♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

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Freitag, 24. September 2010

Besprochen: MARK RONSON & BUSINESS INTL - "RECORD COLLECTION"

Ein Stilwechsel der gerade zur rechten Zeit kommt: Mark Ronson lässt die Bläser in der Kiste und kredenzt einen 80s-infizierten Stilmix aus Pop, Synth und HipHop - wieder mal mit illustren Gästen!

Anfangs schien es der britische Musiker, Songwriter und Produzent ja noch gut mit uns zu meinen. Zwar konnte das von ihm zu weiten Teilen produzierte Zweitwerk "Back To Black" (2006) von Amy Winehouse nicht mit ihren Debütalbum mithalten, aber schaffte er es dennoch eine durchaus hörbare und stilvolle Oldschool-Soulplatte zu kreieren. Sein 2. Soloalbum "Versions" (2007) - auf dem er illustre Gäste mehr oder minder bekannte Coverversionen interpretieren ließ - und das von ihm betreute Debütalbum "Love & War" (2009) von Daniel Merriweather (der auch auf "Versions" zu hören war), sorgten danach allerdings für eine massive Reizüberflutung. Zu eingefahren stellte Ronson seinen Hang zu Bläsern zur Schau, mit denen er gerne jede Ecke und jeden Winkel zukleisterte. Ähnliches war dann zu erwarten, als er sein 3. Soloalbum ankündigte. Doch schon die erste Single "Bang Bang Bang" feat. Q-Tip + MNDR (hier anhören!) ließ aufhorchen: Statt von Trompeten dominierten 60s-Soul, durfte man plötzlich einen strammen, melodischen und knackigen 80s-Synthpop-Ohrwurm mit HipHop-Einflüssen bestaunen. Und das nun erschienene Album "Record Collection" lässt dann endgültig erleichtert aufatmen: Er hat diesmal die Blasinstrumente in der Kiste gelassen und kredenzt uns stattdessen lieber einen gelungenen Stilmix aus Synthiepop, HipHop, Soul und vor allem POP. Das er hier wieder einmal eine Horde von illustren Gästen um sich scharrt, ist keine große Überraschung - wohingegen die Auswahl selbiger, für eine äußert positive Überraschung sorgt. Die Wahl fiel hier nicht unbedingt auf die übliche Verdächtigen, wobei sich trotzdem durchaus bekannte Namen auf dem Album tummeln. So wird etwa der hitverdächtige, melodische und catchy Oldschool-Ohrwurm "Lose It (In The End)" (hier anhören!) von Rapper Ghostface Killah und Phantom-Planet-Sänger Alex Greenwald unterstützt. Auf der sonnenscheinigen zweiten Single "The Bike Song" (hier anhören!) sind Rapper Spank Rock und The-View-Frontmann Kyle Falconer zu hören. Miike-Snow-Sänger Andrew Wyatt hören wir gemeinsam mit dem einstigen Culture-Club-Sänger Boy George im dubbigen und hochmelodischen "Somebody To Love Me" (hier anhören!) und D'Angelo ringt sich selbst im großartigen Synthie-Soul-Kracher "Glas Mountain Trust" (hier anhören!) Höchstleistungen ab. Tatsächlich hat das Album so manche hitverdächitge Ohrwürmer zu bieten, die auch einer gewissen Stilvielfalt nicht entbehren. Und am Ende ist Mark Ronson damit etwas geglückt, was viele nach seinen letzten Arbeiten nicht erwartet hätten: Ein spannender und gelungener Stilwandel, der auch noch so richtig Spaß macht.

Mittwoch, 22. September 2010

Besprochen: BEARS IN HEAVEN - "BEAST REST FORTH MOUTH"

Brooklyn's burning: Mit ihrem Zweitwerk liefern Bears In Heaven elektronifizierten Psychedelic-Prog-Rock von überirdischer Gravität und schwindelerregender Kreativität!

