Das Versprechen auf einen Sturm, wurde lediglich ein lauer Sommerwind - Darwin Deez' Debütalbum übt sich in sanfter Bekömmlichkeit!
Mächtig große Worte, die der junge US-Amerikaner Darwin Deez unlängst über sein Debütalbum verlauten ließ: "Es ist das, was man vom neuen MGMT-Werk erwartet hat." Eine Aussage, die genau einen Haken hat - und der steckt schmerzhaft tief: Mit "Congratulations" haben MGMT ganz genau das Meisterwerk abgeliefert, das man sich nur in seinen kühnsten Träumen hätte ausmalen können. Doch unüberlegte Aussagen wie diese, sind nicht selten im Popbusiness - sie führen zumeist allerdings nur zu dem Ergebnis, das sich ihre Urheber als Schaumschläger outen. Beim vorliegenden Beispiel, stellt sich zuallererst eine gewisse Verwunderung ein: Das hier erinnert in keinster Weise an MGMT - dafür ist der Sound zu eindimensional, die der junge Mann hier mit seiner 7-köpfigen (!) Band auf 10 Tracks vereint. Man fragt sich zurecht, wofür eine solche Vielzahl von Bandmitgliedern nötig ist, hat man erst einmal durchschaut, das sich das meiste hier auf Gitarre, Gesang, Handclaps und dezente Computersounds beschränkt. Der Minimalismus und der Hang zu bratzenden Gitarrenlicks, wecken eher Erinnerungen an die Strokes. Zwar hat er mit den Singles "Constellations" und "Radar Detector" bereits 2 von Grund auf sympathische und bodenständige Ohrwürmer zu verantworten, doch viel weiter geht er den Weg dann doch nicht. Mal wird ein Bloc-Party-Riff geklaut und Danger-Mouse-Beats kopiert ("The Sucide Songs") und ein andern mal klingt er fast wie Jack Johnson in cool ("Up In The Clouds"). Gegen die teilweise stimmigen Melodien, die warmen Arrangements und die zärtlichen Harmonien lässt sich gar nichts einwenden - hier hat Mr. Deez nur eher den perfekten Soundtrack für den Sonnenuntergang an einem warmen Sommerabend geliefert. Besser als solche schmerzlich langweiligen Schnarchnasen wie Jack Johnson oder Jason Mraz ist der gute Darwin Deez allemal, aber auch er bleibt nur ein laues Sommerlüftchen nach einem versprochenen Sturm. Er sollte die neue Platte von MGMT ganz genau hören - vielleicht lernt er ja noch was.
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Seinerzeit von Kritikern und Hörern weitestgehend verschmäht und im Laufe der Jahre als wertvolles Stück Musikgeschichte rehabilitiert: Das letzte Konsens-Meisterwerk der rollen Steine - nun neu aufgelegt!Nicht selten spielt der Faktor Zeit in der Kunst eine wichtige Rolle - so manch ein heutzutage als Meisterstück gefeiertes Kunstwerk, wurde seinezeit übersehen, oder schlicht und ergreifend nicht erkannt und seines Genies nicht gewürdigt. Gerade in der Musik ist es häufig der Langzeitwirkung zu verdanken, das sich so manche Platte als wesentlich essentieller und einflussreicher herausstellte, als sie bei ihrer Veröffentlichung wahrgenommen wurde. "Exile On Main St." der Rolling Stones, gehört definitiv dazu. Als es 1972 erschien, waren Kritiker förmlich entsetzt: Die tighten, souligen und bluesigen Kracher, die die Stones in den vorangegangenen Jahren veröffentlichten, wichen hier einer wüsten, fiebrigen, teils unfertig wirkenden, eckigen und kantigen Jam-Session. Viele verschmähten das Doppel-Album seinerzeit - doch im Verlaufe der folgenden Jahre, zementierte es seine Bedeutung als eines der besten Alben der Rock-Geschichte und als bis heute, laut Konsensmeinung der Musikgeschichtsschreiber, letztes Meisterwerk der Rolling Stones.Allein die Aufnahme-Sessions der Platte sind bis heute legendär und wird nahezu mystifiziert. Anfang der 70er Jahre packte die Band Freunde und Geliebte und kehrte England (aus
