise zu 70er-Helden wie Queen sind hier nicht rar gesät. Kenner können dem famosen "Brianvision" (♪♫♪), eine gewisse Ähnlichkeit zu "Flash's Theme" entnehmen, während das überaus famose "Parade" (♪♫♪) sich den Beat von "We Will Rock You" einverleibt. Auch der Einsatz von Gaststimmen fällt auf der neuen Scheibe dominanter aus als noch zuvor. Nach der ersten Single, wäre da etwa das fabelhafte "Ohio" (♪♫♪): Ein fast schon schwebender, aber unterschwellig mit einem funky Groove versehener, und nur soft angerockter Elektro-Pop-Song. Oder die unwiderstehlich feisten Ohrwurm-Kracher "On'n'On" (♪♫♪) und "New Lands" (♪♫♪), bei denen Morgan Phalen hinterm Mikro stand. Das hübsch kunterbunte und herrlich lässige "Helix" (♪♫♪) ist ebenfalls von Gesangspassagen, sowie psychedelischen und funky Momenten durchzogen. Und die abschließende 2. Single "Audio, Video, Disco" (♪♫♪) fügt sich dann so perfekt in den Albumkontext ein, dass es mit dem kurz danach folgenden und grandiosen Hidden Track (♪♫♪), einen würdigen Abschluss für ihr äußerst gelungenes Zweitwerk bildet. Man kann bei "Audio, Video, Disco" durchaus von einer Weiterentwicklung sprechen - so beamen Justice ihre Stärken einfach in ein anderes Genre. Und auch wenn das Ergebnis softer ausfällt als man es bislang von Justice gewohnt war, ist ihnen erneut ein spannendes und kreatives Meisterwerk gelungen, dass auch die Zweifler restlos überzeugen sollte.





Donnerstag, 20. Oktober 2011

Besprochen: FLORENCE & THE MACHINE - "CEREMONIALS"

Übersättigung auf hohem Niveau: Florence Welch meint es auf ihrem neuen Album ein bisschen zu gut mit uns.

Als Florence Welch alias Florence & The Machine vor 2 Jahren ihr Debütalbum "Lungs" veröffentlichte, war die Sensation perfekt. Kritiker als auch Endverbraucher überschütteten sie mit Lob - und das auch durchaus zurecht, konnte sie doch eine Sammlung hervorragender Songs zwischen Indie- und Baroque-Pop, (Art-) Rock und gutem altem POP vorweisen, für die sie sich als Produzenten u.a. James Ford oder Paul Epworth sichern konnte. Nun auf ihrem mit Spannung erwarteten 2. Album "Ceremonials", entschied sie sich ausschließlich für Epworth als Produzenten - was aus Erfahrung (Bloc Party, Maximo Park, Plan B, Adele, Kate Nash) wahrlich keine allzu schlechte Wahl ist! In gewisser Weise kann man sogar sagen, dass das neue Album von Anfang an etwas geschlossener klingt als sein Vorgänger, der doch ab und an einen Patchwork-artigen Eindruck erwecken kann. Wohlgemerkt: KANN! Doch wer genauer hinhörte, oder spätestens das neue Album in den direkten Vergleich stellt, dem fällt vor allem eines auf: gerade diese Vielseitigkeit und Verspieltheit waren es, die dem Debüt so gut getan haben. Doch Paul Epworth wollte als Produzent scheinbar mehr - mehr Hall, fettere Bässe, opulentere Arrangements, und einfach mehr von allem! An den Songs hapert es hier mit Sicherheit nicht - denn davon hat Florence hier wieder ein paar mehr als ordentliche beigesteuert. So gelingt schon der Einstand beinah grandios, indem sie uns mit "Only If For a Night" (♪♫♪) eine einnehmende, fabelhaft melodische und leicht verdunkelte Pop-Hymne um die Ohren haut. Schlechter wird es dann auch nicht, wenn sie uns die zweite Single "Shake It Out" (♪♫♪) präsentiert: ein mitreißender und leidenschaftlicher Pathos-Pop-Ohrwurm, der auf Anhieb ins Schwarze trifft. Auch mit der dann folgenden ersten Single "What The Water Gave Me" (♪♫♪), einem sich langsam aufbauenden Indie-Pop/Rock-Song, kann sie durchaus überzeugen. Und "Never Let Me Go" (♪♫♪) kommt mit etwas mehr leidenden, aber nicht minder leidenschaftlichen und atmosphärischen Pop-Tönen daher. Aber irgendwann dann kommt doch der Punkt, an dem einem hier manches einfach zuviel wird. Das Songmaterial mag sich bis zum Ende noch wacker halten, aber aufgrund der doch recht einheitlich wirkenden Produktion und den beinah vollkommen ausbleibenden Ecken und Kanten (die dem Vorgänger seinen unvergleichlichen Charme verliehen), kommt ein gewisser Gleichklang auf, dem selbst die hymnischen Melodien nur noch selten etwas wirksames entgegen setzen können. So hat man oftmals hier das Gefühl, dass sie weit hinter ihren kreativen Möglichkeiten zurück bleibt, und ihre eigene künstlerische Identität langsam dem immer mehr einheitlichen Pop-Bombast opfert. Denn die richtigen Zutaten ergeben eben nur dann ein wirklich schmackhaftes Gericht, wenn auch die Mengenverhältnisse stimmen.


