♪♫♪ ...music makes the people come together... ♪♫♪

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Montag, 7. Juni 2010

Besprochen: "THE TWILIGHT SAGA: ECLIPSE (Original Motion Picture Soundtrack)" (2010

Das 3. Teil der Vampir-Schmonzetten-Saga liefert erneut einen Soundtrack voll illustrer (Indie-) Gäste.

Die Vampir-Romanzen-Saga um die sterbliche Bella, den Vampir Edward und den Werwolf Jacob, hat sich zum Publikumsmagneten sondergleichen entwickelt. Über die wahren Qualitäten der Filme, sollte man nicht streiten können: Durchaus nett gemachte Filme für die Masse, aber keine Meisterwerke, die man wieder und wieder erleben will. Mit deutlich bestechenderer Qualität, konnten hier seit eh und je die Soundtracks begeistern. So gaben sich auf den ersten beiden Kompilationen etwa Größen wie Iron & Wine, Thom Yorke (Radiohead), Death Cab For Cutie, Grizzly Bear, Bon Iver oder Editors die Klinke in die Hand. Auf dem 3. Sountrack "Eclipse"steigern sie sich qualitativ aber noch einmal deutlich, so wie "New Moon" dies schon beim ersten Teil der Sage tat. Die Liste illustrer Gäste, die hier allesamt neue oder bislang unveröffentlichte Beiträge beisteuern, wirkt noch beeindruckender - und der Großteil der Songs ebenso. So haben sich hier in der Tat ein paar essentielle Perlen diverser Künstler versammelt. Die kanadische New-Wave-Indierock-Band Metric, deren Sängerin Emily Haines u.a. auch bei der Formation Broken Social Scene aktiv ist, liefern mit dem Titelsong "Eclipse (All Yours)" schon einen fulminanten, mitreissenden und hypnotisch-melodischen Auftakt. The Bravery finden mit dem Ohrwurm "Ours" definitiv zurück zu alter Dance-Rock-Form; Florence & The Machine liefern mit "Heavy In Your Arms" eine famose, einnehmend düstere und sich stetig steigernde Hymne par excellence ab; mit "Chop And Change" schenken uns
The Black Keys nach dem exzellenten neuen Album "Brothers" eine weitere orgelnde Blues-Rock-Perle für die Ewigkeit; "Rolling In On A Burning Tire" von Jack White's Nebenband The Dead Weather, ist mit seinem düster angedeuteten James-Bond-Theme-Charakter beinah relevanter, als das gesamte neue Album; "Let's Get Lost" zeigt ein großartiges, melodisch getragenes, hypnotisierendes und beatiges Dream-Pop-Duett zwischen Beck und Bat For Lashes; und Vampire Weekend steuern den grandiosen Ohrwurm "Jonathan Low" bei, der sofort in Hirn und Beine geht und dessen Schmiss man auf dem aktuellen Album gern gehört hätte. Im Ganzen ein sehr ordentlicher Soundtrack, der zwar mit den Beiträgen wie von Band Of Horses mit "Life On Earth" und Muse mit der ersten Soundtrack-Single "Neutron Star Collision (Love Is Forever)" ein paar Hänger zu verzeichnen hat, die aber zumindest nicht ärgerlicher Natur sind. So kann man diese eher austauschbaren Tracks einfach an sich vorüberziehen lassen, um sich an den anderen kleinen Perlen zu erfreuen. Der Gesamteindruck klingt nach einer typischen Zusammenstellung verschiedener Songs, nicht wie ein schlüssiges Ganzes. Da dies bei derartigen Compilations jedoch eh sehr selten ist, darf man sich dennoch über einen Mainstream-Film mit einem außerordentlich musikalisch hochwertigen Soundtrack freuen. Das passiert schließlich auch schon viel zu selten.

* * * *1/2

Sonntag, 6. Juni 2010

Ausgegraben: DAVID BOWIE - "ALADDIN SANE" (1973)

Mit seinem 6. Studioalbum schuf David Bowie im Jahr 1973 ein kleines Glam-Rock-Meisterstück - das bis heute wichtige Einflüsse ausübt!