Steuergründen) den Rücken. Sie ließen sich zeitweilig in Keith Richards' Villa Nellcôte an der Côte d'Azur nieder, wo sie eine einizige große Party feierten - stets bewusstseinserweiternde Substanzen griffbereit. Und so stieg man Nachts hinab in die feuchten Katakomben des ehemaligen Nazi-Anwesens, um an Stücken des neuen Albums zu arbeiten. Es sind weniger die einzelnen der 18 Stücke des Doppelalbums, als viel mehr das Gesamtwerk, das es so faszinierend macht. Es sind auch keine nennenswerten Hits aus dem Album hervorgegangen, lediglich "Tumbling Dice" und "Happy" sind seinerzeit als Singles erschienen. Auch wenn all der schräge Soul, das Jam-Session-artige gegniedel, der furztrockene Blues, Mick Jagger's häufig in den Hintergrund gemischte Vocals, das stoische gerocke und die Anfangs kaum prägnanten Melodien etwas quer und kantig in die Gehörgänge gehen, so wächst dieses Werk mit jedem hören, bis es irgendwann geschieht: Der ganze Haufen unterschiedlischster, verspielter, ineinandergreifender Soundschichten und Stile, entwickeln ein Eigenleben und bilden ein in sich geschlossene Einheit, die "Exile On Main St." zu einem wahren Juwel heranwachsen lassen. Man entdeckt mit jedem Hören neue Kostbarkeiten, Facetten, Bezüge und Eindrücke in dem, was zuvor noch wie ein wüster Songbrei anmutete. Und so steigenr sie sich letztendlich in eine wahren Rausch aus starightem, von Bläsern verzierten Rock ("Rocks Off"), jazzig hingerotzten Uptempo-Blues ("Rip This Joint"), zurückgelehntem und wunderbarem Country-Blues
("Sweet Virginia", "Torn And Frayed"), mitreissendem Gospel-Blues ("Tumbling Dice"), bedrogten Blues- und Gospel-Ausgeburten, folkigem, politisch Stellung beziehenden Perlen ("Sweet Black Angel") und großartigen Klassikern für die Ewigkeit ("Shine A Light", "Let It Loose"). Dieses wahnwitzige, unter von Legenden umrankten Umständen schierer Rock'n'Roll-Dekadenz entstandene Meisterwerk, wurde in diesem Jahr neu remasterd aufgelegt - und um eine zweite CD mit 10 Raritäten der einstigen Aufnahmesessions erweitert. Darunter befinden sich etwa der abgehangene, mit Gospel-Anleihen versetzte Blues-Schleicher "Pass The Wine (Sophia Loren)", die daraus veröffentlichte Single "Plundered My Soul", das mit teilweise alten Arrangements und neu eingesungenen Vocals daher kommt, die schmachtende, von Piano und Gospelbackground verzierte Ballade "Following The River", das entspannt bluespopige "So Divine (Aladdin Story)" oder "Good Time Women", die für das Album "Sticky Fingers" aufgenommene Urversion von "Tumbling Dice". Die neuen Songs sind ein netter und durchaus interessanter Bonus, der vor allem für Fans eine kleine Fundgrube mit exklusiven Raritäten darstellen wird. Dem Album als solches kann es zwar nichts essentielles hinzufügen. Doch das fällt bei einem solchen Meisterstück nicht weiter ins Gewicht. Hat man sich erst einmal einige Male in Dauerrotation mit diesem schweißtreibenden, unvorhersehbaren und sich sämtlicher Erwartungen verweigernden Brocken beschallen lassen, wandelt es sich immer weiter zu einem wahrhaft berauschenden Opus Magnum. Und so Reihe ich mich (als keine allzu großer Stones-Fan) gerne ein in die lange Schlange derer, die mit voller Überzeugung sagen: Die Rolling Stones haben hier ein wahres Meisterwerk geschaffen, das zurecht seinen zwar späten, aber festen Platz in der Rock-Historie hat.
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Sie sehen leckerer aus als jede Boyband und klingen wie Joy Division auf Antidepressiva: The Drums bringen mit ihrem Debüt den Sonnenschein zurück in den Pop!
