Der Künstler des Jahres bleibt umtriebig, und schickt seinem visionären Debütalbum eine nicht minder brillante EP hinterher.
2011 war ohne Zweifel das Jahr von James Blake - einem gerade einmal 22-jährigen Sound-Wunderkind aus England. Letztes Jahr noch ein für viele unbekannter Name auf der BBC Sound-of-2011-Liste, dieses Jahr ein gefeierter Künstler, der maßgeblich an der Reanimation und Neuinterpretation des Dubstep beteiligt ist. Schon auf seinem grandiosen selbstbetitelten Debüt "James Blake" wurde deutlich, wieviel Soul dieser niedlich-milchgesichtige Musiker doch in seiner Stimme hat. Die stellt er auf seiner neuen EP "Enough Thunder" besonders in den Vordergrund, um sie in gewohnter und hervorragender Manier mit diversen Soundcollagen einzurahmen. Und trotz all seiner nach wie vor zum Teil verstörenden Elemente, ist "Enough Thunder" ein Manifest der Stille. So nutzt der junge Künstler die ästhetischen Mittel der Pausen und des Weglassens so hervorragend, wie derzeit wohl kaum ein zweiter. Kaum glaubt man, dass der Song greifbar wird, schlüpft er einem schon wieder aus den Fingern, verweht im Raum wie flüchtiges Gas, nur um sich im nächsten Moment wieder in voller Größe zu manifestieren - und auch hier ist es wieder diese besondere Spielart, die den erhabenen Reiz seiner Musik ausmacht. "Once We All Agree", der Opener der neuen EP, zeigt schon mit spärlichem Pianoeinsatz, ätherisch schwebenden Soundscapes und seiner fragil-eindringlichem Stimme, dass der Weg genau dort weitergeht, wo er mit "James Blake" im Februar aufhörte. Obwohl bei Blake in den seltensten Fällen etwas ganz aufhört - selbst wenn seine Musik verklungen ist, bahnt sie sich weiter konsequent ihren Weg durch unsere Synapsen, mit jedem Hören kann sich etwas neues eröffnen, dem man zuvor noch nicht auf die Schliche kam. Ein perfekter Kandidat, der den Hörer lange wird beschäftigen und fesseln können, folgt auch sogleich in Form des Song "We Might Feel Unsound": gespenstische Vocalsamples, unablässig puckernde Elektrobeats und verstörend-betörende Klangsphären reichen sich hier die Hand, und verbünden sich zu einer tiefsinnigen, ganz und gar kunstvollen, aber mindestens ebenso wunderbaren Einheit. Einen der weiteren Hingucker (oder "Hinhörer") bildet unzweifelhaft das bereits vor einigen Wochen veröffentlichte "Fall Creek Boys Choir" (♪♫♪) - eine höchst eindringliche Folktronica-Offenbarung, für die er sich mit Bon Iver zusammen tat, dessen mit Autotune-Effekten durchdrungenen Stimme den Song dominiert. Mit "A Case Of You" (♪♫♪), begibt er sich auf ähnliches Terrain, wie einst mit seinem grandiosen Feist-Cover "Limit To Your love" - denn mit dieser herausragend schönen Coverversion des Songs von Joni Mitchell, lässt er ganz und gar seine brüchige und emotionsgeladene Stimme im Vordergrund stehen, begleitet von einem äußerst minimalistischen Klanggewand - und dazu noch (ob man es nun glaubt oder nicht) selbst das famose Original an die Wand spielt. "Not Long Now" (♪♫♪), ein weiterer Vorbote der EP, gibt sich erst als kaum greifbares, aber auf magische Weise eindringlich schönes Art-Pop-Kunstwerk, dass beständig immer weiter zur essentiellen, und auf zärtliche Weise futuristischen Hymne aufstrebt. Und der Titelsong "Enough Thunder" (♪♫♪) beschließt die EP mit einer traurigen und gleichzeitig enorm tröstlichen Pianoballade von zeitloser Schönheit. Man sollte sich dieses Jahr 2011 gut merken - denn es markiert mit James Blake den Siegeszug eines verdienten Ausnahmetalents, von dem wir noch in vielen Jahren hören werden. Mit einem Wort: Atemberaubend!

Auf ihrem 8. Album findet Björk wieder ganz zu sich selbst - und zu einem audiovisuellen Gesamtkunstwerk, dass ihr Repertoire um ein weiteres Meisterwerk bereichert.