Die 70er Jahre waren die Dekade, in denen David Bowie den unbestrittenen kreativen Höhepunkt seiner Karriere erlebte. Hatte er zuletzt mit "The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars" (1972) für wahre Begeisterungsstürme gesorgt, schob er im Jahr darauf den mit Spannung erwarteten Nachfolger "Aladdin Sane" hinterher. Und es sollte ein ähnlich durchdachtes und detailreiches Pop-Kunstwerk werden, wie sein Vorgänger - auch wenn dem 6. Studioalbum Bowie's kein solch direktes Konzept zugrunde lag. Doch die Querverweise und Botschaften drängen hier aus jeder Ritze. So wurde einerseits "Aladdin Sane" als neue Persönlichkeit des David Bowie aufgefasst, welcher es selbst als eine Art "Ziggy goes to America" definierte. Der Titel ist zudem ein Wortspiel und kann auch "a lad insane" gelsenen - was zu deutsch soviel wie "ein verrückter Typ" bedeutet. Ähnliches Schema setzt sich auch in den Songs fort, deren Inhalt und Bedeutungen, den Kompsitionen oft ebenbürtig sind. Der bluesrockende Opener "Watch That Man" sucht bewusst die Nähe zu einem dreckigerenn Sound á la Rolling Stones. Der wunderbare Piano-Glam-Pop und Titelsong "Aladdin Sane (1913-1938-197?)" trägt in Klammern die Jahre, die dem Beginn des 1. und 2. Weltkrieges vorangingen, sowie ein drittes unbekanntes Datum, das den Glauben Bowie's an das Nahen eines 3. Weltkrieges reflektierte. Das stark vom Doo-Wop der 50er Jahre beeinflusst "Drive-In Saturday" beschreibt die Einwohner einer zukünftigen, post-apokalyptischen Welt, die vergessen haben wie man sich fortpflanzt - und alte Pornos schauen, um zu lernen wie es geht. Die sachte vom Salsa beeinflusste Rock-Hymne "Panic In Detroit" bezieht sich auf die Rassenunruhen in Detroit vom Jahr 1967, bei dem 43 Menschen ums Leben kamen. Der Glam-Hard-Rocker "Cracked Actor" erzählt von der Begegnung eines alternden Hollywood-Stars mit einer Prostituierten und geizt nicht mit Anspielungen auf Sex und Drogen. Der R&B-Kracher "Jean Genie" trägt in seinem Titel ein Wortspiel auf den homosexuellen Schriftsteller Jean Genét. Und die finale Ballade "Lady Grinning Soul" hätte eines der großartigsten James-Bond-Themes aller Zeiten werden können, welches durch Bowie's erste Begegnung mit der Soulsängerin Claudia Lennear im Jahr '72 inspiriert wurde. Ein fabelhaftes Album das bis heute große Bedeutung hat. Marylin Manson nannte es als maßgeblichen Einfluss auf sein Album "Mechanical Animals" und sogar Lady Gaga lässt sich davon inspirieren. Ein famoses Glam-Rock-Manifest für die Ewigkeit!

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Besprochen: DARWIN DEEZ - "DARWIN DEEZ"

Das Versprechen auf einen Sturm, wurde lediglich ein lauer Sommerwind - Darwin Deez' Debütalbum übt sich in sanfter Bekömmlichkeit!

Mächtig große Worte, die der junge US-Amerikaner Darwin Deez unlängst über sein Debütalbum verlauten ließ: "Es ist das, was man vom neuen MGMT-Werk erwartet hat." Eine Aussage, die genau einen Haken hat - und der steckt schmerzhaft tief: Mit "Congratulations" haben MGMT ganz genau das Meisterwerk abgeliefert, das man sich nur in seinen kühnsten Träumen hätte ausmalen können. Doch unüberlegte Aussagen wie diese, sind nicht selten im Popbusiness - sie führen zumeist allerdings nur zu dem Ergebnis, das sich ihre Urheber als Schaumschläger outen. Beim vorliegenden Beispiel, stellt sich zuallererst eine gewisse Verwunderung ein: Das hier erinnert in keinster Weise an MGMT - dafür ist der Sound zu eindimensional, die der junge Mann hier mit seiner 7-köpfigen (!) Band auf 10 Tracks vereint. Man fragt sich zurecht, wofür eine solche Vielzahl von Bandmitgliedern nötig ist, hat man erst einmal durchschaut, das sich das meiste hier auf Gitarre, Gesang, Handclaps und dezente Computersounds beschränkt. Der Minimalismus und der Hang zu bratzenden Gitarrenlicks, wecken eher Erinnerungen an die Strokes. Zwar hat er mit den Singles "Constellations" und "Radar Detector" bereits 2 von Grund auf sympathische und bodenständige Ohrwürmer zu verantworten, doch viel weiter geht er den Weg dann doch nicht. Mal wird ein Bloc-Party-Riff geklaut und Danger-Mouse-Beats kopiert ("The Sucide Songs") und ein andern mal klingt er fast wie Jack Johnson in cool ("Up In The Clouds"). Gegen die teilweise stimmigen Melodien, die warmen Arrangements und die zärtlichen Harmonien lässt sich gar nichts einwenden - hier hat Mr. Deez nur eher den perfekten Soundtrack für den Sonnenuntergang an einem warmen Sommerabend geliefert. Besser als solche schmerzlich langweiligen Schnarchnasen wie Jack Johnson oder Jason Mraz ist der gute Darwin Deez allemal, aber auch er bleibt nur ein laues Sommerlüftchen nach einem versprochenen Sturm. Er sollte die neue Platte von MGMT ganz genau hören - vielleicht lernt er ja noch was.