Der Sommer ist da - zumindest beim Verfassen dieser Zeilen, scheint die Sonne vom blauen Himmel auf die schöne Lübecker Altstadt hinab, es ist herrlich warm und alles blüht. Wie lange es so bleiben wird, ist noch unsicher - doch passend zu den schönsten Tagen des bisherigen Jahres, veröffentlichen die New Yorker Newcomer The Drums mit ihrem selbstbetitelten Debüt den Soundtrack dazu! Denn es kann kommen wie es will - selbst an grauen Regentagen, zaubert uns dieses Album den Sonnenschein in die Herzen. Denn das Komplettpaket das die junge 4-köpfige Band mit ihrem selbst geschriebenen und produzierten Debütalbum präsentiert, hat es in sich: Sie sehen nicht nur leckerer aus als jede Boyband, sie zaubern zudem hier ein Dutzend wunderbarer, harmonieverliebter, schmachtender und verzückender Melodien für mindestens eine halbe Ewigkeit aus dem geblümten Hut. Und das ganze klingt dann in etwa so, als würden Joy Division auf Antidepressiva die Smiths covern - oder auch wie eine coolere 80er-Version der Beach Boys! Und wenn man will, kann man hier auch The Stones Roses heraushören. Doch die Referenzen sind Nebensache. Denn den jungen Männern ist hier eines der hinreißendsten Debütalben des Jahres gelungen - und sichern sich schon jetzt
eine Nominierung als potentielle Band des Jahres. Auch die trübsten Themen schafft die Band in schneidige Ohrwürmer zu kleiden. Der melodische Opener "Best Friend" etwa, behandelt den Tod eines geliebten Freundes. Im Refrain des berückend warmen Ohrwurms "Book Of Stories" heißt es: "I thought my life would get easier, instead it's getting darker, instead it's getting colder...without you". Und bei dem verträumt denglenden und melodieseligen Ohrwurm "It Will All End In Tears" kann man die Quintessenz bereits überdeutlich im Titel ablesen. Doch auch die buchstäbliche Lebensfreude kommt hier nicht zu kurz: Exzellentes Strand-Feeling verbreitet die bereits bekannte Debüt-Single "Let's Go Surfing". Die neue Single "Forever & Ever Amen" verführt als unantastbar wunderbare, schmachtende Indie-Pop-Ohrwurm-Perle und "I Need Fun In My Life" verzückt als minimalistischer, 80s-infiziert tänzlender Sing-Along. Und trotz der hervorragendenen einzelnen Songs, ist das große Ganze hier dennoch mehr als die Summe seiner Teile. Der britische New Musical Express (NME) schrieb kurz aber vollkommen zutreffend: "A band to fall in love with."
Dem ist nicht hinzuzufügen...
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Und nun folgt Episode 7 meines Mixtapes - und wieder einmal trage ich hier mancherlei Song-Tips zusammen. Also: Nicht lange labern - los geht's!
1. STROMAE - "RAIL DE MUSIQUE" (2010)
Der nächste Song vom heiß ersehnten Album "Cheese" des belgischen Newcomers Stromae, der via iTunes vorab wöchentlich veröffentlicht wird, um die Wartezeit auf das Album zu verkürzen. In Wirklichkeit wird damit von Woche zu Woche das Warten mehr zur Qual, hinsichtlich der hervorragenden Qualität jener Songs. Mit "Rail De Musique", dem 3. Song dieser Aktion, mit dem er einmal mehr den guten Dancefloor der 90er-Schule wieder salonfähig macht, bedient er sich an Elementen der frühen Snap! und dreht daraus ein hervorragenden Hit...
2. SNAP! - "EXTERMINATE" (1992)
...oder gibt es jemanden, der nicht die gewisse Ähnlichkeit zwischen den Synthesizern in Stromae's Song "Rail De Musique" und denen, dieses unsterblichen Klassikers des Frankfurter Dance-Projekts Snap! erkennt? Ob man diese Verbindung nun erkennen mag oder nicht, so ist dies doch trotzdem ein guter Anlass, wieder mal in frühen Jugenderinnerungen zu schwelgen - mit diesem Euro-Dance-Hit (mit Vocals von Nikki Harris), der all die guten Seiten am einstigen Dance-Hype in sich vereint.