Björk war schon immer ein Sonderling im Pop. Seit sie 1993 ihre Solokarriere begann, war meist nur eines möglich: sie zu lieben oder zu hassen. Und so etablierte sie sich über die Jahre als eine musikalische Märchenfee, eine wunderliche und experimentierfreudige Popelfe aus einer anderen Welt. So zeigte sie sich immer wieder als höchst eigenwillige Künstlerin, die aber dennoch den Pop so perfekt beherrschte, dass es jedes Mal auf's neue ein Erlebnis war. Vor allem wer schon einmal ihre Alben "Homogenic" (1997), "Vespertine" (2001) oder "Medulla" (2004) gehört hat, dürfte angesichts dieser popmusikalischen Kostbarkeiten und Wunderlichkeiten, kaum aus dem Staunen heraus gekommen sein."Volta" war vor über 3 Jahren das letzte Album, mit dem Björk uns beglückte. Nachdem selbiges zwar immer noch ein gutes bis sehr gutes Album abgab, ließ es dennoch ein wenig die überschäumende Kreativität, und vor allem den rote Faden vermissen, der sich stets durch ihre zuvor genannten Platten zog. Nun steht also endlich ihr brandneues Werk in den Startlöchern - und man kann zurecht behaupten, dass Björk wieder voll und ganz zu sich selbst gefunden hat. Und sie liefert einen weiteren Beleg dafür, wie die Musik der Zukunft aussehen könnte. So darf sich ihre 8. Platte nun stolz als das erste "App-Album" der Welt bezeichnen: In Kollaboration mit Apple entstanden Teile des Albums auf einem iPad, und es wird in Form einer Serie von App's veröffentlicht. Aber dennoch will die Isländerin hier nicht der regulären CD den Todesstoß versetzen, und so ist "Biophilia" natürlich auch als physikalischer Tonträger erhältlich. Aber dennoch leistet Björk hier eine Art Pionierarbeit, indem sie damit beginnt, die kreativen Möglichkeiten der Zukunft auszuloten. Eine kluge Entscheidung, dürfen doch alle jene die ihrem Beispiel folgen werden (und das werden sie), sich mit der Rolle der Trittbrettfahrer zufrieden geben. Denn mit "Biophilia" gibt uns Björk etwas für's Ohr UND für's Auge. Aber auch für's Herz, wenn man sich die Songs der neuen Platte mal so anhört. Natürlich werden hier, wie bei jedem ihrer Alben, mal wieder die Meckerer der verschiedensten Lagern aus ihren Löchern kriechen. Jene denen es einfach nicht avantgardistisch genug sein kann, als auch solche, denen sie im Grunde schon immer zu hoch war. Der Rest von uns kann dann einfach das Album genießen - und das sollte man auch. So schimmern hier die verschiedensten klanglichen Facetten hindurch, verschmelzen im großen Ganzen aber zu einer homogenen und erhabenen Einheit. Schon der Opener "Moon" (♪♫♪) macht das hervorragend deutlich - und präsentiert sich als von Harfenklängen dominierte, bezaubernde Ballade, die eine ganz eigene und strahlende Atmosphäre aufbaut. Und gleich darauf kredenzt sie uns mit "Thunderbolt" (♪♫♪) eine schwebende Art-Pop-Perle, die von herrlich minimalistischen Sequenzern beherrscht wird. Das fantastische "Crystalline" (♪♫♪) basiert auf hypnotischen Celesta-Klängen, ehe es zum Ende in wilde Elektro- und TripHop-Beats ausfranst. Das düster anmutende "Hollow" (♪♫♪) wird dann von hervorragend orgelnden Sounds getragen, zu dem sich später auch softe Elektro-Beats gesellen - während uns das zauberhafte "Virus" (♪♫♪) auf einer Glockenspiel-artigen Basis bezirzt. "Sacrifice" (♪♫♪) offenbart dann einnehmend fernöstliche Elemente, die sie zunehmend mit wirbelnden Elektro-Beats verziert. Und das grandiose "Mutual Core" (♪♫♪) kommt auf minimalistisch oldschooligen Synthesizern daher geschwebt, nur um sich im Refrain zum famosen, von treibenden Beats und verzerrten Sounds umzingelten Elektro-Pop-Ohrwurm zu erheben. Mit "Biophilia" gelingt Björk nicht weniger als ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk, dass ihren Backkatalog um ein weiteres Meisterstück bereichert!