Brooklyn brennt ja schon ein wenig länger als nur ein paar Tage. Bereits vor 2 Jahren entfachten Bands wie MGMT das Feuer, The Drums legten in diesem Jahr nochmal ordentlich Kohle nach - und das eigentlich schon vor einem Jahr in den USA, aber jetzt erst in Europa veröffentlichte Album "Beast Rest Forth Mouth" (ein Wortspiel aus den Himmelsrichtungen "East West North South") von Bears In Heaven, gießt nun kräftig Öl in die Flammen. Das das Trio um Jon Philpot, Adam Wills und Joe Stickney sich jetzt endlich entschied, ihr Zweitwerk auch in Europa zu veröffentlichen, wurde aber auch allerhöchste Zeit. Beinahe hätte das hiesige Publikum auf ein wahres Meisterwerk aus elektronifiziertem Psychedelic-Prog-Rock verzichten müssen. Genauer gesagt, schnüren sie aus Bestandteilen von Prog, Krautrock, Psychedelia, Shoegaze, Ambient und Pop ein mächtiges Knäuel, der erstmal verstanden werden will. Aber ist man erst einmal zum Kern durchgedrungen, gibt es kein Zurück mehr - denn dies ist ein Album, das ungefragt und unerwartet etwas mit dem Hörer anstellt. Ein Album das einnimmt, das mitreißt und uns einhüllt. Ein bewusstseinserweiterndes Manifest von entrückter Schönheit. Hört sich das in der Theorie kompliziert an, so ist es in der Praxis viel leichter - man muss dieses Werk einfach auf sich wirken lassen, es mit dem Geist erfassen und nicht mit dem Verstand. Denn so erschließt sich einem auch die Erhabenheit des Psychedlic-Ambient-Progpop von "Dust Cloud" (hier anhören!), die düstere, psychedelische Anmut des vom Shoegaze beeinflussten "Deafening Love" (hier anhören!), die Faszination des bedrohlich und psychedelisch voran marschierenden "Fake Out" (hier anhören!), die tribalen Trommelgewitter im epischen Opener "Beast In Peace" (hier anhören!), das verstrahlte Hitpotential der hymnischen Art-Synthpop-Perle "You Do You" (hier anhören!) oder warum bei "Ultimate Satisfaction" (hier anhören!) der Titel Programm ist. Ein Album das man entdecken muss!

Dienstag, 21. September 2010

Besprochen: BON HOMME - "BON HOMME"

Der WhoMadeWho-Sänger wandelt auf Solopfaden - und kann damit durchweg überzeugen, ohne im Schatten seiner Band zu verblassen!

Nachdem sich das dänische Trio WhoMadeWho spätestens mit ihrem 3. Album "The Plot" (2009) als eines der größten Synthie-Dance-Pop-Acts Skandinaviens etabliert haben, legt ihr Sänger und Bassist Tomas Høffding alias Bon Homme, nun sein selbstbetiteltes Solo-Debüt vor. Und mit den 10 Stücken seines ersten Alleingangs, muss er sich keineswegs vor den famosen Arbeiten seiner Band verstecken - weil er nicht versucht eben jene zu kopieren, aber dabei dennoch Artverwandt bleibt. Mit seinem Sound der weniger kalkuliert ist, als das er eine logische Weiterentwicklung darstellt, fügt sich zudem perfekt in den aktuellen Zeitgeist ein. Auch der letzte dürfte mittlerweile bemerkt haben, das der Dance-Sound der späten 80er bis frühen 90er derzeit seinen zweiten Frühling erlebt. Diese natürliche Entwicklung hört man "Bon Homme" in jedem Song an. Anbiedern können sich andere - Tomas Høffding hingegen geht den Weg von WhoMadeWho konsequent weiter und vereint Midtempo-Pop mit elektronischen Dance-Klängen. Auffällig sind allerdings die pumpenden Beats, die die meisten Songs antreiben und Bon Homme deutlich vom Sound seiner Band abheben. So erfahren die Stücke hier eine gewisse technoide Grundierung, bleiben aber in jedem Moment Pop. Zudem jongliert er hier mit den unterschiedlichsten stilistischen Bezügen im Rahmen elektronischer Tanzmusik. Auf dem schwebend melancholischen Opener "Ray Ban" (hier anhören!) lässt er etwa Erinnerungen an Kraftwerk aufleben und kombiniert dies mit eingängig dunklen Gesangspassagen. Die Single "Mother" (hier anhören!) stellt mit Analog-Synthezisern, pumpenden Beats und eingängig-hymnischer Melodie einen vollwertigen Hit dar. Mit "Surround Surrender" (hier anhören!) beamt er eine astreine, sphärisch getragene Früh-80er-Synthpopballade in die Gegenwart, mit dem gefühlvoll warmen Elektro-Pop von "Heaviest Flower Of Europe" (hier anhören!) wagt er sich hervorragend an den Sound von Hot Chip heran und auf "Needle" (hier anhören!) liefert er wunderbar zeitgeistig interpretierten Italo-Disco-Pop mit Falsettgesang. Und so ist Bon Homme hier zwar keine Offenbarung, aber eine überaus überzeugende Dance-Pop-Platte gelungen, die eines der Höhepunkte des aktuellen Revivals darstellt.