3. CHRISTINA AGUILERA - "BIONIC" (2010)
Das neue Album von Miss Aguilera ist eine sehr durchwachsene Angelegenheit geworden - erst nach zig Hördurchläufen, beginnen sich vereinzelte kleine Glanzlichter heraus zu kristallisieren. So ein Grower ist dann der einführende Titelsong "Bionic": Anfangs saß er mächtig quer im Ohr, entwickelte sich mit seinen schrägen Synthesizern, seinen abgestoppten Beats, Effekten und (für sie) neuartigen Klängen zu einem passablen und unkonventionellen kleinen Hit.
4. TONI BRAXTON - "HANDS TIED" (2010)
Auch wenn es kommerziell noch ein relativ schüchternes Comeback ist, aber es ist Fakt: Toni Braxton ist zurück! Nachdem sie seit dem 2000er Album "The Heat" musikalisch eher im trüben fischte, ist das neue und 6. Album "Pulse" ihr bestes seit den 90ern geworden. Nachdem ich in einem vorangegangenen Mixtape bereits die 1. famose Single "Yesterday" empfohlen habe, widme ich mich nun ganz der ebenfalls tollen 2. Single: Die Midtempo-Pop-Ballade "Hands Tied". Toni Braxton so solide, wie lange nicht mehr.
5. LADY GAGA - "EH, EH (PET SHOP BOYS REMIX)" (2010)
Nur sehr wenige Remixe vermögen den Originalen auf Augenhöhe zu begegnen - und noch weniger schaffen es, das Original zu übertrumpfen. Letzteres hingegen gelang kürzlich auf dem Remix-Album "The Remix" von Lady Gaga mit ihrem Song "Eh, Eh": Erinnert das Original unangenehm an Fun Factory, verwirklichen die Pet Shop Boys auf ihrem Remix, ihre ganze eigene Vision und machen den Songs zu einem schwebenden Dance-Pop-Ohrwurm. Man sollte ernsthaft darüber nachdenken, auf einer neuen Album-Edition das Original mit diesem Remix auszutauschen. Denn er überflügelt es haushoch. Großartige Leistung!
6. TRENTEMØLLER - "SYCAMORE FEELING" (2010)
Der begehrte dänische Techno-DJ und -Produzent tobt sich auf seinem brandneuen Album "Into The Great Wide Yonder" eher in dunklen Klangabgründen aus. Das wird schon auf der ersten Single, die gesanglich von der dänischen Sängerin Marie Fisker begleitet wird, deutlich: "Sycamore Feeling" überrascht als atmosphärisch getragener und düster schwebender Elektro-Art-Pop, der sehr an Portishead oder Massive Attack erinnert. Albumrezension folgt.
7. BORN RUFFIANS - "WHAT TO SAY" (2010)
Die 3-köpfige Band aus Kanada, um Luke LaLonde (Vocals, Gitarre), Mitch Derosier (Bass) und Steven Hamelin (Drums), hat soeben ihr zweites Album "Say It" vorgelegt. Die Single daraus macht schon mal, auf ganz unverkrampfte Art, Lust auf mehr: "What To Say" gelingt als melodischer, minimalistisch instrumentierter Ohrwurm, den man einfach lieb haben will.
8. GANGLIANS - "THE VOID" (2009)
Das bereits vor einem Jahr in ihrer Heimat veröffentlichte Abum "Monster Head Room" der Ganglians aus Sacramento, Kalifornien, ist nun auch im Plattenladen ihres Vertrauens zu erstehen. Ein wahre 60's-Psych-Folk-Pop-Perle ist ihnen hier gelungen. Vor allem das großartige "The Void" zeigt vortrefflich, welche Formen dies annehmen kann - und liefern einen spukig vertonten LSD-Trip, der nichts für schwache Nerven ist. Gerade das macht das Stück jedoch erst so herausragend.
