Eben noch im "Newcomer-Check" und jetzt schon "Besprochen": Die junge Bande aus Manchester erfindet das Synthiepop-Rad nicht neu, weiß aber ein paar gute musikalische Grundsätze für das neue Jahr zu liefern!
Wenn etwas auch im neuen Jahr (-zehnt) läuft wie geschmiert, dann die Hype-Maschinerie! Und so ist naturgemäß immer wieder ein wenig Vorsicht geboten, wenn die englische Musikpresse den neuesten heißen Scheiß abfeiert. Mit dieser Grundskepsis werden sich auch wieder viele den Newcomern Delphic nähern. Erfinden sie doch mit ihrer musikalischen Mischung aus Elektro, Synhtiepop, Breakbeats und Indie-Rock das Rad nicht neu, vermeiden dabei aber stets das Abrutschen in beliebige künstlerische Gefielde! Sicher: dieses Album ist Pop as Pop can be! Aber bei einer so beherzten, melodieverliebten und straight auf den Dancefloor zielenden catchyness, glaubt man ihnen den Witz nur zu gerne. Wer genau hinhört, wird hier so manchen Hits lauschen können, die uns vielleicht schon bald auch auf die Tanzflächen dieser Welt zerren werden: sei es die catchy neue Single "Doubt" die aus den Tiefen des Synthiepop Bloc Party zitiert, oder "This Momentary", das mit flirrend schwebenden Synthieteppichen, Pet-Shop-Boys-ähnlichem Pop-Appeal und tribalen Beats spielt, der getragen tänzelnde und behutsam funky Ohrwurm "Red Lights", das zu einer Art psychedelischem Space-Disco anwächst, der großartig produzierte und ungehemmt synthetisch-hymnische Hit "Hacylon", das sich wunderbar am 90er-Dancefloor-Sound bedient, die schwebend tanzbare, tief in den 80s verwurzelte, melancholische Hymne "Submission" oder der zauberhaft flirrend dancige Elektro-Dream-Pop "Counterpoint". Was Delphic hier vor allem geschaffen haben, ist ein mit viel Liebe zum Detail produziertes, gefühlvoll besungenes, atmosphärisch strahlendes Synth-Rock-Album mit hohem Pop-Verständnis! Und das im Moment nun mal verdammt viel Spaß macht!
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Auf ihrem dritten Album nutzen Midlake die neuen Stärken des Folk ganz zu ihrem Vorteil - und erschaffen ein Folkrock-Juwel aus einer anderen Welt!
Was hat der klassische Folk doch im vergangenen Jahrzehnt an Bedeutung und Kreativität gewonnen. In all seinen Variationen belebte er diese ungemein direkte und ursprüngliche Form des Musikschaffens neu - ob mit deutlichen Americana- und Countryanleihen wie bei Bright Eyes, die Kombination von irischer Folklore im Kontrast zu björk'scher Futuristik auf den Frühwerken von Patrick Wolf, die zart wehmütige Fragilität von Bon Iver, die himmelsstürmenden Epen von den Fleet Foxes, die Erhabenheit von Grizzly Bear, der erdig melodische Folkrock der Mumford & Sons, die blumige frische von The Leisure Society oder der stilistische Rundumschlag der Monsters Of Folk. Um nur einige wenige zu nennen. Midlake wagen sich auf ihrem 3. Album "The Courage Of Others" in die tiefsten Tiefen des Folkrock, weit hinein zu seinen Ursprüngen. Und zu einem Sound, der einen vor dem inneren Auge in die Zeiten des Aufbruchs der britischen Folk-Szene gegen Ende der 1960er-Jahre zurückversetzt. Nicht nach Texas im Jahr 2010! Ein wunderbares, melancholisches, höchst emotionales und bezauberndes Album haben Midlake hier kreiert. "Acts Of Man" bietet schon einen fulminanten Start in die Platte: eine melancholisch schöne, warme Perle die einen tröstend in den Arm nimmt, und einem in seiner Direktheit sanft ins Mark fährt. Auch viele weitere Kostbarkeiten lassen sich hier ausmachen. Ob nun das melancholische "Winter Dies", das atmosphärisch einnehmende "Rulers, Ruling All Things", das zeitlos mitreißende "Children Of The Grounds", die tief greifende, in ihrer sanften Anmut an Radiohead gemahnende Hymne "Bring Down" oder der emotional eindringliche Folkrock von "The Horn"! Das 3. Album der Band ist ein warmer, weiter Fluß, der sanft die Seele umspült und uns fort trägt - hinein in eine andere Welt, aus der diese erhabenen Klänge herüberwehen!