The Horrors wollen noch hoch hinaus - und ihr 3. Album befördert sie geradewegs auf die nächste künstlerische Ebene. Ein Hochgenuss.
Als die britische Band The Horrors im Jahr 2007 ihr Debüt "Strange House" vorlegte, waren noch so manche im Begriff, sie als Emo-Bälger abzutun. Doch spätestens mit ihrem Zweitwerk "Primary Colours" (2009) sollten auch eben jene eines besseren belehrt werden, als die Band uns ein Meisterstück aus Post-Punk und Shoegaze vor die Füße warf. Nun haben sie vor einigen Wochen ihr nunmehr 3. Album nachgelegt. Und mit "Skying", so der Titel des neuen Werkes, gelingt dem Quintett eine erneute künstlerische Weiterentwicklung. Die Einflüsse des Post-Punk-Revival sind hier noch immer allgegenwärtig, die Shoegaze-Elemente weichen hier aber neuen spannenden Klängen - so ergehen sie sich hier stärker an Synth- und Dream-Pop-, sowie deutlichen (Neo-)Psychedelia-Einflüssen. Und was die Jungs daraus für potentielle Hits drehen, lässt das Herz vor Freude hüpfen. Mit "Changing The Rain" (♪♫♪) startet die Band gleich schon mit einem eingängigen und atmosphärischen, äußerst stimmungsvollen Psychedelic-Rock-Ohrwurm, der noch eine leichte Brücke zum Vorgänger schlägt. Und nach diesem schon famosen Start, gehen die 5 jungen Männer erst recht in die Vollen. So legen sie mit "You Said" (♪♫♪) gleich eine großartige New-Wave-informierte Perle nach, die auf schillernden 80s-Synthies durch den Raum schwebt. Auf dem fabelhaften "Endless Blue" (♪♫♪) verquicken sie Post-Punk mit psychedelischen Elementen, und wecken so angenehme Erinnerungen an die 70er Jahre - wenn man will, kann man hier sogar einen Hauch von David Bowie heraus hören. "Dive-In" (♪♫♪) entwickelt sich zu einem großartigen psychedelischen Indie-Juwel, dass stark an die frühen 90er Jahre gemahnt, und die erste Single "Still Life" (♪♫♪) ist dann nicht weniger, als ein veritabler Indie-Synthpop-Hit. Mit der fast 9-minütigen Hymne "Moving Further Away" (♪♫♪), auf dem Post-Punk mit chilliger Psychedelia und New-Wave flirtet, wecken sie gar sachte Erinnerungen an Joy Division. Und lassen das Album durch "Ocean's Burning" (♪♫♪) mit einem eindringlichen, verträumt-melancholischen und psychedelischen Epos von zeitloser Schönheit ausklingen. The Horrors bleiben auch auf ihrem 3. Album spannend und entwickeln sich kontinuierlich weiter. Die Band will scheinbar noch hoch hinaus - und sie haben verdammt nochmal auch das Zeug dazu. "Skying" ist der Beweis.

Damon Albarns Primaten feiern ihren 10. Geburtstag mit ihrer ersten musikalischen Bestandsaufnahme.