9. THE CORAL - "GHOSTRIDERS IN THE SKY" (2007)
Die stillen Helden des 60's-Pop-Revivals der letzten 10 Jahre sind ohne Frage The Coral. Eine fantastische Band die, außer im heimischen England, schändlicherweise nicht viel Beachtung fand. Um die Vorfreude auf ihr bald erscheinendes 5. Studioalbum "Butterfly House" zu feiern (das sie vielleicht ja endlich auch hierzulande bekannter machen wird), hier nochmal eine wunderbare Rarität der Rasselbande: Die großartige, galoppierend psychedelische 60's-Pop-Hymne "Ghostriders In The Sky", die als B-Seite auf der 7"-Version ihrer Single "Who's Gonna Find Me" zu hören war.
10. ADIAM DYMOTT & BJÖRN DIXGÅRD - "CATCH ME IF YOU CAN" (2010)
Die schwedische Newcomerin legte einen enormen Karrierestart hin! Nachdem sie 2009 mit ihrer Single "Miss You" auf Anhieb Platz 1 der schwedischen Singlecharts stürmte, steht nun ihre neue Single in den Startlöchern, auf der sie prominente Unterstützung erhält: Auf der treibenden und melodischen Rock-Hymne "Catch Me If You Can" singt sie im Duett mit Björn Dixgård - einem der beiden Frontmänner der schwedischen Wunderknaben von Mando Diao! Ein Hit - nicht weniger!
Die Jahre des Wartens haben endlich ein Ende: Uffie veröffentlicht dieser Tage ihre lange mit Spannung erwartetes Debüt - und es war das Warten wert!
4 Jahre - eine Zeitspanne, die manch ein Künstler vielleicht darauf verwendet, ein neues Album nachzulegen. Ebenso lange ließ Anna-Catherine Hartley alias Uffie jedoch auf ihr Debütalbum warten, das ab dem 18. Juni endlich in den Läden steht. Damals, Anfang 2006, veröffentlichte die junge Amerikanerin ihre erste EP "Pop The Glock" über das französische Label Ed Banger, bei dem sie seit kurzem unter Vertrag stand. Ein Label, das sich vor allem durch Veröffentlichungen von Justice oder Mr. Oizo einen Namen machte - und so mischte sie sogleich bei beiden mit: Auf dem Debüt "†" von Justice sang sie die Vocals des Titels "Tttthhheee Pppaaarrrtttyyy" (2007) und Mr. Oizo lieh sie für "Steroids" (2008) ihre Stimme. Es kamen famose EP's und Singles der Dame - aber ein Album schien nicht in Sicht. Zwar kündigte ihr Label bereits für Mitte/Ende 2007 ihr Debütalbum an, verschob den Termin jedoch bald auf 2008, nur um selbigen schnell erneut zu dementieren. Im gleichen Jahr folgte ihre Hochzeit mit Graffiti-Künstler André Saraiva, ein Jahr später die Scheidung, sowie kurz darauf die Geburt ihres ersten Kindes. Also trotzdem eine geschäftige Phase im Leben der heute gerade mal 22 Jahre jungen Künstlerin. Nun war der Weg endlich frei: Nach diversen EP's und Singles, 3 Welttourneen und diversen Gast- oder Compilation-Beiträgen, folgt nun endlich ihr Debütalbum "Sex Dreams And Denim Jeans", an das wohl die wenigsten von uns noch geglaubt haben. Wie gewohnt, spielen sich auch die Songs des Albums in den Bereichen des HipHop, Rap, Pop, Elektro und Dance ab - und sogar alten Bekannten läuft man hier über den Weg: Mit dem feist minimalistischen Elektro-Rap "Pop The Glock", dem famosen Ohrwurm "First Love" mit 80's-Sample und dem schweinscoolen "Brand New Car" sind drei zwischen 2006 und 2007 erschienene Singles enthalten. Was aber den Gesamteindruck nicht schmälert - Nein, es ist eine Pflicht, wenigsten diese famosen frühen Singles endlich auf ein Album zu bannen. Die Produktionsfäden ziehen hier vor allem hausinterne Kollegen wie Feadz, Mr. Oizo oder SebastiAn, aber auch Mirwais wird verpflichtet, der vor allem durch seine Arbeit an Madonna's "Music"-Album Bekanntheit erlangte. Mit der ersten Vorab-Single, dem aufkratzten Elektro-Rap-Ohrwurm "MC's Can Kiss", schien der bekannte Weg weiterzugehen. Doch schon die zweite und aktuelle Single zeigte, das sie auch anders kann: "ADD SUV" wurde zum Elektro-Pop-Ohrwurm mit leichtem