Sonntag, 19. September 2010

Ausgegraben: GRAMMATICS - "GRAMMATICS" (2009)

Warum kennt man eigentlich Grammatics nicht? Der versäumte Hype eines der vielversprechendsten Newcomer 2009, beschert schändlicherweise der Band das Ende vor ihrer Zeit!

Im Indie gab es schon immer kommerzielle Komplikationen: Das sehr vielseitige, zu allen Seiten offene Genre, war schon immer in der Lage - neben versponnenen Klangexperimenten - auch wahrhaft massentaugliche Kunst hervorzubringen. Doch dem kommt dann fast immer ein Problem in die Quere: Mainstream-Musik ist überall, sie findet einen - ob man es will oder nicht. Indie-Musik hingegen will gefunden werden. Und so blieb schon einigen vielversprechenden und großartigen Bands und Künstlern, ihr verdienter Durchbruch versagt. Auch die Indie-Revolution der vergangenen Dekade, in dessen Verlauf sich der Indie immer mehr zum Massenliebling mauserte, ändert daran oft nichts. So wie im Fall der Grammatics. Das junge Quartett aus dem englischen Leeds, das maßgeblich von Blur, Radiohead, Pulp, Nirvana, Arcade Fire, Björk oder Kate Bush beeinflusst ist, lieferte mit dem selbstbetitelten Debüt "Grammatics" rückblickend eines der größten musikalischen Glanzlichter des letzten Jahres, wurde von Kritikern begeistert aufgenommen - und verkaufte dennoch weniger als 5000 Exemplare! Spürt man den enormen Rausch, den dieses Debütalbum schon beim ersten Hören erzeugt, die mitreißende Energie, den kunstvoll inszenierten Bombast und die komplex strukturierten, aber höchst eingängigen
Kompositionen, will und kann man nicht verstehen, warum Owen Brinley (Vocals/Guitar), Lindsay Wilson (Cello), Rory O'Hara (Bass) und James Field (Drums) nicht zum neuesten heißen Scheiss und zum umfeierten Indie-Phänomen des Jahres 2009 gehyped wurden. Ein Versäumnis mit Folgen: Nach einer letzten Tour und einer abschließenden EP, will sich die Band noch in 2010 offiziell auflösen. Und so ist auch eine später Hype sinnlos. Aber wenigstens bleiben einem Songs, wie der von feinen Arctic-Monkeys-Gitarren anbetriebene und von Cello-Bombast und leidenschaftlichem Gesang begleitete, Haken schlagende Opener "Shadow Committee" (hier anhören!), der unverschämte Ohrwurmqualitäten besitzt. Oder das zwischen atmosphärisch rockig und schwebend psychedelisch oszillierende und sich gegen Ende gar progig aufbäumende "D.I.L.E.M.M.A." (hier anhören!). Die psychedelisch verstrahlte, ganz und gar wundervolle Indie-NewWave-Pop-Perle "Murderer" (hier anhören!), das strahlende, stimmungsvoll ausufernde und hochmelodische, aber nichtsdestotrotz kunstvoll strukturierte "The Vague Archive" (hier anhören!), das Haken zwischen getragen, psychedelisch, popig, lieblich und reißenden rockig schlagende "Relentless Fours" (hier anhören!), oder der weit in den Horizont strahlende Indie-Pop-Epos "Polar Swelling" (hier anhören!). Und es bleibt uns mit "Grammatics" ein Album, das bei jedem Hören die quälende Frage aufwirft, was noch alles hätte möglich sein können.