Dienstag, 18. Oktober 2011

Besprochen: FEIST - "METALS"

Erhabener Folk-Pop, der sich wie honigsüßer Balsam auf unsere Seele legt: Leslie Feist ist zurück und hat alles richtig gemacht.

Was war das vor 4 Jahren doch für eine Aufregung um die kanadische Sängerin Leslie Feist. Zwar hatte die Dame bereits mit zwei vorangegangenen Soloalben und durch ihre Mitgliedschaft im Künstler-Kollektiv Broken Social Scene relative Bekanntheit erlangt - doch ihr persönlicher Durchbruch kam 2007, als ihr 3. Soloalbum "The Reminder" hoch gelobt wurde, und sich Apple ihre Single "1234" für ihre iPod-Werbung vornahmen, und so zum Hit machten. Obwohl Feist dies so gar nicht nötig hatte - und das beweist auch ihr neues Album, dass nun international in den Plattenläden steht. Liebhabern ihres letzten Albums sei vorweg schon einmal gesagt: Feist schafft es auf "Metals" (Songs hier im Stream anhören!), diesen von ihr selbst ausgespielten Trumpf noch zu überbieten. Aber nicht durch Weiterentwicklung oder Mut zum Experiment - die Kanadierin bleibt künstlerisch bodenständig und reduziert sich auf das nötigste. Und das kommt "Metals" in jeglicher Hinsicht zugute. Denn hier stehen nur ihre wunderbare Stimme und die warmen, ganz und gar hervorragend ins Licht gerückten Arrangements im Mittelpunkt. Und vor allem die herrlichen, gravitätischen Melodien, die der 35-jährigen Künstlerin immer wieder auf's neue aus dem Ärmel purzeln, und sich wie honigsüßer Balsam auf unsere Seele legen. Das macht schon der Auftakt des Albums klar. "The Bad In Each Other" erweist sich als erhabenes, warmes und folkloristisches Singer/Songwriter-Juwel, dass einen mit seiner zeitlosen Atmosphäre ganz und gar einnimmt. Und wenn sie danach "Graveyard" anstimmt, sind alle Hemmungen vergessen und man schwelgt in zarter Melancholie zu dieser majestätischen Folk-Ballade - und schon ahnt man, dass man es hier mit einer der Platten des Jahres zu tat. Und auch die folgenden Indizien nähren diesen wunderbaren Verdacht beträchtlich. "Caught a Long Wind" eröffnet sich dem Hörer als zärtliche, höchst emotionale und tief melancholische Ballade, die Erinnerungen an die fragilen und persönlichen Singer/Songwriter-Glanzstücke der späten 60er und frühen 70er Jahre wachruft. Dagegen wirkt die erste Single "How Come You Never Go There" wie ein herrlicher und in seiner minimalistischen Gelassenheit sogar schon enorm cooler Hit, der aber eigentlich keiner sein will. "Bittersweet Melody" kommt dann ebenfalls als wunderbarer Singer/Songwriter-Juwel daher, während sie uns mit "Anti-Pioneer" eine beinah schon tieftraurige, von schwelgerisch melodramatischen Streichern begleitete Folkballade schenkt. "Comfort Me" beginnt ruhig und zurückhaltend, gewinnt aber zunehmend an Struktur und schwingt sich auf zur Midtempo-Folk-Hymne. Und mit "Get It Wrong, Get It Right" lässt sie ihr neues Album mit einer verträumten und melancholisch-schönen Perle ausklingen, die stark zeitlose Züge hat. Doch diese Züge ziehen sich durch das gesamte Album, dass die Dame nach etwas längerer Abwesenheit wieder schlagartig in die Köpfe der Menschen zurück katapultiert. Feist ist zurück und hat verdammt nochmal alles richtig gemacht.


Montag, 17. Oktober 2011

Besprochen: RADIOHEAD - "TKOL RMX 1234567"

Radiohead legen eine Remix-Compilation ihres diesjährigen Meisterstreichs "The King of Limbs" vor - und eröffnen seinen Songs mitunter vollkommen neue Perspektiven.