RnB-Einschlag und Gast-Performance von Pharrell Williams. Der Trend setzt sich auf dem Album quasi in beide Richtugne fort. Ihren eigenwilligen Anti-Flow-Raps läßt sie (neben der ersten Single "MC's Can Kiss", wie auch den älteren Singles "Pop The Glock" und "Brand New Car"), etwa auf dem düster technoiden "Art Of Uff" uns dem funky tänzelnden "Neuneu" freien Lauf. Und ihren herlich schräg-kindlichen Sprechgesang präsentiert sie etwa auf dem verspielt sanften "Give It Away", dem beartigen und melodischen Piano-Pop "Difficult", der getragenen, atmosphärischen und soft elektronischen Pop-Perle "Our Song", dem herrlichen Synthie-Pop-Ohrwurm "Illusion Of Love", oder dem melodieseligen Titelsong "Sex Dreams And Denim Jeans", der nach einem famosen Justice-Remix, eines verschollenen No Doubt-Hits klingt...oder so ähnlich - hauptsache gut! Und damit lassen sich die Qualitäten dieser Plate nur unzulänglich beschreiben. Mit einem frischen, eingängigen, aber dennoch unkonventionellen Sound, famosen Songs und einem ganz eigenen und doch immer wandlungsfähigen Style, liefert sie hier nach 4 Jahren ein nahezu fantastisches, Funken sprühendes und in jeglicher Hinsicht extrem stylishes Debütalbum. Das Warten hat sich gelohnt!
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Bereits seit letztem Jahr steht die Elektroschock-Barbie Lady Gaga in den weltweiten Charts ganz oben - und seit einigen Monaten gibt es nun ihr (überarbeitetes) Album "The Fame Mons†er". Hier nun dazu die Geschichte an meine allmähliche Annäherung an den vielleicht perfekten Popstar!
Alles nahm seinen Anfang ca. Sommer 2008. Seinerzeit spielte mir mein bester Freund einen Song von einer noch unbekannten US-Sängerin mit dem Titel "Just Dance" vor. Sofort befanden wir: Das ist ein Hit! Doch es sollte sich erstmal nur wenig tun. Als der Song dann irgendwann endlich offiziell das Tageslicht entdeckte, stieß er hierzulande Anfangs auf nicht allzu viel Interessen. Erst im Sog ihrer 2. Single, dem allseits bekannten Über-Hit "Poker Face" rauschte auch er in höhere Chart-Höhen. Bis dahin war auch alles gut - doch beim ersten Genuss ihres Debütalbums "The Fame", stellte sich bei mir eine gewisse Ernüchterung ein. Sollte das der neue Star am Musikhimmel sein? Nach kurzer Beschäftigung mit der Platte, landete sie sogleich hinter Bergen von CD Stapeln und ward seitdem nicht mehr gesehen. Das
Thema um Lady Gaga schien für mich abgehakt - ja es wandelte sich zeitweilig gar zu einer gewissen Abneigung! Doch diese Fassade begann schon mit der Single "Paparazzi" langsam zu bröckeln - bis dann vor wenigen Monaten eine brandneue Single mit dem Titel "Bad Romance" kam. Und damit den Startschuss legte, um sie ganz zum Einsturz zu bringen. Es folgte eine Neubearbeitung ihres Debüts, mit dem Titel "The Fame Mons†er" - dem Debüt wurden ein paar ältere Bonustracks, sowie vor allem eine 2. CD mit zusätzlichen 8 neuen Songs beigefügt. Und die Zeit sorgte bei mir für einen kompletten Sinneswandel - umso mehr ich mich zudem mit den Anfängen und dem Weg zum Erfolg der Stefani Germanotta alias Lady Gaga auseinandersetzte, desto mehr Verständnis und Zugang fand ich auch zu ihrer Musik. Und all das offenbarte sich mir nun nach und nach - und letztlich dennoch beinah schlagartig! Endlich ist er sichtbar, der hier vollzogene, perfekte Spagat zwischen Kunst und Kommerz - mit dem sie wohl eines der besten Mainstream-Dance-Pop-Alben der letzten Jahre schuf! Doch es gelingt bekanntlich nur selten diese Gradwanderung zu schaffen - Lady Gaga hat es geschafft, schaut man sich allein ihren Erfolg in Zahlen an: 11/2 Alben, 8 Singles, 5 No.1-Hits, 75 Awards und über 1 Milliarde (!) Video-Streams, allein bei Youtube (und somit die meistgesehene Künstlerin des weltweit führenden Videoportals). Mit der Kunstfigur Lady Gaga, bei der sie sich vor allem durch Queen, David Bowie, Madonna und Michael Jackson inspirieren ließ und praktisch eine weibliche Version von Ziggy Stardust abgibt, schuf sie eine perfekte Projektionsfläche der grandiosen Absonderlichkeiten. Selten schaffte es ein Künstler, sich dermaßen erfolgreich selbst zu inszenieren - und das gesamte Schema so konsequent und geschickt ein- und umzusetzen. Auch wenn der Vergleich langsam nerven und auch vielleicht