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Besprochen-Special: THE ROLLING STONES - "EXILE ON MAIN ST." (1972)

Seinerzeit von Kritikern und Hörern weitestgehend verschmäht und im Laufe der Jahre als wertvolles Stück Musikgeschichte rehabilitiert: Das letzte Konsens-Meisterwerk der rollen Steine - nun neu aufgelegt!

Nicht selten spielt der Faktor Zeit in der Kunst eine wichtige Rolle - so manch ein heutzutage als Meisterstück gefeiertes Kunstwerk, wurde seinezeit übersehen, oder schlicht und ergreifend nicht erkannt und seines Genies nicht gewürdigt. Gerade in der Musik ist es häufig der Langzeitwirkung zu verdanken, das sich so manche Platte als wesentlich essentieller und einflussreicher herausstellte, als sie bei ihrer Veröffentlichung wahrgenommen wurde. "Exile On Main St." der Rolling Stones, gehört definitiv dazu. Als es 1972 erschien, waren Kritiker förmlich entsetzt: Die tighten, souligen und bluesigen Kracher, die die Stones in den vorangegangenen Jahren veröffentlichten, wichen hier einer wüsten, fiebrigen, teils unfertig wirkenden, eckigen und kantigen Jam-Session. Viele verschmähten das Doppel-Album seinerzeit - doch im Verlaufe der folgenden Jahre, zementierte es seine Bedeutung als eines der besten Alben der Rock-Geschichte und als bis heute, laut Konsensmeinung der Musikgeschichtsschreiber, letztes Meisterwerk der Rolling Stones.
Allein die Aufnahme-Sessions der Platte sind bis heute legendär und wird nahezu mystifiziert. Anfang der 70er Jahre packte die Band Freunde und Geliebte und kehrte England (aus Steuergründen) den Rücken. Sie ließen sich zeitweilig in Keith Richards' Villa Nellcôte an der Côte d'Azur nieder, wo sie eine einizige große Party feierten - stets bewusstseinserweiternde Substanzen griffbereit. Und so stieg man Nachts hinab in die feuchten Katakomben des ehemaligen Nazi-Anwesens, um an Stücken des neuen Albums zu arbeiten. Es sind weniger die einzelnen der 18 Stücke des Doppelalbums, als viel mehr das Gesamtwerk, das es so faszinierend macht. Es sind auch keine nennenswerten Hits aus dem Album hervorgegangen, lediglich "Tumbling Dice" und "Happy" sind seinerzeit als Singles erschienen. Auch wenn all der schräge Soul, das Jam-Session-artige gegniedel, der furztrockene Blues, Mick Jagger's häufig in den Hintergrund gemischte Vocals, das stoische gerocke und die Anfangs kaum prägnanten Melodien etwas quer und kantig in die Gehörgänge gehen, so wächst dieses Werk mit jedem hören, bis es irgendwann geschieht: Der ganze Haufen unterschiedlischster, verspielter, ineinandergreifender Soundschichten und Stile, entwickeln ein Eigenleben und bilden ein in sich geschlossene Einheit, die "Exile On Main St." zu einem wahren Juwel heranwachsen lassen. Man entdeckt mit jedem Hören neue Kostbarkeiten, Facetten, Bezüge und Eindrücke in dem, was zuvor noch wie ein wüster Songbrei anmutete. Und so steigenr sie sich letztendlich in eine wahren Rausch aus starightem, von Bläsern verzierten Rock ("Rocks Off"), jazzig hingerotzten Uptempo-Blues ("Rip This Joint"), zurückgelehntem und wunderbarem Country-Blues ("Sweet Virginia", "Torn And Frayed"), mitreissendem Gospel-Blues ("Tumbling Dice"), bedrogten Blues- und Gospel-Ausgeburten, folkigem, politisch Stellung beziehenden Perlen ("Sweet Black Angel") und großartigen Klassikern für die Ewigkeit ("Shine A Light", "Let It Loose"). Dieses wahnwitzige, unter von Legenden umrankten Umständen schierer Rock'n'Roll-Dekadenz entstandene Meisterwerk, wurde in diesem Jahr neu remasterd aufgelegt - und um eine zweite CD mit 10 Raritäten der einstigen Aufnahmesessions erweitert. Darunter befinden sich etwa der abgehangene, mit Gospel-Anleihen versetzte Blues-Schleicher "Pass The Wine (Sophia Loren)", die daraus veröffentlichte Single "Plundered My Soul", das mit teilweise alten Arrangements und neu eingesungenen Vocals daher kommt, die schmachtende, von Piano und Gospelbackground verzierte Ballade "Following The River", das entspannt bluespopige "So Divine (Aladdin Story)" oder "Good Time Women", die für das Album "Sticky Fingers" aufgenommene Urversion von "Tumbling Dice". Die neuen Songs sind ein netter und durchaus interessanter Bonus, der vor allem für Fans eine kleine Fundgrube mit exklusiven Raritäten darstellen wird. Dem Album als solches kann es zwar nichts essentielles hinzufügen. Doch das fällt bei einem solchen Meisterstück nicht weiter ins Gewicht. Hat man sich erst einmal einige Male in Dauerrotation mit diesem schweißtreibenden, unvorhersehbaren und sich sämtlicher Erwartungen verweigernden Brocken beschallen lassen, wandelt es sich immer weiter zu einem wahrhaft berauschenden Opus Magnum. Und so Reihe ich mich (als keine allzu großer Stones-Fan) gerne ein in die lange Schlange derer, die mit voller Überzeugung sagen: Die Rolling Stones haben hier ein wahres Meisterwerk geschaffen, das zurecht seinen zwar späten, aber festen Platz in der Rock-Historie hat.