Samstag, 18. September 2010

Besprochen: ANTONY & THE JOHNSONS - "SWANLIGHTS"

Ganz große Kunst: Auf ihrem neuen Album entfernen sich Antony & The Johnsons immer weiter vom Pop - und stoßen in neue künstlerische Sphären vor.

Was haben wir nicht erst im letzten Jahr zum 3. Album "The Crying Light" von Antony Hegarty und seinen Johnsons geschmachtet. Dieses Werk, das so schwerelos und doch so schwermütig, auf der Grenze zwischen Pop und großer orchestraler und emotionaler Geste balancierte. Ein strahlendes, androgynes und ergreifendes Manifest. Nun im Jahr danach, steht uns schon das 4. Studioalbum des Gespanns ins Haus. "Swanlights" nennt sich das neue Werk - und es ist ein Album geworden, das mit dem Verstand nicht zu erfassen ist. Denn hier entfernen sie sich zunehmend vom Pop - und finden ihre Bestimmung in neuen, tieferen Klangsphären. Doch um Missverständnisse zu vermeiden: "Swanlights" ist noch immer das, was wir uns im weitesten Sinne von Antony Hegarty versprechen. Nur den neuen Kompositionen ist nicht mehr der deutliche Popstempel aufgedrückt. Am ehesten spürt man diesen noch auf der formidablen ersten Single "Thank You For Your Love" (hier anhören!), jedoch wird der Pop hier zunehmend von Jazz-Einflüssen verdrängt. Die Songs der neuen Platte bilden einen wahrhaft einnehmenden emotionalen Rausch. Aber dennoch ist es schier unmöglich, dieses künstlerisch hochwertige Werk nach dem ersten hören ganz zu verinnerlichen - oder gar zu begreifen. Doch spätestens nach den ersten paar Durchläufen, drängt sich immer stärker der Verdacht auf, das hier etwas ganz großes geschieht. Denn irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem die Songs ihre ganze Seele, ihr Eigenleben und ihre Magie entfalten. Der Moment, in dem sich dieses versponnene Kunstwerk als kostbarer Schatz offenbart. Der Opener "Everything Is New" zeigt schon vortrefflich, wo sie der neue Weg hinführt. Zu spärlicher Instrumentierung, hangelt sich Hegarty hier an denselben, immer wiederkehrenden wenigen Textzeilen entlang ("I cried everything, everything is new"). Die Songs klingen sperriger und weniger eingängig als auf dem Vorgänger vom letzten Jahr. Vielmehr will man hier eine deutliches künstlerisches Statement abgeben, was ihnen auf den famosen 11 Songs von "Swanlights" vorbildlich und mit durchaus unterschiedlichen, aber höchst homogenen musikalischen Mitteln gelingt. So zeigt sich "Ghost" (hier anhören!) mit dramatisch perlendem Piano und schwelenden Streichern auf einem hohen emotionalen und qualitativen Level, das einem das Stück direkt unter die Haut fahren lässt. "The Great White Ocean" (hier anhören!) treibt höchst verletzlich und melancholisch auf akustischen Arrangements daher. "I'm In Love" (hier anhören!) erstreckt sich über erlösend stimmungsvolle Orgel-Klänge und etwas, das man in einer anderen Welt beinah Beats nennen würde. Der Titelsong "Swanlights" (hier anhören!) beginnt als spukige Metapher und steigert sich im Verlaufe seiner 6 Minuten bin hin zu sakraler Vollendung. Gemeinsam mit Björk gelingt "Flétta" (hier anhören!) als erhabenes, höchst emotional fesselndes, von dominantem Piano begleitetes Kunstwerk. Und mit verspielt zaghaftem Orchester und schwelgerisch hymnsichem Gesang entwickelt "Salt Silver Qxygen" (hier anhören!) eine beinah epische Wucht. Dieses Album will nicht verstanden und analysiert, sonder es will gefühlt, erahnt und verinnerlicht werden. Wer eingängige Songstrukturen und eine konventionelle Umgehensweise mit dem Begriff Pop will, der muss anderswo weitersuchen. Aber hier wird er damit nicht weit kommen. Was hier geschieht, spielt sich auf einer gänzlich anderen Bewusstseinsebene ab. Denn wer es schafft, sich diesem abstrakten Klanggemälde zu öffnen, der wird erkennen was wahre Schönheit bedeutet.