etwas vorschnell gezogen sein mag, so fiele einem da außer ihr dann doch nur eine große Dame ein: Madonna! Zudem stellt Lady Gaga wohl die Speerspitze des aktuellen Dance-Revivals dar, indem sie eingängige Melodien mit durchdachten Arrangements und Produktionen verbindet, die sich der Kunstfertigkeit und Geschicklichkeit der postmodernen elektronischen Musik bedienen - und daraus reihenweise Hits schmiedet, wie man es in dieser Konzentration und Qualität nur selten beobachten kann. Hört man unter diesen Gesichtspunkten nun das Album "The Fame Mons†er" (das ich seit kurzem auch endlich als "physischen" Tonträger mein Eigen nenne), fällt es einem wie Schuppen von den Augen: Die junge Dame mit dem Artschool-Hintergrund, die sich von "Abbey Road" der Beatles inspirieren ließ, sich nach Queens Hit "Radio Gaga" benannte und früher vornehmlich zu The Cure kokste, hat hier eine fantastisches Hit-Album vorgelegt, das zwar einerseits effektiv den Massengeschmack bedient, dabei aber (fast) immer seine Würde behält und künstlerisch zu überzeugen vermag. Dem ist es zu verdanken, das man "Poker Face" trotz seines massiven Airplays in sämtlichen Radiostationen, bewundernswerter Weise noch immer hören kann - und das mit nicht zu knapper Begeisterung! Die Ohrwürmer fliegen einem hier kreuz und quer um die Ohren. So bei den neuen Aufnahmen auf CD1 massive Eurodance-Meisterstücke wie "Bad Romance" (das in Nuancen an La Bouche erinnert) oder "Dance In The Dark", die neue Single
"Alejandro" (quasi das "La Isla Bonita" der 10er), der famose Floorfiller "Telephone" im Duett mit Beyoncé (und mit einem cineastischen Meisterstück von einem Musikvideo), das mitreißende "Monster" oder die getragen schwebende Dance-Pop-Perle "So Happy I Could Die". Auf CD2 folgt dann das ursprüngliche, bereits 2008 veröffentlichte, Album "The Fame". Und nun erstrahlen auch endlich die meisten dieser Songs in vollem Glanz: "Just Dance", "Poker Face" und "Paparazzi" bleiben die Hits die sie immer waren, "Lovegame" hat sich endlich als lasziv groovender Dance-Ohrwurm etabliert, "I Like It Rough" weckt willkommene Erinnerungen an die frühen 90er Jahre, "Beautiful, Dirty, Rich" entwickelt zunehmend mitreißende Hit-Qualitäten, "Money Honey" zeigt sich vortrefflich von Salt'N'Pepa inspiriert und "The Fame" überzeugt als mit Funk angereicherter Dance-Pop-Kracher. Zudem wurde das ursprüngliche Album mit frühem Bonusmaterial versehen. So hört man hier den funky Disco-Stampfer "Retro, Dance, Freak", das ohrwurmige "Starstruck" (feat. Space Cowboy & Flo Rida) oder das deutlich überzeugende "Paper Gangster". Die auch ursprünglichen Albumstracks "Boys, Boys, Boys" und "Eh, Eh (Nothig Else I Can Say)" erinnern zwar noch immer unangenehm an ABBA respektive Fun Factory - aber das soll nun den Hörgenuss nicht mehr allzu stark schmälern. Die Metamorphose der Stefani Germanotta zur Ikonenfigur Lady Gaga, hat seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht und zeigt sich als geschicktes Gesamtkunstwerk, das alle Erfordernisse der zeitgenössischen Popkultur in sich vereint und hinter seiner offenkundigen Massenkompatibilität, den künstlerisch hochwertigen Hintergrund geschickt versteckt. Andy Warhol wäre verdammt stolz auf sie gewesen.