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Samstag, 5. Juni 2010

Besprochen: THE DRUMS - "THE DRUMS"

Sie sehen leckerer aus als jede Boyband und klingen wie Joy Division auf Antidepressiva: The Drums bringen mit ihrem Debüt den Sonnenschein zurück in den Pop!

Der Sommer ist da - zumindest beim Verfassen dieser Zeilen, scheint die Sonne vom blauen Himmel auf die schöne Lübecker Altstadt hinab, es ist herrlich warm und alles blüht. Wie lange es so bleiben wird, ist noch unsicher - doch passend zu den schönsten Tagen des bisherigen Jahres, veröffentlichen die New Yorker Newcomer The Drums mit ihrem selbstbetitelten Debüt den Soundtrack dazu! Denn es kann kommen wie es will - selbst an grauen Regentagen, zaubert uns dieses Album den Sonnenschein in die Herzen. Denn das Komplettpaket das die junge 4-köpfige Band mit ihrem selbst geschriebenen und produzierten Debütalbum präsentiert, hat es in sich: Sie sehen nicht nur leckerer aus als jede Boyband, sie zaubern zudem hier ein Dutzend wunderbarer, harmonieverliebter, schmachtender und verzückender Melodien für mindestens eine halbe Ewigkeit aus dem geblümten Hut. Und das ganze klingt dann in etwa so, als würden Joy Division auf Antidepressiva die Smiths covern - oder auch wie eine coolere 80er-Version der Beach Boys! Und wenn man will, kann man hier auch The Stones Roses heraushören. Doch die Referenzen sind Nebensache. Denn den jungen Männern ist hier eines der hinreißendsten Debütalben des Jahres gelungen - und sichern sich schon jetzt
eine Nominierung als potentielle Band des Jahres. Auch die trübsten Themen schafft die Band in schneidige Ohrwürmer zu kleiden. Der melodische Opener "Best Friend" etwa, behandelt den Tod eines geliebten Freundes. Im Refrain des berückend warmen Ohrwurms "Book Of Stories" heißt es: "I thought my life would get easier, instead it's getting darker, instead it's getting colder...without you". Und bei dem verträumt denglenden und melodieseligen Ohrwurm "It Will All End In Tears" kann man die Quintessenz bereits überdeutlich im Titel ablesen. Doch auch die buchstäbliche Lebensfreude kommt hier nicht zu kurz: Exzellentes Strand-Feeling verbreitet die bereits bekannte Debüt-Single "Let's Go Surfing". Die neue Single "Forever & Ever Amen" verführt als unantastbar wunderbare, schmachtende Indie-Pop-Ohrwurm-Perle und "I Need Fun In My Life" verzückt als minimalistischer, 80s-infiziert tänzlender Sing-Along. Und trotz der hervorragendenen einzelnen Songs, ist das große Ganze hier dennoch mehr als die Summe seiner Teile. Der britische New Musical Express (NME) schrieb kurz aber vollkommen zutreffend: "A band to fall in love with."
Dem ist nicht hinzuzufügen...