Montag, 13. September 2010

Besprochen: MANIC STREET PREACHERS - "POSTCARDS FROM A YOUNG MAN"

Ein Schritt zurück in die Eingängigkeit: Die Manic Street Preachers handeln auf Album No.10 nach dem Motto "Wenn du etwas zu sagen hast, dann sag es möglichst vielen"!

In den letzten Jahren lief es gut für die Manic Street Preachers: Ihr 2007er Album "Send Away The Tigers" wurde ein internationaler Erfolg und ihr letztes Album "Journal For Plague Lovers" (2009), das ausschließlich Texte ihres 1995 spurlos verschwundenen (und 2008 rechtlich für Tot erklärten) ehemaligen Gitarristen Richey Edwards beinhaltete, wurde von Kritikern weltweit als Meisterwerk gelobt. Vor allem mit dem letzten Werk, hatte die Band sich vom Radio verabschiedet - was zum einen an den oft rockigen und rotzigen, aber auch melodischen Songs lag, die hier Produzent Steve Albini (Nirvana) ins Rechte Licht rückte, aber auch daran, das aus dem Album keine Singles veröffentlicht wurden. Mit ihrem nun dieser Tage erscheinenden 10. Album "Postcards From A Young Man", plante die Band nun eine ganz andere herangehensweise. Sie wollten nach eigener Aussage ihre Songs wieder im Radio hören, frei nach dem Motto: "Wenn du etwas zu sagen hast, dann sage es möglichst vielen!" Und der Eindruck bestätigt sich schon beim ersten hören. Die Arrangements sind ausgefeilter und polierter und es kommen äußerst poppige Melodien, sowie Streicher und Soul-Elemente zum Einsatz. So zeigt schon der eingängig poprockende Opener und erster Single-Release "(It's Not War) Just The End Of Love" (hier anhören!) wo der Weg hier hinführt. Auch der Titelsong "Postcards From A Young Man" weist eine hohes Pop-Verständnis auf, "Hazleton Avenue" kommt mit schwelenden Streichern und eingängiger Meoldie des Weges, "Auto-Intoxication" bietet ein gelungenes Wechselspiel aus zurückgelehnt poprockigen Versen, schwebend atmosphärischen Bridges und rock-rockendem Refrain, mit Streichern und weiblichen Backgroundchören schmachtet "Golden Platitudes" (hier anhören!) vor sich hin und "The Future Has Been Here 4 Ever" zeigt sich mit beherzten Bläsern und Chören. Ihr Vorhaben, möglichst radiotaugliche Songs zu schreiben, geht vollkommen auf - was nur leider, trotz eingängiger Melodien und ein paar echter Höhen, auf Albumlänge einen sehr harmlosen Eindruck vermittelt. Hier ist zwar nicht völlig daneben gegangen und das Album ist im Grunde durchweg gut hörbar - aber mit dem eckigeren und tiefgründigeren Charakter des Vorgängers "Journal Plague For Lovers", hätten sie sich einen größeren Gefallen getan. Und so liefern die Manic Street Preachers mit "Postcards From A Young Man" eben ein Standardwerk ab - es hätte schlimmer kommen können.