10 Jahre soll es nun schon wieder her sein, seit Blur-Frontmann Damon Albarn uns mit seiner kreativen Kopfgeburt zum ersten Mal beglückte: seinen digitalen Primaten 2D, Murdoc, Noodle und Russel alias Gorillaz! Über 3 hervorragende Alben (plus das halb offizielle Album "The Fall", dass hier aber nicht bedacht wird) hinweg zeigte er uns bisher, wie verdammt toll Pop klingen kann, wenn man es nur richtig anstellt. Und das gesamte Bandkonzept war von Anfang an prädestiniert für eine derart magisch bunte Stilmischung, wie er sie mit den Gorillaz stets zur Schau stellte. Denn wer nicht selber in der Öffentlichkeit steht, sondern stattdessen die digitalen Puppen für sich tanzen lässt, inkl. ausgiebigen Biografien und wunderlichsten Abenteuern, dem stehen künstlerisch alle Türen offen. Und wie er das immer wieder in großartigen Pop umsetzte, lässt noch heute staunen. Und den 10. Geburtstag dann mit einer musikalischen Bestandsaufnahme zu feiern, lässt man den digitalen Antihelden absolut durchgehen. Aber der Titel der Compilation nimmt die Ernüchterung gleich vorweg. Denn hier handelt es sich nicht um eine ausgeklügelte Best-of, die neben Singles auch Album- und Schlüsseltracks, sowie B-Seiten und Non-Album-Releases enthalten könnte. Bei all dem hervorragenden Material, dass über ihre Studioalben hinausgeht, hätte eine echte Best-Of-Meisterleistung möglich sein können. Stattdessen gibt es hier die Singles ihrer 3 Studioalben in hübsch chronologischer Reihenfolge. Vom herrlich dunklen Comic-Western-Ohrwurm "Clint Eastwood" (♪♫♪), oder dem schick dubigen Klassiker "19-2000" (♪♫♪), über DEN 2005er Sommer-Hit "Feel Good Inc." (♪♫♪), und das schlicht und ergreifend saucoole und grandiose "Kids With Guns" (♪♫♪), bis hin zum feisten Ohrfänger "Stylo" (♪♫♪), sowie der schwebend wundervollen Synthpop-Perle "On Melancholy Hill" (♪♫♪). Musikalisch oberste Liga, wer die Alben allerdings bereits besitzt, der hat hier wenig Grund zum zugreifen. Einzig vielleicht durch ihre fabelhafte und bisher letzte Single "Doncamatic" (♪♫♪), die hier zum ersten Mal auf einem physischen Album der Gorillaz zu haben ist. Aber soll man sich dafür ein ganzes Album kaufen? Die beiden Remixe von "Clint Eastwood" und "19-2000", die es als Bonus oben drauf gibt, haben bei aller Qualität allerdings auch schon einen Bart - und Fans dürften selbige auch bereits ihr Eigen nennen. Und dann wird dieses Ende November erscheinende Album, dann auch noch passend zum profitablen Weihnachtsgeschäft auf den Markt geworfen. Eine typische und alle Jahre wieder zu bestaunende Plattenfirmen-Tradition, um sich dem potentiellen Käufer förmlich als an den Hals zu werfen - und auf das dieser sie fleißig unter den Weihnachtsbaum werfe. Eine Strategie also, die berechenbarer und noch kommerziell motivierter kaum sein könnte. Schade - ihr 10. Geburtstag hätte ein rauschender, bunter und aufregender Party-Marathon für ihre Fans werden können. Aber am Ende gibt es dann doch nur einen lauwarmen Händedruck - jedoch immerhin unterlegt mit guter Musik. Na dann Prost.
MUSIK:
PRODUKT:
Der gerechte Hype: Mit ihrem Debüt haben WU LYF ein bewusstseinserweiterndes und erhabenes Album vorgelegt, dass manchen ihrer Landsmänner das Fürchten lehren könnte!
Da hat die junge Band WU LYF (Abkürzung für "World Unite! Lucifer Youth Foundation") aus Manchester ja schon einen ordentlichen Hype mitgemacht. Vor allem in ihrer Heimat wurde das Quartett von NME, Pitchfork und anderen Medien bereits ordentlich abgefeiert - auch wenn der wirkliche kommerzielle Erfolg sich noch nicht so recht einstellen wollte. Aber das beides, Hype und Erfolg, nicht immer viel über die wahre Qualität aussagt, ist kein Geheimnis. Also was hat es auf sich, mit der augenscheinlichen Faszination, welche diese Newcomer auf viele auszuüben scheinen? So folgt die Band etwa einem bekannten Erfolgsrezept, dass nicht nur