Ein Album das man gleich wieder von vorne hören will!
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Eine kleine Nachtmusik: Auf ihrem 2ten Album lassen die jungen Briten die Dunkelheit in ganz neuen Klangfarben über uns herein brechen!
Was einst im Jahr 2008 auf dem Debüt "Beat Pyramid" als Post-Punk begann, wandelt sich auf "Hidden", dem zweiten Werk der jungen Band aus Southend-On-Sea, in neue, erhabene, nicht mehr greifbare Formen, die eine Musik ergibt, die man in dieser Form bislang womöglich noch nicht gehört hat. Wo einst Gitarren und Keyboards waren, sind nun Hörner, Chöre, Xylofone, Klaviere und Klarinetten. Nach dem kurzen Hörner-Intro "Time Xone", führt uns das 7-minütige "We Want War" hinein in düsterste Klangwelten: eine dunkelgraue, bedrohliche Attacke aus übereinander gelegten Drumspuren, Bläsern und atonalen, beschwörenden Chören. "Three Thousand" vereint dann auf geniale Weise zeitgenössische Coolness, barocke Klänge und düster bebende Atmosphäre, "Hologram" offenbart in seiner kunstvoll barocken Experimentalität fast schon Ohrwurmqualitäten, mit "Attack Music" liefern sie stampfenden, apokalyptischen RnB, "Fire Power" verstört mit düster treibender Atmosphäre und tribalen Beats und "White Chrods" gelingt als großartige, melancholisch verklärte Hymne. Ein überragendes Album hat die Band hier abgeliefert. Melancholisch, dunkel, höchst künstlerisch und authentisch! Der Musikexpress bezeichnet es als die "2010er-Reunion von Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band" - und sie haben hier eine Musik geschaffen, die die Macht hat, die aktuelle englische Musikszene in ihren Grundfesten zu erschüttern.
* * * * *1/2
Oft vermag der zeitgenössische amerikanische RnB zu langweilen! Doch er ist immer wieder für Überraschungen gut - und liefert mit dem Debüt von Keri Hilson womöglich DIE Überraschung der Saison 2009/10!
Vor dem Beginn ihrer Solokarriere fiel Keri Hilson vor allem als Songwriterin und Produzentin auf! So war sie etwa für Britney Spears' einstigen Comeback-Hit "Gimme More" verantwortlich. Nach mehrfachen Kolaborationen mit Timbaland ("The Way I Are", "Scream") erschien ihr Debüt "In A Perfect World" erstmals im Frühjahr 2009, die nun in der "I Like - Edition" neuveröffentlicht wurde. Entgegen dem oft so üblichen RnB von der Stange (von hier aus schöne Grüße an Beyoncé: Wir warten noch immer auf ihr erstes gutes Album!), liefert sie hier eine Rige von Songs, die (gemessen am Genre) in punkto Abwechslung, Eingängigkeit und Style kaum zu übertreffen sind. Ob nun der saucoole, einnehmende RnB-Ohrwurm "Return The Favor" (feat. Timbaland), die relaxte, ohrwurmige RnB-HipPop-Nummer "Knock You Down" (feat. Kanye West & Ne-Yo), die leidenschaftliche und zurückgelehnte Soul-Pop-Perle "Slow Dance", das 80s-infizierte und schwelgerisch warme "Make Love", das orientalisch geflavourte "Intuition", der einnehmend melodische RnB-Dance-Pop-Ohrwurm "How Does It Feel", das getragene, intensive "Tell Him The Truth", der großartige, gefühlvolle und veritable Ohrwurm "Change Me" (feat. Akon), oder die melodische und mitreissende Dance-Soul-Pop-Kostbarkeit "Energy"! Als Bonus gibt