Besprochen: SKUNK ANANSIE - "WONDERLUSTRE"

Skunk Anansie legen auf ihrem lang erwarteten Comeback-Album los, als wären die 90er nie zu Ende gewesen - und das ist auch gut so!

Skunk Anansie, die britische Alternative-Rock-Band um die charismatische Sängerin Deborah "Skin" Dyer, waren in den 90ern kaum wegzudenken. Nicht nur das sie dabei halfen, meinen persönlichen Musikgeschmack als Teenager reifen zu lassen, so sorgte schon ihr erstes Album "Paranoid And Sunburnt" (1995) für eine Menge Wirbel in der Alternative-Szene. Ihr 2. Album "Stoosh" (1996) erhielt noch größere Nachfrage, was vor allem der Single "Hedonism" (hier anhören!) geschuldet war, die im Jahr 1997 ein europaweiter Hit wurde - und heute noch in aller Ohren ist. Der Erfolg konnte sich auch auf das 3. Album "Post Orgasmic Chill" (1999) ausweiten, das mit "Secretly" (hier anhören!) einen ähnlich massiven Hit im Gepäck hatte. Im Jahr 2001 folgte dann die Trennung - man habe mit der Band genug erreicht, hieß es von den Mitgliedern, und man wolle sich nun Soloprojekten widmen. 2009 folgte dann die überraschende Nachricht: Skunk Anansie gaben offiziell ihr Comeback bekannt. Der Anfang fiel dann doch recht bescheiden aus und beschränkte sich auf's erste auf eine Europa-Tour, mit der frisch gebackenen Greatest-Hits-Compilation "Smashes & Trashes" (2009), die aber immerhin 3 neue Songs beinhaltete. Und nun legt die Band endlich ihr lang erwartetes 4. Studioalbum nach. Und schon bei den ersten Durchläufen von "Wonderlustre" hat man das Gefühl, als würde man einen alten und Freund wiedertreffen. Skunk Anansie knüpfen an ihr altes Schaffen beinah nahtlos an und tun so, als seien die 90er nie zu Ende gegangen. Und das ist auch gut so. Denn was sich auf diesen 12 Songs abspielt, klingt keineswegs rückschrittlich oder veraltet. Sängerin Skin singt, schreit, säuselt und sehnsüchtelt sich durch das neuen Album, als schrieben wir nach wie vor das Jahr 1997 und ihre Band begleitet sie dabei mal mit ruhigen und mal mit rockenden Arrangements - aber stets auf einem hohen musikalischen Standard, den sie nahezu über die gesamte Albumstrecke aufrecht erhalten können. So geht es schon mit dem hymnischen Opener "God Loves Only You" (hier anhören!) los, der den nachdenklichen Versen einen treibenden Refrain gegenüberstellt. Zu weiteren Highlights der Platte zählen etwa das mitreißende, auf eingängiger Melodie und elektrisierenden Gitarrenriffs gestützte "Over The Love", das einnehmende, melancholische und von Streichern und Gitarrenriffs gleichermaßen geprägte "Talk Too Much", das melodische und nachdenklich rockende "My Love Will Fall", die nahezu hitverdächtige Midtempo-Ballade "You Saved Me", der selbstbewusst treibende Alternative-Rock-Ohrwurm "Feeling The Itch", oder das nachdenkliche Finale "I Will Stay But You Should Leave". Und nicht mal solch breitbeinig rock-rockenden Ergüsse wie "It Doesn't Matter", können den grundsoliden und positiven Eindruck der Platte großartig schmälern. Ein gelungenes Comeback!