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Nach dem Hype ist vor dem Hype: Die frisch gebackene Siegerin des Eurovision Song Contest 2010, erlebt einen enormen Hype - doch wie so oft, sind die Augen größer als der Bauch.
Was da in den letzten Wochen passierte, hätte wohl niemand geahnt: Schon in der Vorentscheidungs-Casting-Show "Unser Star für Oslo", galt die 19jährige Schülerin aus Hannover, als dringende Favoritin und feierte dort einen eindeutigen Sieg. Das brachte einen Stein ins rollen, der bis jetzt nicht zu stoppen ist: Sie belegte als erste deutsche Künstlerin gleichzeitig die ersten 3 Plätze der deutschen Single-Charts (mit der Single "Satellite" und den Songs "Love Me" und Bee"), landete reihenweise auf Titelseiten und füllte diverse Blätter mit Berichten, Reportagen und Interviews, erhielt bald auch europäisches Interesse und wurde von britischen Buchmachern als Topfavoritin des Eurovision Song Contest 2010 gehandelt. Und dann war es soweit und selbst beim Contest wurde der enorme Hype um die junge Dame deutlich - schon lange vor dem Ende der Show ließen die ersten klugen Rechner verlauten: "Wir sind durch. Wir sind uneinholbar. Wir sind Lena!" Tatsächlich geschah am Abend des 29. Mai, was keiner so ernsthaft geglaubt hätte: Nach 28 Jahren gewinnt Deutschland mit Lena Meyer-Landrut zum zweiten Mal den ESC - mit 246 Punkten, weit vor der Zweitplatzieren Türkei mit 170 Punkten! Sogar europäische Musiker-Kollegen zollten ihr Respekt: So postete Skye Edwards, Sängerin der britischen Band Morcheeba, am Show-Abend via Facebook, das Lena ihre Favoritin sei. Eigentlich ein kaum zu fassender Hype um eine junge Dame, die sich eigentlich nur mal ausprobieren wollte. All dies ist sicherlich am ehesten ihrer ganz persönlichen Art zuzuschreiben, ihrer niedlichen Crazyness, ihres natürlichen und sympathisch verrückten Charmes. Allein an der Musik wird es wohl weniger liegen! Stimmlich klingt sie wie die kleine, harmlosere Schwester von Kate Nash und die Songs ihres Debütalbums konzentrieren sich vor allem auf belanglosen, wenn auch oft charmanten Pop, mit gelegentlichen Jazz-Hintergrund. Also auf einen Sound, der für Produzent Stefan Raab durchaus typisch ist. Sein Einfluss dringt hier durch alle Ritzen - was in Punkto musikalische Tiefe nicht unbedingt von Vorteil ist. Dennoch bestizt das meiste hier immerhin deutlich mehr Leben und Seele, als jede bisherige DSDS-Veröffentlichung. Doch nur weil es weitaus schlechteres gibt, sollte man hier von großen Lobeshymnen dennoch absehen. Auch wenn manche Songs gar beinah überzeugen können: So etwa das von Ellie Goulding komponierte "Not Following" oder das Adele-Cover "My Same" - doch so sind es hier die Songs, die nicht aus der Feder Raab/Meyer-Landrut stammen, die am Ende wenigstens kurzzeitig angenehm hängen bleiben. So ist "My Cassette Player" im wohlwollendsten Sinne eine Ansammlung von charmanten Belanglosigkeiten - die natürlich auf Anhieb Platz 1 der deutschen Albumcharts erreichte. Was wohl wieder einmal mehr eher ihrem Charme, als ihrer Musik zuzuschreiben ist.
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