Mit Remix-Alben ist es oft eine schwierige Angelegenheit. Das sollte man aus Erfahrung bereits gelernt haben. Die wenigsten Beispiele zeigten ein wirklich gelungenes Ergebnis - obwohl es so schwierig gar nicht sein muss: Man muss nur eben für gute Remixe sorgen. Das nahmen sich in diesem Jahr Radiohead vor, die die Tracks ihres diesjährigen Meisterstreichs "The King of Limbs" von diversen Remixern neu bearbeiten ließen. Allerdings ursprünglich in Form von 7 separaten 12"-Vinyl-Singles, die aber auch als Downloads erhältlich sind. Wer einige davon bereits in den vergangenen Wochen und Monaten zu hören bekam, wird sich freuen, dass sie selbige nun auf einer Doppel-CD vereint haben. "TKOL RMX 1234567" nennt sich diese Compilation, auf dem sich so manch illustre Soundarrangeure die Klinke in die Hand geben. Und mitunter erstaunliches leisten! Besonders die Remixe mancher Songs stechen hier deutlich hervor - drum arbeiten wir sie hier nun einmal in der originalen Song-Reihenfolge ab. "BLOOM": Der Opener des Original-Albums ist hier (wie viele Songs) mehrfach vertreten. Während er im "Harmonic 313 Remix" (♪♫♪) gespenstisch schwebend und nahezu Instrumental dargeboten wird, ersetzt der "Mark Pritchard Remix" (♪♫♪) den wirbelnden TripHop des Ausgangsstückes, durch maschinelle Beats, verhalten verstörende Elektronik und zum Ende gar durch orgelnd angedeutete Jahrmarkts-Atmosphäre. Und das Mastermind von The XX holt den Song in seinem "Jamie XX Remix" (♪♫♪) einfach in seinen ganz eigenen, und wundervollen Klangkosmos. "MORNING MR. MAGPIE": Im "Nathan Fake Remix" (♪♫♪) erlebt der Song eine kräftige und großartige Portion elektronischer Klangspielereien, und Modeselektor machen in ihrem fulminanten und stampfenden Remix sogleich "Good Evening Mrs. Magpie" (♪♫♪) daraus. "LITTLE BY LITTLE": Der "Caribou Remix" (♪♫♪) sorgt für ein Highlight, wie man es von dem Urheber auch nicht anders erwartet hatte, und kann mit seiner verschachtelten Produktion, sowie der Hinzunahme von Harfen, dem Original nahezu auf Augenhöhe begegnen. Und im "Shed Remix" (♪♫♪) wird der Song durch allerlei großartige (und zum Teil soft verstörende) Sounds, Effekte und Beats ergänzt - dafür jedoch fast sämtlich vom Gesang befreit, was man aber bei einer solch gelungenen Bearbeitung nicht groß betrauern muss. "FERAL": Das triphopige Original wird in seiner einzigen Neubearbeitung, dem "Lone Remix" (♪♫♪), um House-Elemente, trommelnde und stampfende Beats, als auch strahlend warme Synthesizer ergänzt. "LOTUS FLOWER": Der wohl zugänglichste Song des ursprünglichen Albums wird hier auf zweierlei Weise neu gedeutet. Im "Jacques Greene Remix" (♪♫♪) erstrahlt er in atmosphärisch elektronischen Klangfarben, die nicht weit vom Chill-Wave entfernt liegen; und was im "SBTRKT Remix" (♪♫♪) aus dem Song für ein minimalistisch elektronisches Meisterstück wird, muss man selbst gehört haben. "CODEX": Von dem "Pyramid Song" nicht unähnlichen Jung-Klassiker, ist hier nur ein Remix enthalten. Der "Illum Sphere Remix" (♪♫♪), der die traurig-schöne Ballade in elektronischere Soundsphären beamt. "GIVE UP THE GHOST": Das wunderschöne und strahlende Albumhighlight kommt hier auch ordentlich auf seine Kosten. Der fast hypnotische "Thriller Houseghost Remix" (♪♫♪) verleiht ihm mit flirrender Elektronik und stampfenden Beats eine ungeahnte Tanzbarkeit. Und im herrlichen "Brokenchord Remix" (♪♫♪), wird der Song von einem Soundlabyrinth einverleibt, das ein wenig an die jüngsten Großtaten von Son Lux erinnern könnte. "SEPARATOR": Im "Four Tet Remix" (♪♫♪) ist der Song weitestgehend noch immer seinen ursprünglichen Gesetzen unterworfen, erzeugt aber durch seine minimalistischen, klar strukturierten Beats, und seinem chillig schwebenden Unterbau einen Hauch derselben Atmosphäre, die schon Michael Jackson's "Stranger In Moscow" einzigartig machte. Und im "Anstam Remix" (♪♫♪) werden dem Song kräftige TripHop-Beats, Marschtrommeln und hervorragende Soundwunderwerke verordnet. Da bleibt am Ende nur noch "TKOL (Africe Remix)" übrig, dass aus Elementen sämtlicher Songs des Albums, ein avantgardistisches und elektro-chilliges Klangerlebnis schmiedet.
Neueinsteigern sei zwar nach wie vor zuerst das Original-Album empfohlen, dem auch die zum größten Teil erstklassigen Remixe nicht ganz das Wasser reichen können. Und doch fügt sich diese hervorragende Remix-Compilation als eines der sehr seltenen seiner Art, in die jüngere Musikgeschichte ein. Wer mit Remixen noch nie so wirklich etwas anfangen konnte, der solle diese hier hören und sich eines besseren belehren lassen. Denn wie sagte ich schon zu Anfang: Man muss nur für gute Remixe sorgen. Und dafür wurde hier im Überfluss gesorgt.