in der Liebe funktioniert: Wer sich rar macht, der macht sich interessant. So hatten auch ihre konsequente Verweigerung von Interviews, oder das Zurückhalten von privaten Informationen, starken Einfluss auf die Neugierde vieler - was sich wiederum quasi wie ein Brandbeschleuniger auf den anfänglichen Hype auswirkte. Doch wie steht es denn nun musikalisch um die Band? Diesbezüglich toben sie sich in softem Indierock aus, der beständig in Post-Rock, Psychedelia oder Shoegaze hineinstrahlt. Und man kann sagen, dass sie in der Hinsicht sehr gute Karten in der Hand halten. Denn künstlerisch haben sie auf ihrem Debüt "Go Tell Fire To The Mountain" eine hochinteressante und tiefsinnige Richtung eingeschlagen, die sich dem Mainstream verweigert, ohne dabei aber verkopft zu wirken. Zwischenzeitlich fühlt man sich mit den allgegenwärtig schwerelos im Raum schwebenden Gitarren, gar an Bands wie The XX erinnert. Was aber eine unzureichende Umschreibung ihrer Musik darstellt. Man muss sich diese vielleicht in manchen Fällen auch etwas intensiver zu Gemüte führen - so wird manchem wohl der rohe (Sprech-)Gesang des Frontmannes auf Anhieb etwas suspekt anmuten. Doch spätestens beim zweiten Anlauf, sorgt selbiger hier für eine ganz eigene und eindringliche Atmosphäre, in der sich ihre 10 Komposition ausbreiten. Das zeigt sich schon im Opener "LYF" (♪♫♪), der mit psychedelischen Orgeln loslegt, und sich mit zum Teil stürmischen Drums und wunderbaren Gitarrenakkorden, in ungeahnte Höhen schraubt. Fast nahtlos geht er dann in den "Cave Song" (♪♫♪) über, der zwar den gleichen musikalischen Gesetzen unterworfen ist, durch seine wirbelnden Drums, die psychedelischen Gitarren und den inbrünstigem Einsatz des Sängers, ein erstaunliches Eigenleben entwickelt. Und wie selbiger dann auf "Such a Sad Puppy Dog" (♪♫♪) mit seinem dunkel raunendem Gesang einen hervorragenden Kontrast zu den sakralen Orgelklängen bildet, nur um alsbald umringt von Marschtrommeln und schwerelosen Gitarren gen Himmel zu schweben - das lässt schon ziemlich staunen. Mit epischen Trommeln und strahlenden Orgeln (die eindeutig und glücklicherweise zu ihren Stamm-Instrumenten zählen) startet dann die Single "Dirt" (♪♫♪), die sich als großartige Neo-Psychedelia-Perle entpuppt. "14 Crowns For Me & Your Friends" (♪♫♪) zeigt sich als atmosphärische und psychedelische Perle, die sanft und schwebend beginnt und sich zum Ende hin in einen berauschenden Wall-of-Spund steigert. Und dann beschließen sie ihr Debütalbum mit ihrer Debütsingle: "Heavy Pop" (♪♫♪), dass mit einem überlangen Intro beginnt und sich sanft zur Indie-Psychedelic-Hymne aufzuschwingen. Was für eine gewagte Wahl für das erste Statement einer Band - zumindest einer, die hohe Chartplatzierungen im Sinn hat. Doch das scheint bei WU LYF zum Glück nicht der Fall zu sein. Sie wollen einfach ihre Musik machen. Und bei einem so berauschenden Debüt, kann man nur hoffen das sie noch eine Menge davon machen werden.

Auf Album No.2 gelingt es der texanischen Band so gut wie nie, 80s-Synthpop-Hymnen mit den Mitteln der Zukunft zu kreieren.
Was hat uns Alan Palomo, musikalisches Gehirn der texanischen Band Neon Indian, doch vor 2 Jahren schon mit dem Debüt "Psychic Chasms" für eine knallbunte Elektro-Synthie-Wave-Wundertüte kredenzt. Es konnte einem beinah schwindelig werden, zwischen all den herrlichen Soundscapes und Synthieschwaden, die das Album grandios ins Langzeitgedächtnis frästen. Nun legen Neon Indian ihr zweites Album "Era Extraña" vor - und qualitativ noch eine ordentliche Schippe oben drauf. Trotz der hervorragenden Leistung des Erstlingswerks, hat man hier dennoch das Gefühl, dass sie ihre Stärken beim zweiten Anlauf noch besser zu bündeln und einzusetzen verstehen. Noch immer schwirren einem die Sounds und Effekte nur so um die Ohren - doch sie erweitern ihren Klangkosmos um zum Teil deutlich