es natürlich ihren absoluten Kracher: der Dance-Pop-Ohrwurm "I Like" - eine sowas von GROSSARTIGES Lied, das man nie für eine deutsche Produktion halten würde: geschrieben und produziert hat diesen Über-Hit niemand anderes als David Jost - ehemaliges Mitglied der 90er-Jahre-Boygroup Bed & Breakfast und ebenso verantwortlich für einige Songs von Tokio Hotel!!! Keri Hilson hat hier ein wunderbares Stück Pop gezaubert, das so manche Konkurrenz (wieder einmal einen schönen Gruß an Mrs. Knowles) qualitativ im Regen stehen lässt. Ironie des ganzen: die bereits 2 mal für den Grammy nominierte Keri Hilson kann ihre bislang größten Erfolge vor allem in Europa verzeichnen. Der große Durchbruch in den USA steht noch aus. Doch sie wäre nicht die erste die die USA von Europa aus eroberte! Verdient hätte sie es mit diesem famosen Album allemal!!!
* * * *1/2
Die wohl relevanteste und qualitativ konstanteste deutsche Gitarren-Band zaubert uns ein neues Album! Ihr neuntes - und vielleicht sogar ihr bestes!
Zuletzt sorgten Tocotronic, das Aushägeschild der "Hamburger Schule", im Jahr 2007 mit "Kapitulation" für Begeisteterung. Auch wenn das Album bei mir ein paar Hördurchläufe benötigte, so saß es irgendwann dann doch. Dieses Phänomen sollte sich bei ihrem neuen Werk "Schall und Wahn" allerdings nicht wiederholen. Schon nach dem ersten Genuss wird klar, das die Band hier noch etwas viel größeres, gewaltigeres und persönlicheres geschaffen hat. Das wird schon beim fulminanten Start in das Album klar: "Eure Liebe tötet mich" beginnt als melancholisch atmosphärisch getragene Perle, die sich im Laufe seiner 8 Minuten Spielzeit in einen mitreißend epischen Wall-Of-Sound steigert. Dieses Album treiben die Gegensätze an - begleitet von Dirk von Lowtzow's intelligenten Slogans, die er erneut mit voller Inbrunst vorträgt. In "Ein leiser Hauch von Terror" frönen sie treibend hymnsichem Indie-Rock, "Die Folter endet nie" gelingt als wunderbare Indie-Pop-Kostbarkeit, mit "Das Blut an meinen Händen" erschaffen sie eine von völlig kitschfreien Streichern untermalte, erhabene Ballade, die unter die Haut geht, auf "Mach es nicht selbst" (mit dem genialen Zitat:"Wer zuviel selber macht wird schließlich dumm - ausgenommen Selbstbefriedigung.") ergötzen sie sich an gewitztem Indie-Rock mit Ohrwurmqualitäten jenseits des Formatradios, der Titelsong "Schall und Wahn" weiß in seiner federleicht getragenen, feinen Melancholie und seiner einnehmenden Atmosphäre mehr als zu überzeugen, als anrührender, nackter Folksong kommt die wunderbare Ballade "Im Zweifel für den Zweifel" daher, mit "Keine Meisterwerke mehr" spielen sie atmosphärisch untermauerten Pomp-Rock auf höchstem Niveau und mit der treibenden Hardcore-Idee "Stürmt das Schloss" rennen sie gegen traurige Veranstaltungen wie Deutschland sucht den Superstar an! Ein äußerst überzeugendes, eher eindringlich intensives und einnehmendes Werk ist ihnen mit "Schall und Wahn" gelungen. Abschließend fällt mir nichts besseres ein, als den Musikexpress zu zitieren:
"Mit das Beste an diesem Album: Die Gewissheit das danach nichts mehr kommen kann - und das dann doch wieder was kommen wird!"