Freitag, 14. Oktober 2011

Besprochen: NOEL GALLAGHER'S HIGH FLYING BIRDS - "NOEL GALLAGHER'S HIGH FLYING BIRDS"

Auf Noel Gallagher's Solo-Debüt bleibt alles beim Alten - ein geschmackvolles und grundsolides Album, dass so auch von Oasis hätte kommen können.

Es waren einmal zwei Brüder, die spielten in einer Band Namens Oasis. Zwei konsequente Streithähne, die sich für keinen Skandal zu schade, und nie um einen gehässigen Kommentar über Musikerkollegen verlegen waren. Für kurze Zeit schafften sie es sogar, zur größten Band der Welt zu avancieren. Doch wer hoch hinaus will, fällt manchmal tief. Und das mussten spätestens ab den 2000ern dann auch Oasis kapieren, nachdem der Britpop gemeinsam mit den 90ern unterging. Dennoch schafften sie es mit schwankender Qualität, sich noch bis Ende des neuen Jahrzehnt über Wasser zu halten - ehe ein weiterer Streit einen gewaltigen Keil zwischen die Gebrüder Gallgher trieb. Noel Gallgher, kreativer Kopf der Band, verließ Oasis, welche seitdem wiederum als Beady Eye weitermachten, und in diesem Jahr ein gar nicht so übles Quasi-Debüt vorlegten. Doch der erste Solo-Gehversuch des großen Band-Genies stand noch immer aus. Aber dies soll sich nun ändern, wo endlich das schlicht nach dem Solo-Projekt benannte Debüt "Noel Gallgher's High Flying Birds" in den Läden steht. Also wie steht es nun um den Herren, der eine Zeit lang Hymnen wie am Fließband produzierte, wenn er nun ganz auf sich allein gestellt ist? Der Auftakt ist durchweg vielversprechend: Denn mit "Everybody's On The Run" (♪♫♪), dem Opener seines Solodebüts, ist ihm eine melancholische und atmosphärische Britpop-Hymne gelungen, die beinah nahtlos an die großen Tage von Oasis anknüpfen kann. Und auch danach bleibt es hochinteressant. "Dream On" (♪♫♪) kommt mit ein wenig mehr Optimismus daher und legt sich mit einer guten Portion mehr Schmiss und einer herrlich mitreißenden 60s-Ästhetik, als ein fabelhaft beatlesquer Ohrwurm ins Zeug. Die tolle und warme Britpop-Perle "If I Had a Gun" (♪♫♪) tut sich als neuste und dritte Single des Albums hervor, während dann mit "The Death Of You And Me" (♪♫♪) die erste Single und ein beinah zeitloses Stück Pop folgt, dass Oasis einen ihrer besten Songs seit mindestens 10 Jahren hätte bescheren können. Auch das in äußerst stimmige und niemals kitschige Streicher und Frauenchöre getauchte "(I Wanna Live In a Dream In My) Record Machine" (♪♫♪) kann sich sehen lassen, ebenso wie dann die großartige zweite Single "AKA...What a Life!" (♪♫♪). Und auch das vom Titel verwandte "AKA...Broken Arrow" (♪♫♪) kann als herrlicher und warmer Popsong mit wunderbarer Melodie glänzen. Das beinah legendäre, vor 10 Jahren geschriebene "Stop The Clocks" (♪♫♪) hingegen, das von Noel selbst stets hoch gepriesen wurde und hier erstmals veröffentlicht wird, will dann am Ende des Albums überraschenderweise nicht so recht aus dem Quark kommen. Außerdem kann man konstatieren, dass Noel seine Musik noch immer aus denselben Zutaten rührt, die er schon immer benutzt hat. Von einer Weiterentwicklung fehlt jede Spur. Aber dennoch schafft der Herr es immer wieder, geschmackvolle Produktion mit zum Teil herausragenden Melodien zu paaren. Eine wenig mehr Überraschungseffekte hätte man sich am Ende dann aber doch gewünscht.