* * * * *1/2


Mittwoch, 2. Juni 2010

MIXTAPE VOL.7

Und nun folgt Episode 7 meines Mixtapes - und wieder einmal trage ich hier mancherlei Song-Tips zusammen. Also: Nicht lange labern - los geht's!


1. STROMAE - "RAIL DE MUSIQUE" (2010)

Der nächste Song vom heiß ersehnten Album "Cheese" des belgischen Newcomers Stromae, der via iTunes vorab wöchentlich veröffentlicht wird, um die Wartezeit auf das Album zu verkürzen. In Wirklichkeit wird damit von Woche zu Woche das Warten mehr zur Qual, hinsichtlich der hervorragenden Qualität jener Songs. Mit "Rail De Musique", dem 3. Song dieser Aktion, mit dem er einmal mehr den guten Dancefloor der 90er-Schule wieder salonfähig macht, bedient er sich an Elementen der frühen Snap! und dreht daraus ein hervorragenden Hit...


2. SNAP! - "EXTERMINATE" (1992)

...oder gibt es jemanden, der nicht die gewisse Ähnlichkeit zwischen den Synthesizern in Stromae's Song "Rail De Musique" und denen, dieses unsterblichen Klassikers des Frankfurter Dance-Projekts Snap! erkennt? Ob man diese Verbindung nun erkennen mag oder nicht, so ist dies doch trotzdem ein guter Anlass, wieder mal in frühen Jugenderinnerungen zu schwelgen - mit diesem Euro-Dance-Hit (mit Vocals von Nikki Harris), der all die guten Seiten am einstigen Dance-Hype in sich vereint.


3. CHRISTINA AGUILERA - "BIONIC" (2010)

Das neue Album von Miss Aguilera ist eine sehr durchwachsene Angelegenheit geworden - erst nach zig Hördurchläufen, beginnen sich vereinzelte kleine Glanzlichter heraus zu kristallisieren. So ein Grower ist dann der einführende Titelsong "Bionic": Anfangs saß er mächtig quer im Ohr, entwickelte sich mit seinen schrägen Synthesizern, seinen abgestoppten Beats, Effekten und (für sie) neuartigen Klängen zu einem passablen und unkonventionellen kleinen Hit.


4. TONI BRAXTON - "HANDS TIED" (2010)

Auch wenn es kommerziell noch ein relativ schüchternes Comeback ist, aber es ist Fakt: Toni Braxton ist zurück! Nachdem sie seit dem 2000er Album "The Heat" musikalisch eher im trüben fischte, ist das neue und 6. Album "Pulse" ihr bestes seit den 90ern geworden. Nachdem ich in einem vorangegangenen Mixtape bereits die 1. famose Single "Yesterday" empfohlen habe, widme ich mich nun ganz der ebenfalls tollen 2. Single: Die Midtempo-Pop-Ballade "Hands Tied". Toni Braxton so solide, wie lange nicht mehr.