dunklere, melancholischere Aspekte, die ihnen scheinbar völlig neue Möglichkeiten eröffnen. Und 80er-Jahre Synthpop-Meisterstücke mit den Mitteln der Zukunft zu kreieren, gelingt der Band hier noch immer, oder eher gesagt: noch besser! So bringen sie ihre Songs hier stärker auf den Punkt, und verleihen ihnen eine noch eindringlichere Atmosphäre, ohne sich dabei aber in ihrer überschäumenden Kreativität zu beschneiden. Das Album startet (nach einem chillwavigem instrumentalen Intro) mit einem waschechten Ohrwurm: "Polish Girl" (♪♫♪) liefert fabelhaften, sonnenscheinig melodischen und schräg elektronifizierten Synthiepop, der mit Nintendo-Sounds flirtet. Und nicht weniger atemberaubend geht es auch weiter - sogar noch mehr: So folgt dann gleich "The Blindside Kiss" (♪♫♪), auf dem sie Dark-Wave-Atmosphäre mit herrlich melodischen Vocals, dunkel verzerrten Gitarren, und spielerischen C64-Klängen vereinen. "Hex Girlfriend" bietet dann ein grandioses und elektronisch in den buntesten Synthie-Farben schillerndes New-Wave-Meisterstück, wie aus einer anderen Welt. Der Titelsong "Era Extraña" (♪♫♪) offenbart sich als hypnotische Synthie-Wave-Pop-Perle, während sich "Halogen (I Could Be A Shadow)" (♪♫♪) zur erhabenen 80s-Elektro-Pop-Hymne aufschwingt, die aus dem Stegreif in Hirn und Beine fährt. Mit "Era Extraña" ist Neon Indian eine Dance-Platte von höchstem Anspruch gelungen, die ihre Wirkung mit Sicherheit nicht verfehlen wird.

In letzter Zeit schon verliebt? Nein? Dann sei einem das neue Album von Wilco empfohlen - es könnte vielleicht ja sogar die ganz große Liebe werden.
Ich muss ja an erster Stelle durchaus zugeben: Das letzte und viel gefeierte Album "Wilco (The Album)" der (ebenfalls viel gefeierten) Band aus Chicago, hatte bei mir einen schweren Start. Es bedurfte doch einiger konzentrierter Hördurchläufe, ehe das Eis gebrochen war. Das neue und achte Album "The Whole Love", dass dieser Tage in den Läden steht, macht es einem da erheblich leichter. Sie setzen hier quasi auf den Überraschungseffekt - denn wer würde ahnen, was sie einem hier schon als Opener um die Ohren hauen: "Art of Almost" (♪♫♪) nennt sich dieser schwindelerregende 7-Minuten Epos, der mit leichten Störeffekten und einem Radiohead nicht unähnlichen Beat loslegt, langsam aber sicher zur Art-Pop-Hymne mutiert, und sich am Ende in einem leidenschaftlichen Gitarrengewitter entlädt. Eine kleine Lehrstunde darin, wie man schon nach dem ersten Stück die Kinnlade der Hörer zu Boden klatschen lässt. Und was sie hier sonst noch so wunderbares aushecken, lässt einen instinktiv mit gespitzten Ohren und geöffnetem Herzen vor den Boxen ausharren. Und das belohnen die Herren uns im Überfluss. Denn schon der nächste Song birgt ein weiteres Meisterstück: das herrliche, melodisch betörende, und von catchy 60s-Orgeln durchdrungene "I Might" (♪♫♪) - die erste und enorm hittaugliche Single des Albums. Auf sanft tapsenden Schritten kommt "Sunloathe" (♪♫♪) daher geschlichen, welches sich bei genauem hinhören als erhabene und nachdenkliche Kostbarkeit zu erkennen gibt. Mit "Drawned On Me" (♪♫♪) schicken sie dann einen beherzten und stimmungsvollem Folk-Rock-Ohrfänger ins Feld - ehe sie uns im direkten Anschluss mit der melancholischen, ja gar tieftraurigen Folk-Ballade "Black Moon" (♪♫♪) endgültig das Herz stehlen. Mit "Open Mind" (♪♫♪) ergehen sie sich an warmen und beherzten Country-Folk, der Titelsong "Whole Love" (♪♫♪) gibt sich als leichtfüßiger und melodischer Folk-Pop, während sie dann mit dem epische 12 Minuten (!) langen "One Sunday Morning (Song For Jane Smiley's Boyfriend)" (♪♫♪), dass sich allerdings als wundervolle und sanfte Folkballade herausstellt, das Album abschließen. Ein herrliches, phasenweise gar atemberaubendes Album haben Wilco uns da mal wieder kredenzt, dass seine Wirkung bei Kritikern und Hörern sicherlich wieder nicht verfehlen wird.