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Die heldenhaften Elektro-Pop-Nerds aus London kommen mit ihrem 4. Album um die Ecke - und liefern eine butterzarte Hommage an den Synthie-Pop!
Schon seit ihrem Debüt im Jahr 2004 arbeiten die begnadeten Herren von Hot Chip mit Erfolg daran, dem Elektro-Pop seine Seele zurück zu geben. Mit "One Life Stand" schreiben sie nun das bereits 4. Kapitel, und liefern womöglich das Album, das den meisten Pop-Appeal bietet. Ein klein bisschen weniger tanzbar als der Vorgänger "Made In The Dark", ein bisschen mehr Pet Shop Boys, ein Minus an "Sperrigkeit" und ein Plus an seelenschmelzenden Harmonien, die das Herz vor Freude hüpfen lassen. Schon der Opener "Thieves In The Night" schließt dich in die Arme und tänzelt mit dir direkt hinein in eine bunte Welt perlender Melodien - und führt gleich zum melodisch famosen "Hand Me Down Your Love", das von Piano und Streichern gewürzt, eine wunderbare Pop-Ode abgibt. Während sie dann mit dem von Synthie-Streichern in bunten Farben gemalten "I Feel Better" das Versprechen des perfekten Pop-Songs einlösen. Titelsong und erste Single "One Life Stand" überzeugt als Synthiepop-Kracher, der so manchen 80er-Helden vor Neid erblassen lässt, "Brothers" gefällt sich als zu Herzen gehender, schwebend tänzlender Dream-Pop der die Seele streichelt und "Slush" kommt als zärtlich ausformulierte Popballade des Weges. Ein wunderbares Stück synthetisch verzierter Pop mit Herz und Seele. Hiermit entfernen sie sich immer zwar immer weiter von dem was sie einst waren. Aber sie nehmen uns nichts weg - sie geben uns so viel mehr!
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Wer es denn zulässt, den macht dieses berauschende Stück Pop schier besoffen vor Glück!
Die feinste Musik dieser Tage kommt bekanntlich vermehrt aus dem vereinten Königreich. Doch mehr und mehr entwickelte sich in den vergangenen Jahren New York zum kreativen Ballungszentrum, der den englischen Kollegen einiges entgegenzusetzen weiß. Mit Vampire Weekend, MGMT oder TV On The Radio, befinden sich Yeasayer dort in vortrefflicher Gesellschaft. Schon ihr 2007 erschienenes Debüt "All Hour Cymbals" wusste seinerzeit die Kinnladen von Psychedelic-Hippie-Pop-Fans runterkrachen zu lassen. Nun legen sie ihr brandneues Zweitwerk vor. Hier vollziehen sie einen Wandel, der die popige catchyness von Frankie Goes To Hollywood, mit feinem Glam, melodischer Psychedelia und zum tanzen verführenden Synthezisern vereint, und drehen uns eine fette, oszilierende Tüte voller Hits und Gegensätze! Doch genau das ist nötig um eine Pop-Platte zu machen, die einem etwas länger im Fell hängen bleibt. Kommt der Opener "The Children" noch als psychedelischer Freak-Pop mit spukig verzerrtem Gesang daher, zerrt einen das folgende "Ambling Alp" direkt auf den Dancefloor - und zieht mit catchy Synthies, unwiderstehlicher Meoldie und Falsettgesang sämtliche Popregister! Über dem atmosphärisch getragenen, famos einnhemenden "Madder Red" schwebt der Geist der 90er, der psychedelisch schillernde Pop-Trip "I Remember" lässt den Dopaminspiegel in die Höhe schnellen und "O.N.E." offenbart sich als mitreissendes Glaubensbekenntnis an den Synthiepop! All das und noch viel mehr lässt sich auf diesem wunderbaren Pop-Gemälde entdecken. Ein feistes Stück Prog-Pop, das schon zu Jahresbeginn die musikalische Latte für 2010 ordentlich hoch legt! It's Pop As Pop Can Be!!!
* * * * *1/2