5. LADY GAGA - "EH, EH (PET SHOP BOYS REMIX)" (2010)

Nur sehr wenige Remixe vermögen den Originalen auf Augenhöhe zu begegnen - und noch weniger schaffen es, das Original zu übertrumpfen. Letzteres hingegen gelang kürzlich auf dem Remix-Album "The Remix" von Lady Gaga mit ihrem Song "Eh, Eh": Erinnert das Original unangenehm an Fun Factory, verwirklichen die Pet Shop Boys auf ihrem Remix, ihre ganze eigene Vision und machen den Songs zu einem schwebenden Dance-Pop-Ohrwurm. Man sollte ernsthaft darüber nachdenken, auf einer neuen Album-Edition das Original mit diesem Remix auszutauschen. Denn er überflügelt es haushoch. Großartige Leistung!


6. TRENTEMØLLER - "SYCAMORE FEELING" (2010)

Der begehrte dänische Techno-DJ und -Produzent tobt sich auf seinem brandneuen Album "Into The Great Wide Yonder" eher in dunklen Klangabgründen aus. Das wird schon auf der ersten Single, die gesanglich von der dänischen Sängerin Marie Fisker begleitet wird, deutlich: "Sycamore Feeling" überrascht als atmosphärisch getragener und düster schwebender Elektro-Art-Pop, der sehr an Portishead oder Massive Attack erinnert. Albumrezension folgt.



7. BORN RUFFIANS - "WHAT TO SAY" (2010)

Die 3-köpfige Band aus Kanada, um Luke LaLonde (Vocals, Gitarre), Mitch Derosier (Bass) und Steven Hamelin (Drums), hat soeben ihr zweites Album "Say It" vorgelegt. Die Single daraus macht schon mal, auf ganz unverkrampfte Art, Lust auf mehr: "What To Say" gelingt als melodischer, minimalistisch instrumentierter Ohrwurm, den man einfach lieb haben will.



8. GANGLIANS - "THE VOID" (2009)

Das bereits vor einem Jahr in ihrer Heimat veröffentlichte Abum "Monster Head Room" der Ganglians aus Sacramento, Kalifornien, ist nun auch im Plattenladen ihres Vertrauens zu erstehen. Ein wahre 60's-Psych-Folk-Pop-Perle ist ihnen hier gelungen. Vor allem das großartige "The Void" zeigt vortrefflich, welche Formen dies annehmen kann - und liefern einen spukig vertonten LSD-Trip, der nichts für schwache Nerven ist. Gerade das macht das Stück jedoch erst so herausragend.


9. THE CORAL - "GHOSTRIDERS IN THE SKY" (2007)

Die stillen Helden des 60's-Pop-Revivals der letzten 10 Jahre sind ohne Frage The Coral. Eine fantastische Band die, außer im heimischen England, schändlicherweise nicht viel Beachtung fand. Um die Vorfreude auf ihr bald erscheinendes 5. Studioalbum "Butterfly House" zu feiern (das sie vielleicht ja endlich auch hierzulande bekannter machen wird), hier nochmal eine wunderbare Rarität der Rasselbande: Die großartige, galoppierend psychedelische 60's-Pop-Hymne "Ghostriders In The Sky", die als B-Seite auf der 7"-Version ihrer Single "Who's Gonna Find Me" zu hören war.


10. ADIAM DYMOTT & BJÖRN DIXGÅRD - "CATCH ME IF YOU CAN" (2010)

Die schwedische Newcomerin legte einen enormen Karrierestart hin! Nachdem sie 2009 mit ihrer Single "Miss You" auf Anhieb Platz 1 der schwedischen Singlecharts stürmte, steht nun ihre neue Single in den Startlöchern, auf der sie prominente Unterstützung erhält: Auf der treibenden und melodischen Rock-Hymne "Catch Me If You Can" singt sie im Duett mit Björn Dixgård - einem der beiden Frontmänner der schwedischen Wunderknaben von Mando Diao! Ein Hit - nicht weniger!

Dienstag, 1. Juni 2010

Besprochen: UFFIE - "SEX DREAMS AND DENIM JEANS"

Die Jahre des Wartens haben endlich ein Ende: Uffie veröffentlicht dieser Tage ihre lange mit Spannung erwartetes Debüt - und es war das Warten wert!

4 Jahre - eine Zeitspanne, die manch ein Künstler vielleicht darauf verwendet, ein neues Album nachzulegen. Ebenso lange ließ Anna-Catherine Hartley alias Uffie jedoch auf ihr Debütalbum warten, das ab dem 18. Juni endlich in den Läden steht. Damals, Anfang 2006, veröffentlichte die junge Amerikanerin ihre erste EP "Pop The Glock" über das französische Label Ed Banger, bei dem sie seit kurzem unter Vertrag stand. Ein Label, das sich vor allem durch Veröffentlichungen von Justice oder Mr. Oizo einen Namen machte - und so mischte sie sogleich bei beiden mit: Auf dem Debüt "" von Justice sang sie die Vocals des Titels "Tttthhheee Pppaaarrrtttyyy" (2007) und Mr. Oizo lieh sie für "Steroids" (2008) ihre Stimme. Es kamen famose EP's und Singles der Dame - aber ein Album schien nicht in Sicht. Zwar kündigte ihr Label bereits für Mitte/Ende 2007 ihr Debütalbum an, verschob den Termin jedoch bald auf 2008, nur um selbigen schnell erneut zu dementieren. Im gleichen Jahr folgte ihre Hochzeit mit Graffiti-Künstler André Saraiva, ein Jahr später die Scheidung, sowie kurz darauf die Geburt ihres ersten Kindes. Also trotzdem eine geschäftige Phase im Leben der heute gerade mal 22 Jahre jungen Künstlerin. Nun war der Weg endlich frei: Nach diversen EP's und Singles, 3 Welttourneen und diversen Gast- oder Compilation-Beiträgen, folgt nun endlich ihr Debütalbum "Sex Dreams And Denim Jeans", an das wohl die wenigsten von uns noch geglaubt haben. Wie gewohnt, spielen sich auch die Songs des Albums in den Bereichen des HipHop, Rap, Pop, Elektro und Dance ab - und sogar alten Bekannten läuft man hier über den Weg: Mit dem feist minimalistischen Elektro-Rap "Pop The Glock", dem famosen Ohrwurm "First Love" mit 80's-Sample und dem schweinscoolen "Brand New Car" sind drei zwischen 2006 und 2007 erschienene Singles enthalten. Was aber den Gesamteindruck nicht schmälert - Nein, es ist eine Pflicht, wenigsten diese famosen frühen Singles endlich auf ein Album zu bannen. Die Produktionsfäden ziehen hier vor allem hausinterne Kollegen wie Feadz, Mr. Oizo oder SebastiAn, aber auch Mirwais wird verpflichtet, der vor allem durch seine Arbeit an Madonna's "Music"-Album Bekanntheit erlangte. Mit der ersten Vorab-Single, dem aufkratzten Elektro-Rap-Ohrwurm "MC's Can Kiss", schien der bekannte Weg weiterzugehen. Doch schon die zweite und aktuelle Single zeigte, das sie auch anders kann: "ADD SUV" wurde zum Elektro-Pop-Ohrwurm mit leichtem RnB-Einschlag und Gast-Performance von Pharrell Williams. Der Trend setzt sich auf dem Album quasi in beide Richtugne fort. Ihren eigenwilligen Anti-Flow-Raps läßt sie (neben der ersten Single "MC's Can Kiss", wie auch den älteren Singles "Pop The Glock" und "Brand New Car"), etwa auf dem düster technoiden "Art Of Uff" uns dem funky tänzelnden "Neuneu" freien Lauf. Und ihren herlich schräg-kindlichen Sprechgesang präsentiert sie etwa auf dem verspielt sanften "Give It Away", dem beartigen und melodischen Piano-Pop "Difficult", der getragenen, atmosphärischen und soft elektronischen Pop-Perle "Our Song", dem herrlichen Synthie-Pop-Ohrwurm "Illusion Of Love", oder dem melodieseligen Titelsong "Sex Dreams And Denim Jeans", der nach einem famosen Justice-Remix, eines verschollenen No Doubt-Hits klingt...oder so ähnlich - hauptsache gut! Und damit lassen sich die Qualitäten dieser Plate nur unzulänglich beschreiben. Mit einem frischen, eingängigen, aber dennoch unkonventionellen Sound, famosen Songs und einem ganz eigenen und doch immer wandlungsfähigen Style, liefert sie hier nach 4 Jahren ein nahezu fantastisches, Funken sprühendes und in jeglicher Hinsicht extrem stylishes Debütalbum. Das Warten hat sich gelohnt!

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